Medienkompetenz von Jugendlichen anhand einer Gruppendiskussion zum Thema "U20 - Deutschland deine Teenies"

Eine Forschungsarbeit zur Überprüfung von Selbstsozialisationsprozessen mit Medientexten in Peer Groups


Diplomarbeit, 2010

106 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Teil 1: Die Grundlagen
2.1. Die Generation Medienjugend
2.2. Jugendmedienforschung
2.2.1. Die Entwicklung der Medienforschung
2.2.2. Parasoziale Interaktion – Figuren, Personen und Rahmen
2.2.3. Uses-and-Gratification Approach
2.2.4. Die Position der Cultural Studies
2.2.5. Identitätsfindung als Lebensaufgabe – Die Frage nach der Sozialisation
2.2.6. Zusammenfassung
2.3. Das Medium Fernsehen und seine Bedeutung für die heutige Jugend
2.3.1. Die aktuelle Programmlandschaft
2.3.2. Exkurs: Fernsehprogrammanalyse der Sender ProSieben, RTL und MTV.
2.3.3. Das Echte Leute Fernsehen: Reality TV.
2.3.4. Die Fernsehserie „U20 – Deutschland deine Teenies“
2.3.5. Zusammenfassung
2.4. Begriffsdefinition: Medienkompetenz
2.4.1. Der Kompetenzbegriff
2.4.2. Nach Dieter Baacke
2.4.3. Die gemeinsamen Schnittpunkte in der Vielfalt moderner Definitionen
2.4.4. Medienkritik als übergreifende Dimension von Medienkompetenz
2.4.5. Selektion von Teilaspekten des Medienkompetenzbegriffs zur Schaffung einer für diese Arbeit gültigen und hinreichenden Definition

3. Teil 2: Erforschung des Themenfeldes
3.1. Gruppendiskussion als qualitative Forschungsmethode
3.1.1. Die dokumentarische Methode als Auswertungsverfahren
3.2. Der Aufbau der Forschung – Vorbereitungen und Hypothesen
3.2.1. Zur Auswahl einer exemplarischen Folge „U20 – Deutschland deine Teenies“
3.2.2. Die Zusammensetzung der Diskussionsgruppen
3.2.3. Das Setting
3.2.4. Die Konzeption der Gruppendiskussion
3.3. Der Ablauf der Forschung – Resümee der Ereignisse
3.3.1. Erfahrungsbericht - Die Verfügbarkeit Jugendlicher als Forschungsteilnehmer
3.3.2. Vorstellung der Diskussionsgruppen und Bezeichnung klarer Differenzen
3.3.3. Formale Interpretation der einzelnen Gruppendiskussionen
3.3.3.1. Gruppe 1 – „U20“. 69
3.3.3.2. Gruppe 2 – „Deutschland“. 73
3.3.3.3. Gruppe 3 – „Teenies“. 82
3.3.4. Vergleich der drei Gruppen auf Grundlage der formalen Interpretationen
3.4. Die Auswertung der Forschung – Ergebnisse der Diskussionsgruppen
3.4.1. Dokumentarische Interpretation der einzelnen Gruppendiskussionen
3.4.1.1. Gruppe 1 – „U20“. 89
3.4.1.2. Gruppe 2 – „Deutschland“. 93
3.4.1.3. Gruppe 3 – „Teenies“. 95
3.4.2. Komparative Analyse und Typenbildung

4. Teil 3: Zusammenführung der Arbeitsteile (Fazit)

5. Literaturverzeichnis
5.1. Fachliteratur
5.2. Internetquellen

1. Einleitung

Wir leben heute in einer Welt, in der digitalen Medien eine enorme Bedeutung zukommt. Fernseher und Computer sind aus einem normalen Haushalt nicht mehr wegzudenken und das Handy ist als multifunktioneller Wegbegleiter ständig präsent. Nicht nur in der Freizeit, sondern auch zunehmend in Ausbildung und Beruf, nehmen digitale Medien einen hohen Stellenwert ein. Diese Beobachtung ist sowohl durch einen persönlichen Blick in den Alltag zu verifizieren, als auch durch die JiM-Studie in den letzten Jahren durchweg empirisch bestätigt worden. So kann der komplette Einkauf via Mausklick oder Teleshopping ausgeführt werden, eine Konferenz mit Mikrofon und Webcam über viele Kilometer hinweg überbrückt und die aktuellsten Informationen zu jedem erdenklichen Thema über das Fernsehen oder das Internet, zu weiten Teilen selektiv, bezogen werden. Selbst körperliche Betätigung kann schon in einem simulierten Setting, über eine Spielekonsole, betrieben werden.[1] Die Vielfalt von Möglichkeiten und auch von Medien selbst eröffnet völlig neue und individuelle Handlungsräume für den Menschen.

Die Kehrseite der Medaille ist hingegen, dass die Selektion von Medien und das Nutzbarmachen ihrer Inhalte, sowie das Schritthalten innerhalb ständiger Neuerungen, Anforderungen an den einzelnen stellen bzw. ihm Kompetenzen abverlangen, die zuvor auf dem Weg der Sozialisation erworben werden müssen. Diese Kompetenzen werden in der öffentlichen Diskussion zumeist als Medienkompetenzen spezifiziert und sind nach allgemeinem Konsens heute Schlüsselqualifikationen zu gesellschaftlicher Partizipation. Gerade junge Personen stehen unter dem Druck, Medien als selbstverständliche Werkzeuge in ihrem Leben zu nutzen. Als „Digital Native“ (Prensky 2001) genießen sie einen gewissen Vorteil gegenüber der Erwachsengeneration im Umgang mit digitalen Medien und doch bekunden einige Medienkritiker, dass der Umgang Heranwachsender mit Medien sehr wohl auch Risiken birgt, was einer Legitimation pädagogischer Intervention zur Förderung von Medienkompetenzen gleich kommt. Nicht zuletzt ist aber auch die Kritik am selbstinitiierten Umgang Heranwachsender mit Medien ein Grund, einen wissenschaftlichen Blick in ihre Lebenswelt zu werfen.

Da der Begriff Vielfalt soeben bereits auf die Medienlandschaft als solche angewendet wurde, beschränkt sich diese Arbeit auf den Bereich des Fernsehens, um sich weniger an einer reinen Übersicht aufzuhalten, als einen tiefer gehenden Einblick in ein gezieltes Themenfeld zu erreichen. Das Ziel der Arbeit soll sein, in Bezug auf das Fernsehen, im speziellen das Genre des Reality TV am Beispiel der Fernsehsendung „U20 – Deutschland deine Teenies“ (ProSieben), das Mediennutzungsverhalten von jugendlichen Peer Groups aufzudecken, um Aussagen herleiten zu können, die zum einen auf die vorhandene Medienkompetenz der Jugendlichen schließen lassen, zum anderen die Funktion des Fernsehers als „Sozialisationsagenten“ (Tillman 2001) anhand von beispielhaften Gesprächspassagen verdeutlichen.

Hierzu ist die Arbeit in drei große Themenabschnitte gegliedert. Der erste Teil umfasst die Grundlagen des Themenfeldes als methodisches und wissenschaftlich-informatives Fundament. Die Vorstellung der Grundlagen erhebt dabei an keiner Position den Anspruch von Vollständigkeit. Vielmehr ist es das Ziel, Fakten darzustellen, die sich konkret auf den Gegenstand der Forschung beziehen und innerhalb der Gruppendiskussion reflexiv wiederfinden lassen. So sind beispielsweise Mediensozialisationstheorien ausgewählt worden, die sich konkret auf den Bereich des Reality TV anwenden lassen und somit in die Auswertung einbezogen werden können. Weiter bezieht sich der gesamte Inhalt der Arbeit nur auf den Bereich des Fernsehens. Sofern nicht zusätzlich erläutert, sind alle Erkenntnisse der Medienforschung auf das Medium Fernsehen hin zugeschnitten, was an manchen Stellen möglicherweise Auslassungen zu Gunsten des Fokus der Arbeit zur Folge haben kann.

Nach einer Vorstellung der Merkmale unserer heutigen Zeit und den veränderten Anforderungen an die Jugend (2.1.), werden Erkenntnisse aus der Medienforschung vorgestellt (2.2.), um zu verdeutlichen, welche Bedeutung dem Fernseher in der Lebenswelt von Jugendlichen zukommt und welche Potentiale im Umgang mit diesem Medium zu finden sind. Konkret wird der Frage nachgegangen, welchen Einfluss der Fernseher auf dem Weg der Sozialisation haben kann und auf welchen Weg dieser Einfluss nachvollzogen werden kann. Dabei geht es schwerpunktmäßig auch um die Bewältigung der Identitätsfrage von Jugendlichen, die in der heutigen Zeit eine große Rolle spielt. Im Folgenden wird dem Medium selbst erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt. In Abschnitt 2.3. soll zunächst ein Blick in die aktuelle Programmlandschaft vorgenommen werden, um die Relevanz des Genres Reality TV zu unterstreichen. Nachdem dies geschehen ist, wird das Genre selbst dekonstruiert, um die Kernelemente und Funktionen dieses Formats aufzudecken, worauf die Spezifizierung auf die Sendereihe „U20 – Deutschland deine Teenies“ erfolgt. Letztendlich wird eine Definition von Medienkompetenz erstellt (2.4.), die es innerhalb der Gruppendiskussion zu prüfen gilt.

Teil 2 der Arbeit beschäftigt sich mit den Erkenntnissen verschiedener Gruppendiskussionen, welche im Verlauf der Arbeit durchgeführt wurden. Hierzu wurde den Teilnehmern eine repräsentative Folge der Sendung „U20 –Deutschland deine Teenies“ gezeigt. Im Anschluss wurden die Teilnehmer gebeten, untereinander die für sie wichtigen Szenen zu besprechen,

mit dem Ziel, die gruppeninterne Verarbeitung des gezeigten Materials zu prüfen, um möglicherweise Rückschlüsse auf die Rezeptionsweise der Teilnehmer ziehen zu können, sowie milieuspezifische Rezeptionsstile zu erkennen. Die Gruppen werden in diesem Zusammenhang als in sich geschlossene Systeme betrachtet, was einen analytischen Blick auf die Teilnehmer als Individuen unmöglich macht. Die Erkenntnisabsicht liegt vielmehr innerhalb des Vergleichs der Gruppen, die sich in ihrer Zusammensetzung voneinander abgrenzen. Die Auswertung erfolgt dabei auf Grundlage der dokumentarischen Methode.

Den Abschluss der Arbeit bildet die Verknüpfung von Grundlage und Forschung (Teil 3). An dieser Stelle wird ein Versuch unternommen, konkrete Aussagen auf die Medienkompetenz der einzelnen Gruppen zu treffen. Hierzu werden die zuvor festgelegten Kriterien von Medienkompetenz im Hinblick auf die Selbstsozialisation am Medium Fernsehen auf konkrete Diskussionspassagen angewendet und die zuvor hergeleiteten Typisierungen der Gruppen untereinander verglichen. So kann von einem mehr oder weniger medienkompetenten Umgang in der Situation der Gruppendiskussion gesprochen werden, was die Forderung nach erhöhter Medienkompetenzförderung im einzelnen Fall bestätigt oder entkräftet.

2. Teil 1: Die Grundlagen

2.1. Die Generation Medienjugend

Das Verständnis von Jugend muss immer vor einem gesamtgesellschaftlichen Hintergrund betrachtet werden, der diese Lebensphase erst ermöglicht. Daher erweist es sich als sinnvoll, zunächst einen Blick auf die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre zu werfen, um sich dem heutigen Verständnis von Jugend historisch zu nähern. Bezug nehmend auf Fend (1988) beschreibt Süss (2004), dass sich der Mensch heute in einer Epoche befindet, die als Folge der Moderne verstanden werden muss. Die Post-Moderne ist eine Epoche, in welcher sich der Mensch speziell den hedonistischen Aspekten des Lebens zuwendet und die Suche nach persönlicher Erfüllung kultiviert (Süss 2004, S. 44). Während die Moderne noch stark an den Traditionen der Vormoderne bzw. an einem christlich-abendländischem Wertekatalog orientiert war, öffnen sich die Muster der Lebensstilgestaltung in der Postmoderne nach einem „alles-ist-möglich“-Prinzip. Der pluralistische Kerngedanke dieser Epoche durchzieht jeden Bereich gesellschaftlichen Lebens von Erziehung, Beziehung und Familienplanung über Sexualität und Aussehen bis hin zur Berufs- und Wohnortswahl. Hierbei steht alles unter dem Aspekt, sich selbst zu finden und auch zu erfinden. Im Kontrast zur Moderne rückt der Gedanke globaler Verantwortung aus dem Blickfeld (ebd.). Einer der Gründe für diese Entwicklung kann im sich verändernden sozioökonomischen Umfeld der Menschen liegen, welches die Werteprioritäten einer Gesellschaft in starker Weise mitbestimmt (ebd. S. 45). Nachdem die Industrialisierung von vielen Menschen das Verlassen des Heimatortes forderte und die Umorientierung in neue Berufszweige einleitete, war eine Angst um die eigene Existenz eine verständliche Folge. Hinzu kam eine Vernetzung der Welt, die ein völlig neues Wir-Gefühl an die Menschen herantrug, da nun die gesamte Welt miteinander in Verbindung zu stehen schien. Die Mangelhypothese besagt, dass eine Ware hoch bewertet wird, welche in geringem Maß zur Verfügung steht. Ein Beispiel: Befindlich in existentieller Not durch den Aufbruch aus dem hineingeborenen Umfeld und die unmittelbaren Kriegserfahrungen, war die soziale und ökonomische Sicherheit ein seltenes Gut, welchem zur Zeit der Industrialisierung hohe Aufmerksamkeit zukam. Heute sind jegliche materiellen Güter durch das Internet in potentieller Reichweite. Deutschland wird mit Recht als Industrienation bezeichnet und ist von keinem Notstand betroffen. Die meisten Industriestaaten befinden sich in einem gemeinsamen Bündnis. Auch der finanzielle Ruin ist durch ein festes Sozialsystem in der Bundesrepublik eher eine Ausnahmeerscheinung.

„So ist der Wandel von der modernen zur postmodernen Gesellschaft dadurch gekenn-zeichnet, dass der Wohlstand für die große Menge der Bevölkerung gesichert wurde und man sich in der Folge der Lebensqualität und der Selbstverwirklichung zuwenden konnte.“

(Süss 2004, S. 45)

Zu diesem Gedanken lässt sich hinzufügen, dass die heutige Jugendgeneration einen selbstverständlichen Anspruch an ihre momentanen Lebensverhältnisse erhebt (Sozialisationsthese), was den Willen zu globaler Veränderung der gesamtgesellschaftlichen Situation stark einschränkt und den Fokus auf die eigene Person d. h. die Verwirklichung des Selbst richtet (ebd.). Individualisierung und Pluralisierung sind die Schlagwörter der Postmoderne. Die Erschaffung einer eigenen Identität ist heute flexibler und ausdifferenzierter als jemals zuvor, da sich der Mensch auf einem Markt von möglichen Lebensstilen frei bedienen kann. Dies suggeriert auf der einen Seite scheinbar grenzenlose Freiheit, auf der anderen Seite erhöhen sich die Anforderungen an den Einzelnen, bei seiner eigenen Lebensgestaltung die richtige Wahl zu treffen. Damit beinhaltet eben diese Freiheit auch einige Risiken, da das Subjekt für jede seiner sozialen Rollen ein passendes Selbstkonzept konstruieren und aufrecht erhalten muss (Mikos 2004, S. 161).

Für die Erziehung bedeutet dies ebenfalls eine Verunsicherung der Eltern. Es ist nicht klar, welches Erziehungsziel – wenn es überhaupt eines gibt – die Handlungsmaxime darstellt. Süss beschreibt die elterliche Haltung als eine oftmalige Einschränkung auf den „kleinsten gemeinsamen Nenner“ (Süss 2004, S. 71). Hiermit ist eine ausschließliche Intervention der Eltern bei eindeutiger Devianz der Kinder gemeint. Liegen keine Anzeichen abweichenden Verhaltens vor, erhalten die Kinder viele Freiheiten bei ihrer eigenen Lebensgestaltung. Dieser Umstand jedoch, welcher sie zur Selbstsozialisation in hohem Maße veranlasst, erfordert zur Bewältigung eine Reihe von Kompetenzen (ebd.). Das Kind muss in der Lage sein, die Entwicklungsaufgaben zu einem erheblichen Teil selbst zu bewältigen. Diese lassen sich für die Jugendphase in fünf wesentliche Bereiche einteilen:

- Körperlichkeit, Sexualität,
- Identitätsbildung,
- Reorganisation sozialer Beziehungen,
- Zukunftsorientierung,
- sowie Auseinandersetzung mit kulturellen und weltlichen Themen

(Bundesministerium für Familie (Hg.) 2005, S. 191)

Es wird zusehends wichtiger für das Subjekt ein eigenes Ich-Konzept losgelöst von der Kernfamilie zu etablieren und sich als Individuum wahrzunehmen. In den 1950er oder 60er Jahren bestimmte das unmittelbare Lebensumfeld (speziell der sozioökonomische Status der Eltern) die Identitätsentwicklung in hohem Maße. Mit der Vernetzung der Welt und der Verbreitung von Informationen über verschiedene Medien, gepaart mit dem benannten Pluralismus des 21. Jahrhunderts, ist der „Identitätsmarkt“, auf dem sich Heranwachsende bedienen können, heute um ein Vielfaches größer (Ganguin/Sander 2008, S. 422). Dabei ist unter der Identität eines Menschen ein Selbstkonzept zu verstehen, mit Hilfe dessen sich der Mensch von anderen Menschen in verschiedenen Situationen konstant unterscheidet, wobei anhand einzelner Merkmale die Wiedererkennung der Person als sie selbst gewährleistet ist (ebd.). Die Konstruktion von Identität erfolgt heute patchworkartig in einer Art Bastelarbeit, in der der Jugendliche verschiedene Angebote zur Entwicklung der eigenen Biographie prüft und verwendet bzw. verwirft oder umwandelt. Dabei ist der Jugendliche von verschiedenen Sozialisationsinstanzen beeinflusst. Bestimmten in der Kindheit noch das Elternhaus, der Kindergarten (später Schule) und die Medien das aufwachsen, so kommt in der Jugend der Faktor Peer Group mit gleichem Gewicht hinzu (Mikos 2004, S. 158). Alle Bereiche haben Einfluss aufeinander, wie auch auf den Heranwachsenden und die Bewältigung seiner Entwicklungsaufgaben und gehören zum Alltag des Individuums selbstverständlich dazu. Abgesehen von der Beschäftigung mit Medien, stehen in diesem Alltag das Treffen von Freunden, sowie das Betreiben von Sport auf den oberen Plätzen jugendlicher Freizeitgestaltung (Kuteroff 2008, S. 6). Jedoch sind Medien ein wichtiges – kaum mehr zu beseitigendes – Element des Alltags. Sie gehören zum Weltbild Jugendlicher hinzu und dienen zugleich als Werkzeuge, sich diese Welt zu erschließen, anzueignen und zu konstruieren. So wird der Internetbrowser oder der Fernseher zu einem Fenster zur Welt und lässt den jungen Menschen in Bereiche vordringen, die in seiner unmittelbaren Umgebung nicht greifbar sind.

Es ist selbstverständlich, dass dem Fernseher im Jahr 2009 nicht mehr eine derartige Vormachtstellung in der Medienlandschaft eingeräumt werden darf wie noch vor zehn Jahren und dieser somit nicht mehr das Kernelement der Sozialisation durch und mit Medien darstellt. Rein statistisch besitzt „ein Haushalt mit Jugendlichen 3,8 Mobiltelefone, 2,5 Fernseher, 2,3 Computer, 2,1 Mp3-Player, jeweils 1,6 Digitalkameras und Internetanschlüsse sowie 1,1 Spielekonsolen“ (Kuteroff 2008, S. 8). Auch in der Nutzungsfrequenz hat der Computer den Fernseher eingeholt (ebd. S. 12). Aus diesen Daten lässt sich ableiten, dass sich das Medienangebot erweitert hat. Nicht herauszulesen ist hingegen ein Einflussverlust des Fernsehers an sich. Das Fernsehgerät gilt weiterhin als markantes Mittel der Freizeitgestaltung und ist ein alters- und bildungsunabhängiges, niedrigschwelliges Angebot, zu dessen Nutzung es keiner ausgeweiteten Fähigkeiten bedarf. Damit ist der Fernseher ein Medium, welches potentiell allen Menschen jeder Zeit zur Verfügung steht.

Die Inhalte enthalten für den Rezipienten „Sinnangebote und Verhaltensvorgaben […], die zur eigenen Identitätsarbeit beitragen können“ (Schwäbe 2003, S. 2009). Manche Meinungen gehen sogar so weit, zu sagen, „Jugendliche erfahren und ‚lernen‘ aus den Medien fast mehr als über die Schule und das Elternhaus“ (Treumann et al. 2007, S. 28). Tatsächlich ist aber davon auszugehen, dass Medien (in diesem Fall das Fernsehen) einen erheblichen Anteil an der Sozialisation von Jugendlichen ausmachen bzw. mitbestimmen. Speziell für den oben beschriebenen Fall der notwendigen Selbstsozialisation sind Medien selektiv nutzbare Felder der Aneignung der Umwelt. Unter Aneignung wird allgemeinhin das Nutzen von Medieninhalten zur Konstruktion der eigenen Identität verstanden. Dies beinhaltet neben der Identifikation oder Übernahme auch jede andere Form, sich mit den Inhalten in ein Verhältnis zu setzen. Hinzu kommt, dass Medien sich in jedwede menschliche Beziehung einflechten lassen. Die subjektive Innenwelt wird über den Weg der Biografiearbeit mit Medien erreicht. Medien sind dabei gleichermaßen Thema als auch Modus der Kommunikation. Der Medienbesitz gibt überdies Aufschluss darüber, mit welchen Menschen man mit Vorliebe verkehren möchte (Prestigewert von Objekten, Szenezugehörigkeit, etc.). Die „Welt der Dinge und Ereignisse“ wird in den Medien beispielsweise durch die Berichterstattung in Nachrichtensendungen oder die Darstellung von Fakten in Reportagen oder Dokumentationen eröffnet (Bachmair 2007, S. 127). Medienhandeln wird so zum sozialen Handeln: das Individuum macht mit Hilfe der Medien Erfahrungen und konstruiert bzw. prüft und ermittelt Werteorientierungen, welche in die sozialen Interkationen eingehen. Der Mensch durchsucht die Medien nach zur Aneignung nützlichen Elementen zur Etablierung des Selbst in der Gesellschaft (Theunert/Schorb 2004, S. 209f). „Medien, auch Massenmedien, sind und bleiben Träger und Transporteure von sozialisationsrelevanten Orientierungen“ (ebd. S. 215). Auf welche Weise diese Orientierungen interpretiert werden, hängt dabei auch vom kulturellen Hintergrund des Rezipienten ab.

Festzuhalten bleibt doch, dass gerade die Jugendphase gekennzeichnet ist durch eine Suche nach „sozialisationsrelevanten Orientierungen“, sei es mit dem Ziel der Identitätsentwicklung, der Ausbildung von Zukunftsperspektiven oder der Entwicklung eines eigenen Verständnisses der gesellschaftlichen Verhältnisse. Als Sozialisationsagent erfüllen Medien eine wichtige Funktion. Wie sie jedoch von Jugendlichen genutzt werden, ist an dieser Stelle noch nicht geklärt. Festzuhalten bleibt, dass Medien im 21. Jahrhundert

1. ein Teil der Umwelt sind, welcher den Menschen vom Tag seiner Geburt an mit Reizen, Informationen und in materieller Gestalt selbstverständlich begegnet,
2. als Fundus kultureller, gesellschaftlicher und historischer Informationen dem Menschen ratschlagend zur Seite stehen, und
3. einen Kommunikationsstil ausbilden, mit dem Menschen sich in einer digitalen Welt begegnen können, was die Handlungsreichweite des Einzelnen deutlich potenziert (Theunert 2008, S. 301).

2.2. Jugendmedienforschung

Der Einfluss der Medien auf den Menschen erregt seit einiger Zeit auch das Interesse verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen. Medienforschung kann dabei als interdisziplinäres Feld betrachtet werden, zu dem unter Anderem kommunikationswissen-schaftliche, soziologische, psychologische aber auch pädagogische Zugänge möglich sind.

Martin Keilhacker spaltete in einem seiner Kerngedanken bereits 1968 unsere Welt in eine uns direkt Zugängliche und eine via Medien Vermittelte (Schorb 2008a, S. 57). Die uns direkt zugängliche Welt beinhaltet dabei Erfahrungen, die der Mensch selbst, ohne Medien, macht. Das Gegenstück ist eine in sich vernetzte Welt der unbegrenzten Möglichkeiten, welche hingegen über die Mediennutzung betreten wird (ebd.). Keilhacker erkannte dabei bereits, dass die Gesetzmäßigkeiten beider Welten Differenzen aufweisen. So ist es für den Weltenspringer unserer Zeit notwendig, neben dem Arsenal von Werkzeugen für die direkt zugängliche Welt, eine zusätzliche Ausstattung für das Begehen der Medienwelt zu erwerben (ebd.). Diese Erkenntnisse stehen zeitgeschichtlich weit am Anfang eines wissenschaftlichen Interesses am Umgang mit Medien und verweisen auf erste Gedanken in Bezug auf die Notwendigkeit von Medienkompetenz als eben diesem Werkzeugkasten. Seither haben sich die Meinungen und Herangehensweisen an den Gegenstand der Medien in der Wirkung auf den Menschen weit aufgefächert, lassen sich jedoch laut Süss (2004) in drei große Blöcke unterteilen. Süss selbst bezeichnet diese Blöcke als voneinander divergierende normative Positionen bezüglich des Verhältnisses von Mensch und Medien.

Die Position 1 stellen die Kulturpessimisten, welche vor allem die „möglichen negativen Einflüsse der Medien auf die Gesellschaft und die einzelnen Individuen“ im Blick haben (Süss 2004, S. 15). Die Medien wirken beeinflussend auf den passiven Menschen ein, lassen die Kindheit verschwinden (Postman 1982) und halten den Menschen als unmündiges Opfer in ihrem Bann. Sämtliche gesellschaftlichen Probleme und risikohaften Entwicklungen werden in die Schuld der Medien projiziert, wodurch diese eine für die Gesellschaft bedrohliche Rolle einnehmen. Neben Neil Postman (1982), lassen sich Marie Winn (1979) sowie der deutschsprachige Werner Glogauer (1988) als bekannte Vertreter nennen (ebd.).

Als „kritische Medien-Optimisten“ wird die Position 2 bezeichnet. Laut ihrer Überzeugung sind Medien ein nicht mehr wegzudenkender Teil der Kultur und des menschlichen Alltags. Daher wird kein Versuch unternommen, die Medien eindimensional als Sündenbock oder Erlöser darzustellen. Vielmehr liegt der Fokus darauf, die Medien in ihrer Vernetzung in Alltagserfahrungen und menschlichen Biografien zu untersuchen. „Der Umgang mit Medien wird zur Kulturtechnik“ (ebd., S. 16). Das Schlüsselwort und eines der Ziele der Sozialisation, laut Überzeugung dieser Position, ist die Medienkompetenz, welche das produktive Nutzen von Medien, auf den Seiten Konsument sowie Produzent, ermöglicht. Kritisch sind diese Medien-Optimisten deshalb, weil davon ausgegangen wird, dass der Erwerb der Medienkompetenz nicht in jedem Fall erfolgreich verläuft. Risikofaktoren bedingen eine mangelhafte Ausbildung dieser Kompetenz, was wiederum die Etablierung pädagogischer Förderkonzepte notwendig macht. Zusammengefasst werden die Medien als Teil der Kultur verstanden, welches die Heranwachsenden, mit dem Ziel gesellschaftlicher Partizipation, erst benutzen lernen müssen. Zu den wichtigsten Vertretern zählen hier Christian Doelker (1989), Dieter Baacke (1997) und Ingried Paus-Haase (1998) (ebd.).

Die Position 3 stellen die „euphorischen Medien-Promoter“. Der kritische Aspekt fehlt dieser Gruppe völlig. Vielmehr werden die Medien als Segnungen glorifiziert, welche der Gesellschaft zu Wohlstand und Gerechtigkeit verhelfen, da jeder Mensch sich frei am unendlichen Informationsangebot bedienen kann, somit eine gesellschaftliche Chancengleichheit bereits errungen ist (ebd.).

Keine dieser Positionen kann ohne weiteres wiederlegt werden. Dennoch sind sie stark situativ bedingt. Es ist möglich, dass Medien einen Menschen negativ beeinflussen, oder aber auch diesem zu großem Erfolg verhelfen. Gleichzeitig lässt sich der Mittelweg vorstellen, bei dem Medien ein erst nutzbar zu machendes Potential von Möglichkeiten beherbergen. Dieser Fall lässt sich auch durch die bestehenden Forschungserkenntnisse am ehesten bestätigen. Den kritischen Medien-Optimisten kann insoweit Recht gegeben werden, als dass Medien nicht einseitig verteufelt oder hoch gelobt werden können. Es muss stets auch die Kehrseite betrachtet werden. Dies schließt auch Ausreißerwerte zu den extremeren positivistischen bzw. negativistischen Positionen mit ein. Die Haltung der hier an Position 2 eingeführten Gruppe kann als multidimensionales Konzept verstanden werden, was sich auch mit den Erkenntnissen der jüngeren Medienforschung – wie sich an späterer Stelle zeigen wird – deckt.

Der nun folgende Abschnitt soll einen Überblick über die Erkenntnisse der Medienforschung verschaffen und spezielle Aspekte und Theorien hervorheben, welche von Seiten der qualitativen Medienforschung besondere Zuwendung erhalten haben. In der Auswertung der Gruppendiskussionen sollen einzelne Aspekte der hier vorgestellten Theorien abgeglichen werden, um der Kernfrage dieser Arbeit, nach der Performanz von Medienkompetenz der einzelnen Gruppen, nachzukommen. So schreibt Helga Theunert als zentrale Frage qualitativer Medienforschung: „Was macht der Mensch mit den Medien, die er in Gebrauch nimmt, im Kontext und in Bezug auf seine soziale Umwelt?“ (Theunert 2008, S. 302) und führt das stets im Blickfeld zu haltende Dreieck von „Umwelt-Medien-Subjekt“ ein (ebd.). Hierbei liegt das Gewicht eindeutig auf der Eigenleistung des Subjekts, welches als Einflussfaktor selbst den Einflüssen der anderen Aspekte unterliegt. Eine andere Frage der Mediensozialisations-forschung richtet sich darauf, wie die Menschen den Umgang mit Medien lernen (Süss 2004, S. 65). Hierbei ist die Entwicklung von Medienkompetenz entscheidend. Gleichzeitig wird auch danach gefragt, inwieweit die Medien selbst die Sozialisationsprozesse der Menschen beeinflussen (ebd.).

Eröffnet wird der Abschnitt der Jugendmedienforschung mit einem Abriss über die Entwicklung der Medienforschung von einer empirisch untersuchten Wirkung der Medien bis hin zu einer qualitativ erfassten, subjektiven Aneignung von Medieninhalten. Nachdem ein grundsätzliches Verständnis der aktuellen Herangehensweise an den Gegenstand der Medien gegeben ist, sollen die aktuellen Annahmen der Medienforschung vom allgemeinen Konzept der parasozialen Interaktion bis hin zum ausdifferenzierten Ansatz der Cultural Studies vorgestellt werden. Am Ende steht eine Zusammenfassung der Erkenntnisse in Bezug auf die selbstinitiierte Identitätskonstruktion mit Hilfe der Medien, bei welcher viele der zuvor vorgestellten Theorien erneut ihre Anwendung finden.

2.2.1. Die Entwicklung der Medienforschung

Die Anfänge der Medienforschung sind gekennzeichnet durch ein passives Menschenbild. Der Mensch ist ein allgemein durch den Fernseher beeinflusstes Wesen, welches in kausaler Weise auf die ihm dargebotenen Inhalte reagiert. Das Subjekt bleibt dabei wehrlos den Wirkungen des Mediums ausgesetzt. Hierbei orientierte sich die frühe Medienforschung stark am Stimulus-Response-Schema (Kutschera 2001, S. 25f). Anhand eines definierten Reizes (Stimulus) sollte eine Reaktion des Subjekts (Response) vorhergesagt werden können. Schnell wird deutlich, dass der Mensch selbst in dieser Theorie als mündiges und selbstbestimmtes Wesen vollends herausfällt. Der Aspekt des Eingreifens des Menschen in sein eigenes Leben und der eigenen Entscheidung der Mediennutzung (der Varianz des Response) fehlt in dieser Theorie. In der Publizistik lassen sich mit Hilfe der Medienwirkforschung allerdings auch heute noch vergleichsweise einfach zu verstehende Aussagen treffen, welche klare Antworten auf die steigende Gewaltbereitschaft der Jugend, den Drogenkonsum von Personen, oder andere gesellschaftliche Phänomene zu geben vermögen. Diese Art der monokausalen Antwortfindung reduziert jedoch die Suche nach Faktoren auf eine allgemeingültige Wirkweise des Mediums und vernachlässigt persönliche, sowie gesellschaftliche Aspekte vollkommen.

Die Kernfrage „Was machen die Medien mit den Menschen?“ wurde schnell als unzulänglich enttarnt. Eine Gegenbewegung setzte ein, welche das medienrezipierende Subjekt in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses stellt und die obsolete Frage nach der Wirkung von Medien umwandelte zur neuen Kernformel „Was macht der Mensch mit den Medien?“ (ebd., S. 26). In diesem Zusammenhang wurde der Begriff der Medienwirkforschung zu Gunsten der Fokusverschiebung auf den Terminus Medienrezeptionsforschung umgemünzt. (ebd., S. 25). Der Ansatz, das Subjekt als individuellen Rezipienten eines definierten Medieninhaltes zu betrachten, um variable Rezeptionsstile zu analysieren, vernotwendigte zudem die Verschiebung des quantitativen Ansatzes hin zu qualitativ ausgerichteten Verfahrensweisen. Auf einen Stimulus war nun nicht mehr eins zu eins auf eine zu erwartende Antwort zu schließen, was wiederum das Forschungsinteresse dahingehend modulierte, dass der Frage nachgegangen werden muss, warum sich eben dieser Mensch in dieser Situation so verhält, wie er sich verhält. Paradigma der Wirkung von Medien nach zuvor geleisteter, aktiver Zulassung durch das Subjekt erzeugt eine hohe Komplexität des neuen interaktiven Forschungsansatzes. Am Ende des einführenden Abschnitts zur Medienforschung wurde bereits das von Helga Theunert instruierte Dreieck von Gesellschaft, Medien und Subjekt eingeführt:

„So sind die Medien einerseits gesellschaftliche Kraft, z.B. indem sie Themen der öffentlichen Diskussion setzen, andererseits bestimmt die Gesellschaft die Möglichkeiten und Grenzen für mediale Inhalte und Artikulation. Das Subjekt seinerseits handelt eingebunden in gesellschaftliche Bedingungen und wird neben anderen Instanzen und Faktoren auch von den Medien beeinflusst, z.B. in der Ausformung von Wertorientierungen. Andererseits bestimmen subjektive Selektion, Wahrnehmung und Sinngebung, welche Medienangebote Bedeutung für die persönliche Lebenswelt gewinnen.“

(Theunert, Schorb 2004, S. 203)

Die Verflechtung der Faktoren macht deutlich, dass der Paradigmenwechsel von einer Medienwirkforschung zu einer Medienrezeptionsforschung ein notwendiger Schritt war, die gesellschaftlichen und persönlichen Aspekte bei der potentiellen Wirkweise von Medien zu integrieren. Dieser Wandel wird auch als Positivismusstreit (Kutschera 2001) bezeichnet, der, in den 1970er Jahren begonnen, das Forschungsinteresse von einem Standpunkt der Medien als Unheilsbringer der Gesellschaft zu einer Ansicht der Medien als Potentiale gesellschaftlicher Veränderung verschob.

Da der wissenschaftliche Konsens nun darin bestand, dass das Subjekt, als aktives menschliches Wesen, Medien selbst nutzt, somit die Wirkung von Medien auf eine bestimmte Art souverän lenkt, war die Frage von besonderem Interesse, auf welche Weise Menschen diesen Prozess vollziehen bzw. auf welche Weise sie eine Handhabung der eigenständigen Nutzung von Medien und Medieninhalten erlernen (Schorb 2008b, S. 77). Hieraus ergibt sich ein medienpädagogisches Interesse, inwieweit die Fähigkeit der Menschen, Medien auszuwählen, institutionell gefördert werden kann bzw. welche Faktoren die Ausbildung dieser Handhabung deprivieren oder begünstigen können (ebd.).

Zu kritisieren bleibt, dass die Abkehr von der Medienwirkforschung im Zuge des Positivismusstreit, zunächst in ihrer Drastik, der Anwendung von Scheuklappen gleich kam, indem der Zweig der Rezeptionsforschung in erster Linie autonom und unbeeinflusst von den quantitativen Erkenntnissen der Wirkforschung Ergebnisse erzielen wollte (Kutschera 2001, S. 61). Eine Zusammenarbeit mit dieser Forschungstradition war vorerst undenkbar. Kutschera fordert jedoch Zugeständnisse beider Forschungsparadigmen, sich gegenseitig zu befruchten und ihr Methodenrepertoir durch die Ansätze der jeweils anderen Seite nutzbringend zu erweitern (ebd., S. 62). Der Trend geht hin zu einer interdisziplinären Zusammenarbeit der qualitativen wie quantitativen Forschung, zur Findung sich einander stützender Erkenntnisse. Für den Bereich pädagogischer Arbeit, bleibt jedoch der qualitative Ansatz dominierend und ein ‚Warum‘ neben der Erhebung von Zahlen im Anschluss an jede empirische Erkenntnis notwendig.

„Qualitative Medienforschung hegt den genauen Blick auf die alltäglichen Bemühungen der Menschen, ihrem Leben einen Sinn zu geben - auch mit Medien. Darin liegt ihre große Stärke. Sie zeigt, wie das Leben wirklich ist. Und dieses Leben gehorcht keinen einfachen Wirkungsmechanismen.“

(Mikos 1998, S. 7 zit. nach Kutschera 2001, S. 28)

Es geht heute um die Analyse menschlichen Alltagslebens. Es gilt, zu hinterfragen, welche Funktionsweisen und Prozesse sich im Dreieck von Gesellschaft-Medien-Subjekt abspielen. Dabei spielen viele Faktoren entscheidende Rollen. Ein besonders wichtiger Bereich ist die parasoziale Interaktion, welche als theoretisches Konstrukt leicht in realen Fernsehsituationen nachvollzogen werden kann und als Grundstein der Medienrezeptionsforschung ein wertvolles Fundament darstellt. Dieser Form der Beziehung zu Medieninhalten ist der nun folgende Abschnitt gewidmet.

2.2.2. Parasoziale Interaktion – Figuren, Personen und Rahmen

Wie bereits aufgezeigt wurde, geht es innerhalb der qualitativen Medienforschung darum, herauszufinden, wie der Mensch mit Medien (in diesem Fall dem Fernseher) umgeht bzw. welchen Nutzen der einzelne aus der Rezeption von Fernsehserien ziehen kann. Die Akteure von Fernsehsendungen sind Darsteller, welche als integrierter Bestandteil des Alltags, auf dem Fernsehschirm mit dem Publikum in Kontakt treten. Die Kontaktaufnahme über ein Medium oder die gesamte Wahrnehmung von Medienakteuren unterscheidet sich jedoch laut Angela Keppler deutlich von den Prozessen zwischen fassbaren, unvermittelten Menschen des sozialen Umfelds. Medienvermittelte Menschen sind ihrer Definition nach als fiktive Figuren von den uns umgebenen, individuellen Personen zu unterscheiden (Keppler 1996, S. 15). Der wohl größte Unterschied innerhalb der Interaktion mit Figuren vs. Personen liegt in der Wechselseitigkeit der Beziehung. Der Umgang mit Figuren bleibt in der Regel konsequenzlos. Der Medienakteur reagiert nicht direkt auf das Verhalten des Rezipienten, da die individuelle Reaktion nicht über das Medium auf die Produzentenseite übertragen wird. Während einer realen Interaktion würde das Gegenüber (die Person) direkt auf Äußerungen des Interaktionspartners eingehen (ebd.). Das 1956 von Horton und Wohl vorgestellte Konzept der Personae kann durchaus zur Vervollständigung der Definition einer Figur angewandt werden. Demnach sind Medienakteure als Personae zu bezeichnen. Ihre besonderen Merkmale sind dabei die Kontinuität ihrer Erscheinung, wodurch sich bei längerer Rezeption eine gemeinsame Geschichte ergibt, die Zuschauer und Medienakteur miteinander verbindet. Hinzu kommt ein durch den Medienakteur hervorgerufenes Gefühl von Intimität, durch welches der Rezipient für den Moment vollkommen vergisst, dass er sich in einer medial inszenierten und vermittelten Situation befindet (Wegener 2008, S. 294). Gerade durch den Einsatz von Serien oder Fortsetzungsfolgen kann so ein intimes Verhältnis zwischen Medienakteur und Rezipient erzeugt werden. Für den Fall, dass eine Figur für den Rezipienten interessant ist, kann so ein Gefühl persönlicher Nähe entstehen. Das Interesse an einer Figur hängt jedoch weitestgehend davon ab, ob der Zuschauer ein Verständnis davon gewinnen kann

[…], wie es ist oder wie es wäre, diese Person zu sein – gerade so, wie wir im Alltag jemanden als Person nur wahrnehmen können, wenn wir aus der wenigstens hypothetisch eingenommenen Perspektive dieser Person bis zu einem gewissen Grad verstehen können, warum sie handelt, wie sie handelt und empfindet, wie sie empfindet.“

(Keppler 1996, S. 20 Hervorhebung im Original)

In Vorwegnahme des Forschungsgegenstandes kann hier bereits gesagt werden, dass die Faszination des Reality TV grundlegend darin begründet ist, dass dem Publikum eine Perspektivübernahme besonders leicht mit Personen ihres eigenen, direkten Erfahrungsraumes gelingt. Die Darstellung vermeintlich nicht inszenierten Alltags suggeriert hier, dass es sich um Menschen aus dem eigenen Umfeld – weniger als um Schauspieler – mit bekannten Themen und Problemen handeln kann.

Für das Erlernen sozialer Interaktion bieten Figuren einige Vorteile. Man kann soweit gehen zu sagen, dass das Verhalten einer Figur gegenüber willkürlich sein kann, da der Rezipient von dieser keine negativen Konsequenzen zu befürchten hat oder in irgendeiner Form für sein Verhalten zur Rechenschaft gezogen wird (Schwäbe 2003, S. 46). Dies kann auch dazu führen, dass die Reaktionen gegenüber Figuren weitaus extremer und grundsätzlicher ausfallen als es in wechselseitigen Interaktionen der Fall ist (Keppler 1996, S. 16). Zugleich ist das Verhalten gegenüber Figuren „von allen pragmatischen Handlungszwängen entlastet“, was „Potentiale eines freizügigen Umgang mit den Serienfiguren“ bereitstellt (ebd.). Der Zuschauer kann diese Situationen als Erprobungsfelder für soziales Handeln benutzen. Hinzu kommt noch, dass Figuren im Unterschied zu Personen keine persönliche Entwicklung oder Vielschichtigkeit besitzen. Sie sind in der Regel stabile, einfach zu identifizierende Konstrukte, welche sich über die Sendezeit hin wenig verändern, damit sie für den Zuschauer unmittelbar erkannt werden können (ebd.). Sie sind mitunter Stereotype, welchen der Zuschauer auch mit übertriebenen Reaktionen begegnet. Veränderungsprozesse, wie es sie im realen, sozialen Leben gibt, finden im Fernsehen nur sehr selten statt, oder verbleiben als oberflächliche Randbemerkungen.

Zusammenfassend besteht der Unterschied von Personen und Figuren darin, dass wir als Zuschauer den Medienakteur ‚wie‘ eine Person behandeln, wohingegen wir einen Menschen des sozialen Raumes ‚als‘ Person ansehen (ebd.). In die medienvermittelte Interaktion tragen wir jedoch Erfahrungen aus unserer Lebenswelt mit hinein und erzeugen eine Situation, die unserem Alltag zumindest ähnlich ist. Keppler spricht in diesem Zusammenhang von einer „ Fortsetzung sozialer Erfahrungen auf ganz anderer Ebene “ (ebd., S. 17 Hervorhebung im Original). Es ist ein ‚als-ob‘-Verhalten, mit dem der Zuschauer den Medienakteur in die Position eines potentiellen realen Gegenübers erhebt, wobei sich der Zuschauer durchaus dem speziellen Charakter dieser Situation, als Realitätssimulation bewusst ist.

Ein weiterer entscheidender Begriff im Kontext der parasozialen Interaktion ist der Rahmen, welcher auf Goffmann (1977) zurückgeht. Rahmen sind demnach Organisationsprinzipien mit Hilfe derer Situationen und Ereignisse in eine handlungsleitende Kategorie einsortiert werden können (Schwäbe 2003, S. 103f). Die Rahmung eines Ereignisses ist also mit der Erkenntnis gleichzusetzen wie das Ereignis zu klassifizieren ist (der Sinn des Ereignisses), gepaart mit dem Wissen darum, welches Verhalten als angemessen gilt. Speziell in sozialen Situationen ist das Handeln der Menschen dadurch bestimmt, welchen Rahmen ein Ereignis für das jeweilige Subjekt besitzt. Goffmann unterscheidet weiter in primäre Rahmen, sowie Modulationen. Ein primärer Rahmen ist ein Schema, welches unmittelbar aus der Erfahrung heraus angewendet werden kann. Anhand weniger Kriterien kann eine bekannte soziale Situation identifiziert und gerahmt werden. Eine Modulation hingegen ist eine Rahmung eines bisher unbekannten Ereignisses. So ist eine Fernsehsendung, als Simulation einer Alltagserfahrung, bekannten Situationen lediglich ähnlich, bedarf aber einer genaueren Interpretation des Zuschauers (ebd.). Der Zuschauer seinerseits moduliert ihm bekannte Rahmen, um den rezipierten Inhalt für sich zu kategorisieren bzw. mit der dargebotenen Sendung angemessen interagieren zu können. Es ist allerdings nicht so, dass auch im Alltag eine Situation nur einen einzigen Rahmen besitzt (Mikos 1996, S. 99). In jeder Situation kommen viele verschiedene Rahmen zum Einsatz, die Prioritätenfolge wird allerdings subjektiv und individuell bewertet. So kann im Alltag ein Fußballspiel durch den Einzelnen an erster Stelle als Leibesertüchtigung, kooperativer bzw. individueller Wettkampf, als Unternehmung mit Freunden oder vielen weiteren Auslegungen gerahmt sein, was auch das Verhalten der einzelnen Person verändert. In einem speziellen Fall wurde die Rahmung der Fernsehsendung Herzblatt (ARD bis 2005) repräsentativ für die mögliche Modulation von Rahmen bei Fernsehfolgen beschrieben. Hierbei handelt es sich um die Rahmen ‚Show‘, ‚Spiel‘ und ‚wirkliche Folgen‘. Das Zitat beschreibt die Konsequenzen unterschiedlicher Prioritätensetzung, sowie den Einfluss unterschiedlicher Faktoren auf die Rahmung von Fernsehereignissen:

„Welcher Rahmen als primärer ‚erkannt‘ oder interpretiert wird, der die anderen einschließt und damit die Wirklichkeit des Dargebotenen als Show, Spiel oder sozialen Ernst definiert, hängt davon ab, ob Zuschauer geneigt sind, den - für den Moment des Schauens - infiniten Regreß der wirklichkeitsdefinierenden Rahmen stillzustellen. Dabei spielen die kulturellen Orientierungen der Zuschauer eine Rolle, ihre Rezeptionserfahrungen, ihre Grundeinstellung gegenüber dem Medium und der Institution Fernsehen und natürlich ihr Wissen über die Show-Produktion.“

(Müller 1999, S. 49 zit. nach Schwäbe 2004, S. 108f)

Der Begriff der parasozialen Interaktion nach Horton und Wohl (1956) basiert, wie auch die vorangestellte Definition der Rahmung beweist, auf dem Konzept des symbolischen Interaktionismus, welcher auf den Nachfolger George Herbert Meads, Herbert Blumer (1937) zurückgeht. Hier geht es zunächst einmal darum, zu erfahren, in welcher Weise Menschen in sozialen Situationen handlungsfähig sind. Blumer entwickelte drei Prämissen, welche sich in der Folge auch innerhalb parasozialer Interaktionen erkennen lassen:

1. Menschen orientieren sich in sozialen Handlungssituationen wechselseitig aneinander und an den Bedeutungen, denen sie selbst den Dingen beimessen. Dies verweist direkt auf die Rahmentheorie nach Goffmann.
2. Die Bedeutungen selbst ergeben sich aus sozialen Interaktionen, werden erneut verwendet oder abgeleitet. Auch auf medialer Ebene wurde bereits von einer Fortsetzung des Alltags gesprochen.
3. Während der Auseinandersetzung mit Dingen und Personen können „Bedeutungen in einem interpretativen Prozess“ verändert und umgewandelt werden (Blumer 1973, S. 81 zit. nach Mikos 2008a, S. 156)

Wie bereits die Einführung in die Medienrezeptionsforschung in aller Deutlichkeit vorstellte, erfordert auch die parasoziale Interaktion vom Zuschauer aktives Handeln. Aber auch an den ‚Performer‘ auf dem Bildschirm werden Anforderungen gestellt. So muss der Performer seinerseits so tun, als befände er sich in einer Face-to-face-Situation und reagiere auf die (erwarteten) Zuschauerreaktionen. Der Zuschauer muss ebenfalls bereit sein, sich auf die Illusion einzulassen, dass es sich um eine tatsächliche Face-to-face-Situation handelt. Die parasoziale Interaktion als solche findet hierbei lediglich in der Vorstellung des Rezipienten statt, ist aber durchaus mit realer Kommunikation vergleichbar (Schwäbe 2003, S. 298f sowie Mikos 1996, S. 100f). Das Gelingen der Kontaktaufnahme zwischen Performer und Rezipient hängt dabei von vielen Faktoren ab. Weiter oben wurde die Attraktivität bzw. das Verstehen der Person des Performers als Voraussetzung vorgestellt. Das Erzeugen von Intimität ist ein weiterer Aspekt. Eine wichtige Basis ist weiter das Einhalten von Handlungskonventionen des Alltags (Mikos 1996, S. 100f). Der Performer muss sich verhalten, wie sich Personen im Alltag des Rezipienten verhalten. Gleichzeitig bedarf es der Kompetenz beider Parteien, während der Interaktion stets im Klaren darüber zu sein, dass es sich nicht um eine direkte Face-to-face-Kommunikation handelt. Mikos beschreibt die Doppelkodierung, des Balanceaktes zwischen dem Einlassen auf die Situation und das Wissen um die Illusion als Wirklichkeitsmodulation, schreibt aber weiter: „Die Handelnden müssen sich an die Regeln halten, nicht nur um das Spiel zu spielen, sondern auch um es genießen zu können“ (ebd.). Die Medienkompetenz dient hier als wichtige Qualifikation, die parasoziale Interaktion durchführen zu können. Wird die Ambivalenz jedoch durch den Zuschauer bewältigt, so ist die Kommunikation mit dem Medienakteur durchaus als Alltagserfahrung zu bewerten, da sie für den Rezipienten im Moment des Stattfindens als echt anerkannt wird (ebd., S. 98).

Im konkreten Fall kann für das Fernsehmedium in verschiedener Weise eine Adressierung des Publikums erfolgen, wodurch es zur Initiierung parasozialer Interaktion verleitet wird. Der Zuschauer kann implizit über das Setting bzw. das Arrangement der Szene angesprochen werden, wie es bei Filmen oder Serien der Fall ist, oder explizit durch einen Moderator oder Erzähler, wie bei Nachrichtensendungen oder Gameshows (ebd., S. 102). Für den Bereich des Reality TV lassen sich sowohl das Setting, wie auch die Simulation von Alltagshandlungen und familiären Verhaltensmustern als Adressaten des Publikums erkennen (ebd.). Der Zuschauer erhält durch die Einbindung in die Intimität des Alltags Anderer die Möglichkeit der „Übertragung, Projektion und Rollenidentifikation“ (ebd.). Jedoch sind die Reaktionen des Zuschauers oftmals sehr vielschichtig. So lassen sich drei unterschiedliche Ebenen der Identifikation mit Medienakteuren feststellen. Affirmativ bezeichnet die zustimmende Haltung, bei der gezeigte Ansichten und Handlungen bejaht werden. Hypothetisch ist jene Identifikation, welche mit Vorbehalten dennoch zustimmend verläuft. Der Zuschauer malt sich aus, wie es wäre, jemand anderes zu sein, ohne den tatsächlichen Wunsch zu hegen, dieser andere Mensch wirklich zu sein. Wird eine Figur mit interessierter und faszinierter Abscheu oder mit Ablehnung ihres Verhaltens verfolgt, wird diese Identifikation als negativ bezeichnet (Keppler 1996, S. 22). Hierin äußert sich ein ausdifferenziertes Verständnis des Identifikationsbegriffs. Es ist also nicht so, dass unter Identifikation der reine Wille, wie jemand anderes zu sein, verstanden werden kann. Auch muss die Identifikation nicht immer vollständig verlaufen. In den meisten Fällen wird mit einzelnen gezeigten Verhaltensmustern gespielt, damit findet im Normalfall nur eine partielle Identifikation statt (ebd., S. 21f).

Speziell Jugendliche als Orientierungs- und Identitätssuchende können mit Hilfe der parasozialen Interaktion in den Medien probehandeln. Es ist ihnen „quasi-soziales Experimentieren, die imaginäre Entwicklung neuer Handlungsrollen und damit das Spielen mit sozialer Mobilität“ gestattet (Wegener 2008, S. 295). In den Medien offenbaren sich „Repräsentativrollen“ (Mikos 1996), mit denen der Zuschauer sich auseinandersetzen kann. Mikos beschreibt dabei zwei Prozesse: Auf der einen Seite können im Prozess des „role-taking“ die Rollenschemata übernommen und geprüft werden. Auf der anderen Seite kann der Zuschauer aber auch seine eigenen Rollenvorstellungen über das „role-making“ mit dem gezeigten Material vergleichen (Mikos 1996, S. 104f). Hiermit können eigene Rollenvorstellungen konstruiert und umgewandelt werden. Anders gesagt, leisten Menschen – speziell Jugendliche – innerhalb der parasozialen Interaktion Identitätsarbeit, indem sie die Schemata ihres Alltags erstellen und sortieren und sich selbst in dieser Konstruktion verorten können. Keppler schreibt hierzu:

„Im Durchlaufen der Distanzierungs- und Identifikationsmöglichkeiten, die die fiktive Welt der Serien ermöglicht, werden von den Betrachtern mögliche Rollen ihres Lebens unter stark entlasteten Bedingungen erprobt, werden Selbstverständnisse modifiziert oder konturiert, geschieht auf lange Sicht eine Transformation des eigenen Selbstverständnisses, nicht anders als in der primären sozialen Erfahrung auch. Aber, so ist erneut hinzuzufügen, dieses Lernen, auch wenn es analoge Prozesse durchläuft, vollzieht sich gleichwohl in einer grundsätzlich anderen Situation: als ein einseitiges Durchspielen und Entwerfen von Lebensmöglichkeiten, wie es sich im alltäglichen Leben meist um eine zweiseitige Auseinandersetzung handelt.“

(Keppler 1996, S. 23)

Die parasoziale Interaktion bildet mit diesen Erkenntnissen das Fundament aktiver Auseinandersetzung mit Medieninhalten und –charakteren. Bei der Vorstellung weiterer Ansätze wird der Einfluss dieser Theorie stets präsent und erkennbar sein. Als nächstes folgt ein Ansatz, der gerade aufgrund seiner starken Kritik als Einflussfaktor der Medienrezeptionsforschung gilt. Die Rede ist vom Uses-and-Gratification Approach.

[...]


[1] Als Paradebeispiel gilt hier die 2006 veröffentlichte „Nintendo Wii“, bei der Spiele über die Bewegung des Controllers selbst gesteuert werden. Dadurch wird die körperliche Aktivität wichtiger als reine Fingerfertigkeit. Aber auch Vorreiter, wie die Erweiterung „Eye-Toy“ für die Playstation 2 (Sony), bei der mit einer Kamera die Bewegungen der Spieler in das Spiel integriert werden bezeichnen diese Entwicklung.

Ende der Leseprobe aus 106 Seiten

Details

Titel
Medienkompetenz von Jugendlichen anhand einer Gruppendiskussion zum Thema "U20 - Deutschland deine Teenies"
Untertitel
Eine Forschungsarbeit zur Überprüfung von Selbstsozialisationsprozessen mit Medientexten in Peer Groups
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Fachbereich 03 Sozial- und Kulturwissenschaften Institut für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Diplom Pädagogik, Pädagogik der Jugend
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
106
Katalognummer
V263361
ISBN (eBook)
9783656524502
ISBN (Buch)
9783656526810
Dateigröße
1064 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienkompetnez, Jugend, Gruppendiskussion, Reality TV, Medientheorien, Fernsehen, Identität
Arbeit zitieren
Diplom Pädagoge Andy Blum (Autor), 2010, Medienkompetenz von Jugendlichen anhand einer Gruppendiskussion zum Thema "U20 - Deutschland deine Teenies", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263361

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