Seit langem waren Forscher damit beschäftigt, die Prozesse die in einem Individuum in Entscheidungssituationen vor sich gehen zu beschrieben und zu erklären. So stellte sich unter anderem die Fragen nach der Rationalität der menschlichen Psyche im Falle einer Entscheidung, und der Objektivität mit der ein Mensch Alternativen abwägt und eine Entscheidung trifft. Schon früh wurde klar, dass diese Prozesse auch nach dem Treffen einer Entscheidung nicht abreißen. So schien es jedoch, dass das Sammeln von Informationen nun vermehrt nach subjektiven Kriterien vonstatten ging, so dass nur manche Information verarbeitet wurde, andere jedoch nicht. Eingebettet in Festingers (1957) Theorie der kognitiven Dissonanz, konnte diese selektive Informationssuche nicht nur empirisch nachgewiesen werden, sondern es konnten auch diejenigen Bedingungen isoliert werden die herrschen müssen, um Menschen dazu zu veranlassen, bestimmte Information vorzuziehen und andere zu meiden. Im Folgenden sollen nun die wichtigsten theoretischen Annahmen beschrieben werden. Im Anschluss daran, soll exemplarisch auf einen der Forschungsbereiche eingegangen werden.
Gliederung
I. Überblick
II. Theoretische Annahmen
2.1 Die Theorie der kognitiven Dissonanz
2.2 Selektive Informationssuche
2.3 Gegensätzliche Befunde
2.4 Die revidierte Form der Theorie der kognitiven Dissonanz
III. Empirischer Befund
IV. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der selektiven Informationssuche als Folge kognitiver Dissonanz nach Entscheidungen. Dabei wird analysiert, unter welchen Bedingungen Individuen entgegen der ursprünglichen Dissonanztheorie auch dissonante Informationen aufsuchen, anstatt diese konsequent zu meiden.
- Grundlagen der Dissonanztheorie nach Leon Festinger
- Mechanismen der selektiven Informationssuche ('selective exposure')
- Kontroverse empirische Befunde aus der Forschung der 1960er Jahre
- Revidierte theoretische Annahmen zur Informationspräferenz
- Bedeutung der Widerlegbarkeit und Reversibilität von Entscheidungen
Auszug aus dem Buch
2.4 Die revidierte Form der Theorie der kognitiven Dissonanz
In der Revision der Dissonanztheorie geht Festinger (1964, Zit. nach Frey 1986) erstmals davon aus, dass das Vorziehen konsonanter Information als Strategie zur Dissonanzvermeidung, nur unterbestimmten Voraussetzungen passiert. Festinger beschrieb diejenigen Umstände, unter denen nicht konsonante, sondern dissonante Information bevorzugt wird, als die folgenden:
Wenn die Information leicht zu widerlegen ist, so wird dissonante Information bevorzugt. Es wird angenommen, dass zusätzliche schwache dissonante Information die Dissonanz nicht verstärkt, sondern, dass im Individuum vielmehr eine Immunisierung bewirkt wird. Kann die dissonante Information also leicht widerlegt werden, so dient dies der Stärkung der eigenen Position, und der Stabilität des kognitiven Systems. Folglich stellt auch das gezielte Aufsuchen leicht zu widerlegbarer dissonanter Information eine Strategie zur Reduktion von Dissonanz dar.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Überblick: Einführung in die Problematik der rationalen Entscheidungsfindung und die Rolle der Dissonanztheorie bei der Informationsselektion.
II. Theoretische Annahmen: Detaillierte Erläuterung der kognitiven Dissonanztheorie, der Strategien zur Dissonanzreduktion und der theoretischen Revisionen hinsichtlich selektiver Informationssuche.
III. Empirischer Befund: Darstellung und Analyse experimenteller Studien, insbesondere der Untersuchung von Kleinhesselink und Edwards zur Widerlegbarkeit von Informationen.
IV. Zusammenfassung: Resümee über den aktuellen Stand der Forschung und Aufzeigen zukünftiger Perspektiven für Feldexperimente.
Schlüsselwörter
Kognitive Dissonanz, Selektive Informationssuche, Selective Exposure, Dissonanzreduktion, Post-decisional Dissonance, Konsonante Information, Dissonante Information, Informationspräferenz, Widerlegbarkeit, Reversibilität, Sozialpsychologie, Einstellungsänderung, Entscheidungsprozesse, Experimentelle Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der psychologischen Reaktion auf getroffene Entscheidungen, speziell damit, wie Menschen Informationen auswählen, um ihre Entscheidung zu rechtfertigen oder Dissonanz abzubauen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Theorie der kognitiven Dissonanz nach Festinger, das Konzept der selektiven Informationssuche sowie die Faktoren, die bestimmen, ob wir Informationen suchen, die uns bestätigen oder widersprechen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu erklären, warum Menschen nicht immer konsequent nur bestätigende Informationen suchen, sondern unter bestimmten Bedingungen – etwa bei leichter Widerlegbarkeit – auch dissonante Informationen bevorzugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung bestehender sozialpsychologischer Literatur und analysiert dabei kritisch verschiedene experimentelle Studien, um die Weiterentwicklung der Dissonanztheorie aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der ursprünglichen Dissonanztheorie, die Analyse kontroverser empirischer Studien aus den 60er Jahren sowie die Erläuterung der revidierten Theorie durch Festinger.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind kognitive Dissonanz, selective exposure, Dissonanzreduktion, Informationssuche, Widerlegbarkeit und konsonante bzw. dissonante Information.
Warum suchen Menschen manchmal aktiv nach Informationen, die ihrer Meinung widersprechen?
Laut der revidierten Theorie geschieht dies, wenn die Information leicht zu widerlegen ist. Das Individuum fühlt sich dadurch immunisiert und gestärkt, da es die Gegenargumente entkräften kann, was zur Stabilität des eigenen kognitiven Systems beiträgt.
Welche Rolle spielt die Widerlegbarkeit in der Studie von Kleinhesselink und Edwards?
Die Studie belegt signifikant, dass die Leichtigkeit oder Schwierigkeit, mit der eine Information widerlegt werden kann, direkt beeinflusst, ob Probanden diese Information bei einem Störgeräusch bevorzugt 'anhören' wollen oder nicht.
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- Beatrice Floca (Author), 2003, Selektive Informationssuche als Folge kognitiver Dissonanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26342