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Ostexpansion und deutsche Literatur

Verbreitung der Blut-und-Boden-Ideologie aus Hitlers "Mein Kampf" in der NS-Literatur

Title: Ostexpansion und deutsche Literatur

Examination Thesis , 2012 , 95 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Frank Bodesohn (Author)

Didactics for the subject German - History of Literature, Eras
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Summary Excerpt Details

In der Literatur der Neuzeit findet sich eine Epoche, die einige Besonderheiten aufweist. Sind die literarischen Epochen und Strömungen bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts eher fließend voneinander abgegrenzt und ist der Einfluss von Politik auf das literarische Schaffen meist einer unter vielen Faktoren, vollzieht sich 1933 ein scheinbarer Bruch. Die folgende Epoche ist in Inhalt, Benennung und Dauer politisch definiert durch die nationalsozialistische Herrschaft in Deutschland und des dadurch bedingten Terrors, der in Europa wütete.
Die Literatur dieser Epoche ist in sich nochmals durch die politische Einstellung der Autoren geteilt. Am bekanntesten und am besten erforscht sind die Werke von Autoren, die sich gegen das NS-Regime wandten und – auf freiwilliger oder erzwungener Basis – Deutschland verließen. Diese „Exilliteratur“ wird zumeist als Referenz für die deutschsprachige Literatur von 1933-1945 angegeben, teilweise wird auch noch ein – jedoch umstrittenes – Konzept „Innere Emigration“ als Nachweis für innerhalb der Grenzen Deutschland geschaffene Literatur angeführt.
Eine bisher eher wenig beachtete und demnach mittlerweile auch überwiegend unbekannte Literatur der genannten Zeit ist jene, die innerhalb Deutschland geschaffen wurde und der politischen Linie der nationalsozialistischen Regierung entsprach. Diese NS-Literatur geriet – vor 1945 zur Staatsräson erhoben – nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ weitgehend in Vergessenheit; die Nichtbeachtung der NS-Literatur wird oftmals mit der minderwertigen Qualität der Werke erklärt, jedoch ohne dass eine tatsächliche Auseinandersetzung mit der Epoche erfolgt. Dass die von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken massiv geförderten Autoren ein zum Teil umfangreiches Werk hinterließen, wird dabei missachtet.
Eine Gemeinsamkeit dieser Werke ist das Vertreten der politischen Linie des Nationalsozialismus, wie sie in „Mein Kampf“ vorgegeben wurde. Diese zum Teil stark epigonale Umsetzung von Politik in Literatur, durch die manche Autoren zu Verfassern von reinen Propagandawerken wurden, ist einer der Gründe, warum das Schaffen der NS-Literaten nach 1945 verschwiegen wurde.
Zum Verständnis der Zeit von 1933-1945 ist es jedoch unabdingbar, auch die Literatur dieser zwölf Jahre aufzuarbeiten. Exemplarisch sei hierfür die „Ostexpansion“ als Ziel des Nationalsozialismus aufgegriffen [...].
Ausgewählt wurden die Literaturgattungen Roman, Lyrik und als NS-spezifische Unterkategorie der Dramatik da

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff „Blut und Boden“

3. Die Programmschrift des Nationalsozialismus: Hitlers „Mein Kampf“

4. Der Roman als Propagandainstrument des NS-Regimes

4.1. Schlagwort zur Ostexpansion und „Ferienbuch für Landgerichtsdirektoren“: Hans Grimms „Volk ohne Raum“

4.2. Die Saga des „Germanenzugs“: Hanns Johsts „Ruf des Reiches – Echo des Volkes“

4.3. Trivialliteratur zur nationalsozialistischen Ostpolitik

4.3.1. Eva Schauwecker: „Heimkehr aus Wolhynien“ und „Sommer im Wartheland“

4.3.2. Gustav Ucickys Propagandafilm „Heimkehr“

4.3.3. Karl Götz: „Die große Heimkehr“

5. Lyrik im Zeichen des Nationalsozialismus

5.1. Agnes Miegel und die bedrohte Heimat im Osten

5.2. Josefa Berens-Totenohl: Die Verschmelzung von Blut und Boden

6. Das Thingspiel: Der „Neubau des deutschen Theaters“ als Massenerlebnis

6.1. Zur Besonderheit der Gattung

6.2. Richard Euringers „Deutsche Passion 1933“ und „Totentanz“. Deutsche Auferstehung und Vernichtung der Internationale

6.3. Arbeit als Einigung des deutschen Volkes: Kurt Heynickes „Neurode“ und „Der Weg ins Reich“

6.4. Eberhard Wolfgang Möller: „Das Frankenburger Würfelspiel“. Umdeutung historischen Freiheitskampfes zum Blut-und-Boden-Spektakel

7. Schlussbetrachtung

8. Literatur

8.1. Primärliteratur

8.2. Sekundärliteratur, sonstige Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die literarische Verbreitung und Umsetzung der „Blut-und-Boden-Ideologie“ sowie des Konzepts der „Ostexpansion“ in ausgewählten Werken der nationalsozialistischen Literatur. Ziel ist es aufzuzeigen, wie politisch-weltanschauliche Vorgaben aus Hitlers „Mein Kampf“ in verschiedenen Gattungen wie Romanen, Lyrik und dem Thingspiel instrumentalisiert wurden, um Angriffskriege zu rechtfertigen und ein völkisch-rassistisches Weltbild zu propagieren.

  • Analyse der Blut-und-Boden-Ideologie und ihrer Funktion für die NS-Propaganda
  • Untersuchung von Romanen als Propagandainstrumente am Beispiel von Hans Grimm, Hanns Johst und Trivialliteratur
  • Erforschung der Lyrik im Dienste der NS-Ideologie und Führerverehrung
  • Betrachtung des Thingspiels als völkisch-religiöses Massenerlebnis
  • Kritische Einordnung des propagandistischen Potentials der NS-Literatur

Auszug aus dem Buch

4.1. Schlagwort zur Ostexpansion und „Ferienbuch für Landgerichtsdirektoren“: Hans Grimms „Volk ohne Raum“

Der Autor Hans Grimm wurde 1875 in Wiesbaden geboren und verstarb vierundachtzigjährig in Lippoldsberg. In jungen Jahren arbeitete er als Kaufmann und Presseberichterstatter in Südwestafrika. Nach seiner Teilnahme als Kanonier im Ersten Weltkrieg lebte er ab 1918 als Schriftsteller. Er bekannte sich – obwohl er kein Mitglied der NSDAP war – während des NS-Regimes und auch nach 1945 offen zum Nationalsozialismus. Unter der Hitlerregierung zog er sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück, was vor allem an seinem gespannten Verhältnis zu Joseph Goebbels lag. Daraus resultiert, dass das Hauptwerk Grimms vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten erschien, während er zwischen 1933 und 1945 kaum publizierte.

Bekannt wurde Hans Grimm in erster Linie durch seinen Roman „Volk ohne Raum“, dessen Titel zum Schlagwort innerhalb der NS-Ideologie wurde; das annähernd 1300 Seiten umfassende Werk erschien in Erstauflage 1926. Die vier Bände des Romans sind mit „Heimat und Enge“ (S. 7-335), „Fremder Raum und Irregang“ (S. 337-659), „Deutscher Raum“ (S. 661-925) und schließlich „Volk ohne Raum“ (S. 927-1299) überschrieben. Der Roman „Volk ohne Raum“ ist neben „Mein Kampf“ das einzige hier behandelte Werk, das vor 1933 erschien, wodurch keine Einflussnahme des totalitären NS-Regimes auf den Autor erfolgt sein kann. Dies steht jedoch der Untersuchung des Romans nach Überschneidungen mit Adolf Hitlers Thesen – im Speziellen bezüglich der Expansion Deutschlands – nicht entgegen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die politische Definition der Literatur während des Nationalsozialismus und ordnet die Untersuchung in den Kontext der NS-Literatur ein, deren Zielsetzung die Verbreitung der Ideologie war.

2. Der Begriff „Blut und Boden“: Dieses Kapitel klärt das zentrale Konzept innerhalb des nationalsozialistischen Weltbildes, das die Verbindung von Volkszugehörigkeit und Grundbesitz betont und die Forderung nach Lebensraum begründet.

3. Die Programmschrift des Nationalsozialismus: Hitlers „Mein Kampf“: Hier wird Hitlers Programmschrift als ideologische Grundlage analysiert, die die Notwendigkeit einer Ostexpansion und die rechtliche Definition von Bodenpolitik festlegt.

4. Der Roman als Propagandainstrument des NS-Regimes: Das Kapitel untersucht, wie literarische Werke wie die von Grimm, Johst und anderen dazu genutzt wurden, die nationalsozialistische Expansionspolitik und das Bild eines völkisch-bäuerlichen Lebens in Romanform zu propagieren.

5. Lyrik im Zeichen des Nationalsozialismus: Hier wird analysiert, wie Gedichte von Agnes Miegel und Josefa Berens-Totenohl zur religiösen Überhöhung der Blut-und-Boden-Ideologie und zur Verehrung Adolf Hitlers eingesetzt wurden.

6. Das Thingspiel: Der „Neubau des deutschen Theaters“ als Massenerlebnis: Dieses Kapitel betrachtet die Gattung des Thingspiels als monumentale Theaterform, die dazu diente, das Volk zu mobilisieren und die NS-Ideologie in einer pseudoreligiösen Zeremonie darzustellen.

7. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass nahezu alle untersuchten Werke als Propagandainstrumente fungierten, die rassistische und expansionistische Ziele des Regimes legitimierten.

8. Literatur: Dieses Kapitel bietet eine umfassende Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Blut und Boden, Ostexpansion, NS-Literatur, Lebensraum, Propaganda, Thingspiel, Volk ohne Raum, Rassenlehre, völkische Ideologie, Antisemitismus, Hans Grimm, Hanns Johst, Agnes Miegel, Josefa Berens-Totenohl

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Verbreitung und Umsetzung der „Blut-und-Boden-Ideologie“ sowie der nationalsozialistischen Forderung nach Ostexpansion in verschiedenen literarischen Gattungen zwischen 1933 und 1945.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Verknüpfung von Bodenbesitz und Volkszugehörigkeit, die propagandistische Aufbereitung von Expansionszielen, die rassistische Überhöhung des „deutschen Bauerntums“ und die religiöse Stilisierung des Nationalsozialismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die instrumentelle Rolle der NS-Literatur bei der Rechtfertigung und Popularisierung des nationalsozialistischen Angriffs- und Expansionskrieges nachzuweisen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor führt eine literaturwissenschaftliche Analyse ausgewählter Werke durch, wobei er primärliterarische Texte mit den programmatischen Vorgaben Hitlers („Mein Kampf“) und anderen NS-Propagandaschriften vergleicht, um ideologische Überschneidungen aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen von Romanen (z.B. Hans Grimm), Lyrik (z.B. Agnes Miegel, Berens-Totenohl) und der spezifisch nationalsozialistischen Dramatik des Thingspiels.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, Blut-und-Boden-Ideologie, Ostexpansion, Lebensraum, Propaganda, Thingspiel und Rassenhygiene.

Wie wird das Konzept des „Lebensraums“ in der Literatur dargestellt?

Das Konzept wird in den untersuchten Werken häufig idyllisch als notwendige agrarische Lebensgrundlage für das „deutsche Volk“ dargestellt, wobei die Vertreibung oder Unterdrückung der ansässigen Bevölkerung (insbesondere der Polen) als historisch legitimiert oder gar gottgewollt gerechtfertigt wird.

Welche Rolle spielt das Thingspiel?

Das Thingspiel diente als monumentale Theaterform dazu, das Publikum in ein völkisch-religiöses Massenerlebnis einzubinden und politische Entscheidungen des NS-Regimes (wie Aufrüstung oder Besiedlung) als feierliche Handlungen darzustellen.

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Details

Title
Ostexpansion und deutsche Literatur
Subtitle
Verbreitung der Blut-und-Boden-Ideologie aus Hitlers "Mein Kampf" in der NS-Literatur
College
Saarland University  (Germanistik)
Grade
1,0
Author
Frank Bodesohn (Author)
Publication Year
2012
Pages
95
Catalog Number
V263568
ISBN (eBook)
9783656524427
ISBN (Book)
9783656530282
Language
German
Tags
Nationalsozialismus Hitler Mein Kampf Blut und Boden Ostexpansion Hans Grimm Volk ohne Raum Hanns Johst Eva Schauwecker Gustav Ucicky Karl Götz Agnes Miegel Josefa Berens-Totenohl Thingspiel Richard Euringer Eberhard Wolfgang Möller Kurt Heynicke Propaganda
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Frank Bodesohn (Author), 2012, Ostexpansion und deutsche Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263568
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