In der vorliegenden Arbeit werden Versuche angestellt, sich der soziologischen, sozialpolitischen und sozialrechtlichen Lage der heterogenen Zielgruppe der psychisch erkrankten Menschen anzunähern.
Vor dem Hintergrund dieses Schwerpunkts erscheint die Thematik besonders interessant: Inwiefern sind psychisch kranke Menschen, von der intensiveren Auseinandersetzung mit ihren spezifischen Krankheitsbildern einmal abgesehen, von sozialer Ungleichheit und Diskriminierung betroffen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen postmodernem Wandel und der Entstehung psychischer Erkrankungen? Welche Stellung haben Betroffene im Sozialrecht und wie geht die Sozial- bzw. Gesundheitspolitik mit genannter Zielgruppe um?
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
1.1) Aktuelle Relevanz des Themas „Psychische Erkrankungen“
1.2) Ziel der Arbeit
1.3) Aufbau der Arbeit
2) Begriffsannäherung „Psychische Erkrankungen“
3) Psychisch Kranke im Fokus der Soziologie und der sozialen Ungleichheit
3.1) Psychische Erkrankungen im gesellschaftlichen Wandel
3.2) Stigmatisierung und Diskriminierung psychisch kranker Menschen
4) Psychisch Kranke als Zielgruppe der Gesundheitspolitik
4.1) Akteure, Steuerungsebenen und Prinzipien der Gesundheitspolitik
4.2) Zielbereiche der Gesundheitspolitik im Hinblick auf das psychiatrische Versorgungspanorama
5) Rechtliche Grundlagen
5.1) Das neunte Sozialgesetzbuch (SGB IX) – Rehabilitation und Teilhabe (psychisch) behinderter Menschen
5.2) Auszüge des Betreuungsrechts psychisch kranker Menschen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB)
5.3) Die Neuregelung des Betreuungsrechts bei Zwangsbehandlungen
6) Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der Situation psychisch erkrankter Menschen im Schnittfeld von Soziologie, Sozialpolitik und Sozialrecht. Das Hauptziel ist es, die spezifischen Lebenslagen dieser Zielgruppe zu beleuchten, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Diskriminierungsformen zu analysieren sowie die rechtlichen Grundlagen der Versorgung und Teilhabe – insbesondere in Bezug auf Betreuungsrecht und Zwangsbehandlungen – kritisch zu untersuchen.
- Soziale Ungleichheit und Diskriminierung psychisch kranker Menschen
- Gesellschaftlicher Wandel und die Auswirkungen auf psychische Gesundheit
- Strukturen und Akteure der Gesundheitspolitik im psychiatrischen Versorgungspanorama
- Rechtliche Grundlagen zur Rehabilitation und Teilhabe (SGB IX)
- Regelungen des Betreuungsrechts und aktuelle Debatten zur Zwangsbehandlung
Auszug aus dem Buch
3.2) Stigmatisierung und Diskriminierung psychisch Kranker
Erving Goffman führte den Begriff des Stigmas in den soziologischen Diskurs ein. Von einem Stigma wird im übertragenen Sinne gesprochen, wenn die Identität eines Menschen nicht den normativen Erwartungen und damit auch nicht den erwarteten Vorstellungen seiner Umwelt entspricht. Hierbei geht es jedoch nicht um das Attribut an sich, sondern um dessen negative Interpretation und Definition. Davon abgeleitet ist für Goffman das Stigma auch die „Situation des Individuums, das von vollständiger sozialer Akzeptierung ausgeschlossen ist“ (Vgl. Goffman 1967 in Cloerkes 2007, S. 169).
Eigenschaften und Verhaltensweisen von Betroffenen, die sich der Aufmerksamkeit in negativer Hinsicht aufdrängen, werden als „Andersartigkeit“ bewertet. Grundsätzlich wird nach Goffman zwischen drei Stigmata-Typen differenziert: Physische Deformationen (z.B. Körperbehinderungen), individuelle Charakterfehler (z.B. geistige Verwirrung, Sucht, Gefängnishaft) und phylogenetische Stigmata (z.B. Rasse, Nation, Religion). Psychisch Kranke sind ergo dessen zweitem Punkt zuzuordnen. Stigmatisierung erfolgt als Verhalten, während das Stigma per se zunächst nur auf der Einstellungsebene wirkt. Die Rechtfertigung der Diskriminierung eines Menschen erfolgt durch die Stigma-Theorie, „einer Ideologie, die ihre Inferioritäten und die Gefährdung durch den Stigmatisierten nachweisen soll“ (Vgl. Goffman 1967 in Cloerkes 2007, S. 170).
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Diese Einleitung stellt die Relevanz des Themas psychische Erkrankungen dar, definiert die Ziele der Arbeit und erläutert den strukturellen Aufbau der Untersuchung.
2) Begriffsannäherung „Psychische Erkrankungen“: Dieses Kapitel nähert sich dem schwierigen Begriff der psychischen Erkrankung aus medizinischer und rechtlicher Perspektive an und erläutert die Bedeutung seelischer Behinderung.
3) Psychisch Kranke im Fokus der Soziologie und der sozialen Ungleichheit: Hier werden die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf das psychische Wohlbefinden sowie Formen der Stigmatisierung und Diskriminierung beleuchtet.
4) Psychisch Kranke als Zielgruppe der Gesundheitspolitik: Dieses Kapitel analysiert die komplexen Steuerungssysteme und Akteure im Gesundheitswesen sowie die gesundheitspolitischen Ziele bei der Versorgung psychisch Kranker.
5) Rechtliche Grundlagen: Dieser Teil befasst sich mit den sozialrechtlichen Rahmenbedingungen für Rehabilitation und Teilhabe sowie mit dem Betreuungsrecht und der Neuregelung von Zwangsbehandlungen.
6) Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, psychische Probleme nicht nur individuell zu sehen, sondern auch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Schlüsselwörter
Psychische Erkrankungen, Soziale Ungleichheit, Stigmatisierung, Diskriminierung, Gesundheitspolitik, Rehabilitation, Teilhabe, SGB IX, Betreuungsrecht, Zwangsbehandlung, Soziologie, Psychiatrische Versorgung, Soziale Arbeit, Prävention, Lebenslauf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Lebenssituation von psychisch erkrankten Menschen unter Berücksichtigung soziologischer, sozialpolitischer und sozialrechtlicher Aspekte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Schwerpunkte sind die gesellschaftliche Stigmatisierung, die Rolle der Gesundheitspolitik bei der Versorgung sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen der Teilhabe und Betreuung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für die Dimensionen zu entwickeln, die das Leben und die Versorgung von psychisch kranken Menschen in Deutschland maßgeblich beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Auswertung aktueller Fachliteratur, medizinischer und sozialwissenschaftlicher Studien sowie eines Experteninterviews mit einer Kliniksozialarbeiterin.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die soziologische Perspektive (Wandel und Stigma), die gesundheitspolitische Steuerung und die rechtlichen Grundlagen (SGB IX und BGB).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind psychische Erkrankungen, Stigmatisierung, Gesundheitspolitik, Rehabilitation und Betreuungsrecht.
Welche Rolle spielt das neue Betreuungsrecht für die Betroffenen?
Es dient dem Schutz und der Stärkung der Selbstbestimmung, steht aber insbesondere bei Fragen der Zwangsbehandlung in der Kritik.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Sozialen Arbeit?
Die Arbeit plädiert für eine kritische Soziale Arbeit, die Zusammenhänge zwischen individuellen Problemen und gesellschaftlichen Strukturen aufzeigt und die Selbstwirksamkeit der Klienten stärkt.
- Arbeit zitieren
- Nicole Frank (Autor:in), 2013, Die soziologische, sozialpolitische und sozialrechtliche Dimension psychisch kranker Menschen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263339