Piktogramme: Der Weg zur visuellen Weltsprache unter Einfluss von Kunst und Technologie


Bachelorarbeit, 2013
96 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Information, Botschaft/Bedeutung und Signal

2 Das Piktogramm
2.1 Abgrenzungen
2.2 Das Piktogramm und die Semiotik
2.2.1 Das Piktogramm und die Semantik
2.2.2 Das Piktogramm und die Sigmatik
2.2.3 Das Piktogramm und die Syntaktik
2.2.4 Das Piktogramm und die Pragmatik
2.3 Das Piktogramm als Syntax und Paradigma mit Anwendungsbeispielen

3 Die Geschichte des Piktogramms und seine Pioniere
3.1 Vorgeschichte
3.1.1 Urzeit
3.1.2 Antike
3.1.3 Mittelalter
3.1.4 Neuzeit
3.2 Die Anfänge der heutigen Piktogramme
3.2.1 Verkehrswesen
3.2.2 Die Wiener Methode „ISOTYPE”
3.2.3 Die Olympischen Spiele
3.2.4 Aktueller Stand der Piktogrammentwicklung

4 Mediengeschichte und Gesellschaft – Grundsteine der Piktogramme
4.1 Medien – Kommunikationsmittel der Menschheit
4.2 Die Entwicklung der Medien, Gesellschaft und Technologie und deren Einfluss auf Piktogramme
4.2.1 1900-1914 – Die Anfänge der Medien und der Piktogramme
4.2.2 1914-1918 – Der 1. Weltkrieg und die Medienkultur
4.2.3 1918-1933 – Die Goldenen 20-er
4.2.4 1933-1945 – Der 2. Weltkrieg und die NS-Zeit
4.2.5 Nach 1945 – Die Nachkriegszeit
4.2.6 Die 60-er und 70-er Jahre
4.2.7 Die 80-er Jahre
4.2.8 Die 90-er Jahre und der Beginn das 21. Jahrhunderts
4.3 Resümee

5 Kunstgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts
5.1 Kunstströmungen
5.1.1 Fauvismus
5.1.2 Kubismus
5.1.3 Dadaismus
5.1.4 Surrealismus
5.1.5 Abstrakter Expressionismus
5.1.6 Pop Art und Op Art
5.1.7 Postmoderne
5.2 Piktogramme in der Kunst
5.3 Resümee

6 Befragung
6.1 Befragungskriterien
6.1.1 Art der Befragung und Zeitraum
6.1.2 Befragungsgruppe
6.1.3 Befragungsziel
6.2 Befragungsbogen
6.3 Auswertung
6.3.1 Darlegung der Ergebnisse
6.3.2 Einordnung der Ergebnisse

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Eigenständigkeitserklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ikonen von Mac OS Betriebssystem

Abbildung 2: Exit Schild, Quelle: constructionstore/Exit

Abbildung 3: BMW Logo, Quelle: motor-talk/bmw-Logo

Abbildung 4: Recycling, Quelle: J/W/2012

Abbildung 5: Pragmatik, AbdullahHübner2005, S.17

Abbildung 6: Zebrastreifen, Quelle: badischeZeitung/A8

Abbildung 7: Verbotsschild, Quelle: blech-Scchilder

Abbildung 8: ISOTYPE, Quelle: kritischegeschichte/wordpress

Abbildung 9: Piktogramm von Otl Aicher, Quelle:baulinks/scaled

Abbildung 10: Grafik von Pippo Lionni, Quelle: idfumec/blogspot

Abbildung 11: Zeitachse, Piktogrammentwicklung, Quellen: s. Abb. 16, 9, 10; wunderundzeichen/piktogramme; tour-data/file; usinenouvelle/industrie/piktogramme

Abbildung 12: Medienentwicklung, Quelle: Schmolke1997, S. 33

Abbildung 13: Titelbild Charlie Chaplin, Quelle: AckermannRathgeber2007, S.53

Abbildung 14: TV Werbung der 20-er, Quelle: zupo

Abbildung 15: Sicherheitspiktogramme nach der BGV Quelle: Alexander2013, S.11

Abbildung 16: Fauvismus, Quelle: ibiblio/matisse/2002

Abbildung 17: Erste Verkehrszeichen, Quelle: AbdullahHübner2005, S.21

Abbildung 18: Kubismus, Quelle: painting-palace/violon

Abbildung 19: kubistische Piktogramme, Quelle:, Estrada2013, S. 190

Abbildung 20: Dadaismus, Quelle: tricktaste/dada

Abbildung 21: aus “die vier Grundrechenarten”, Quelle: wikiartis/el-lissitzky

Abbildung 22: Surrealismus, Quelle: arthistory/ShelleyEsaak2013

Abbildung 23: Henri Michaux, Quelle: AckemannRathgeber2007, S.94

Abbildung 24: Abstrakter Expressionismus, Quelle: dartmouth/janson

Abbildung 25: Barcelona 1992, AbdullahHübner2005, S.80

Abbildung 26: Pop Art, Quelle denison/warhol

Abbildung 27: Op Art, Quelle: blogsport/OpArt

Abbildung 28: Postmoderne, Quelle: staatsgalerie/KeithHaring

Abbildung 29: Postmoderne Piktogramme – Mequetrefe, Quelle: Estrada2013, S.141

Abbildung 30: Umfrage Intro

Abbildung 31: Umfrage Teil 1

Abbildung 32: Umfrage Teil 2

Abbildung 33: Ergebnisse der Umfrage

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Abgrenzungen, Quellen: BöhringerBühlerSchlaich2011, S.432, s. Abb. 1,2,3

Tabelle 2: Piktogrammentwicklung Olympische Sommerspiele, Bildquellen: AbdullahHübner2005,S.64 ff

1 Einleitung

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“[1] Das gilt nicht nur für die verbale, sondern auch für die visuelle Kommunikation. Mit Bildern, Symbolen und Zeichen kann der Sender mit dem Empfänger (auch auf emotionaler Ebene) kommunizieren. Piktogramme sind Kommunikation – nonverbal, unmissverständlich und für jeden klar.

Vor der Vertiefung in die Thematik der Piktogramme soll zunächst erklärt werden, was unter dem Begriff des Piktogramms zu verstehen ist.

Das Piktogramm wird auch als visuelle Weltsprache bezeichnet und entstand durch das Bedürfnis der Orientierung. Unter der visuellen Weltsprache wird eine Sprache bezeichnet, die sowohl sprach-, kultur- als auch weitgehend bildungsunabhängig ist und von jedem verstanden wird. Diese Sprache/ Bildersprache wird verwendet, wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen treffen, z. B. am Flughafen oder im Straßenverkehr.

‚The Medium is the message.’[2] dieses bekannte Zitat stammt von dem US-amerikanischen Literaturwissenschaftler Marshall McLuhan. Medien waren für ihn technische Ausweitungen der menschlichen Sinne und des Körpers. Zu erwähnen ist dabei, dass er unter Medien das gesprochene und geschriebene Wort, sowie Straßen, Zahlen, Geld, Druck, Verkehrsmittel, Technologie und Medien wie die Schreibmaschine spezifiziert. Diese verändern unsere Wahrnehmung und die gesamte Kultur, weil sie neue Handlungsmöglichkeiten und Blickwinkel erlauben. Laut McLuhan ist die Form des Mediums ausschlaggebend, nicht der Inhalt, denn die Entwicklung der Medien hat laut McLuhan eine große kulturgeschichtliche Bedeutung.[3]

Dies bedeutet, dass die Medien und die Technologie Einfluss auf die Kultur und die Kunst haben. Die Technologie und die Kunst sind demnach eng miteinander verbunden. Da der Ursprung des Piktogramms eng mit Technologie verknüpft ist, wird die Autorin sowohl den Einfluss der Technologie als auch der Kunst auf Piktogramme beleuchten. Vorweggegriffen sei, dass es besonders durch die digitalen Medien einen „Piktogramm-Boom“ gibt und die Piktogramme daher besonders eng mit der Technologie verbunden sind.

Die Wahl des Titels der Bachelorarbeit führt die Autorin zur ersten wissenschaftlichen Frage, die in der Arbeit beantwortet wird: Ist der Weg zur visuellen Weltsprache schon beendet, oder sind wir noch auf dem Weg dorthin? Die Vorteile und eventuellen Probleme der damaligen und heutigen Piktogramme, sowie die Beziehung von Kunst und Technologie zu Piktogrammen, wird durch eine Analyse dargestellt. Diese soll darüberhinaus Zusammenhänge, Einflüsse und Unterschiede aufzeigen. Zudem wird eine Befragung mit Firmen und Agenturen durchgeführt, die sich auf die Erstellung von Piktogrammen spezialisiert haben. In dieser Untersuchung wird vor allem auf die heutige Entwicklung von Piktogrammen eingegangen, um daraus Erkenntnisse für die zukünftige Entwicklung aufstellen zu können. Die Mitarbeiter werden auch über den Einfluss von Kunst und Technologie auf frühere Piktogramme befragt. Die Ergebnisse werden in die Untersuchungen einbezogen. Durch die Befragung werden Tendenzen von Experten herauskristallisiert, die dann mit den vorherigen Analysen verglichen werden. Nach der Einleitung definiert das zweite Kapitel der Bachelorarbeit den Begriff „Piktogramm“, sowie die Abgrenzungen und die Einordnung in die Zeichenlehre. In Kapitel 3 wird die Entwicklung von Piktogrammen aufgezeigt. Kapitel 4 beschäftigt sich vor allem mit der Mediengeschichte bzw. der technologischen Entwicklung und dem Einfluss, den diese Faktoren auf Piktogramme im nationalen und internationalen Kontext haben. Die Kunstentwicklung wird in Kapitel 5 beleuchtet, in dem der Einfluss der Kunst auf Piktogramme dargestellt wird. Das vorletzte Kapitel stellt die wissenschaftliche Untersuchung im Rahmen der Befragung dar. Die Befragung und deren Ergebnisse werden erklärt, bewertet und analysiert. Im letzten Kapitel werden die Resultate zusammengefasst und die wissenschaftlichen Fragen beantwortet: Ist die Zeit und der Weg der Piktogramme beendet? Hat die Kunst und die Technologie Einfluss auf Piktogramme und wenn ja, wie verändern sich Piktogramme mit der technologischen Entwicklung?

1.1 Information, Botschaft/Bedeutung und Signal

Zu Beginn der Arbeit werden die Begriffe „Information“, „Botschaft” bzw. „Signal” und deren Bedeutung erklärt, da sie unmittelbar mit dem Terminus „Piktogramm” in Verbindung stehen.

Die Information ist kein Material, welches beim Sender verloren geht, wenn sie den Empfänger erreicht. Die Form des Transports kann immateriell oder materiell erfolgen. Z. B. durch elektronische Wellen, die durch das Telefonat oder Rundfunk entstehen, oder auf andere Wege wie durch das Zeitungspapier, bei dem die Information durch Wörter und Bilder transportiert wird, oder eben durch Zeichen wie das Piktogramm. Um den Begriff besser verstehen zu können, wird der Begriff „Signal” definiert:

Signale werden emotional wahrgenommen und technisch übertragen und verarbeitet. Es werden nicht die Botschaften übermittelt, sondern die Signale die mit der Botschaft codiert sind. Informationen sind abhängig von der Wahrscheinlichkeit eines Signals, genauso wie die Botschaft wird die Information nicht übermittelt. Die Abfolge der Signale bildet für den Empfänger die Information.[4]

Signale werden demnach in einer Abfolge für den Empfänger zur Information und sind gleichzeitig Zeichen. Auf Piktogramme übertragen, senden Piktogramme Signale aus, die danach zur Information werden. Diese Signale können Index, Ikon und Symbol sein (s. Kapitel 2.1).

Trotz der gleichen Botschaft kommt diese unterschiedlich beim Empfänger an. Der Begriff „Information“ stammt von dem lateinischen Wort „informatio“ und meint ursprünglich „in Form bzw. Gestalt bringen, formen, bilden“, und ist mit wertenden und emotionalen Komponenten verknüpft.[5] Die emotionale Komponente ist stark mit der individuellen, subjektiven Wahrnehmung verknüpft und zeigt, dass Botschaften jeweils anders wahrgenommen werden. Auch die Botschaft muss erst in Signale umcodiert werden, die danach zur Information werden. Das Bedürfnis nach Information ist stark kulturell und zeittypisch bedingt, daher ist der Bedarf sehr unterschiedlich. Unter dem Wort „decodieren“ wird die Vorschrift für die Zuordnung der einzelnen Zeichen des Zeichenvorrats verstanden. Codes müssen demnach erlernt werden und müssen bekannt sein, damit eine Information zu einer verstandenen Nachricht wird. Welche Bedeutung die decodierten Signale, also die Botschaft, für den Empfänger hat, ist demnach sehr subjektiv. Z. B. lässt sich nicht sagen, ob sich die Botschaft des Journalisten mit der Bedeutung, die sie für den Leser hat, deckt.

Das Bedürfnis der Orientierung brachte den Menschen im 20. Jahrhundert dazu, Informationen durch Signale zu codieren und eine Botschaft der Orientierung zu vermitteln, welche in Form von Piktogrammen stattgefunden hat. Diese Art der Informationsvisualisierung sollte ermöglichen, dass Informationen zu Wissen umgewandelt werden können, unabhängig vom Alter, Wissensstand, von der Erfahrung und der Kompetenz im Umgang mit Informationsmitteln. Dazu müssen Informationen sehr speziell aufbereitet werden, um eine so genannte “Barrierefreie Informationsvisual-isierung” zu ermöglichen. Desto mehr Informationen vorliegen, gerade auch durch das „ W orld W ide W eb“, umso wichtiger ist es, diese aufzubereiten. Hier kommt der Grafiker ins Spiel, der die Lesbarkeit der Umwelt ermöglicht:[6]

„Informierende Bilder kommunizieren einen Inhaltsbereich als visuelles Argument. [...] Die Aufgabe der Bildautoren besteht darin, einen bestimmten Inhalt als Argument zu konzipieren und für dieses eine adäquate bildhafte Codierung zu finden, [...]. Adäquat heißt zum einen, dass die Codierung alle relevanten Aspekte des Arguments aufnimmt, zum zweiten, dass sie optimal auf die Rezipienten und Rezeptionssituationen abgestimmt ist.“[7]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Grafiker das „visuelle Argument“ darstellen muss. Die Aussagen durch Form, Farbe und Abbildung verarbeitet der Mensch zu Signalen, die zu Informationen decodiert werden und beispielsweise die Bedeutung haben „Achtung Zebrastreifen“. Piktogramme bestehen immer aus Signalen, die zu Informationen decodiert werden, welche eine spezifische Bedeutung haben. Im Folgenden wird die Autorin auf die Piktogramme eingehen.

2 Das Piktogramm

Das Piktogramm ist allgegenwärtig. Der Begriff „Piktogramm” setzt sich aus den lateinischen Wörtern „pictum“ und „gramm“ zusammen und bedeutet: das gemalte Schriftzeichen.[8] Unter einem Piktogramm wird ein Bildzeichen verstanden, welches über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg global einsetzbar ist. Durch eine kulturübergreifende, visuelle Kommunikation können Bildungsunterschiede ausgeglichen werden. Das Piktogramm ist sehr abstrakt, das heißt, es ist ein stark reduziertes Zeichen. Die Abstraktion ist nötig, um schwierige Sachverhalte schnell verständlich zu machen. Beim Betrachter löst das Piktogramm eine bestimmte Assoziation zu einer bestimmten Bedeutung aus. Das Zeichen eines Piktogramms sollte daher eindeutig und unmissverständlich sein, zudem klar und einfach. In der Regel sind Piktogramme ohne Text eingängig, dies ist auch das Ziel bei der Erstellung von Piktogrammen. Nur wenn sich ein minimales Vorwissen von Empfänger und Sender überschneiden, ist gewährleistet, dass das Piktogramm von beiden verstanden wird. Meistens haben Piktogramme einen starken Aufforderungscharakter, z. B. bei der Verwendung von Verkehrszeichen. Andere Anwendungsgebiete sind bspw. Leitsysteme an Flughäfen, Bahnhöfen oder Sportanlagen. Anders gesagt: Menschen begegnen ihnen täglich.[9]

Ökonome und Gestalter wie Otto Neurath, Otl Aicher oder Herbert W. Kapitzki waren Entwickler von Piktogrammen und Leitsystemen. Für Otto Neurath sind Piktogramme Elemente eines Systems von absoluter Geltung.[10] Das Piktogramm ist für ihn ein Teil des Leitsystems, welches einmalig und durch kein anderes in der Aussage zu ersetzen ist. Otl Aicher sagte hingegen dazu, dass das Piktogramm Zeichencharakter haben muss und keine Illustration sein sollte.[11] Für Herbert W. Kapitzki ist ein Piktogramm ein ikonisches Zeichen, welches die Eigenschaften der darstellenden Figuration abbildet und durch Abstrahieren Zeichenqualität erhält.[12] Die Definitionen der drei Entwickler geben Aufschluss über die Optik, die Aufgabe und die Geschichte der Piktogramme. Allerdings gibt es noch die Semiotik, die Zeichenlehre, die in Kapitel 2.2 genauer beschrieben wird. Sie zeigt zusätzliche Aspekte des Piktogramms auf. Außerdem gibt es neben den Piktogrammen noch andere Arten von Zeichen, die den Piktogrammen zwar sehr ähnlich sind und auch gerne verwechselt werden, aber nicht zu dieser Rubrik gehören. Darauf wird im folgenden Unterkapitel näher eingegangen und die Abgrenzungsmöglichkeiten erläutert.

2.1 Abgrenzungen

Um den Begriff „Piktogramm“ besser verstehen zu können, gibt dieses Kapitel Aufschluss über andere oder sehr ähnliche Zeichen. Ein Piktogramm ist immer in Kombination mit folgenden Begriffen anzutreffen: Ikon, Index und Symbol. Wobei nicht immer alle drei Zeichen vorhanden sein müssen. Als erstes wird auf das Index eingegangen. Im Gegensatz zu den Symbolen und den Ikonen ist das Index ein natürliches Zeichen. Ein Blitz am Himmel ist ein Anzeichen dafür, dass es bald ein Unwetter gibt. Auch ein „Achtung giftig“ Symbol auf einer Flasche ist ein Index dafür, dass der Inhalt der Flasche giftig ist, aufgrund der Tatsache, dass das Symbol auf der Flasche ist. Ein Index hat einen direkten räumlichen Bezug und kann über ein Symbol oder ein Ikon visualisiert werden. Es steht in einem direkten räumlichen und zeitlichen Bezug zu seinem Bezeichneten und hat in der Regel keinen bewussten Sender. Dennoch messen wir den Kennzeichen eine Bedeutung zu.[13]

Dies führt zum nächsten Begriff, welches zu den künstlichen Zeichen gehört. Das Ikon ist ein vom Menschen erschaffenes Zeichen. Im Gegensatz zum Piktogramm hat das Ikon keinen Aufforderungscharakter. Es muss nicht von jedem verstanden werden und ist oft ein Abbild dessen, was es bezeichen soll. Die Bedeutung hinter einem Ikon muss in der Regel erst erlernt werden. So sind z. B. die Ikonen auf Macintosh OS Betriebssystem nicht sofort für jeden ersichtlich (siehe Abb.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ikonen von Mac OS Betriebssystem

Für jemanden, der nicht weiß, was die blaue Form mit dem weißen „S“ bedeutet, ist das Ikon nicht verständlich und hat keine Bedeutung. Ebenso verhält es sich mit den anderen Ikonen, zum Beispiel dem Adler auf der Briefmarke. An dieser Stelle ist nicht klar, dass es sich um ein E-mail Programm handelt, genauso könnte es ein Symbol für Freiheit oder Reisen sein. Dies macht deutlich, dass sich die Begriffe Ikon und Symbol vermischen. So steht der Adler symbolisch für einen Emailtransfer, wobei es gleichzeitig ein Ikon ist. (Der Begriff Symbol wird auf den folgenden Seiten beschrieben).

Zudem weisen die Ikone vom Apple-Betriebssystem einen hohen Ikonozitätsgrad auf (siehe übernächsten Abschnitt für eine Definition von Ikonozitätsgrad) und den Versuch, plastische Ikone zu entwerfen. An dieser Stelle seien auch die „Smilies“ zu erwähnen, die im WWW einen großen Stellenwert erlangt haben. Die Zeichen „J“ repräsentieren ein „Gefühl“ des Senders, daher auch der Name „Emoticon“, welches vom englischen „Emotion“ und „Icon“ kommt, übersetzt: Gefühl und Ikon. Sie sollen die Kommunikation zwischen Menschen, die neue Medien benutzen, vereinfachen und kommunikative Missverständnisse, die durch den Text entstehen, vermeiden. Vor allem bei jüngeren Generationen, die technische Medien heutzutage täglich benutzen, finden sie Gefallen. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass die Anwendungsbereiche für Ikone vor allem PCs, Displays, Maschinen und Dokumentationssysteme sind.

Ikone weisen in der Regel eine quadratische Form auf. Sie müssen eine klare Aussage haben und sind auf das Wesentlichste reduziert. Zusätzlich sollten sie nur eine einzige Aussage zulassen und dennoch sehr umfangreiche Botschaften transportieren. Ein Ikon ist ein Zeichen, welches zu seinem Objekt vor allem in Ähnlichkeits- oder Abbildungsbeziehung steht. Diese Ähnlichkeit könne visuell, z. B. in gegenständlichen Bildern, Skulpturen, Diagrammen u.a., akustisch [...] oder anders bedingt sein.[14]

Daraus wird auch der Begriff Ikonizitätsgrad schlüssig, denn je mehr das Abbild mit dem Bezeichneten übereinstimmt, desto größer ist der Ikonizitätsgrad. Das Gegenteil zum Ikonozitätsgrad stellt der Abstraktionsgrad dar. Ein Ikon ist immer in einem Piktogramm (sehr stilisiert)enthalten. Allerdings ist ein Piktogramm stark vereinfacht und somit kann an ihm sowohl der Ikonozitätsgrad als auch der Abstraktionsgrad, welcher in der Regel sehr hoch ist, gemessen werden. Der Unterschied zwischen Ikon und Piktogramm ist, dass das Ikon dem Abzubildenden sehr nahe kommen will. Das Piktogramm ist abstrakt und braucht immer sowohl eine Umgebung, einen Index, sowie ein ikonisches Abbild und kann zusätzlich ein Symbol als Zeichen besitzen. Durch die Stilisierung ist die Bedeutung des Piktogramms im Gegensatz zum Ikon schneller klar.

Im Gegensatz zum Index und dem Ikon hat das Symbol keine visuelle Abhängigkeit von dem bezeichneten Objekt (vgl. Schriftzeichen). Das Zeichen steht für etwas, das eventuell zu komplex oder zu vieldeutig ist, um es bildhaft darstellen zu können. Ihre Erscheinungsformen sind demzufolge vom Sender frei wählbar und beruhen auf Bedeutungsvereinbarungen zwischen dem Sender und dem Empfänger.[15]

Das heißt im Umkehrschluss, dass das Symbol mit dem Bezeichneten keine Ähnlichkeit haben muss. Es bildet etwas anderes ab, als es bedeutet. So steht ein Kreuz nicht für zwei sich rechtwinklig schneidende Geraden, sondern für das Christentum. Natürlich müssen auch Symbole erlernt werden und können in anderen Kulturen andere, oder auch keine Bedeutungen haben. Farben können symbolhaft in verschiedenen Kulturen für etwas anderes stehen. So ist z. B. die Farbe Rot in China ein Symbol für Glück und in Deutschland ein Zeichen für Gefahr und Liebe. Aber auch Buchstaben sind Zeichen, die zusammengesetzt ein Wort ergeben und symbolhaft für

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Exit Schild, Quelle: constructionstore/Exit

etwas stehen können. Führen wir nun alle drei genannten Zeichen zusammen, so kann als Beispiel das „Exit” Schild aufgeführt werden (s. Abb. 2). Das Piktogramm besteht aus Ikonen – der rennende Mensch und die offene Tür. Zudem aus Symbolen – der Pfeil, die Farbe und die Form und der Umgebung – dem Index, in der sich das Schild befindet.

Ein weiteres Zeichen, dass sich von dem Piktogramm, unterscheidet ist das Signet. Das Wort Signet ist lateinisch und bedeutet Zeichen. Sinngemäß ist es ein Zeichen für eine Unterschrift oder ein Siegel. Oft wird ein Produkt oder eine Idee mit einem Signet visualisiert und kann für sich selbst stehen. Ein Signet kann ein Qualitätsmerkmal, Warenzeichen, Markenzeichen oder Gütesiegel sein und kann damit für die Qualität eines Unternehmens stehen. Die Arten eines Signets sind Bildmarken, Buchstabenmarken, Wortmarken oder Kombinationen. Eine reine bildhafte Darstellung eines Unternehmens ist demnach kein Logo, sondern ein Signet. (An dieser Stelle sei erwähnt, dass im nächsten Kapitel eine genaue Erklärung des Begriffs Logo folgt.) Beispiele für diese Arten sind das Apple Zeichen, welches eine Bildmarke ist, Siemens als Wortmarke, Sparkasse als Buchstabenmarke und Adidas als Kombination. Eigenschaften von Signets sind die Einzigartigkeit, die Einprägsamkeit, Produktzugehörigkeit und Aussagekraft und ähneln daher den Piktogrammen.[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: BMW Logo, Quelle: motor-talk/bmw-Logo

Im Gegensatz zum Signet hat das Logo einen „Claim”, also eine Forderung in einem Satz. Beim Signet ist es das „Credo” – die Auffassung der Marke. Das Wort Logo bedeutet im Griechischen „sinnvolles Wort“. Sinnvoll sollte in diesem Sinne die Gestaltung des Logos, welches die Visitenkarte einer Marke ist, sein. In einem Logo ist in der Regel immer ein Schriftzug in irgendeiner Form zu finden. Ein Beispiel hierfür ist das BMW Logo (s. Abb. 3). Hier ist die Kombination von Text, Bild und dem „Claim” zu erkennen.[17] Ein Logo weist immer eine Identifikations- und eine Kommunikationsfunktion auf. Das Logo kann zudem aus grafischen Bestandteilen bestehen, es visualisiert das Unternehmen und ist oft der erste Kontakt zum Kunden. Daher sollte das Unternehmen durch das Logo identifizierbar sein. Zusätzlich sollte es zu den verschiedenen Werbemaßnahmen passen und darauf anwendbar sein.[18]

Ein weiteres Zeichen ist das Ornament, welches der Strukturierung oder Verschönerung von Dokumenten dient. Diese können grafisch oder typografisch dargestellt werden. Je nach Art des Ornamentes stehen verschiedene Anwendungen im Vorder- oder Hintergrund. Insgesamt haben Ornamente keinen Aufforderungscharakter und keine inhaltliche Bedeutung – im Gegensatz zu den Ikonen und Piktogrammen.[19] Diagramme, Kartogramme und Phonogramme seien an dieser Stelle ebenfalls zu erwähnen. Ein Diagramm ist eine Funktionsdarstellung und ein visuelles Zeichen, welches teilweise eine ikonische Darstellung ist. In diesem Funktionskomplex können z. B. Sachverhalte erklärt werden. Ein Beispiel für die Vermischung von Diagramm und Piktogramm ist Otto Neuraths Wiener Methode, in der er versuchte, durch Piktogramme komplexe Sachverhalte zu erklären (dazu mehr in Kapitel 3.2.2). Ein Kartogramm beschreibt und stellt geografische Örtlichkeiten dar. Das Kartogramm besitzt Funktionskomplexe und ikonische Darstellungen. Das Piktogramm eines Flugzeuges steht zum Beispiel als Zeichen für einen Flughafen, oder den Grundriss eines Hauses und wird ikonisch dargestellt. Ein Phonogramm ist dagegen ein akustisches Zeichen, das durch bestimmte Laute ein Signal auslöst. Zum Beispiel ist die Klangabfolge der T-Mobile Werbung ein Signal für das Unternehmen. Viele Unternehmen benutzen die Akustik, so dass sich das Unternehmen zusätzlich zu den visuellen Zeichen im Gedächtnis einprägt. Die wichtigsten Zeichen sind in Tabelle 1 kurz zusammengefasst.[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Abgrenzungen, Quellen: BöhringerBühlerSchlaich2011, S.432, s. Abb. 1,2,3

2.2 Das Piktogramm und die Semiotik

Marshall McLuhan schaffte es, der Öffentlichkeit bewusst zu machen, dass die verbale Kommunikation durch die visuelle Kommunikation und die neuen Medien ergänzt wird. Die nonverbalen Aspekte müssen bei der Betrachtung von Texten berücksichtigt werden. Die moderne Zeichenlehre, die sich anfangs nur mit der verbalen Kommunikation auseinander gesetzt hat, beleuchtet seit Ende des 19. Jahrhunderts auch die nonverbale Kommunikation. Eine umfassendere Betrachtung der Piktogramme bietet die Zeichenlehre – die Semiotik.Diese wird durchzwei Richtungen gekennzeichnet: Die Analyse der sprachlichen Zeichensysteme und die der nonverbalen Zeichensysteme. In diesem Kapitel beschränkt sich die Autorin ausschließlich auf die non-verbalen Zeichensysteme. Die semiotische Erscheinungsform hängt nicht nur von der Technik der Medien ab, sondern auch von ihrer Organisation. Das heißt, ausschlaggebend ist nicht die neuste Technik für die Semiotik, sondern die Aufarbeitung der Inhalte in der Technik bzw. in den Medien. Der Philosoph Charles S. Peirce entwickelte die triadische Struktur des Zeichens. Diese besteht aus Signifikat, Signifikant und Referent. Der Signifikant ist das Zeichen, also das Piktogramm, welches das Objekt/Referent abbildet. Hingegen bezeichnet das Signifikat die Bedeutung oder Interpretation des Signifikants.[21] Gegenstände, Tiere und Menschen werden als etwas ‚Seiendes” bezeichnet. Der Begründer Charles Sanders Peirce gab zudem drei Möglichkeiten an, wie Seiendes erkannt wird:

- „Das Positive und ohne Beziehung zu irgend etwas anderem Seiende.
- Das in einer Beziehung zu einem zweiten Seienden stehende Sein.
- Das Seiende, das eine Beziehung zwischen einem zweiten und dritten Seienden herstellt.”
[22]

Mit diesen Möglichkeiten beschreibt er die Syntax und das Paradigma eines Piktogramms (siehe Kapitel 2.3). Ein Zeichen kann nämlich von verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Hierzu zählt die Syntaktik, Sigmatik, Semantik und Pragmatik. Diese Teilgebiete der Semiotik werden in den folgenden Unterkapiteln erklärt.

2.2.1 Das Piktogramm und die Semantik

Die Semantik bezeichnet die Beziehung zu seinem Bezeichneten. Für das Verstehen der Bedeutung des Senders ist nicht nur das Zeichen allein verantwortlich, sondern auch der Kontext. Ist bspw. die Rede von einem Hahn, entscheidet der Kontext, um welchen Hahn es sich handelt – der Wasserhahn oder das Tier. An diesem Beispiel wird deutlich, wie wichtig der Kontext für die Deutung ist. Dabei ist zwischen den Zeichen zu unterscheiden, die nur in einer Situation eine Bedeutung haben, oder, wie das vorige Beispiel mit dem Hahn, in verschiedenen Situationen. Ersteres nennt sich unisituational, letzteres plurisituational. Umso größer das gemeinsame Zeichenrepertoire, desto größer ist die Verständigungsmöglichkeit. Umstände, welche die Bedeutung des Zeichens beeinflussen können, sind zum Beispiel die Umgebung, das Wissen, die Kultur, die sozialen Umstände und in Kombination stehende Zeichen.[23]

Bilder stehen immer im direkten Bezug zur Semantik. Sie können, im Gegensatz zum Text, besser mit bereits bekannten Situationen verglichen werden. Die semantische Erinnerung muss bei Bildern, anders als bei Worten, neu entstehen.[24] Das Zeichen/Bild wird mit dem vorhandenen Wissen verknüpft. Diese Art der Verarbeitung wird auch als elaboratives Verarbeiten bezeichnet. Eine solche tiefe semantische Verarbeitung mit Sprache zu erzielen, ist hingegen sehr schwierig. Die Sprachvielfalt und die Weltsysteme können Kommunikationsgrenzen darstellen. Bilder können dieses Problem teilweise lösen, deshalb ist der Grafikgebrauch im Informationsdesign besonders beliebt.

2.2.2 Das Piktogramm und die Sigmatik

Zeichen stehen nie für sich selbst, sondern sie repräsentieren etwas Anderes. Dieses Verhältnis zwischen den Zeichen und dem Bezeichneten untersucht die Sigmatik. Ebenso die Art von Objekten, um die es sich dabei handelt. Die sigmatischen Bezugsebenen entsprechen dabei den verschiedenen Wirklichkeitsbereichen der zu

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4:Recycling, Quelle: J/W/2012

bezeichnenden Objekte. Zwischen dem Sender und dem Empfänger wird eine Zeichenbedeutung ausgemacht. Diese muss dem bezeichneten Objekt nicht zwingend ähnlich sein. Abb. 4 stellt das Recycling dar und zeigt, dass das Abgebildete nichts mit dem Zeichen gemein haben muss. In diesem Fall wird der Vorgang des Recyclings symbolisch vereinfacht.

Trotzdem gilt: Desto ähnlicher das Verhältnis, umso eher wird es verstanden. Ein kulturneutrales Motiv ist wichtig, um zu gewährleisten, dass dieses in jeder Kultur eindeutig verstanden werden kann. Die Schrift, die oft in Verbindung mit den Zeichen steht, wird ebenfalls zu den Symbolen gezählt, denn diese müssen ebenfalls erlernt werden. Die Bildkategorien der Sigmatik sind: Index, Ikon und Symbol. Diese drei Teile können ein Piktogramm verkörpern. Das Piktogramm hat immer das Index, also die Umgebung und ein ikonisches oder symbolisches Zeichen. Zusätzlich kann es ein oder mehrere Symbole besitzen.[25] Ein bekanntes Ikon ist ein Mann auf einer Tür. Dies deutet darauf hin, dass sich hinter der Tür ein WC befindet. Bei diesem Piktogramm ist ein Ikon und ein Index (die Tür) vertreten, jedoch kein Symbol. Hingegen ein Ikon, welches einen Feuerlöscher abbildet und von einem roten Quadrat umgeben ist und an einer Tür anzutreffen ist, zusätzlich ein Symbol aufweist. Dieses Piktogramm besteht wiederum aus einem Ikon (dem Feuerlöscher), dem Index (die Tür) und dem roten Quadrat als Symbol. Dieses Piktogramm erklärt, dass sich hinter der Tür ein Feuerlöscher befindet.

2.2.3 Das Piktogramm und die Syntaktik

Die Syntaktik bezeichnet die Beziehung zu formalen Mitteln. Dazu gehören Form, Farbe, Helligkeit, das Material und die Bewegung. Es gilt bei Piktogrammen eine idealtypische und eindeutige Form zu finden und sich dabei auf ausgewählte formale Mittel zu beschränken. Es sollte präzise sein, da es erst dadurch die Zeichenhaftigkeit erhält. Ein zu komplexes Piktogramm birgt die Gefahr, nicht als ein stellvertretendes Zeichen wahrgenommen zu werden, sondern als ein Ikon aufgrund des zu hohen Komplexitätsgrades. Die Systemhaftigkeit wirkt sich positiv auf das schnelle richtige Interpretieren der Zeichen aus. Dafür sollten die formalen Voraussetzungen für Piktogramme gegeben sein, um es auf andere Piktogramme dieses Systems übertragen zu können. Dazu gehören Grundsätze wie die Größe, Prägnanz und Erkennungszeichen von Form und Farbe.[26] Welche visuellen Mittel eingesetzt werden, hängt insbesondere von den Einschränkungen des Mediums ab.

Der Grundsatz der Form in der Piktogrammgestaltung eignet sich sehr, um Informationen zu transportieren. Der Kreis ist bspw. eine einheitliche Krümmung, wirkt ruhig und hat kein Anfang und kein Ende, somit ist es das Ursymbol für Vollkommenheit und Geschlossenheit. Das Quadrat hat zudem eine ruhige Ausstrahlung. Es wirkt statisch und stabil durch die parallelen Linien und die rechten Winkel. Das Dreieck wirkt hingegen aktiv durch die fallenden oder liegenden Formen. Im Verkehrswesen steht es zum Beispiel für Gefahr (s. Abb. 7 in Kapitel 3.2.1). Ein rundes Zeichen gibt lediglich Hinweise. Der Einsatz von Farben ist auch ein gutes Mittel, um Informationen zu vermitteln. Mit Farben können Inhaltsbereiche untereinander gegliedert oder Inhaltsbereiche von Funktionsbereichen getrennt werden. Farbwahrnehmung ist eine individuelle Reaktion und hat deshalb eine emotionale Wirkung. Die Aufmerksamkeit, sowie auch die Wiedererkennbarkeit, kann durch Farbe gesteuert werden. Trotzdem gibt es in unterschiedlichen Kulturen verschiedene symbolische Bedeutungen von Farben. Zum Beispiel steht die Farbe Rot in Europa sowie in den USA für Gefahr, Liebe und Macht; in Afrika und Ägypten hingegen für Trauer; in Malaysia für Stärke und in China für Glück. Der Farbeinsatz sollte daher immer im Bezug auf den Kontext eingesetzt werden. Ein rotes Schild auf einer roten Internetseite macht bspw. wenig Sinn, auch ein grünes Schild auf einer Wiese hebt sich von der Umgebung nicht ab und verliert dadurch an Aufmerksamkeit.[27]

Es gibt einige Bezeichnungen, welche die grafische Prägnanz verbessern, die im Folgenden erklärt werden. Die „Figur-Grund Beziehung“ wird besonders bei Piktogrammen im Web wichtig. In der Regel gilt, dass weiße Flächen in den Hintergrund gelangen und schwarze in den Vordergrund. Dabei spielen die Größenanteile der Farbflächen keine große Rolle. Die Kontur wird durch eine Umrandung des Piktogramms erzielt oder durch den Kontrast zum Hintergrund. Die Zusammengehörigkeit eines Vorgangs wird durch die Geschlossenheit demonstriert. Piktogramme mit Konturlinien werden schneller erkannt und der Zusammenhang ist schneller ersichtlich. Die Kontinuität des Piktogramms beeinflusst zudem dessen Wahrnehmbarkeit. Gleichgroße und gleichgeformte Elemente eines Piktogramms sorgen für Einheitlichkeit und dadurch für Zusammengehörigkeit der Piktogramme in einem Leitsystem. Zudem beeinflusst die Symmetrie das Erkennen von Piktogrammen, da die menschliche Wahrnehmung symmetrische Darstellungen bevorzugt. Zudem ist die Stilisierung nicht zu unterschätzen, durch welche das Erkennen leichter fällt. Durch die bereits erwähnten Faktoren wird eine grafische Prägnanz erreicht, die ein gelungenes Leitsystem ausmacht. Die syntaktische Verbindung von Piktogrammen ist viel aufwändiger als die Aneinanderreihung von Wörtern. Trotzdem muss dieser Aufwand in Relation mit der schnellen kognitiven Verarbeitung betrachten werden.[28]

2.2.4 Das Piktogramm und die Pragmatik

Unter der Pragmatik wird die Beziehung zu seinem Empfänger bezeichnet. Dazu zählen dieInterpretationsmöglichkeiten des Empfängers und die Absicht des Senders, wie das Zeichen auf den Empfänger wirken soll. Eine eindeutige Interpretation ist für ein Piktogramm Pflicht. Hierbei spielt die richtig angewandte Syntaktik und Semantik eine große Rolle. Um das Piktogramm eindeutig erkennen zu können, ist es wichtig das System, in dem das Piktogramm auftaucht, zu verstehen. Es bietet sich an, andere Piktogramme des Systems zu betrachten, um eine eindeutige Interpretation zu gewährleisten. Zudem gibt es verschiedene Absichten, die ein Piktogramm verfolgen kann, beziehungsweise die der Sender verfolgt: die indikative, suggestive und

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Pragmatik, AbdullahHübner2005, S.17

imperative Absicht. Diese drei Absichten werden anhand der Grafiken in Abb. 5 erläutert. Die Grafik oben links zeigt die indikative Absicht, ohne durchgestrichener Linie und zusätzlicher Form und Farbe. Hier wird lediglich der Betrachter darüber informiert, dass das Rauchen erlaubt ist, (aber Personen nicht rauchen müssen) – eine Beeinflussung des Denkens findet statt. Die mittlere Grafik ist die imperative Absicht. Diese Absicht soll den Betrachter in seinem Handeln beeinflussen. Bei dieser Grafik ist das Rauchen verboten und der Betrachter sollte das Rauchen an diesem Ort unterlassen. Dies wird durch das rot durchgestrichene Zigaretten-Ikon deutlich. Die letzte Grafik, rechts, zeigt ein Zigaretten-Ikon in einer Lunge. Diese ist die suggestive Absicht und soll den Betrachter beeinflussen, so dass dieser mit dem Rauchen grundsätzlich aufhört. In diesem Kontext ist die Absicht Gefühle zu beeinflussen, denn es wird bspw. auf die gesundheitlichen Schäden durch das Rauchen verwiesen. Besonders häufig kommt allerdings die imperative und indikative Form der Piktogramme zum Einsatz. Im Straßenverkehr werden oft Zeichen mit einer rot durchgestrichenen Linie verwendet.

[...]


[1] Watzlawick/Beavin/Jackson 1969, S. 60

[2] Beck 2007, S. 80.

[3] Vgl. Beck 2007, S. 79 f.

[4] Vgl. Beck 2007, S. 19

[5] Vgl. Kübler 2011, S. 37 ff.

[6] Vgl. Stapelkamp 2010, S. 269

[7] Stapelkamp 2010, S. 23

[8] Vgl. Duden/Piktogramm

[9] Vgl. Böhringer/Bühler/Schlaich 2011, 433 f.

[10] Vgl. Abdullah/Hübner 2005, S.10

[11] Vgl. Abdullah/Hübner 2005, S.10

[12] Vgl. Abdullah/Hübner 2005, S.10

[13] Vgl. Abdullah/Hübner 2005 S.14 f.

[14] Vgl. Nörth 1975, S.12

[15] Vgl. Abdullah/Hübner 2005, S. 15.

[16] Vgl. Signet/Typografiker

[17] Vgl. Alexander 2013, S. 461.

[18] Vgl. Signet/Typografiker

[19] Vgl. Alexander 2013, S. 433

[20] Vgl. Abdullah/Hübner 2005, S. 11

[21] Vgl. Böhn/Seidler 2008, S.7

[22] Aicher/Krampen 1996, S. 10

[23] Vgl. Abdullah/Hübner 2005, S. 14

[24] Vgl. Schuster/Woschek 1989, S. 148

[25] Vgl. Abdullah/Hübner 2005, S. 14 ff.

[26] Vgl. Abdullah/Hübner 2005, S. 16

[27] Vgl. Alexander 2013, S. 12 ff.

[28] Vgl. Staufer 1987, S.101 ff.

Ende der Leseprobe aus 96 Seiten

Details

Titel
Piktogramme: Der Weg zur visuellen Weltsprache unter Einfluss von Kunst und Technologie
Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
96
Katalognummer
V263567
ISBN (eBook)
9783656524434
ISBN (Buch)
9783656529422
Dateigröße
3194 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Design, Kunst, Medien, Piktogramm
Arbeit zitieren
Elaine Puhek (Autor), 2013, Piktogramme: Der Weg zur visuellen Weltsprache unter Einfluss von Kunst und Technologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263567

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