Schreckensherrschaft oder Initiator eines Goldenen Zeitalters? Die Tyrannis des Peisistratos von Athen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

40 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Die Tyrannis- Fluch oder Segen?

2. Die Tyrannis des Peisistratos in seinem historischen Gefüge
2.1 Die Ältere Tyrannis als Teil der archaischen Zeit
2.2 Die allgemeinen geschichtlichen Voraussetzungen für das Entstehen
der Tyrannis
2.1 Die Aristokratie als Nährboden für die Entstehung der Tyrannis!?

3. Peisistratos´ Weg zur Macht
3.1 Aristokratische Tyrannisgelüste zur Zeit Solons
3.2 Das Ziel im Blickfeld: Peisistratos´ unbändiger Wille
zur Tyrannisetablierung

4. Den eigenen Sturz vor Augen: Peisistratos´ Mittel zur
Herrschaftsabsicherung
4.1 Der Tyrann und die Aristokraten: Eine unliebsame Verbindung?
4.2 Peisistratos´ Verhältnis zur Polisordnung
4.3 ,,Dem Demos ins Maul schauen!?“- Der Tyrann und seine Beziehung
zum einfachen Bürger
4.4 Peisistratos als Urheber einer Bau-, Religions-und Kulturpolitik?

5. Fazit: Peisistratos- Der Identitätsstifter Athens

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Die Tyrannis –Fluch oder Segen?

Platon zeichnet in seiner Politeia ein Bild vom Tyrannen, der weder Freiheit noch Freundschaft kennt, der menschliche Eingeweide kostet und bereit ist, Seelen zu verkaufen und Tempelraub zu betreiben.[1] Er kommt zu dem Schluss, dass die Tyrannis ,,die strengste und wildeste Knechtschaft“[2] ist, sodass Tyrannen die ewigen Höllenstrafen erwarten.

Platons Einstellung, die dem des berühmten Gesetzgebers und Reformers Solon sehr nahe kommt,[3] hat maßgeblich zu dem schlechten Ruf beigetragen, in dem alle Tyrannen später standen.[4] Mit diesen von Anekdoten und staatstheoretischen Vorstellungen gefärbten Tyrannentopos innerhalb der antiken Quellen,[5] aber auch der modernen , fast zweihundert Jahre alten (Tyrannis-)Forschung,[6] müssen wir uns als Historiker auseinandersetzen, wenn wir die Tyrannis als Herrschaftsform oder einen namentlichen Tyrannen vorurteilsfrei erklären und in ihrer historischen Funktion beurteilen wollen.

In diesem Kontext verwunderte den Verfasser dieser Arbeit, dass im Hinblick auf Peisistratos von Athen, der von 546/5 v. Chr. bis zu seinem Tode 527 v. Chr. die alleinige Herrschaft über seine Polis hatte, der modernen Forschung als auch in den der Tyrannis[7] negativ gesinnten Quellen ein durchweg positives Bild gezeichnet wird.[8] So gilt seine Herrschaft als ,Friedenszeit für Athen´“[9], als ,Goldene[s] Zeitalter´“[10] oder auch als Blütezeit.[11] Diese vom Verfasser dieser Arbeit von vorneherein ausgemachte Paradoxie in der Bewertung der Tyrannis als Herrschaftsform einerseits und der Beurteilung der jahrzehntelangen Herrschaft Peisistratos über Athen andererseits, soll Dreh-und Angelpunkt der Untersuchung sein. Hierbei gilt es Licht in die Frage zu bringen, ob die historische Periode der Alleinherrschaft des peisistratidischen Usurpators als Zwangsherrschaft oder er doch letztlich Initiator eines –wie von Aristoteles beschriebenen- Goldenen Zeitalters war? Ist es darüber hinaus möglich, dass eine Zwangsherrschaft ein Goldenes Zeitalter initiiert?

Diese Fragen werden im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit als Grundlage zur näheren und vor allem differenzierten Betrachtung genommen und im Schlussteil beantwortet. Die Struktur dieser Arbeit lässt sich am besten mit einem dreistufigen Muster beschreiben, die aufeinander aufbauend dem Leser dabei helfen sollen, die Argumentationsweise des Verfassers bei der Beantwortung der Leitfrage nachvollziehen zu können. Die Frage nach dem Goldenen Zeitalter der Tyrannis des Peisistratiden macht es unabdingbar, dass wir in einem ersten Schritt (Gliederungsblock 2.) die athenische Tyrannis des 6. Jahrhunderts in seinem historischen Gefüge untersuchen. Unter einem Goldenen Zeitalter wird im Rahmen dieser Arbeit vor allem die (mögliche) Entwicklung auf institutionell-politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene verstanden. Hierbei sind solche Prosperitäten auf verschiedenen Ebenen vor allem dann auffällig, wenn sie aus einer Phase der Instabilität und des Abschwungs kommen. Es soll daher weniger auf ereignisgeschichtlicher- als vielmehr strukturgeschichtlicher Basis die archaische Zeit, und mit ihr die Ältere Tyrannis als Ganzes, in ihren Grundzügen erörtert werden.[12] Auf diesem Fundament soll die These, dass Peisistratos samt seiner Herrschaft nicht außerhalb, sondern vielmehr fundamentaler Teil seiner Zeit war, bekräftigt werden. Die Quellenlage zur archaischen Zeit ist –wie die zu anderen Epochen der Antike- dadurch bestimmt, dass Quellenmaterial aus der Zeit selbst nur in spärlichem Umfang, und wenn, dann nur in fragmentarischer Form überliefert sind.[13] Da die Tradierung historischer Ereignisse in frühgriechischer Zeit hauptsächlich in mündlicher Form geschah,[14] stellt sich das Problem, dass wir für die Erforschung der archaischen Zeit –und mit ihr der Tyrannen- außer der lyrischen Dichtung archaischer Aristokraten und einiger Weihinschriften als materielle Dokumentationsquellen auf antike Historiographen angewiesen sind,[15] die erst ein oder zwei Jahrhunderte nach den betreffenden Geschehnissen die orale Überlieferung schriftlich fixierten. Die Schwierigkeit, den historischen Wert einer jeden Quelle herauszufiltern, liegt also nicht primär am quantitativen Befund, sondern eher an den Gefahren der mündlichen Tradition.[16] Im Rahmen dieser Arbeit wird neben den zahlreichen Monografien, Aufsätzen und Sammelbänden, die es zu jener archaischen Zeit gibt, vor allem auf die antiken Quellen des Herodots ,,Historien“, Thukydides ,,Geschichte des Peloponnesischen Krieges“,[17] Solons politische Elegien und Iamben sowie Aristoteles ,,Athenaion Politeia“ Bezug genommen. Aufbauend auf dieser These wird sich dem Leser zeigen, dass Peisistratos in seinem Handeln und seiner Wirkungsweise nicht nur von den allgemeinen geschichtlichen Voraussetzungen (Gliederungspunkt 2.2) geprägt, sondern ebenso absolut in seinem aristokratischen ,,Stand“[18] eingebettet war (Gliederungspunkt 2.3). Bei der Auseinandersetzung mit der archaischen Zeit als Ganzes und der Älteren Tyrannis sowie der Herrschaft des Peisistratos im Speziellen, hat sich dem Verfasser schnell offenbart, dass die Leitfrage nur dann historisch fundiert und differenziert im Schlussteil beantwortet werden kann, wenn der Versuch unternommen wird, den griechischen Adel (die konstitutiven Kriterien für die Zugehörigkeit, die Strukturmerkmale usw.) zum Gegenstand der Untersuchung zu machen. Abseits der guten Forschungslage zu diesem Themenkomplex[19] ist die Monografie von Stein-Hölkeskamp [20] hervorzuheben. Sie unternimmt -basierend auf einem komplexen und breitgefächerten Fundament, da den sozialen, wirtschaftlichen, politischen, institutionellen und intellektuellen Wandel von der Archaik bis zur Klassik der Antike berücksichtigend- den Versuch, den Adel als Ganzes zu beschreiben und zu analysieren. Sie gelangt zu der These, dass infolge des Wandels auf allen Ebenen die Aristokraten, die in ihren Denk-und Handlungsweisen von jenen Veränderungen geprägt wurden, letztlich zu den ,,besten Demokraten“ [21] wurden.

Im dritten Gliederungsblock wird es darum gehen, den Aufstieg des Peisistratos zum Alleinherrscher über Athen zu erörtern. Auf der Grundlage der ereignisgeschichtlichen Rekonstruktion des dreifachen Tyrannisversuches des Peisistratiden soll der unbändige Wille an die Macht zu gelangen deutlich werden. Die struktur-und mentalitätsgeschichtliche Erörterung hingegen beleuchtet die Tyrannisgelüste aller Aristokraten und speziell zur Zeit Solons als der Herrschaft Peisistratos vorangegangen Zeit. Da die Tyrannis des Peisistratos sowohl die antiken als auch moderne Historiker fasziniert hat, sind zu dieser Thematik zahlreiche Werke veröffentlicht worden, die im Rahmen dieser Arbeit auch weitestgehend Berücksichtigung finden.[22] Hervorzuheben und immer wieder Erwähnung finden die Werke von Berve,[23] Stahl[24] und de Libero [25] . Während Berve, der seit seinem grundlegendem Werk aus dem Jahre 1967 die Forschung zur Älteren Tyrannis maßgeblich geprägt und ins Rollen gebracht hat, die These vertritt, dass die Tyrannis Symptom einer sozialen und wirtschaftlichen Krise war und von einem Gegensatz von Tyrannis und Polis ausgeht,[26] unternimmt Stahl auf der Basis dieser These und den modifizierten Ergänzungen von Kolb, Kinzl und Kluwe,[27] den Versuch, sowohl die in der neueren Forschung häufig vertretene Auffassung vom Tyrannen als ,,dem hervorragenden Repräsentanten der (archaischen) Aristokratie“ zu erörtern als auch diese ,,Gruppe“ insgesamt zu beschreiben und zu analysieren.[28] De Libero hingegen untersucht die errichteten Tyrannisherrschaften in den unterschiedlichen Poleis der archaischen Zeit und kommt zu dem überzeugenden Schluss, dass die Tyrannis ,,eine genuin aristokratische Herrschaftsform [ist], die ihre Entstehung den ,,kompetetiven [sic!] Ethos des Aristieideals verdankt.“ [29]

Im letzten Gliederungsblock (4.) werden die Mittel Peisistratos´ zur Herrschaftsabsicherung analysiert. Dabei wird der Schwerpunkt sowohl auf dem Verhältnis des Tyrannen zur Aristokratie (4.1) und der institutionell-politischen Ordnung, als auch auf seine Grundeinstellung gegenüber dem einfachen Bürger und seiner Maßnahmen in Bezug zur Bau-, Religions- und Kultpolitik liegen. Die Leitfrage lässt sich –so die Annahme des Autors- nur durch eine intensive und differenzierte Analyse der durch Peisistratos durchgesetzten politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Maßnahmen erörtern.

Im Schlussteil wird der Autor jene im Textverlauf erarbeiteten Informationen bündeln, dem Leser ein überschaubaren Überblick geben sowie die eingehend formulierte Leitfrage aufgreifen und konkret beantworten. Die These, dass Peisistratos als Identitätsstifter der Polis Athen anzusehen ist, soll diese Arbeit hoffentlich spannend und anregend umrunden.

Zwei letze Hinweise: Um die Lesbarkeit zu erleichtern, wird in dieser Arbeit das generische Maskulinum verwendet. Erwähnenswert ist auch, dass die zahlreichen Forschungskontroversen, die die Auseinandersetzung mit der Tyrannis als Ganzes begleiten, im Rahmen dieser Arbeit durchgehend thematisiert und behandelt werden, wobei der Verfasser dieser Arbeit diesbezüglich auch klar Position bezieht und damit zur Diskussion preisgibt.

2. Die Tyrannis des Peisistratos in seinem historischen Gefüge

2.1 Die Ältere Tyrannis als Teil der archaischen Zeit

Die archaische Zeit ist unbestreitbar von vielfältigen Wandlungsprozessen durchzogen.[31] Fast schlagartig verändern sich mit dem 8. Jahrhundert sowohl die Bedingungen und Verhältnisse in ganz Griechenland wie auch das Ausmaß unserer Kenntnisse über das antike Griechenland.[32] Während Stein-Hölkeskamp die wesentliche Ursache für diese gravierenden Änderungen innerhalb der archaischen Zeit nur in der ,,sukzessive[n] Verschlechterung der ökonomischen und sozialen Lage der Bauernschaft“ [33] sieht,[34] und damit der von Stahl ausgemachten Komplexität der archaischen Zeit nicht gerecht werden kann,[35] so kommen Meier [36] und Welwei[37] zu dem Schluss, dass sich zwar eine stärkere wirtschaftliche und soziale Differenzierung vollzog, jedoch die Tyrannisbildung im speziellen nicht mit wirtschaftlichen Argumenten zu erklären ist.[38] Zum Verständnis des Aufkommens der Tyrannis hilft es, wenn wir uns nicht auf eine Kausalbeziehung zwischen Ursache (z.B. soziales Elend) und Wirkung (soziale Not als Nährboden für Tyrannis) beschränken, sondern vielmehr versuchen, die von Stahl für die archaische Zeit richtigerweise hervorgehobene Komplexität, die eine Interdependenz zwischen dem politisch-institutionellen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich annehmen lässt, zu entschlüsseln.[39][30]

Innerhalb dieser zeitlichen Phase taucht ein ganz besonderes Phänomen auf, das –so wird sich zeigen-[40] nicht überraschend erst innerhalb der archaischen Epoche aufkommt: die Ältere Tyrannis, die im hellenistischen Mutterland etwa von der Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. bis zum Beginn der Perserkriege im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. reicht.[41] Die Ältere Tyrannis, unter die auch die Tyrannis von Peisistratos fällt, entwickelte sich in der Zeit eines langen Übergangs von der weitgehend noch vorstaatlichen Gesellschaft einer in vielen größeren und kleineren Gemeinwesen vorherrschenden polykoiranie [42] hin zu einer frühen Ausprägung von staatlichen Grundstrukturen (Institutionen zur Stabilisierung der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Ordnung).[43] Gerade in der Polis Athen ereignete sich über das Altertum hinweg ein außergewöhnlicher und einmaliger historischer Prozess, denn jener ursprüngliche, in die Jungsteinzeit zurückzuführende Markt-und Wohnplatz wurde über die nächsten Jahrtausende hinweg zu einer ägäischen Großmacht.[44] Zwar traf die Krise der archaischen Zeit die Polis Athen (im Vergleich zu den anderen Stadtstaaten) verspätet,[45] jedoch häuften sich auch hier die Charakteristika der Krise und tangierten nacheinander die Lebensbereiche jedes einzelnen athenischen Bürgers.[46] Wie diese Krise sich auf die Lebensbereiche der einfachen Bürger und des Adels in Athen sowie auf die Polis als Ganzes auswirkte, soll im nächsten Schritt ausführlich untersucht werden.

2.2 Die allgemeinen geschichtlichen Voraussetzungen für das Entstehen der Tyrannis

,,Als Hellas mächtiger wurde und Erwerb und Gewinn mehr als früher gediehen, kamen in fast allen Städten Tyrannen auf, eine Folge der wachsenden Einkünfte (vorher hatte man erbliche Königtümer mit gesetzlichen Ehrenrechten); und Flotten wurden in Hellas ausgerüstet, das Meer zu erobern.“ [47]

Zu dieser Feststellung kommt der bedeutende antike Historiker Thukydides.[48] Man kann mit dieser Passage nicht nur die These von Stein-Hölkeskamp abschwächen bzw. eine antike Gegenposition gegenüberstellen,[49] sondern darüber hinaus wichtige Schlüsse in Bezug zu der archaischen Zeit ziehen: Die Tyrannis als Herrschaftsform entsteht in Verbindung mit dem Aufkommen eines (das frühere Maß) übersteigendem Begehrens nach Besitz und Reichtum[50] und durch das anzunehmende Steigen der Einkünfte des einfachen Bürgers.[51] Berve zieht daraus die Konsequenz, dass die Tyrannis also ,,Furcht und Symptom eines allgemeinen Prozesses der archaischen Zeit [war].“ Wie sah dieser Prozess im Einzelnen aus?

Die Ältere Tyrannis[52] ist eingebettet in eine Zeit, in der sich die institutionelle Ordnung, die innerhalb ihrer Polis durch eine breite Basis von Wehrfähigen[53] gestützt und gesichert wurde, etabliert.[54] Sie ermöglichte den Bürgern, bis zu einem gewissen Grad an den politischen Entscheidungen zu partizipieren. Paradoxerweise hat gerade dieser Prozess der Staatswerdung in Form der Herausbildung und Etablierung von politischen Institutionen die Besitzanmaßung der Stadtstaaten von Seiten der Tyrannisaspiranten begünstigt.[55] Im Rahmen dieser staatlichen Ordnung waren die Führungspositionen, die turnusmäßig neu besetzt wurden, sehr begehrt, denn zum einen ermöglichten sie den potentiellen Führungspersonen sowohl ihren Drang nach Einfluss auf die Entscheidungsfindung in ihrer Polis nachzugehen als auch den Prestigeerwerb bzw. die Statusdemonstration nach außen zu tragen.[56] Zum anderen setzte sie übersteigerten Machtanspruch eines jeweils kleinen oder eventuell großen Kreises um einen Hetairieführer[57] deutliche Grenzen.[58] Dennoch sind die Einwände Berves und Stein-Hölkeskamp berechtigt, dass das öffentliche Leben zu jener Zeit weniger durch die staatliche Ordnung bestimmt ist als vielmehr durch die Adelssippen, die mit ihrem bäuerlichem Anhang, ihren Verbindungen zu anderen Aristokraten, und sich um eine, bisweilen auch mehrere hervorstehende Führerpersönlichkeiten scharten ( Hetairien ).[59] In archaischer Zeit kann man in Griechenland folgerichtig kaum von institutionell geordneter und gesicherter Macht sprechen, vielmehr muss die Rede von einer –abseits der bereits bestehenden Institutionen (z.B. der Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. gering bleibende Einfluss eines Adelsrates wie des Areopags in Athen)- ungebundenen Machtausübung durch einzelne Aristokraten sein.[60]

[...]


[1] Vgl. Platon: Politeia, VIII, 565e, 569c, 575b, 576a. Zur Entstehung des tyrannischen Menschen und weiterer (ausschließlich negativer) Eigenschaften eines Tyrannen siehe 571a-573c.

[2] Ebd., VIII, 564a.

[3] Vgl. Solon frg. 9,32,34. Im erstgenannten Fragment heißt es: ,,Aus dem Wolke kommt des Schnees Gewalt und des Hagels, Donner wird aus dem flammenden Blitz; durch mächtige Männer geht die Stadt zugrunde, und in des Alleinherrschers Knechtschaft stürzt ja das Volk durch Unkenntnis. Wenn man allzu weit emporhebt, dann kann man nicht leicht bändigen später, sondern muß man alles <klug> (?) bedenken.“

[4] Vgl. Jordovic: Anfänge, S. 315 sowie Rosen: Erzählt, S. 104f.

[5] Vgl. Lavelle: Democratic Tyranny, S. 5, de Libero: Archaische Tyrannis, S. 11, Berve: Tyrannis, I, S. XI-XII, Welwei: Athen, S. 229.

[6] Vgl. de Libero: Archaische Tyrannis, S. 12.

[7] Zum Tyrannisbegriff, seiner ursprünglichen Herkunft, ihrer Ursachen, ihrem Wesen, ihre Beurteilung in der zeitgenössischen Zeit und der Nachwelt sowie der Tyrannis als staatsrechtlicher Begriff siehe Lenschau, Thomas, Art. ,,Tyrannis“, in: RE VII A (1948), Sp. 1821-1842. Ebenso Friedeburg, Robert von., Art. ,,Tyrannis“, in: DNP XV, III (2003), Sp. 685-694. Friedeburg erläutert auf der Basis der historischen Epochen den Begriff Tyrannis in ihrer Entwicklung (Verständnis von Tyrannis usw.). In kürzerer Fassung berichtet Berve: Tyrannis, I, S. 3f.

[8] Vgl. Welwei: Athen, S. 229

[9] Mossé zit. nach Welwei: Athen, S. 230.

[10] Arist. Ath. Pol. 16,7.

[11] Vgl. Rosen: Erzählt, S. 103. Stahl (Aristokraten, S. 261) schreibt seiner Herrschaft sogar einen wesentlichen Anteil bei der endgültigen Konsolidierung der Staatsordnung Athens zu. Ähnlich, aber in abgeschwächter Form, de Libero: Archaische Tyrannis, S. 134.

[12] Im deutschsprachigen Raum wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen einer Älteren und Jüngeren Tyrannis unterschieden. Während diese Unterscheidung in der Antike nicht gebräuchlich war, so wurde die besagte Differenzierung erstmals von Herrmann Gottlob Plaß (Perioden) eingeführt, der jedoch wiederum nicht zwischen der Jüngeren Tyrannis und der Alleinherrschaft in der hellenistischen Zeit unterscheidet, wie es Berve: Tyrannis, I, S. Xf. und II, S. 386-509 vornimmt. Die Scheidung in eine Ältere und Jüngere Tyrannis hat ihre historische Berechtigung, denn beide Tyrannisperioden sind nicht nur durch eine zwei Generationen dauernde tyrannenlose Zeit voneinander getrennt, sondern zugleich in ihren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen sowie in ihrer Art, Form und Wirkung der Herrschaftsausübung grundverschieden. Siehe hierzu Berve: Tyrannis, I, S. X-XI. Die Gewaltherrschaft in der zeitlichen Periode zwischen dem Peloponnesischen Krieg und der hellenistischen Epoche wird in der modernen Literatur als die Jüngere Tyrannis umschrieben. Einen detaillierten und breiten Einblick in die Jüngere Tyrannis liefert die Arbeit von Jordovic: Anfänge. Dieses Werk ist hierbei in zwei Teile gegliedert, die aufeinander aufbauen: Zum einen wird die Bedeutung des Krieges (S. 15-69), des geistigen Umfeldes (S. 70-116) und der Jugend (S. 117-127) für die Entwicklung und Entstehung der Jüngeren Tyrannis analysiert. Auf diesem Fundament werden dann von Jordovic verschiedene, die Zeit prägende Tyrannen (wie u.a. Alkibiades S. 131-168, Hermokrates S. 226-244 oder Dionysios I S. 245-266) und Repräsentanten der Jüngeren Tyrannis in der Art, Form und Wirkungsweise ihrer Herrschaft vorgestellt, wobei er auch die Gründe liefert (siehe S. 2f.), weshalb die Ältere Tyrannis innerhalb der Forschung weitaus besser erforscht ist als die Jüngere Tyrannis. Mit seinem Werk schließt er in vielen Bereichen diese sichtbare Lücke.

[13] Vgl. Stahl: Aristokraten, S. 6.

[14] Das offenbart auch die Wichtigkeit der epischen Sänger, die Stahl (Aristokraten, S. 20) einprägsam als ,Gedächtnisspezialisten´ bezeichnet.

[15] Vgl. de Libero: Archaische Tyrannis, S. 11 und Stahl: Aristokraten, S. 6.

[16] Zu den Gefahren siehe de Libero: Archaische Tyrannis, S. 11.

[17] Zu der Ermittlung des Quellenwerts der thukydideischen Berichts siehe Stahl: Aristokraten, S. 10.

[18] Über die Schwierigkeit, den antiken bzw. archaischen Adel als einen geschlossenen Stand (ähnlich wie in der historischen Epoche des Mittelalters oder der frühen Neuzeit) zu bezeichnen, wird ausführlich in Gliederungspunkt 2.3 zu sprechen sein.

[19] Immer wieder Erwähnung finden die Werke von Stahl: Aristokraten und Berve: Tyrannis, I und II.

[20] Vgl. Stein-Hölkeskamp: Adelskultur.

[21] Vgl. Ebd., S. 237.

[22] Zur allgemeinen Quellen-und Forschungslage kann aufgrund des Ziels der Einhaltung des schriftlichen Rahmens in dieser Arbeit leider nicht explizit eingegangen werden. Einen wunderbaren und tiefen Einblick in die Forschungslage zur archaischen Tyrannis liefert de Libero: Archaische Tyrannis, S. 11-19. Ebenso aber auch Berve: Tyrannis und Stahl: Aristokraten, S. 6-53. Letzterer erörtert neben den Quellen auch ihre Methodik im Umfeld der mündlichen Überlieferung und des Wandels zur Schriftkultur.

[23] Berve: Tyrannis, I und II.

[24] Stahl: Aristokraten.

[25] De Libero: Archaische Tyrannis.

[26] Vgl. Berve: Tyrannis, I, S. IX.

[27] Hierzu vor allem Stein-Hölkeskamp: Adelskultur, S. 7 und de Libero: Archaische Tyrannis, S. 15-17.

[28] Zu den Problemen in den Sichtweisen Stahls siehe Stein-Hölkeskamp: Adelskultur, S. 7.

[29] De Libero: Archaische Tyrannis, S. 412. Zur ähnlichen Ansicht gelangen Welwei: Athen, S. 241, Hofer: Untersuchungen, S. 95 und Berve: Tyrannis, I, S. 9f.

[30] Im Folgenden wird die archaische Zeit (8.Jh v. Chr. – 480 v. Chr.) –aufgrund der Beschränkung in der Seitenzahl- im Allgemeinen nur in groben Zügen thematisiert. Eine kurze, aber dennoch prägnante Darstellung der archaischen Zeit erhält der Leser bei Schuller: Griechische Geschichte, S. 10-29, wobei Schuller auch explizit auf das archaische Sparta (S. 23) und Athen (S. 24-29) Bezug nimmt. Ein breitgefächerten Einblick in die archaische Zeit und deren Auswirkungen auf die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ermöglicht Stahl: Gesellschaft und Staat. Zur Periodisierung der archaischen Zeit und der gesamten griechischen Geschichte siehe Stahl: Ebd., S. 11f.

[31] So unter anderem Stein-Hölkeskamp: Adelskultur, S. 57, die jedoch diese Prozesse immer nur in Verbindung mit dem Adel setzt, während Stahl: Aristokraten, S. 259 eine generell zunehmende Komplexität in der archaischen Zeit ausmacht und desweiteren in seinem Werk ,,Staat und Gesellschaft“ (S. 13-88) dennoch parallel die Strukturen der Gesellschaft (wie z.B. die Bedeutung der Verwandtschaft in der griechischen Gesellschaft oder der oikos als wirtschaftliche und soziale Grundeinheit) erörtert, die selbst in der archaischen Zeit unverändert geblieben sind. Stahl (Staat und Gesellschaft) stellt auch auf den Seiten 152-175 die Veränderungen im Bereich der institutionellen Grundstruktur der Polis, der wirtschaftlichen und demografischen Lage sowie der sozialen Grundfesten kurz und prägnant dar. Desweiteren vergleiche Leppin: Alte Geschichte, S. 60, Mc Glew: Ancient Greece, S. 4.

[32] In diesem Zusammenhang sind vor allem die Werke ,,Ilias“ und ,,Odyssee“ von Homer zu erwähnen. In der zweisprachigen Ausgabe unter dem Titel ,,Ilias“ von Johann Heinrich Voß, Frankfurt am Main 2008,findet der Leser beide Werke Homers vor. Mit beiden Epen liefert Homer nicht nur Einblicke in die Geschichte Griechenlands bis zur mykenischen Zeit, sondern auch Eindrücke in die Ideale und moralischen Anschauungen und Maßstäbe, die im antiken Griechenland geherrscht zu haben scheinen. Siehe unter den vielen Werken in Bezug zu Homer vor allem Classen: Werte sowie Latacz: Homer.

[33] Stein-Hölkeskamp: Adelskultur, S. 57.

[34] Hierbei stützt Stein-Hölkeskamp (Adelskultur, S. 39f., S.57) ihre Aussage auf die antiken, schriftlichen Quellen der homerischen Epen und auf Hesiods ,,Werke und Tage“.

[35] Vgl. Stahl: Aristokraten, S. 259.

[36] Vgl. Meier: Neubeginn, S. 65-68. Zu den wirtschaftlichen Problemen zählt Meier (S. 66f.) den Einsatz neuer Handlungsmöglichkeiten (Meier spricht von ,,östlichen Weisheitslehren“, jedoch definiert den geografischen Raum nicht), um die Landwirtschaft anzukurbeln, risikohafte Investitionen in Wein-und Olivenanbau und der Viehzucht sowie die Erbteilung. Diese Probleme konnten letztlich voll und ganz in der Verschuldung gegenüber den besitz-und machtstrebenden Aristokraten münden.

[37] Vgl. Welwei: Hellenismus, S. 106f.

[38] Meier (Neubeginn, S. 67) argumentiert zwiespältig, denn einerseits sieht er keine unmittelbare Kausalbeziehung zwischen wirtschaftlichem Verfall der Bürger und der Tyrannisbildung, andererseits begibt er sich mit der Aussage, einzelne ehrgeizige Adlige hätten die Unzufriedenheit der Bauern zur Usurpation der uneingeschränkten Macht innerhalb einer Polis durchaus genutzt, ungewollt in den Argumentationsstrang von Stein-Hölkeskamp (Adelskultur, S. 57).

[39] Dies erfolgt vor allem in den nächsten Gliederungspunkten 2.2 und 2.3.

[40] Siehe hierzu Anm. 39.

[41] Da die Ältere Tyrannis den besagten Zeitraum keinesfalls als Ganzes geprägt hat, so ist Welwei ( Griechische Geschichte, S. 105 und ders: Polis, S. 76), nur zuzustimmen, wenn er sagt, dass die Ältere Tyrannis nicht als Epoche im eigentlichen Sinne verstanden werden darf, sondern vielmehr nur lokal beziehungsweise regional teilweise monarchische Grundstrukturen etablieren konnte.

[42] Welwei: Hellenismus, S. 106. Hervorhebung im Original. Polykoiranie steht für ,,Vielherrschaft“.

[43] Vgl. Welwei: Hellenismus, S. 106-108. Platon (Politeia, VIII, 562a) hingegen ist der Auffassung, dass die ,,[e]ntartete Freiheit in der Demokratie der Nährboden der Tyrannis [ist].“

[44] Vgl. Meier: Neubeginn, S. 68, Welwei: Hellenismus, S. 1. Schon früh verstanden sich die athenischen Bürger als Nachfahren von Ureinwohnern Attikas. Siehe hierzu die antiken Historiker Hdt. I 57,3 sowie Thuk. I 2,5.

[45] Vgl. Meier: Neubeginn, S. 68.

[46] Vgl. Schuller: Griechische Geschichte, S. 23, Stahl: Gesellschaft und Staat, S. 182-200.

[47] Thuk. 1,13.

[48] Über die biografischen Fixpunkte, sein politisches und geistiges Umfeld sowie seine Geschichtsauffassung und historische Methodenwahl Thukydides´ berichtet in einer nicht umfangreichen und dadurch sehr vereinfachenden Form der kontroversen Fragen (so z.B. über die ,,Thukydideische Frage“) die Monografie von Sonnabend: Thukydides. Auf diesem Fundament der Auseinandersetzung mit der Wirkungsweise Thukydides für die Entwicklung und Etablierung der Geschichtswissenschaft als Wissenschaftsdisziplin gelangt Sonnabend zu der Frage, ob Thukydides der größte Historiker der Antike sei (S. 113-116). Dabei ist es in Anlehnung an Schadewaldt: Anfänge, S. 223f., durchaus berechtigt, Thukydides und Herodot als die Konstrukteure der modernen Geschichtswissenschaft zu bezeichnen.

[49] Siehe Seite 7 in dieser Arbeit, in der die Meinungen moderner Historiker beschrieben werden.

[50] Das Verlangen nach Besitz und Reichtum war vor allem der traditionelle Lebensanspruch der Aristokratie. Trotz der vielfältigen Wandlungsprozesse in ihrem sozialen, institutionellen und politischen Umfeld veränderte sich der Lebensstil des Adels über die antike hinweg kaum. Seit den großen Epen wissen wir, dass die Elite auf der Basis ihres Reichtums Schönheit, Luxus, Großzügigkeit, Gastfreundschaft, athletisches und musisches Können eine zentrale Rolle in ihrem Leben beimaßen. Dieser einst charakteristisch adlige Lebensstil bzw. das Element des Erwerbs von Reichtum wird nun durch Thukydides auf den einfachen Bürger einer Polis erweitert. Siehe hierzu Stein-Hölkeskamp: Adelskultur, S. 104, die sogar der Auffassung ist, dass die Zurschaustellung der sozialen und kulturellen Überlegenheit durch den Adel in der archaischen Zeit sogar bedeutend zunimmt. Angesichts der Tatsache, dass Thukydides (1,13 und 1,17) eine generelle wirtschaftliche Prosperität auszumachen scheint, so liegt die Vermutung nahe, dass der Adel sich mit dem –durch den Reichtum- ermöglichten müßigem und verschwenderischem Lebensstil sich vom demos distanzieren bzw. abheben wollte. Während Berve (Tyrannis, I, S. 8) zu dem Schluss kommt, dass die Gier nach Reichtum keine typische Eigenschaft eines Tyrannen war, sondern vielmehr eine über den gesamten demos verbreitete Zielvorstellung, erklärt Stahl (Aristokraten, S. 83), dass Reichtum das ,,Hauptkriterium“ für die Zurechnung eines Oikos zur Aristokratie war.

[51] Vgl. Schuller: Stadt, S. 12f. Schuller untersucht in diesem Werk die Parallelen und Unterschiede in Bezug auf die Charakteristika einer Tyrannis und des attischen Seebundes, der 478/77 v. Chr. in Folge der Perserkriege begründet wurde. Er untersucht hierbei die Frage, ob der attische Seebund bzw. Athen als herausragendes Mitglied dieses Bundes, die anderen Polis-Mitglieder tyrannisch (informell) regiert hatte.

[52] Siehe Anm. 10 auf Seite 3 in dieser Arbeit.

[53] Hier vor allem die Hoplitenphalanx, die als selbstausgerüstete Hopliten die Bürgerheere bildeten. Folglich stellten auch jene Bürger die wesentlichen Säulen im Bereich der politischen Entscheidungsfindung. Siehe hierzu Schuller: Griechische Geschichte, S. 109f. sowie Stahl: Gesellschaft und Staat, S. 169-172. Nillson (Zeitalter, S. 93) macht sogar die Entwicklung der Hoplitenphalanx für den Niedergang der Macht des Adels und den gleichzeitigen Aufstieg des ,,Mittelstandes“ hauptverantwortlich.

[54] Vgl. Welwei: Hellenismus, S. 105, Stein-Hölkeskamp: Adelskultur, S. 94-103, Schulz: Kleine Geschichte, S. 65.

[55] Zu diesem Ergebnis kommen Dreher: Sparta, S. 30f., Welwei: Hellenismus, S. 116, Stahl: Aristokraten, S. 197f. Dagegen spricht sich besonders entschieden Anderson (Rethinking, S. 173-222) aus. Er sieht in den frühen Tyrannisherrschaften eines Peisistratos oder eines Kypselos von Korinth keine politischen Herrscher, sondern vielmehr nur aristokratische Führer (S. 173). Er begründet diese Auffassung mit dem Hinweis, dass zu jener Zeit der frühen Tyrannen das institutionelle Konstrukt noch sehr lose war und nicht die Entscheidungsgewalt besaß, wie sie diese im Laufe des 5. Jahrhunderts v. Chr. erhielt. So sei Peisistratos Machtergreifung nicht mit der eines Dionysios I. von Syrakus um und nach 400 v. Chr. vergleichbar, denn letzterer habe –im Gegensatz zu Peisistratos- eine seit Jahrzehnten bestehende staatliche Ordnung gestürzt. Eine lesenswerte und informative Monografie zu Dionysios I. findet sich bei Meier-Welcker: Dionysios. Der Autor unternimmt den Versuch, die Anekdoten des Altertums, die oftmals von einer krankhaften Furcht und Angst des Dionysios vor dem Macht-und damit Lebensverlust (S. 65) berichten und unreflektiert manchmal von der modernen Forschung übernommen worden sind, abzuschwächen bzw. zu widerlegen. Er kommt zu dem Schluss, dass Dionysios Härte und Grausamkeit sowie Gutmütigkeit letztlich nur der Absicherung seiner Macht dienten und jede seiner Handlungen vom Drang zur Herrschaft(-ssicherung) bestimmt waren (S. 65f.). Hofer (Untersuchungen, S.69) sieht im modernen Sizilien die Insel der Tyrannen schlechthin, denn sie wurde bedeutend von diesen geprägt.

[56] Vgl. Welwei: Hellenismus, S. 106,116, Stahl: Aristokraten, S. 200.

[57] Zum Begriff siehe Burckhardt, Leonhard, Art. ,,Hetairoi“, in: DNP 5 (1998), Sp. 520-521.

[58] Vgl. Welwei: Hellenismus, S. 105f.

[59] Vgl. Berve: Tyrannis, S. 9. Stein-Hölkeskamp (Adelskultur, S. 103) spricht in diesem Zusammenhang nachvollziehbar von ,präpolitischen´ Grundlagen und meint damit die materiellen Ressourcen, Verwandtschaften, Freundschaften und den (meist bäuerlichen) Anhang, die die Adligen dafür zu Nutze ziehen, um ihren Status der sozialen Überlegenheit und dem Nachweis ihrer individuellen Tüchtigkeit gerecht zu werden und damit letztlich im Dauerzustand der Konkurrenz um Rang und Vorrang mit den Standesgenossen mithalten zu können. Gerade der Aspekt der Führerpersönlichkeiten wird in der Forschung immer wieder als Triebkraft für die Entstehung der sogenannten Stasis-Gruppierungen herangezogen. Wie hier angedeutet, steht die Bildung einer Stasis ganz eng in Verbindung mit dem Adel. Die Gründe, weshalb es überhaupt zur Stasis-Gruppierungen im archaischen Athen kam und welche reichweitenden Folgen dies auf allen Lebensbereichen mit sich brachte, wird Thema im Gliederungspunkt 2.3 sein. Siehe hierzu auch Stahl: Aristokraten, S. 60-105.

[60] Vgl. Stein-Hölkeskamp: Adelskultur, S. 103. Während Stein-Hölkeskamp trotz der innerhalb der Forschung herrschenden Unklarheit bezüglich der konkreten Kompetenzen und Funktionen des Areopags in Athen (Adelskultur, S. 102) zu dem Schluss kommt, dass ihr Einfluss durch (evtl.) Adelsfaktionen gehemmt wurde, liefert Aristoteles Athenaion Politeia Argumente dafür, dass ,,der Rat der Areopagiten […] die Aufgabe [hatte], die Gesetze zu überwachen, er verwaltete auch den größten und wichtigsten Teil der Staatsgeschäfte und besaß außerdem die Macht, allen, die gegen die Ordnung verstießen, persönliche Strafen und Geldbußen aufzuerlegen.“ Arist. Ath. Pol. 3,6, vergleiche auch 4,4; 8,4 sowie 25,2. Es ist aber durchaus möglich, dass die innenpolitischen Konflikte im Athen des 6. Jahrhunderts v. Chr. die Amtsausführung der Areopagiten vehement gestört haben. Gerade, weil Aristoteles (3,6) berichtet, dass der Areopag speziell deswegen solch eine Macht besaß, ,,weil die Wahl der Archonten von edler Abstammung und Reichtum abhing und die Areopagiten ehemalige [auf Lebensdauer gewählte] Archonten waren“, ist zu vermuten, dass die Adelsfaktionen (wie von Stein-Hölkeskamp vermutet), vor allem während der Stasis-Gruppierungen, die weitere Amtsausführung unmöglich machten.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Schreckensherrschaft oder Initiator eines Goldenen Zeitalters? Die Tyrannis des Peisistratos von Athen
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Von Homer zu Kleisthenes. Die Entwicklung der Demokratie in archaischer und frühklassischer Zeit.
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
40
Katalognummer
V263739
ISBN (eBook)
9783656527442
ISBN (Buch)
9783656530176
Dateigröße
728 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Ältere Tyrannis, Athen, Aristoteles, Platon, antike Aristokratie, Solon, archaische Zeit, Jüngere Tyrannis, Thukydides, oikos, stasis, herodot, Polisordnung, Baupolitik Peisistratos´, Reiligionspolitik Peisistratos´, Kulturpolitik Peisistratos´
Arbeit zitieren
Arian Sahitolli (Autor), 2013, Schreckensherrschaft oder Initiator eines Goldenen Zeitalters? Die Tyrannis des Peisistratos von Athen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263739

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