„Sterbehilfe in Belgien – taube und blinde Zwillinge wählen den Tod“
Die eineiigen Zwillinge Marc und Eddy V. (45) wurden taub geboren, verbrachten ihr komplettes Leben gemeinsam und begannen beide vor ein paar Jahren zu erblinden. Dies war der Auslöser für ihren Wunsch zu sterben. In Belgien ist aktive Sterbehilfe erlaubt, wenn der Erwachsene diesen Wunsch mehrmals äußert und ein Arzt bestätigt, dass der Patient unter dauerhaften und unerträglichen Schmerzen leidet, die nicht gelindert werden können. Trotzdem wurden Marc und Eddy von Klinik zu Klinik geschickt, weil viele Ärzte es ablehnten unter diesen Bedingungen die aktive Sterbehilfe zu gewähren. Ihre Eingeschränktheit zähle laut Gesetz noch nicht zu unerträglichem Leiden, meinte ein Krankenhaussprecher. Doch laut dem größeren Bruder, hätte die Angst ihre Familie nicht mehr zu hören oder zu sehen und sich selbst oder sich gegenseitig nicht mehr wahrzunehmen sie zu dieser Entscheidung getrieben. Sie waren nur noch erschöpft und saßen oft einfach nur in ihrer Wohnung, unfähig etwas zu tun. Das entspräche weder einer guten Lebensqualität noch einem menschenwürdigen Leben.
Im Gegensatz dazu nimmt auch die Deutsche Bischofskonferenz in Ansprachen und Predigten öffentlich Stellung dazu und meint zum Beispiel: „Die kontroversen Diskussionen über die Zulässigkeit der aktiven Sterbehilfe, […] zeigen erschreckend, wie sich die Auffassungen über die Menschenwürde und das Lebensrecht […] zu verschieben drohen .“ Oder auch: „Die aktive Sterbehilfe muss radikal abgelehnt werden. Sie ist und bleibt Tötung und vielleicht auch Selbsttötung. Beides ist gegen das 5. Gebot Gottes .“
Wie man sieht, ist Sterbehilfe ein immer wieder neu diskutiertes Thema, das die Gemüter erregt und für viel Gesprächsstoff sorgt, sowohl in der Politik, als auch in der Kirche. Geht man nämlich nach der deutschen Bischofskonferenz, hätte man Marc und Eddy den Wunsch zu sterben verwehren müssen.
Doch ist das ethisch vertretbar? Kann man jemanden das Sterben verbieten? Wer bestimmt überhaupt was erträglich ist und ab wann Sterbehilfe „erlaubt“ ist?
Und vor allem, wie sieht das für Christen aus: verbietet das 5. Gebot wirklich die Sterbehilfe?
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Sterbehilfe
2.1. aktiv
2.2. passiv
2.3. indirekt
3. Menschenwürdiger Tod
4. Pro und Kontra
4.1. Pro- für die Sterbehilfe
4.2. Kontra- gegen die Sterbehilfe
5. Fazit
6. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethische und moralische Zulässigkeit der Sterbehilfe vor dem Hintergrund gesellschaftlicher, rechtlicher und religiöser Diskurse. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob ein menschenwürdiger Tod durch aktive Sterbehilfe ermöglicht werden kann oder ob diese dem Lebensrecht und der Menschenwürde widerspricht.
- Differenzierung der verschiedenen Formen von Sterbehilfe (aktiv, passiv, indirekt)
- Analyse des Begriffs „menschenwürdiger Tod“
- Gegenüberstellung von Pro-Argumenten (Selbstbestimmungsrecht, Leidensminderung) und Kontra-Argumenten (ethische Bedenken, religiöse Gebote)
- Einordnung in den christlichen Glauben und das deutsche Rechtssystem
Auszug aus dem Buch
4.1 Pro- für die Sterbehilfe
Jeder Mensch liebt für gewöhnlich sein Leben und lebt gerne, was aber wenn nun ein einschneidendes Erlebnis geschieht, das sein Leben von Grund auf verändert? Man stelle sich mal folgende Situation vor: Ein Unfall und man sitzt im Rollstuhl, ist von der Brust abwärts gelähmt, bei allem was man tut von anderen abhängig, von seinem früheren Leben bleibt nichts mehr, außer die Erinnerungen. Man kann nie wieder alleine laufen, nie wieder alleine essen, nicht mal alleine auf die Toilette gehen. Man wird von den anderen Menschen komisch angeschaut, man ist „der mit der Behinderung; der, der irgendwie komisch aussieht“. Würde man so leben wollen? Unter diesen Umständen würde jeder wahrscheinlich mal über die Sterbehilfe nachdenken. Nun könnte man natürlich anbringen, dass auch dieser Mensch, ein Recht darauf hat zu leben, weil jedes Leben lebenswert ist und man ihn nicht zum Sterben zwingen bzw. auch noch bestärken sollte, aber wer bestimmt was ein Leben lebenswert macht: die Menschen, die sich um einen kümmern müssen, wenn man mal so endet oder man selber?
Es gibt aber noch so viele weitere Gründe, die eindeutig für die Sterbehilfe sprechen: Jeder Mensch hat doch das Recht selber zu entscheiden, wie er leben möchte. Warum sollte er dann nicht auch entscheiden können, wie und wann er sterben möchte? Diese Entscheidung gehört ebenfalls zum Recht auf Selbstbestimmung und sollte von jedem selbst getroffen werden. Spricht ein Patient klar den Wunsch aus, sterben zu wollen, kann man es ihm nach diese Recht nicht untersagen und ist somit als Arzt verpflichtet, entweder die lebenserhaltenden Maßnahmen abzuschalten oder dem Patient das Mittel zu geben, anderseits widersetzt man sich dem Wunsch des Patienten, womit man wieder bei dem Thema Menschenwürde wären, die damit ja wohl durchaus nicht ganz gestattet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Das Kapitel führt anhand des Fallbeispiels der belgischen Zwillinge Marc und Eddy V. in die komplexe und kontroverse Thematik der Sterbehilfe ein.
2. Sterbehilfe: Hier werden die unterschiedlichen Kategorien der Sterbehilfe – aktiv, passiv und indirekt – definiert und ihr jeweiliger rechtlicher sowie kirchlicher Status erläutert.
3. Menschenwürdiger Tod: Das Kapitel hinterfragt den Begriff des „guten Todes“ und setzt diesen in Bezug zur Menschenwürde und der palliativmedizinischen Begleitung.
4. Pro und Kontra: Hier werden die ethischen und rechtlichen Argumente beider Lager detailliert gegenübergestellt, wobei Aspekte wie Selbstbestimmung, ärztliche Pflichten und religiöse Überzeugungen diskutiert werden.
5. Fazit: Die Schlussbetrachtung resümiert die Schwierigkeit einer allgemeingültigen Regelung und unterstreicht die individuelle Komplexität der Entscheidung.
6. Anhang: Der Anhang bietet eine systematische Auflistung der verwendeten Literatur, Quellen und Bildnachweise.
Schlüsselwörter
Sterbehilfe, aktive Sterbehilfe, passive Sterbehilfe, indirekte Sterbehilfe, Menschenwürde, Selbstbestimmungsrecht, Ethik, christlicher Glaube, Lebensrecht, ärztliche Pflicht, Palliativmedizin, Suizid, Patientenverfügung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen und rechtlichen Debatte rund um die Sterbehilfe, insbesondere der Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen des Sterbens unter Berücksichtigung christlicher und rechtlicher Werte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind das Recht auf Selbstbestimmung, die Definition von Menschenwürde, die ärztliche Ethik im Umgang mit todkranken Patienten sowie die Positionierung der christlichen Kirchen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die verschiedenen Perspektiven auf die Sterbehilfe zu beleuchten und zu hinterfragen, ob aktive Sterbehilfe mit einer menschenwürdigen Lebensführung vereinbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der Auswertung von Fallbeispielen, rechtlichen Bestimmungen (StGB) sowie Stellungnahmen kirchlicher Vertreter basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Definition der Sterbehilfearten, eine philosophische Betrachtung des „menschenwürdigen Todes“ sowie eine tiefgehende Pro- und Kontra-Argumentation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sterbehilfe, Selbstbestimmung, Menschenwürde, ärztliche Ethik und Lebensrecht charakterisiert.
Warum wird das Beispiel der Zwillinge Marc und Eddy V. angeführt?
Dieses Fallbeispiel verdeutlicht die Diskrepanz zwischen individuellem Sterbewunsch, gesetzlichen Rahmenbedingungen und der ärztlichen bzw. gesellschaftlichen Ablehnung.
Inwiefern beeinflusst der christliche Glaube die Argumentation?
Der Glaube dient als wesentlicher Kontrapunkt, insbesondere durch das 5. Gebot, und verdeutlicht die kirchliche Sichtweise, die das Leben als Geschenk Gottes betrachtet und aktive Sterbehilfe grundsätzlich ablehnt.
- Arbeit zitieren
- Sabrina Flaig (Autor:in), 2012, Sterbehilfe. Ein Verstoß gegen das 5. Gebot?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263677