Strukturelle Arbeitslosigkeit in der Schweiz der 90er Jahre


Seminararbeit, 2003

29 Seiten, Note: 5.5 (Schweiz!)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Definitionen
2.1.1 Definitionen gemäss dem Bundesamt für Statistik
2.1.2 Definitionen gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft
2.2 Historischer Überblick zur Arbeitslosigkeit in der Schweiz
2.3 Die verschiedenen Arten von Arbeitslosigkeit
2.3.1 Langfristige Arbeitslosigkeit
2.3.1.1 Strukturelle Arbeiztslosigkeit
2.3.1.2 Friktionelle Arbeitslosigkeit
2.3.2 Kurzfristige Arbeitslosigkeit

3. Strukturelle Arbeitslosigkeit in der Schweiz der 90er Jahre
3.1 Literatur zum Thema
3.1.1 Studie von G. Sheldon (1993)
3.1.2 Studie von A. Zanetti (1998)
3.2 Determinanten der strukturellen Arbeitslosigkeit
3.2.1 Strukturelle Determinanten
3.2.1.1 Strukturwandel der Nachfrage
3.2.1.1.1 Technischer Wandel
3.2.1.1.2 Sektoraler Wandel
3.2.1.2 Strukturwandel des Angebots
3.2.1.2.1 Erwerbstätigkeitsverhalten
3.2.1.2.2 Ausbildung
3.2.2 Institutionelle Rahmenbedingungen
3.2.2.1 Arbeislosenversicherung
3.2.2.2 Löhne

4. Schlusswort

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt

Abbildung 2 Erwerbstätige nach Sektoren seit 1850

Abbildung 3 Beschäftigung nach Wirtschaftssektoren von 1970 bis 2002 I

Abbildung 4 Beschäftigung nach Wirtschaftssektoren von 1970 bis 2002 II

Abbildung 5 Mindestlohn auf dem Arbeitsmarkt

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Strukturelle Arbeitslosigkeit in der Schweiz von 1970 – 1992

Tabelle 2 Arbeitslosenquote gemäss Beveridge-Kurve von 1975 – 1998

Tabelle 3 Arbeitsstätten und Beschäftigte (sekundärer und tertiärer Sektor)

Tabelle 4 Arbeitsstätten und Beschäftigte (sekundärer Wirtschaftssektor)

Tabelle 5 Arbeitsstätten und Beschäftigte (tertiärer Wirtschaftssektor)

Tabelle 6 Entwicklung der Erwerbstätigkeit nach Geschlecht und Nationalität I

Tabelle 7 Entwicklung der Erwerbstätigkeit nach Geschlecht und Nationalität II

Tabelle 8 Mangel und Überfluss an Arbeitskräften im 4. Quartal 1997

1. Einleitung

In den neunziger Jahren stieg die Arbeitslosigkeit in der Schweiz stark an. Die Ökonomen suchten engagiert nach Erklärungen und möglichen Therapien. Ein Begriff der auffällig häufig zu hören war, ist jener der strukturellen Arbeitslosigkeit. Jene Arbeitslosigkeit, die unabhängig von konjunkturellen Schwankungen bestehen bleibt, schwieriger anzugehen ist, und deren Ursachen sehr unterschiedliche Gesichter haben. Angesichts dessen erachte ich es als wichtig, das Augenmerk auf die strukturelle Komponente der Arbeitslosigkeit zu richten.

Viele volkswirtschaftliche Vorgänge können erst analysiert werden, wenn sie vergangen sind, und man nachträglich ihre Entwicklung nachvollziehen kann. So existieren meines Wissens noch keine Studien zur aktuellen Situation der strukturellen Arbeitslosigkeit. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich somit auf die Jahre 1990 bis 1998, eine Zeit, die ich aufgrund der starken Schwankungen der Arbeitslosenquote als sehr interessant erachte. Um gewisse Sachverhalte zu verstehen, wird es dennoch nötig sein, hie und da einen Blick in die Zeit vor 1990 zu werfen.

Die Arbeit soll den Begriff der strukturellen Arbeitslosigkeit beleuchten und nach Ursachen der strukturellen Arbeitslosigkeit in der Schweiz der neunziger Jahre fragen. Ich beginne mit einem Grundlagenteil, der zuerst über die Standard-Definitionen im Bereich Arbeitslosigkeit informiert. Als Einstieg folgt ein kurzer Überblick über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Schweiz. Danach betrachte ich die verschiedenen Arten von Arbeitslosigkeit. Nachdem ich im zweiten Teil der Arbeit zwei Studien aus der Forschung in diesem Bereich diskutiere, die neben den Untersuchungsergebnissen auch Einblicke in die Methodik zur Schätzung der strukturellen Arbeitslosigkeit liefern, fahre ich mit den Determinanten der strukturellen Arbeitslosigkeit fort, um die Frage nach den Ursachen der strukturellen Arbeitslosigkeit zu beantworten. Dabei gehe ich systematisch nach strukturellen und institutionellen Faktoren vor und analysiere die möglichen Ursachen mit Hilfe von Statistiken. Ziel dieser Arbeit ist nicht, die Frage nach den Ursachen der strukturellen Arbeitslosigkeit in der Schweiz der neunziger Jahren abschiessend und umfassend zu beantworten, denn dies würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Ziel ist es vielmehr, gewisse, meines Erachtens wichtige Ursachen der strukturellen Arbeitslosigkeit herauszugreifen und zu untersuchen.

Ich bemühe mich in der Arbeit vorwiegend geschlechtsneutrale Formen zu gebrauchen. Im Übrigen bitte ich darum, Bezeichnungen wie ’Arbeiter’ als geschlechtsneutral aufzufassen.

2. Grundlagen

Im folgenden Kapitel behandle die Grundlagen zum Thema strukturelle Arbeitslosigkeit. Nach den verschiedenen Definitionen zur Arbeitslosigkeit, folgt ein kurzer historischer Überblick über die Arbeitslosigkeit in der Schweiz im letzen Jahrhundert. Im dritten Teil gehe ich auf die verschiednen Arten von Arbeitslosigkeit ein.

2.1 Definitionen

Arbeits- respektive Erwerbslosenzahlen werden in der Schweiz auf zwei verschiedene Arten erfasst. Zum einen publiziert das Bundesamt für Statistik seit 1991 eine Erwerbslosen statistik, die aus der jährlich durchgeführten schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) resultiert. Die Daten werden durch Zufallsstichprobe nach international harmonisierter Methode erhoben und eignen sich somit, um internationale Vergleiche zu ziehen. Zum andern veröffentlicht das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) eine Arbeitslosen statistik, die auf einer Vollerhebung sämtlicher bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) eingeschriebenen Personen basiert.

2.1.1 Definitionen gemäss dem Bundesamt für Statistik

Ständige Wohnbevölkerung: Schweizer und ausländische Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz in der Schweiz

Erwerbstätige: Personen, die mindestens 15 Jahre alt sind und während der Referenzwoche mindestens eine Stunde pro Woche gegen Entlöhnung gearbeitet haben, oder zeitweilig von ihrem Arbeitsplatz abwesend waren (Krankheit, Ferien, Mutterschaft, Militär).

Erwerbslose: Personen, die mindestens 15 Jahre alt sind und während der Referenzwoche nicht erwerbstätig waren, in den vergangenen vier Wochen aktiv nach Arbeit gesucht haben und innerhalb von vier Wochen eine neue Stelle antreten könnten.

Erwerbspersonen: Die Erwerbspersonen bilden das Arbeitsangebot und setzen sich aus den erwerbstätigen und den erwerbslosen Personen zusammen.

Nichterwerbspersonen: Personen, die weder erwerbstätig noch erwerbslos sind.

Erwerbstätigenquote: Erwerbstätige im Verhältnis zur ständigen Wohnbevölkerung.

Erwerbslosenquote: Erwerbslose im Verhältnis zu den Erwerbspersonen.

Erwerbsquote: Erwerbspersonen im Verhältnis zur ständigen Wohnbevölkerung.

(Bundesamt für Statistik [BFS], 2003, S. 14-15)

2.1.2 Definitionen gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (seco)

Registrierte Arbeitslose: Personen ohne Stelle, die sofort vermittelbar sind, unabhängig davon, ob sie Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung haben.

Registrierte Stellensuchende: Registrierte Arbeitslose und nicht arbeitslose Stellensuchende, die beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) gemeldet sind.

Registrierte nichtarbeitslose Stellensuchende: Beim RAV gemeldete Personen, die entweder nicht sofort vermittelbar sind oder eine Stelle haben (Beschäftigungsprogramme, Umschulung, Weiterbildung, Zwischenverdienst).

Arbeitslosenquote: Registrierte Arbeitslose im Verhältnis zur aktiven Bevölkerung (3’1621'716 Personen gemäss Eidg. Volkszählung 1990).

(Staatssekretariat für Wirtschaft [seco], 1999)

2.2 Historischer Überblick zur Arbeitslosigkeit in der Schweiz

Gemäss dem Historischen Lexikon der Schweiz erkennt man beim Betrachten des Verlaufs der Arbeitslosigkeit in der Schweiz seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis ende neunziger Jahre vier Perioden mit einem starken Anstieg:

Im Herbst 1920 setzt die Nachkriegsdepression des ersten Weltkriegs ein, die sich vorwiegend auf die Arbeitsplätze der Exportindustrien in den Bereichen Uhren, Metall, Maschinen und Textilien niederschlägt. Im Februar 1922 erreicht sie mit 99’541 eingeschriebenen Arbeitslosen (5,3%) das Maximum (Historisches Lexikon der Schweiz).

Im Sommer 1930 setzt in der Schweiz die zweite Periode hoher Arbeitslosigkeit ein, die wiederum dieselben Wirtschaftsbereiche trifft und eine Folge der Weltwirtschaftskrise ist, die ihren Anfang im Oktober 1929 in den Vereinigten Staaten nahm. 1933 zählt man 101'111 (5,2%), 1935 110'283 (5,7%), 1936 124’008 (6,4%) und 1937 110’754 (5,7%) Stellensuchende. Ab dem zweiten Weltkrieg verbessert sich die Beschäftigungslage markant, von kurzen Rückschlägen abgesehen (Historisches Lexikon der Schweiz).

Die dritte Phase hoher Arbeitslosigkeit lässt sich im Jahr 1973 nachzeichnen und dauert bis 1976. Hauser und Assandri (1998) geben den ersten Erdölschock und die darauf folgende Rezession gepaart mit dem zunehmenden internationalen Konkurrenzkampf als Gründe für diese Krise an (S. 83). In dieser Zeitspanne reduziert sich die Zahl der Arbeitsplätze um beinahe 11% und trifft die Uhrenindustrie der Westschweiz besonders hart. Dass sich dieser starke Stellenrückgang nicht in der Arbeitslosenstatistik manifestiert, hängt damit zusammen, dass zwei Drittel der Entlassenen Fremdarbeiter waren, die von Gesetz wegen heimkehren mussten, sobald sie arbeitslos wurden (S. 85). Zudem ziehen sich viele einheimische Frauen, Jugendliche und Ältere vom Erwerbsleben zurück.

1992 setzt die vierte Phase hoher Arbeitslosigkeit ein, die im Februar 1997 mit 206'291 ihr Maximum erreicht, was einer Quote von 5,7% entspricht (Historisches Lexikon der Schweiz). Davon betroffen sind vorwiegend ungelernte und unqualifizierte Arbeiter in Produktionstätigkeit (Hauser & Assandri, 1998, S.88).

2.3 Die verschiedenen Arten von Arbeitslosigkeit

Nach der neoklassischen Wirtschaftstheorie existiert auf dem Modellmarkt keine anhaltende unfreiwillige Arbeitslosigkeit (Schmid, v. Dosky & Braumann, 1996, S. 3). Das Modell der neoklassischen Wirtschaftstheorie basiert auf dem ’allgemeinen Gleichgewicht’: Auf dem transparenten Markt herrscht vollkommene Konkurrenz, so dass weder Nachfrager noch Anbieter den Preis beeinflussen können. Die Güter sind homogen und die Preise flexibel. Daher sind Angebot und Nachfrage ständig im Gleichgewicht und der Markt wird geräumt. Die Haushalte haben das Ziel, ihren Nutzen (Konsum/Freizeit) zu maximieren, wobei die Arbeit den Nutzen vermindert. Die Unternehmen hingegen wollen ihren Gewinn mit Hilfe der Faktoren Arbeit und Kapital maximieren (Schmid et al., 1996, S. 4). Entsteht nun in Realität trotzdem Arbeitslosigkeit, so führten die Neoklassiker dies auf „die Unvollkommenheit der Märkte zurück, […] auf Fehlentwicklungen, die beseitigt werden könnten“ (Brinkmann, 1999, S. 178) oder gehen von einem „rationalen Nutzenkalkül“ der Arbeitslosen aus, die den Wert der Freizeit höher bewerten als den herrschenden Lohnsatz (Schmid et al., 1996, S. 4).

Dieses Modell übergeht einige Eigenheiten des Arbeitsmarktes. Der Arbeitsmarkt ist keineswegs transparent. Informationsbeschaffung kostet beide Seiten viel Zeit und Geld. Die Güter, sprich die Arbeit, sind nicht homogen. Jede Arbeitsstelle stellt andere Anforderungen an die Arbeitnehmer und es bestehen grosse Unterschiede bezüglich der Qualifikationen. Die Preise, sprich die Löhne, sind eher starr als flexibel. Hinzu kommen die Einflüsse der Konjunktur.

In der Literatur lassen sich unterschiedliche Abgrenzungsmöglichkeiten zwischen den verschiedenen Arten von Arbeitslosigkeit finden. Schmid et al. (1996) unterscheiden beispielsweise zwischen konjunktureller und struktureller Arbeitslosigkeit, wobei konjunkturelle Änderungen vom Gütermarkt herrühren und strukturelle vom Arbeitsmarkt (S. 26). Jäger (2002) gliedert die Arbeitslosigkeit grundsätzlich in gleichgewichtige und ungleichgewichtige Arbeitslosigkeit, wobei er erstere in friktionelle und strukturelle und letztere in konjunkturelle und wachstumsdefizitäre Arbeitslosigkeit unterteilt. Im Folgenden halte ich mich an die Systematik von Mankiw (2001a, b), die zwischen lang- und kurzfristiger Arbeitslosigkeit unterscheidet und ziehe Brinkmann (1999) hinzu, der teilweise mit Mankiw übereinstimmt.

Die Terminologien der verschiedenen Autoren können einander allerdings nicht immer gleichgesetzt werden, denn die jeweiligen Begriffe weisen je nach Autor unterschiedliche Konnotationen auf.

2.3.1 Langfristige Arbeitslosigkeit

Die langfristige Arbeitslosigkeit, auch natürliche Arbeitslosigkeit genannt, umfasst jene Arbeitslosigkeit, die „auch auf lange Sicht nicht von selbst verschwindet […], und um die herum ein zyklisches Auf und Ab im Konjunkturverlauf zu verzeichnen […]“ ist (Mankiw, 2001b, S. 620). Sie kann sowohl strukturell als auch friktionell bedingt sein. Sheldon (1993) bezeichnet die natürliche Arbeitslosigkeit auch als Sockelarbeitslosigkeit oder gleichgewichtige Arbeitslosigkeit, „die auch unter konjunkturell günstigen Bedingungen bestehen bleibt“ (S. 4). Eine weitere Definition stammt von Zanetti (1998), der die strukturelle und friktionelle Arbeitslosigkeit als jene Arbeitslosigkeit auffasst, die von der Geldpolitik nicht permanent beeinflusst werden kann“ (S. 45).

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Strukturelle Arbeitslosigkeit in der Schweiz der 90er Jahre
Hochschule
Universität St. Gallen  (Volkswirtschaft)
Note
5.5 (Schweiz!)
Autor
Jahr
2003
Seiten
29
Katalognummer
V26368
ISBN (eBook)
9783638287272
Dateigröße
667 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Entspricht Note 1,5 in Deutschland, 2 Seiten Literaturverzeichnis
Schlagworte
Strukturelle, Arbeitslosigkeit, Schweiz, Jahre
Arbeit zitieren
Danielle Spichiger (Autor), 2003, Strukturelle Arbeitslosigkeit in der Schweiz der 90er Jahre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26368

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