Unterrichtsstunde zu Kurt Marti "Happy End"


Unterrichtsentwurf, 2012
13 Seiten
A. Sauer (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Lerngruppenanalyse

2 Didaktische Überlegungen

3. Methodische Überlegungen

4. Sachanalytische Überlegungen

5. Einbettung der Stunde in die Einheit

6. Verlaufsplan

7. Angestrebter Kompetenzaufbau

8. Literatur- und Quellenverzeichnis

9. Anhang

1. Lerngruppenanalyse

Die Klasse Ea des Lichtenberg-Gymnasiums setzt sich aus 23 Schülerinnen[1] und Schülern zusammen, wovon 12 weiblich und 11 männlich sind. Ich unterrichte die SuS seit Beginn des Schuljahres mit vier Wochenstunden in ihrem Klassenraum. Die SuS verhalten sich mir gegenüber sehr aufgeschlossen und kooperativ, untereinander respektvoll und zuvorkommend, sodass ein angenehmes und motiviertes Klassen- und Arbeitsklima besteht, in dem gute Arbeitsergebnisse erzielt werden.

Insgesamt zeigt sich die Gruppe sehr engagiert und interessiert mit einer hohen Leistungsbereitschaft. Hinsichtlich der Erschließung literarischer Texte weisen die SuS eine gute Verstehens- und Analysekompetenz auf, die auch in der geplanten Stunde weiter vertieft werden soll. Dennoch handelt es sich bei der Lerngruppe überwiegend um G8-SuS, denen teilweise das Wissen um bestimmte Fachterminologien sowie übergeordnete Sinnzusammenhänge im Bezug auf Weltwissen und Lebenserfahrung fehlen; bei einigen SuS dadurch begründet, dass sie von verschiedenen Schulen kommen und einen sehr heterogenen Leistungsstand aufweisen. Bezüglich der Arbeitsform arbeiten die SuS besonders gern in einer Kleingruppe, in der sie sich austauschen und auf diese Weise die leistungsschwächeren von den leistungsstärkeren SuS profitieren können. Mittels dieser Methode ist es mir gelungen, einige anfangs recht leistungsschwache SuS zu aktivieren und auch für die Teilnahme am Unterrichtsgespräch zu motivieren. Des Weiteren sind die SuS sehr interessiert an kreativen Aufgaben und szenischen Interpretationen, wie beispielsweise die Erarbeitung von Standbildern. Im Unterrichtsgespräch hängt die Beteiligung jedoch stark vom jeweiligen Vorwissen der SuS ab.

Die Leistungsspitze besteht aus fünf SuS, die verteilt im Raum sitzen und als wichtige Impulsgeber fungieren, da sie fundiertes Fachwissen besitzen und eine selbstständige Ausweitung der Themen auf weitere Wissensgebiete vornehmen. So sind sie dazu in der Lage, gemäß dem Lehrplan der Oberstufe[2] zu eigenen „subjektiven Sinnentwürfen" anhand der unterschiedlichen Deutungsebenen von Texten zu gelangen und diese im Unterrichtsgespräch zu vertreten. Ihr Fachinteresse und ihr Wissen um Fachinhalte werden immer deutlich. Zeitweise muss ich ihr Engagement jedoch kanalisieren, da die anderen SuS als Folge dieser Meldungen eigene Beiträge mitunter zurückziehen.[3]

Das mittlere Leistungsspektrum setzt sich aus dreizehn SuS zusammen, deren Beteiligung am Unterricht unterschiedlich hoch ist. Neun von ihnen gelingt es, bisheriges Fachwissen abzurufen und auf vorherige mündliche Äußerungen ihrer MitSuS einzugehen. Verbesserungsmöglichkeiten bestehen noch bei der Verwendung der richtigen Fachtermini und der Fähigkeit, ihre Gedanken gezielt zur Sprache zu bringen.[4] Dabei sind ihre Äußerungen inhaltlich korrekt, lediglich ihre teils unpräzise Ausdrucksweise erschwert ein direktes Anknüpfen an deren Äußerung für die anderen SuS, sodass ein Konkretisieren der Aussage des Einzelnen an einigen Stellen vonnöten ist.

Die anderen vier des mittleren Leistungsspektrums nehmen vor allem einfache reproduktive Aufgaben wahr, wie bspw. Stundenzusammenfassungen oder -wiederholungen. Dabei neigen sie dazu, sich stellenweise in grammatikalisch unvollständigen Sätzen zu äußern, sodass ein Einlenken von Lehrerseite anfangs unumgänglich war. Aufgrund der guten Klassenatmosphäre ist es mittlerweile jedoch schon üblich, dass die anderen SuS eingreifen und ihre MitSuS auf deren syntaktische Fehler hinweisen, sodass eine Korrektur vonseiten der Lehrkraft nur noch selten notwendig ist.

Fünf SuS bilden die Gruppe der leistungsschwächeren Lernenden, die sich mündlich kaum oder gar nicht beteiligen. Dabei ist diese Gruppe noch einmal zu unterteilen in diejenigen, die bei Textproduktionen gute Ergebnisse hervorbringen und freiwillig ihre Hausaufgaben abgeben, sich jedoch kaum am Unterrichtsgeschehen beteiligen, da sie Hemmungen haben, sich vor einer größeren Zuhörerschaft zu präsentieren. Durch die Übernahme kleinerer Redebeiträge wie etwa dem Vorstellen von Gruppenergebnissen soll die Präsentationskompetenz bei diesen SuS weiter geschult werden. Der andere Teil der leistungsschwachen Lernenden nimmt gar nicht am Unterricht teil, da er große fachliche Schwierigkeiten hat und dem Leistungsniveau des Kurses nicht gerecht wird. Selbst einfache Aufgaben wie beispielsweise das Vortragen der Hausaufgaben oder das Vorlesen eines Textes nehmen sie nicht wahr.

2 Didaktische Überlegungen

In den Richtlinien des Hessischen Lehrplans ist für die E-Phase der Umgang mit literarischen Texten in Verbindung mit der Reflexion über Sprache anhand des Themengebiets der Identitätsfindung[5] vorgesehen. Bei der Auswahl des Textes habe ich mich für Kurt Martis Kurzgeschichte Happy End entschieden, da diese sprachlich äußerst präzise verfasst ist, eine große Variation verschiedener rhetorischer Figuren und sprachlich-syntaktischer Gestaltungsmittel sowie ein Kommunikationsproblem beinhaltet. Darüber hinaus wird eine alltägliche Situation dargestellt, die die Jugendlichen in ihrem Alter möglicherweise schon gemacht haben oder zumindest aus Filmen kennen. Der im Text aufgezeigte Konflikt zwischen Mann und Frau zeigt die Orientierungslosigkeit des Menschen und die Unfähigkeit, mit dem Partner in eine sinnstiftende und problemlösende Kommunikation einzutreten. Die Textanalyse erfordert eine im Unterricht bereits behandelte Kommunikationsanalyse sowie die Erkenntnis, dass ein Lösen des Problems auf der sich abspielenden Beziehungsebene nicht möglich ist. Dabei trägt der Titel eine Ironie beziehungsweise einen Sarkasmus in sich, den die SuS herausfinden und als rhetorische Figur analysieren sollen. Über die Reflexion der Sprache wird somit nicht nur die Textanalyse geschult, sondern auch die sprachlichen Fähigkeiten der SuS erweitert, indem sie die Funktionsweise grammatikalischer Strukturen erkennen und sich der Aussagekraft sprachlicher und nichtsprachlicher Verständigung bewusst werden. Darüber hinaus enthält der Text Leerstellen, die die SuS erkennen und deuten sollen.

Da es sich bei dieser Kurzgeschichte um einen sehr kurzen, aber nur auf den ersten Blick leicht verständlichen Text handelt, ist eine detaillierte Sprachstilanalyse notwendig. Da die Lerngruppe Auffälligkeiten in ihrem sprachlich sehr heterogenen Leistungsstand aufweist, wird nicht nur in der geplanten Stunde integrativ daran gearbeitet, den SuS einen präzise Ausdrucksweise zu vermitteln. Mit dem Bezug zur lateinischen Fachterminologie sollen sie ein differenziertes Repertoire rhetorischer und schriftsprachlicher Mittel kennenlernen, das sachgerecht und adressatenbezogen in allen folgenden Textproduktionen und mündlichen Präsentationen eingesetzt werden kann.[6]

3. Methodische Überlegungen

Als Unterrichtseinstieg habe ich mich für einen Stummen Impuls entschieden, der aus einem Plakat mit der Aufschrift „Happy End" besteht. Ich habe mich hierfür entschieden, da er alle SuS assoziativ anspricht. Jeder Schüler verbindet damit ein bestimmtes Erlebnis oder hat eine gewisse Vorstellung, mit der ihr Interesse an der Stunde geweckt werden soll. Der gewählte Einstieg hat die Funktion, über den Titel der Kurzgeschichte hinaus eine gewisse Erwartungshaltung der SuS zu initiieren und die Vorstellung einer romantischen Liebesbeziehung zu suggerieren. Diese Assoziation wird jedoch bereits im vierten Satz dekonstruiert und die SuS werden durch den harmonischen Einstieg aus ihrer Erwartungshaltung herausgerissen und mit einer völlig gegensätzlichen Situation konfrontiert. Durch die absichtliche Verstärkung soll den SuS die defizitäre Situation der vorgestellten Partnerschaft noch intensiver bewusst werden, welche sie am Text belegen sollen.

Die erste Erarbeitungsphase, in der die SuS ihren Eindruck von der Kurzgeschichte schildern und daraufhin den Text als Kurzgeschichte klassifizieren, dient der Klärung der Textsorte, der Reproduktion des bereits Erlernten und der Anwendung auf den vorliegenden Text. Diese Phase hat das Ziel, den Konflikt des Paares gemeinsam zu benennen und für die sich anschließende Gruppenarbeit zu eröffnen.

Die zweite Erarbeitungsphase stellt die Gruppenarbeit dar, die in die Gruppe „Frau" und die Gruppe „Mann" aufgeteilt ist; die Aufgabenstellung dabei ist geschlechterspezifisch dieselbe. Ich habe mich für eine arbeitsteilige Gruppenarbeit entschieden, deren beide Arbeitsaufträge sich ergänzen und in einem anschließenden Unterrichtsgespräch, das das Ziel der Stunde hervorbringt, mündet.

In der anschließenden Präsentationsphase wird jeweils eine Gruppe ihre Ergebnisse vortragen und die anderen beiden arbeitsgleichen Gruppen werden die Ergebnisse ergänzen. Zur Sicherung der Ergebnisse werden die SuS angehalten, sich die wichtigsten Aussagen der Präsentationen selbst zu notieren. Um die SuS in ihrer Fähigkeit, ihre Gedanken gezielt zur Sprache zu bringen, weiter zu schulen, soll die zentrale Textaussage, die sich aus den Ergebnissen der Gruppenarbeit ergibt, in der Reflexionsphase gesichert werden. Dabei soll den SuS bewusst werden, dass die Arbeitsaufträge der „Frau" und „Mann"-Gruppen sich nun zu einem Ganzen formen, woraus die Auflösung des Textes erwächst, dass keine Lösung in der Kommunikation möglich ist. Die abschließende Hausaufgabe soll das analysierteKommunikationsproblem auflösen und das eigentliche Problem, das das Paar hat und das im Text nicht angesprochen wird, analysieren. Dabei verfassen die SuS einen Dialog, der ihre Schreibkompetenz weiter fördern soll und bei dem sie die unterschiedlichen Sprachebenen unterscheiden. Dieses reflektierte Schreiben, bei dem sie sich in beide Geschlechterrollen hineinversetzen müssen, erfordert von den SuS, ihr eigener Kommunikationspartner zu sein und den Text kritisch zu reflektieren, da der Dialog mit der Lösung des Problems eine Perspektive beinhaltet, die wiederum einen Verstehensprozess mit sich führt. In der folgenden Stunde wird es einen Hausaufgabentausch mit dem Partner geben, der die Arbeit unter festgelegten Kriterien liest, korrigiert und kommentiert.

[...]


[1] Im Folgenden wird der Ausdruck „Schülerinnen und Schüler“ mit SuS abgekürzt.

[2] Vgl. Hessisches Kultusministerium (2010): Lehrplan Deutsch. Gymnasialer Bildungsgang. Jahrgangsstufen 5G bis 9G und gymnasiale Oberstufe. Wiesbaden 2010. S. 11

[3] siehe methodische Analyse, Punkt 3

[4] siehe didaktische Analyse, Punkt 2

[5] Hessisches Kultusministerium (2010): Lehrplan Deutsch. Gymnasialer Bildungsgang. Jahrgangsstufen 5G bis 9G und gymnasiale Oberstufe. Wiesbaden 2010. S. 51

[6] Hessisches Kultusministerium (2010): Lehrplan Deutsch. Gymnasialer Bildungsgang. Jahrgangsstufen 5G bis 9G und gymnasiale Oberstufe. Wiesbaden 2010. S. 47

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde zu Kurt Marti "Happy End"
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V263369
ISBN (eBook)
9783656521501
ISBN (Buch)
9783656524267
Dateigröße
788 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kurt Marti, Unterrichtsentwurf Deutsch, Kurzgeschichte, Happy End, Happy End - Kurt Marti, Unterrichtsentwurf Kurzgeschichte
Arbeit zitieren
A. Sauer (Autor), 2012, Unterrichtsstunde zu Kurt Marti "Happy End", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263369

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