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"Publikumsbeschimpfung" - ein Sprechstück von Peter Handke. Warum und wie beschimpft Peter Handke sein Publikum?

Titel: "Publikumsbeschimpfung" - ein Sprechstück von Peter Handke. Warum und wie beschimpft Peter Handke sein Publikum?

Hausarbeit , 2011 , 11 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Manuel Kröger (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Handkes Publikumsbeschimpfung ist nicht als Beschimpfung eines Publikums angelegt, wie der Titel vermuten lässt. Auf jeden Fall ist dies nicht der Sinn des Werks. Durch diese Aufdeckung der Irreführung nähern wir uns dem Sinn schon weiter. Beschimpft wird erst auf den letzten fünf Seiten und das mit vorausgehender Warnung, dazu noch unterbrochen von Lobesreden an das Publikum.1
Laut seiner eigenen Exposition ist das Stück auch kein Theaterstück, sondern eine „Vorrede“2. Es ist ein Sprechstück3, mit vier Schauspielern, die nicht schauspielen4, sondern bloß sprechen. Also eigentlich keine Schauspieler, nur Sprecher.5 Und das, was sie sprechen, hat keine tiefere Bedeutung.

Ein Titel, der nicht hält, was er verspricht, ein Theaterstück, das keines ist, Schauspieler, die nicht spielen, ein Theatertext, der keine weitere Bedeutung in sich trägt? Welchen Sinn hat das alles? Keinen? Oder doch einen?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Form und Aufbau

2.1 Die „Regeln für die Schauspieler“

2.2 Die fugale Struktur des Werks

3. Inhalt

4. Intention des Werks, sein „Sinn“, seine „Bedeutung“

4.1 Die Verwehrung der Bedeutung und des Schauspiels

4.2 Die Beschimpfung: Warum das Publikum beschimpfen?

5. Quellen

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert das Sprechstück „Publikumsbeschimpfung“ von Peter Handke mit dem Ziel, die zugrunde liegende dramatische Struktur sowie die Intention des Autors zu ergründen, die weit über eine bloße Beleidigung der Zuschauer hinausgeht. Die Forschungsfrage untersucht, warum Handke sein Werk bewusst der konventionellen Theaterform entzieht und den Zuschauer durch die Verwehrung von Bedeutung zur aktiven, mündigen Auseinandersetzung zwingen möchte.

  • Dekonstruktion des traditionellen Theaterbegriffs und der dramatischen Form.
  • Analyse der fugalen Struktur und der Sprecher-Konzeption im Stück.
  • Untersuchung der intendierten Bedeutungslosigkeit als künstlerisches Mittel.
  • Hintergrund der Entstehung im Kontext der 1968er-Bewegung und gesellschaftlicher Kritik.
  • Rolle des Rezipienten als aktiver Mitgestalter des Werks.

Auszug aus dem Buch

2.2 Die fugale Struktur des Werks

Mit der Anweisung an die Schauspieler, die „Pop-Fuge“ Tell me der Rolling Stones anzuhören, weist Handke auf die fugale Struktur seines Werkes hin.

Anja Pompe diskutiert diese Parallele vom Aufbau einer Fuge und der Publikumsbeschimpfung in einem ihrer Bücher. Dabei sind die vier Sprecher in Handkes Werk gleichzusetzen mit den vier Stimmen einer Fuge. Eine Fuge ist „ein Musikstück, das auf der Wiederholung eines zentralen Gedankens durch gegeneinander gesetzte Stimmen basiert.“ Es ist eine Komposition mit genau festgelegten Regeln für die einzelnen Verlaufsphasen.

Die Exposition beginnt mit der ersten Stimme, die das Thema der Fuge auf der Tonika vorstellt. Nach dem Dux wiederholt die zweite Stimme das Thema in der Dominante. Zur selben Zeit beginnt die erste Stimme einen Kontrapunkt aufzuführen, der das Thema abändert und so zu einem gewissen Grade selbstständig wird. Danach erfährt die zweite Stimme einen Kontrapunkt, während die dritte Stimme mit dem Thema in der Tonika einsetzt und die erste Stimme sich frei fortsetzt. Hat die dritte Stimme das Grundthema beendet, antwortet die vierte in der Dominante und die dritte spielt dazu wieder einen Kontrapunkt. Die erste und zweite Stimme setzen sich währenddessen frei fort. Nun hat jede Stimme das Grundthema vorgetragen und die Exposition endet. Ein erstes Zwischenspiel folgt, welches in eine andere Tonart hinüberführt, in welcher dann eine Durchführung oder eine Gegenexposition, in der Thema und Antwort positionell ausgetauscht werden, gespielt wird. Für diese Durchführungen gibt es keine festen Regeln mehr. Sie kann so oft wiederholt und variiert werden, wie es der Musiker wünscht. Auch kann das Thema beliebig variiert werden. Wichtig nur ist, dass die Fuge in der Grundtonart abschließt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Paradoxon ein, dass das Stück entgegen seines Titels keine direkte Beschimpfung darstellt, sondern eine bewusste Unterwanderung klassischer Theaterkonventionen.

2. Form und Aufbau: Das Kapitel erläutert, wie Handke die dramatische Form zugunsten einer Sprechstück-Konzeption aufbricht, bei der die Schauspieler lediglich als „Sprecher“ agieren.

2.1 Die „Regeln für die Schauspieler“: Hier werden die detaillierten Inszenierungsanweisungen beleuchtet, mit denen Handke ein gewöhnliches Theaterereignis simuliert, um den Zuschauer in eine spezifische Erwartungshaltung zu führen.

2.2 Die fugale Struktur des Werks: Das Kapitel analysiert die musikalische Analogie zur Fuge, die Handke als Kompositionsprinzip für die Verteilung der Sprechtexte gewählt hat.

3. Inhalt: Zusammenfassend wird dargestellt, dass das Stück in erster Linie sich selbst, die Theatersituation und das Publikum reflektiert, anstatt eine konventionelle Handlung zu bieten.

4. Intention des Werks, sein „Sinn“, seine „Bedeutung“: Dieser Abschnitt hinterfragt die Sinnlosigkeit des Werkes und zeigt auf, dass der bewusste Verzicht auf Bedeutung eine beabsichtigte Provokation darstellt.

4.1 Die Verwehrung der Bedeutung und des Schauspiels: Es wird analysiert, wie Handke das konventionelle Theater ad absurdum führen will, um die Passivität der Zuschauer zu durchbrechen und eine neue Rezipientenhaltung zu erzwingen.

4.2 Die Beschimpfung: Warum das Publikum beschimpfen?: Abschließend wird der gesellschaftspolitische Kontext der 1960er Jahre erläutert und die Beschimpfung als Mittel gedeutet, den Zuschauer zur Mündigkeit und Eigenverantwortung zu bewegen.

5. Quellen: Auflistung der verwendeten Literatur und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Publikumsbeschimpfung, Peter Handke, Sprechstück, Theateranalyse, fugale Struktur, Bedeutungslosigkeit, Rezeptionsästhetik, Anti-Theater, 1968er-Bewegung, Theaterkonventionen, Mündigkeit, Schauspieler, Inszenierung, Sprachrohr, Zuschauerreflexion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert Peter Handkes „Publikumsbeschimpfung“ und untersucht, warum der Autor entgegen des suggestiven Titels eine Theaterform wählt, die das Publikum bewusst mit seiner eigenen Passivität konfrontiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten zählen die Dekonstruktion dramatischer Formen, die Bedeutung von Sprache im Theater sowie die Rolle des Zuschauers als aktiver Rezipient.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Handke durch die bewusste Verwehrung einer tieferen Bedeutung das konventionelle Theater kritisiert und den Zuschauer zur Reflexion zwingt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Analyse verwendet?

Die Arbeit nutzt die Theatertextanalyse, wobei sie formale Aspekte (wie die fugale Struktur) mit intentionalen und historisch-politischen Kontexten verbindet.

Was wird im Hauptteil des Dokuments behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Form und Aufbau, die Analyse der zugrunde liegenden fugalen Kompositionsstruktur sowie die Erörterung der künstlerischen Intentionen Handkes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Publikumsbeschimpfung, fugale Struktur, Bedeutungslosigkeit, Anti-Theater und Zuschauerreflexion.

Wie lässt sich die „fugale Struktur“ auf den Sprechtext übertragen?

Die Stimmen der vier Sprecher agieren ähnlich wie die Stimmen in einer musikalischen Fuge, indem sie ein Grundthema aufnehmen, kontrapunktisch variieren und sich dabei gegenseitig ergänzen oder widersprechen.

Warum integriert Handke explizite „Regeln für die Schauspieler“ in den Text?

Diese Regeln dienen dazu, die äußeren Rahmenbedingungen eines Theaterbesuchs so präzise zu steuern, dass eine Illusion von Normalität entsteht, welche dann durch das Sprechstück selbst als solche entlarvt und aufgelöst wird.

Inwiefern spielt der gesellschaftspolitische Kontext der 1960er Jahre eine Rolle?

Die Arbeit ordnet das Werk in die Zeit der Studentenunruhen ein, in der Handke das Bedürfnis hatte, durch die Provokation des Publikums und die Ablehnung überkommener Strukturen eine Art „Erneuerung“ der Denkweise zu forcieren.

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Details

Titel
"Publikumsbeschimpfung" - ein Sprechstück von Peter Handke. Warum und wie beschimpft Peter Handke sein Publikum?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Analyse von Theatertexten: "Theatrum Belli" - Der Krieg auf der Bühne
Note
2,0
Autor
Manuel Kröger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V263704
ISBN (eBook)
9783656524380
ISBN (Buch)
9783656534112
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theaterwissenschaft Krieg auf der Bühne Theatrum Belli Peter Handke Publikumsbeschimpfung Analyse Analyse von Theatertexten Theateranalyse Textanalyse Theater Theatertext
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Manuel Kröger (Autor:in), 2011, "Publikumsbeschimpfung" - ein Sprechstück von Peter Handke. Warum und wie beschimpft Peter Handke sein Publikum?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263704
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Leseprobe aus  11  Seiten
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