Die Gestaltung und Funktion der Inquitformel im Nibelungenlied

Schnittstelle zwischen Erzählstimme und Figurenrede


Examensarbeit, 2012
70 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Erzählen im Nibelungenlied
1.1 Forschungsspektrum
1.2 Erzähltheorie als neuer Forschungsschwerpunkt
1.2 Zwei Forschungsinteressen mit einem gemeinsamen Kern
1.3 Mediävistische Erzähltheorie
1.4 Inszeniertes Erzählen

2. Die Inquitformel als Untersuchungsgegenstand
2.1 Auswertung des Textmaterials
2.2 Die Handschriften B und C im Vergleich
2.3 Gestaltung und Funktion der Inquitformel
2.4 Anpassung der erzähltheoretischen Terminologie

3. Gestaltungselemente und ihre Funktion
3.1 Position
3.2 Umfang der Inquitformeln
3.2.1 Länge
3.2.2 An- und Abvers
3.3 Gestaltung
3.3.1 Namen, Pronomen und nominale Bezeichnung
3.3.2 Adverbien und adverbiale Bestimmungen
3.3.3 Konjunktionen
3.3.4 Attribute
3.3.5 Ergänzungen durch Objekte

4. Figurencharakterisierung
4.1 Möglichkeiten der Figurencharakterisierung
4.2 Figur oder Charakter
4.3 Figurencharakterisierung an konkreten Beispielen
4.3.1 Dankwart
4.3.2 Siegfried
4.3.3 Kriemhild
4.3.4 Hagen
4.4 Fazit aus dem Vergleich der Figuren

5. Schnittstelle zwischen Erzählstimme und Figurenrede
5.1 Die Rolle der Erzählstimme
5.2 Untersuchung der Redeszene „Ankunft und Begrüßung am Hof“
5.2.1 Siegfrieds Ankunft am Wormser Hof
5.2.2 Ankunft der Burgunden am Hof Etzels
5.2.3 Fazit aus dem Vergleich der Ankunftsszenen

6. Schnittstelle mit vielfältigen Funktionen

7. Literatur
7.1 Textausgaben
7.2 Forschungsliteratur
7.3 Wörterbücher und Lexikas
7.4 Internetquellen und elektronische Ressourcen

1. Erzählen im Nibelungenlied

1.1 Forschungsspektrum

Die Forschung zum Nibelungenlied erstreckt sich über ein weites Spektrum an Schwerpunkten, von denen einige schon sehr zahlreich und ausführlich in der Literatur behandelt worden sind[1]. So gibt die Entstehung des Werkes Anlass zu Fragen nach der Autorschaft, der Entstehungszeit und dem Entstehungskontext. Aufgrund der Vielzahl überlieferter Handschriften, wird bis heute über die Geschichte seiner Tradierung debattiert und über die ursprüngliche Handschriftenfassung gemutmaßt[2]. Darüber hinaus ist eingehend erörtert worden, inwiefern das Nibelungenlied Stränge der europäischen Sagentradition miteinander verknüpft[3]. Auf welche Weise man das Nibelungenlied rezipiert hat bzw. haben könnte, bietet ebenfalls Anlass zur Auseinandersetzung[4].

Nicht zuletzt hat man den inhaltlichen und formellen Aufbau des Nibelungenliedes untersucht, wobei die Gestaltung der Erzählstimme und der Figurenrede lange Zeit vernachlässigt worden ist. Das wachsende Interesse an Erzählstimme und Figurenrede hat deren Bindeglied, die Inquitformel, bisher noch nicht in all ihren Facetten zum Gegenstand der Forschung werden lassen. Ziel der Arbeit ist es daher, sowohl eine quantitative als auch eine qualitative Analyse der Inquitformeln im Nibelungenlied vorzunehmen.

1.2 Erzähltheorie als neuer Forschungsschwerpunkt

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts[5] untersuchen Forscher gezielt die Erzählstruktur im Nibelungenlied mit ihrer Erzähloberfläche[6]. An dieser Stelle wird ein kurzer Überblick über die verschiedenen, für meine Arbeit wesentlichen Forschungsansätze gegeben, denn die vielfältigen Ansätze weichen in ihrem Forschungsinteresse und in ihrer Methodik bisweilen sehr von einander ab. Ich habe jedoch bewusst eine methodisch vielfältige Herangehensweise für meine Arbeit gewählt, denn nur aus der Kombination verschiedener Ansätze aus Sprachwissenschaft und Erzähltheorie, kann es gelingen die große Komplexität eines so kleinen Gestaltungselementes wie der Inquitformel abbilden zu können.

Seit den 1950er und 1960er Jahren sind nur sehr allgemeine Fragen zum formal-strukturellen Aufbau des Nibelungenliedes formuliert worden. So haben sich die Fragestellungen beispielsweise besonders auf die Abfolge und den Aufbau der Aventiuren konzentriert[7].

Mit der Untersuchung von Parry und Lord zu formelhaften Wendungen in mündlich tradierten Epen ist der Anstoß für die Nibelungenforschung gegeben worden, abzuwägen wie man die Entstehung des Nibelungenliedes im Spektrum von mündlicher bis zu schriftlicher Konzeption einordnen kann[8]. Diese Debatte wird bis heute weitergeführt, jedoch bisweilen unterschiedlich perspektiviert. Vielversprechender erscheint der Ansatz, ein endgültiges Urteil über die Entstehung des Nibelungenliedes, wie man es noch in den 1970er Jahren angestrebt hat, zu vernachlässigen und anstatt dessen zu hinterfragen, welchen Gewinn Aussagen über die Produktions- und Rezeptionsvorrausetzungen des Nibelungenliedes zwischen Mündlich- und Schriftlichkeit für eine Analyse der Erzählstruktur bringen.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts untersuchen mediävistische Studien im Allgemeinen und auch speziell für das Nibelungenlied nicht länger lediglich die oben genannten Großstrukturen auf der Formseite, sondern schenken den formalen Besonderheiten innerhalb der Mikrostruktur, wie zum Beispiel der Inquitformel, mehr Beachtung[9]. Des Weiteren bedienen sie sich in ihrer Methodik „sprach-, kommunikations-, literatur- und kulturwissenschaftlich[er]“[10] Ansätze. So wendet beispielsweise Hundsnurscher für seine Analyse der Inquitformel Untersuchungsmethoden aus der Sprachwissenschaft auf das Nibelungenlied an. Durch diesen interdisziplinären methodischen Zugriff hat sich die Dialogforschung für die historische Erzählforschung als ein weiterer Untersuchungsgegenstand eröffnet. Die Forschung diesbezüglich steht erst am Anfang, doch das gesteigerte Interesse an diesem vielversprechenden, neuen Forschungsansatz wird aus der Zahl der dazu veröffentlichten Publikationen, der wissenschaftlichen Tagungen[11] und nicht zuletzt der veranstalteten Hochschulseminare ablesbar.

Die Zahl an methodisch vielfältigen Einzelstudien zum Nibelungenlied wächst, doch bleiben sie den erforderlichen, literaturwissenschaftlichen Teil einer Untersuchung[12], nämlich den Rückschluss auf die Wirkung der formalen Erzählstrategien und auf ihre Funktion oftmals schuldig. In meiner Arbeit wird daher eine detaillierte, zum Teil an sprachwissenschaftliche Methodik angelehnte Untersuchung der Schnittstelle Inquitformel angestrebt. Diese greift Hundsnurschers Ansatz auf und führt ihn erzählanalytisch fort.

1.2 Zwei Forschungsinteressen mit einem gemeinsamen Kern

Die Arbeit verbindet diverse persönliche Forschungsinteressen. Eines davon ist begründet in der Wahl der textlichen Untersuchungsgrundlage, dem Nibelungenlied. Im Gegensatz zum höfischen Roman stammt das Nibelungenlied ursprünglich aus der mündlichen Überlieferung und baut auf verschieden Stoff- und Sagenkreisläufe auf. Viele inhaltliche Widersprüche haben sich daraus ergeben, mit denen sich ein Teil der Nibelungenliedforscher bis heute beschäftigt[13]. Dass sie das Nibelungenlied als kausal widersprüchlich darstellen, ist nachvollziehbar, da sich ihre Untersuchungen auf die Betrachtung der inhaltlichen Ebene des Textes beschränken. In meiner Arbeit interessiere ich mich hingegen verstärkt für die häufig vernachlässigte Formseite des Nibelungenliedes und möchte darstellen, inwieweit auf dieser Betrachtungsebene Textzusammenhang erzeugt wird. Alle strukturell-formalen Besonderheiten des Nibelungenliedes herauszuarbeiten wäre jedoch ein Unterfangen, das im Rahmen einer Examensarbeit nicht zu bewältigen ist. Aus der Fülle der möglichen Formmerkmale habe ich deshalb die Inquitformel als einen grundlegenden narrativen Baustein in Redeszenen zur Analyse ausgewählt. Es gilt zu zeigen, inwieweit durch sie nicht nur inhaltlich durch ihre Referenz auf den angekündigten Sprecher, sondern auch auf der Formseite Textkohärenz geschaffen werden kann.

Weiterhin interessiert mich aus dem Forschungsbereich der Dialogforschung, wie Redeszenen strukturiert sind, um das Textverständnis beim Rezipienten zu sichern. ‚Textverständnis‘ ist dabei auf zweierlei Weise aufzufassen. Einerseits gilt es die Rezeptionsbesonderheiten des Nibelungenliedes als einen für den mündlichen Vortrag bestimmten Text zu berücksichtigen. Verstehen kann diesbezüglich mit dem gelungenen Wahrnehmen akustischer Signale gleichgesetzt werden[14]. Aus heutiger Sicht kann nur vermutet werden, dass der Vortragende seine Stimme variiert hat, um Erzählstimme und Figurenrede für den Rezipienten zu unterscheiden.

Die Aufführungssituation lässt sich mangels Quellen nicht mehr rekonstruieren, der Text des Nibelungenliedes ist hingegen überliefert. Er bildet die Grundlage meiner Untersuchung, denn er eignet sich ohne Frage für den Vortrag[15]. Da die Übergänge von der Erzählstimme zur Figurenrede in den Text eingeschrieben sind, bleiben sie bis heute im Wesentlichen durch die Inquitformeln nachvollziehbar. Andererseits ist von Belang, wie die Sinnerfassung des Nibelungenliedes innerhalb von Redeszenen für den Leser bzw. Zuhörer erleichtert wird. Auch auf diesen Aspekt hin wird die Inquitformel untersucht.

1.3 Mediävistische Erzähltheorie

Starke Impulse hat die Mediävistik seitens der Erzähltheorie seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts erfahren. Für diese Arbeit ist die Anbindung an die Erzähltheorie besonders attraktiv, da sich Erzähltheorie außerordentlich für die Wirkung von Texten interessiert und darüber hinaus der Wahl bestimmter Erzählformen inhaltliche Relevanz zuspricht[16]. Die Neuorientierung auf die Erzählforschung als Untersuchungsgegenstand, einschließlich der Dialogforschung als eines ihrer Teilgebiete, erfordert zugleich, eine neue Terminologie für diesen Forschungsgegenstand zu entwickeln. Die mediävistische Forschung orientiert sich dabei stark an den erzähltheoretischen Fachbegriffen der neueren Literatur[17]. Nicht immer lassen sich diese jedoch problemlos auf Texte wie das Nibelungenlied übertragen, da sie für ein Textkorpus ab dem 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart entwickelt worden sind und nicht für mittelalterliche Literatur, die anderen Verstehensvoraussetzungen unterliegt. Daher ist „ein höheres Maß an Modifikation, Revision und Erweiterung der Analysekategorien“[18] der Erzählterminologie notwendig. Auch diese Arbeit knüpft teilweise an erzähltheoretische Grundbegriffe der modernen Literaturwissenschaft an und geht damit auf zweierlei Weise um. Einerseits wird an gegebener Stelle ausgeführt, wie die erzähltheoretischen Fachtermini im Verstehenskontext des Nibelungenliedes aufzufassen sind. Andererseits werden die Analysekategorien mit Bezug auf die anderen Produktions- und Rezeptionsprämissen des Mittelalters modifiziert. Ein weiteres, wenn auch randständigeres Forschungsinteresse liegt daher in der Frage nach der Anschlussfähigkeit von moderner Erzähltheorie an mittelalterliche Texte.

1.4 Inszeniertes Erzählen

Die vorliegende Untersuchung lehnt ihr Verständnis des Erzählens im Wesentlichen an die Auffassung Elisabeth Lienerts an, dass es sich im Nibelungenlied um die „Selbstinszenierung von Erzählen zwischen schriftlicher Quelle, mündlicher Tradition und […] Erzählerrolle“[19] handelt. Dieser Ansatz bietet den Vorzug, nicht endgültig über die mündliche oder schriftliche Konzeption und Rezeption des Nibelungenliedes entscheiden zu wollen, verliert allerdings die beiden forschungsgeschichtlich wichtigen Kategorien nicht aus dem Blick. Lienerts Ansatz beabsichtigt vielmehr eine Vorstellung darüber zu vermitteln, welche Wirkung die einzelnen Erzählbausteine in ihrer Gestaltung und mit ihrer Funktion aus verschiedenen Blickwinkeln erzielen können. Erkenntnisse über die Entstehung und Rezeptionssituation werden in erster Linie aus der Erzählanalyse geschöpft und auf Erzählstrategien zurückgeführt, ein Verfahren, das für die vorliegende Untersuchung der Inquitformeln im Nibelungenlied angestrebt wird.

Für die Gestaltung von Redeszenen nimmt die Inquitformel eine besondere Zwischenstellung ein. Nicht umsonst wurde sie im Titel der Arbeit als „Schnittstelle“, einem Fachterminus aus der Informatik, bezeichnet. Es handelt sich bei einer Schnittstelle um die „Verbindungsstelle zwischen Funktionseinheiten[…] an der Austausch von Daten oder Steuersignalen erfolgt“[20]. Die Inquitformel verbindet demnach die Funktionseinheiten Erzählstimme und Figurenrede miteinander. Welche Daten an jener Zwischenstelle ausgetauscht werden und wer oder was auf welche Weise durch Signale der Inquitformel gesteuert werden soll, verdeutlicht sich im Verlauf der Arbeit.

2. Die Inquitformel als Untersuchungsgegenstand

2.1 Auswertung des Textmaterials

Die narrative Mikrostruktur des Nibelungenliedes ist als Forschungsgegenstand, hier ist Ehrismann zuzustimmen, zugunsten größerer struktureller Textebenen zunehmend vernachlässigt worden[21]. In den Fokus der Arbeit wird dieser Entwicklung zuwiderlaufend die elementare Texteinheit Inquitformel gerückt und der Versuch, die wesentlichen Teile ihres gestalterischen Potentials auszumachen. Dabei sollen weitere Parameter als die bloße Beschreibung des Stellungstypes, der in der Forschung mehrfach untersucht worden ist[22], erarbeitet und herangezogen werden.

Werner Schwartzkopff, Anja Becker[23] und der zuvor mehrfach erwähnte Franz Hundsnurscher haben sich ausführlich mit der Inquitformel beschäftigt und bieten Analyseraster bzw. Analyseansätze für die Inquitformel an, die teilweise aufeinander aufbauen. Nicht alle der von ihnen erhobenen Parameter sind für meine Arbeit von Belang. Schwartzkopff konzentriert sich in seiner Darstellung zur Rede und Redeszene stark auf die Position der Inquitformel im Verhältnis zur Figurenrede. Er nuanciert zwischen Inquitformeln in vorangestellter, zwischengeschalteter, nachgeordneter Position und der freien Redeerläuterung bis zum Œuvre Wolfram von Eschenbachs in seiner vergleichenden Untersuchung[24]. Um über die klangliche Wirkung der Inquitformeln eines mittelalterlichen Textes in der Aufführungssituation urteilen zu können, betont er darüber hinaus, dass die Stellung der Inquitformel innerhalb eines Verses und einer Strophe sowie ihr Verhältnis zum Reim unbedingt berücksichtigt werden müssen[25]. All jene Punkte gilt es in der vorliegenden Arbeit noch einmal detailliert und explizit für das Nibelungenlied aufzugreifen. Überdies weist Hundsnurscher neben der Redeankündigung als Hauptfunktion der Inquitformel auf ihre „speziellen Funktionen“[26] hin, wie Hinweise zur Artikulation oder zur dialogischen Relation der Redebeiträge. Anja Becker wiederum erwägt, zwischen den Gestaltungselementen der Inquitformeln stärker zu differenzieren. Obgleich sie den selbstformulierten Vorschlag in ihrer Arbeit nicht umsetzt, sollen ihre Überlegungen zu der Vielzahl an Gestaltungselementen in die Analyse einfließen.

Um die Gestaltung und Funktion der Inquitformeln am Beispiel des Nibelungenliedes zu analysieren, werden folgende Parameter erhoben und in Form einer Tabelle im Anhang präsentiert: Die Position der Inquitformel soll über ihre Verknüpfung zur Erzählstimme und Figurenrede Aufschluss geben. Je nachdem ob sie in voran-, zwischen- oder nachgestellter Stellung auftritt, erzielt sie verschiedene Wirkungen und können ihr unterschiedliche Funktionen zukommen.

Der Umfang einer Inquitformel bemessen nach seiner Länge in Versen weist bereits auf Erweiterungen der Standardinquitformel hin und lässt einen höheren Informationsgehalt für den Rezipienten vermuten. Außerdem zeigt diese Kategorie, inwieweit sich die Inquitformeln an die besondere Form der Nibelungenstrophe angepasst haben.

Mit der Kategorie Gestaltung soll erfasst werden, um welche Elemente die Standardinquitformel, bestehend aus einem Subjekt und einem verbum dicendi, erweitert wird. Da die Zahl der Gestaltungsmittel groß ist, sollen sie außerdem systematisiert werden. Die inhaltliche Bedeutung der Inquitformel kommt in dieser Kategorie stärker als in den anderen zur Geltung.

Die Verortung der Redeankündigung innerhalb einer Strophe wird durch die Verszeile zur besseren Nachvollziehbarkeit angegeben. Da Inquitformeln, wie oben bereits angedeutet, in sehr unterschiedlichem Umfang auftreten, in den Erzählzusammenhang eingebunden sind und dem Gebot der Variation folgen, treffen sie nicht immer eindeutige Aussagen über den durch sie angekündigten Sprecher, sondern verweisen lediglich darauf, dass im Anschluss wörtliche Rede folgen wird. Der Name des Sprechers wird als weitere Information deshalb, soweit er nicht aus den Inquitformeln erkennbar gewesen ist, aus dem Erzählkontext gewonnen und ergänzt.

2.2 Die Handschriften B und C im Vergleich

Wie einleitend erwähnt, verortet sich die Überlieferung des Nibelungenliedes zwischen mündlicher und schriftlicher Entstehung. Folglich existiert nicht eine verbindliche Nibelungenliedfassung, sondern es handelt sich vielmehr um verschiedene Erzählfassungen, die in 35 Handschriften überliefert sind. Die zahlreichen Fassungen unterscheiden sich dabei in der Strophenanzahl und –anordnung sowie der Gestaltung des Textes. Ein wesentliches Ziel der Arbeit ist es aufgrund dieser Textvarianz zu untersuchen, ob und inwiefern sich die Gestaltung und Funktion der Inquitformeln in den Fassungen unterscheiden.

Die Handschrift B als Vertreter der nôt -Fassung und Handschrift C als Vertreter der liet -Fassung werden im Rahmen dieser Arbeit gegenübergestellt. Beide scheinen in räumlicher und zeitlicher Nähe verfasst worden zu sein und auf eine gemeinsame Urfassung zurückzugehen bzw. sich gegenseitig ‚überarbeitet‘ zu haben[27]. Sie unterscheiden sich allerdings in einigen Punkten voneinander. So gilt Handschrift C als die stärker überarbeitete Version, sowohl was die Stilistik betrifft als auch die inhaltliche Logik sowie Metrum und Reim. Außerdem divergieren B und C bei der Figurendarstellung von Hagen und Kriemhild. Interessant scheint folglich zu veranschaulichen, wie verschieden die Figuren Kriemhild und Hagen in den Inquitformeln bewertet werden.

Die Inquitformeln werden zu den formelhaften Bausteinen gerechnet, an denen sich der Vortragende wie an Wegweisern orientieren kann. Da das mündliche Erzählgerüst auf den Baustein Inquitformel als Bindeglied zwischen Erzählstimme und Figurenrede fußt, ist es unwahrscheinlich, dass die Abweichungen zwischen Fassung B und C signifikant sind, sondern anstatt dessen sporadisch auftreten. Inwiefern die Inquitformeln die inhaltlichen Unterschiede der beiden Fassungen wiederspiegeln und wie fest geprägt die Inquitformeln als Erzähleinheit in sich sind, zeigt die Analyse der zwei Fassungen.

Die durchgängige Fragestellung der Untersuchung ist daher, ob die Fassungen B und C unterschiedliche Gestaltungsstrategien verfolgen. Wenn dies der Fall ist: An welchen Stellen und auf welche Weise dies geschieht?

Um ein Textkorpus als Auswertungsgrundlage zu erhalten, habe ich achtzehn Aventiuren der Handschrift B mit den ihnen entsprechenden Aventiuren der C - Handschrift des Nibelungenliedes auf ihre Inquitformeln hin ausgewertet (Av. 1, 3, 5, 7, 8, 14, 16, 17, 19, 22, 25, 26, 28, 29, 30, 31, 32, 33). Die Auswahl der Aventiuren ist keine willkürliche, sondern versucht die Vielzahl der zum Teil sehr unterschiedlich gestalteten Aventiuren abzubilden. Das Verhältnis zwischen den Aventiuren aus dem ersten und dem zweiten Teil ist ausgewogen, sodass wesentliche Veränderungen bei der Gestaltung der Inquitformeln zwischen beiden Teilen registriert werden können. Weiterhin sind sowohl die großen Redeszenen (bspw. Av. 3 und 8), in denen erwartungsgemäß viele Inquitformeln auftauchen, als auch sehr handlungsreiche Szenen (bspw. Av. 16), in denen der Anteil der Erzählstimme überwiegt, ausgewählt. Überprüft worden ist darüber hinaus, ob die Erweiterung des Korpus um zusätzliche Aventiuren die Erkenntnisse zur Gestaltung und Funktion der Inquitformel wesentlich verändert hätte. Stichproben haben jedoch ergeben, dass der Aussagengehalt der Ergebnisse auch bei einer Erweiterung abgesehen von der Anzahl der Beispiele gleich geblieben wäre.

Die aus dem Nibelungenlied angeführten Zitate in dieser Arbeit stammen aus den herausgegebenen Fassungen von Karl Bartsch und Helmut de Boor sowie Ursula Schulze. Die von den Herausgebern eingefügte Zeichensetzung hingegen habe ich nicht übernommen, da sie vortäuscht, dass im Nibelungenlied Erzählstimme und Figurenrede klar voneinander zu trennen wären. In den Originalhandschriften wird diese Abgrenzung von Rede nicht typografisch gekennzeichnet. Der Vortragende im Mittelalter hat sich während seines Vortrages nicht an der Typografie orientieren können, sondern vielmehr an hörbaren Signalen wie der Inquitformel, um den Übergang zwischen Erzählstimme und Figurenrede zu markieren.

2.3 Gestaltung und Funktion der Inquitformel

Nach der Einführung zum Erzählen im Nibelungenlied und der Fokussierung auf die Inquitformel als Untersuchungsgegenstand gliedert dich die Arbeit in vier weitere Abschnitte.

Im Abschnitt zu den Gestaltungselementen und ihrer Funktion wird die tabellarische Übersicht aller Inquitformeln zunächst im Hinblick auf ihre ausschlaggebenden Gestaltungsmerkmale ausgewertet und systematisiert. Die Kategorien orientieren sich dabei am Instrumentarium aus der Sprachwissenschaft.

Da eine derartige Analyse nicht zum reinen Selbstzweck durchgeführt wird, gilt es den Gestaltungselementen aus der Inquitanalyse Funktionen zuzuordnen und dadurch die Funktionsweise der Inquitformeln insgesamt auszuloten. Sie sollen hauptsächlich auf das Sprechen von Figuren hinweisen und stehen damit in engem Bezug zu den sprechhandelnden Figuren. Auf welche Weise und in welchem Maße sie zur Figurencharakterisierung beitragen, wird im Abschnitt zur Figurencharakterisierung am Beispiel der Figuren Siegfried, Kriemhild, Hagen und Dankwart[28] dargelegt. Da Charakterisierung im Kontext mittelalterlicher Literatur ein schwieriger Begriff ist, werden die Termini ‚Figur‘ und ‚Charakter‘ erläutert und voneinander abgegrenzt.

Ziel des fünften Abschnittes ist es, die Inquitformel in das Wechselverhältnis von Erzählstimme und Figurenrede einzuordnen. Dazu werden die Übergänge von Erzählstimme zur Figurenrede innerhalb der Ankunftsszenen am Hofe der Burgunden und der Hunnen untersucht.

Im letzten Abschnitt gilt es die Rolle der Inquitformel als Schnittstelle deutlich herausarbeiten. Ihre wesentlichen Gestaltungsmerkmale und Funktionen werden zu diesem Zweck vergleichend ausgewertet und zusammengefasst.

2.4 Anpassung der erzähltheoretischen Terminologie

Die verwendeten Begriffe und ihre Semantik für die Arbeit genau zu definieren, ist aus den bereits ausgeführten Gründen unerlässlich. Die wichtigsten Begriffe sollen so kurz und präzise wie möglich definiert werden.

Die Inquitformel macht die Figurenrede im Nibelungenlied durch die Verwendung von Verben des Sagens oder Verben der Wahrnehmung in der Präteritumsform kenntlich, dabei kann sie sowohl vorangestellt als auch zwischen- oder nachgestellt vorkommen. Sie steuert die Rezeption während des mündlichen Vortrags durch ihren auf den ersten Blick monoton wirkenden Aufbau und ihre ständige Wiederkehr. Sie steht im Spannungsfeld zwischen Erzählstimme und Figurenrede, denn obgleich sie auf den ersten Blick zur Erzählstimme gehört, ist ihr starker Bezug zur Figurenrede für die folgende Untersuchung zu berücksichtigen[29]. Die Erzählstimme verdeutlicht mithilfe der Inquitformel „sprachliche[…] Handlungszusammenhänge“[30] und gewährleistet hauptsächlich durch sie die Referenzsicherung. Obwohl die Inquitformel ein von Kürze geprägter, unauffälliger Textbaustein ist, kommt ihr zum Einen im Erzähltext große funktionale Bedeutung zu, da sie den Bogen zwischen Erzählstimme und Figurenrede schlagen soll, zum Anderen ist sie aufgrund ihres frequenten Auftretens eine stilistische Herausforderung[31].

Die Erzählstimme ist die Mittlerinstanz zwischen Autor und Leser, die „den Text ‚spricht‘ bzw. die Geschichte ‚erzählt‘“[32]. Bewusst ist auf den Terminus ‚Erzähler des Nibelungenliedes‘ verzichtet worden. ‚Erzählstimme‘ präzisiert, dass es sich um eine erzählende Instanz handelt, die den Text präsentiert, ohne dabei Wert darauf zu legen, sich selbst als Figur zu inszenieren. Im Kontext des Nibelungenliedes existieren genau genommen zwei Erzählstimmen: zum einen jene, die in den Text eingeschrieben und damit Teil der Fiktion ist. Zum anderen gibt es den realen Erzähler, der den Text in der jedes Mal einmaligen mündlichen Aufführungssituation stimmlich gestaltet. Zur besseren Abgrenzung soll dieser im Fortgang der Arbeit als Vortragender bezeichnet werden.

Mit der Figurenrede werden die Äußerungen und Gedanken einer Figur innerhalb eines Erzähltextes wiedergegeben[33]. Figurenrede erzeugt den Anschein von Authentizität und lässt den Text durch den Wechsel zwischen Erzählstimme und Figurenrede lebendiger wirken. Die Worte der Figuren wirken zwar autonom, doch sind sie in den Text der Erzählstimme integriert. Die Erzählstimme erteilt, den Figuren mithilfe der Inquitformeln das Wort und gibt deren Rede wieder, um die „figurenbezogene Handlungsentwicklung [zu] begründe[n] und zu erläuter[n]“[34].

3. Gestaltungselemente und ihre Funktion

Den Ausgangspunkt bildet die Frage, welches gestalterische Potential die Inquitformel besitzt. Beleuchtet werden zunächst ihre Position, ihre Länge und ihre Gliederung in An- und Abvers. Darauffolgend wird die Einheit Inquitformel in ihre Bestandteile zerlegt. Ihre Kleinstbausteine werden zu Kategorien zusammengefasst, die an das Muster der Satzanalyse angelehnt sind.

3.1 Position

Vergleicht man die Stellung der Inquitformeln in meinem Textkorpus beider Handschriften, so fällt zunächst auf, dass Handschrift C pauschal mehr Inquitformeln aufweist (Hs B: 413, Hs C: 432[35] ). Die Zahl der Inquitformeln differiert, da Handschrift C die Handlung an einigen Stellen ausschmückt und weiter ausführt, um sie inhaltlich logischer zu gestalten (z. B. Hs C Av.19 Str.1124-1125, 1162-1163). Ansonsten kommen die Inquitformeln bis auf wenige Ausnahmen an den inhaltlich gleichen Stellen in beiden Handschriften vor, auch wenn die Gliederung in Aventiuren zum Teil voneinander abweicht.

Erwartungsgemäß sind die vorangestellten Inquitformeln mit Abstand am häufigsten vorhanden (Hs B: 293, Hs C: 297). Sie verschaffen sowohl dem Rezipienten als auch dem Vortragenden einen Informationsvorsprung. Führt man sich die Vortragssituation des Nibelungenliedes vor Augen, erleichtert die Voranstellung dem Zuhörer sich auf die anschließende Figurenrede einzustellen. Er weiß im Voraus wer, wie, wo, wann und zu wem gesprochen wird. Gleiches gilt für den Vortragenden, denn er erhält aus den vorangestellten Inquitformeln Hinweise für die weitere Gestaltung der darauffolgenden Figurenrede, auch wenn heute nur vermutet werden kann, dass die Intonation im Vortrag von Erzählstimme zur Figurenrede einst variiert worden ist.

Inquitformeln mit Zwischenstellung[36] kommen am zweithäufigsten vor. Diese Stellung kann zwei gestalterische Funktionen erfüllen. Auf der einen Seite beschleunigt sie den Redefluss der Figurenrede und lässt den Anschein einer ‚natürlichen‘ Dialogführung zwischen zwei Gesprächspartnern dank der unvermittelten Übergänge der Figurenrede und dem damit verbundenen Zurücktreten der Erzählstimme entstehen (bspw. Hs B Str.841 Kriemhild und Brünhild). Auf der anderen Seite erkennt Schwartzkopff bereits die gliedernde Funktion der zwischengestellten Inquitformel während des Vortrages und behauptet sie trete „an die Stelle der natürlichen Sprechpause“[37]. Ihm ist auf jeden Fall zuzustimmen, dass sie als Zäsur im mündlichen Vortrag fungiert und auf diese Weise die Spannung zwischen den getrennten Redeteilen erhöht. Die zwischengestellte Inquitformel kann den Fluss der Figurenrede verlangsamen, wie beispielsweise in Die rede lât belîben sprach si frouwe min [38]. An dieser Stelle setzt sie die Betonung auf den ersten Teil der Rede und im zweiten Teil von Kriemhilds Figurenrede folgen keine wichtigen, inhaltlichen Informationen, denn der Adressat ihrer Rede ist im Zwiegespräch zwischen Mutter und Tochter eindeutig. Zugleich setzt die Figurenrede ihre inhaltliche Aussage auch in ihrer Form um, wenn die Erzählstimme Kriemhilds Figurenrede für die erste Hälfte des Abverses unterbricht. Die Zwischenstellung kann wiederum die Neugier beim Zuhörer auf den zweiten Redeteil wecken und somit die Spannung steigern. Kriemhild klärt beispielsweise die Konsequenzen ihrer Drohung erst nach der zwischengestellten Inquitformel auf

Hey sold ich den bekennen sprach daz vil edel wîp

holt wurde im nimmer mîn herze unt ouch mîn lîp [39].

Die Spitzen[40] - und die Endstellung der Inquitformel in Fassung B wird wiederholt in der Hs C durch eine Zwischenstellung ersetzt. In den meisten Fällen will das nahtlose Anknüpfen an die Rede des Vorgängers das fiktive Gespräch natürlich erscheinen lassen und die Aufmerksamkeit des Rezipienten stärker fordern. Bei einem Beispiel geht der folgende Sprecher so unmissverständlich bereits aus der Figurenrede hervor: herr chunic ir sult mir sagen[…] [41], dass eine zusätzliche Ankündigung in Form einer vorangestellten Inquitformel langweilig und wenig kunstvoll wirken würde.

Bei der nachgestellten Inquitformel existieren sonst mit jeweils 45 bzw. 50 Beispielen keine wesentlichen Unterschiede zwischen ihrer Anordnung in beiden Handschriften. Nachgestellte Inquitformeln kommen in Analogie zu den vorangestellten selten vor, da sie den Rezipienten lange Zeit im Unklaren über die Sprecheridentität lassen. Indem sie die Figurenrede abschließen, werden die Worte der Figur manifestiert und wirken unumstößlich.

[...]


[1] Einen grundlegenden Überblick zu den wichtigsten und den aktuellsten Veröffentlichungen hat Miedema zusammengestellt in: Miedema, Nine: Einführung in das Nibelungenlied. Darmstadt 2011, S. 145-153.

[2] siehe insbesondere: Heinzle, Joachim: Zum literarischen Status des Nibelungenliedes. In: Fasbender, Christoph (Hg.): Nibelungenlied und Nibelungenklage. Neue Wege der Forschung. Darmstadt 2005, S.106-121

[3] siehe ausführlich dazu: Ebenbauer, Alfred; Keller, Johannes (Hrsg.): 8. Pöchlarner Heldenliedgespräch. Das Nibelungenlied und die Europäische Heldendichtung. Wien 2006.

[4] siehe ausführlich dazu: Zatloukal, Klaus (Hg.): 3. Pöchlarner Heldenliedgespräch. Die Rezeption des Nibelungenliedes. Wien 1995.

[5] Einige wenige Arbeiten liegen diesbezüglich schon früher vor. Bspw.: Schwartzkopff, Werner: Rede und Redeszene in der deutschen Erzählung bis Wolfram von Eschenbach. Berlin 1909.

[6] Erzählstruktur ist nach Fludernik als Ebene der Vermittlung aufzufassen. Vorteilhaft erscheint der Begriff, da er den idealisierten Rezipienten einschließt. Mit Erzähloberfläche ist die konkrete sprachliche Ausgestaltung einer Erzählung gemeint. Vgl. dazu: Fludernik, Monika: Einführung in die Erzähltheorie. Darmstadt 2006.

[7] Eine umfassende Bibliographie zur Forschung der 1950er und 1960er Jahre hat Ehrismann zusammengetragen. Siehe dazu: Ehrismann, Otfrid: Nibelungenlied. Epoche – Werk – Wirkung. München 1987, S.208f.

[8] sehr ausführliche Bibliographie zur Diskussion der 1960er und 1970er Jahre über die Entstehung zwischen Mündlich- und Schriftlichkeit siehe außerdem: Ehrismann: 1987, S.79ff.

[9] Als ein besonders relevantes Beispiel einer Mikrostudie ist zu nennen: Hundsnurscher, Franz: Das literarisch-stilistische Potential der inquit-Formel. In: Miedema, Nine; Hundsnurscher, Franz (Hrsg.): Formen und Funktionen von Redeszenen in der mittelhochdeutschen Großepik. Tübingen 2007, S.103-115.

[10] Vgl. dazu: Unzeitig, Monika; Miedema, Nine; Hundnurscher, Franz (Hrsg.): Redeszenen in der mittelalterlichen Großepik. Komparatistische Perspektiven. Berlin 2011, S.2.

[11] Als richtungsweisend kann die Tagung zu „Formen und Funktionen in der mittelalterlichen Großepik“ vom 16.-18. Juni 2005 in Münster bezeichnet werden. Der Band zur Tagung liefert einen Überblick über den allgemeinen Forschungsstand zur Dialog- und Erzählforschung und zu einigen Detailuntersuchung an diversen Werken mittelhochdeutscher Literatur. Vgl. dazu Miedema, Nine; Hundsnurscher, Franz (Hrsg.): Formen und Funktionen von Redeszenen in der mittelhochdeutschen Großepik. Tübingen 2007.

Jüngst erschienen ist außerdem der Band: Unzeitig, Monika; Miedema, Nine; Hundnurscher, Franz (Hrsg.): Redeszenen in der mittelalterlichen Großepik. Komparatistische Perspektiven. Berlin 2011.

Siehe außerdem: http://www.mediaevum.de/tagung/tagungsberichte.htm#2005.

[12] Nine Miedema legt für die Forschung an Heldenepen „eine konsequente Verknüpfung sprach- und literaturwissenschaftlicher Methoden“ nahe. s. Miedema; Hundsnurscher (Hrsg): 2007, S.5.

[13] So attestiert Joachim Heinzle dem Nibelungenlied „Widersprüche und Motivationsdefizite“. Vgl dazu: Heinzle: 2005, S. 112.

[14] Heutigen Textausgaben markieren Rede für den Leser sichtbar, indem sie Figurenrede von der Erzählstimme typografisch hervorheben. Das Nibelungenlied ist allerdings ursprünglich für den mündlichen Vortrag konzipiert worden und soll Figurenrede und Erzählstimme hörbar voneinander unterscheiden.

[15] Ich selbst habe im Rahmen des Seminares „Zur Poetik des ‚Nibelungenliedes‘“ den Vortrag der ersten Aventiure erlebt. Toni Deutsch hat den Text der Handschrift B frei vorgetragen und während der Präsentation lediglich durch das Arrangieren von Wörtern wie spontan geringfügig verändert.

[16] Vgl. dazu: Nünning, Ansgar & Vera (Hrsg.): Neue Ansätze in der Erzähltheorie. Trier 2002, S.26.

[17] Eine übersichtliche und umfassende Darstellung zur mediävistischen Erzähltheorie steht noch aus. Armin Schulz hat eine Zusammenführung der existierenden Ansätze in einem Einführungsband angekündigt. Vgl dazu: Schulz, Armin: Fremde Kohärenz. Narrative Verknüpfungsformen im ‚Nibelungenlied‘ und in der ‚Kaiserchronik‘. In: Haferland, Harald; Meyer, Matthias (Hrsg.): Historische Narratologie – Mediävistische Perspektiven. Berlin 2010, S.340.

[18] Nünning (Hrsg.): 2002, S.14.

[19] Lienert, Elisabeth: Rede und Schrift. Zur Inszenierung von Erzählen in mittelhochdeutscher Heldenepik. In: Bertelsmeier-Kierst, Christa; Young, Christopher H.; Bildhauer, Bettina (Hrsg.): Eine Epoche im Umbruch. Volkssprachliche Literalität 1200 – 1300. Tübingen 2003, S. 124.

[20] Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in zehn Bänden. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hg.). 3. Auflage. Bd.8. Mannheim 1999, S.3418.

[21] Vgl. dazu: Ehrismann, Otfrid: Nibelungenlied. Epoche – Werk – Wirkung. 2. Auflage. München 2002, S.144.

[22] Vgl. dazu Schwartzkopff: 1909, Kapitel IV; Hundsnurscher: 2007, v.a. S.113ff.

[23] Vgl. dazu Becker, Anja: Poetik der ‚wehselrede‘ . Dialogszenen in der mittelhochdeutschen Epik um 1200. Frankfurt am Main 2009, S.80 ff.

Unzeitig, Miedema und Hundsnurscher kritisieren zu Recht die erheblichen Widersprüchlichkeiten in der Untersuchung Beckers und den Mangel an Schlüssigkeit ihrer Arbeit. Nichtsdestoweniger ist nochmals zu betonen, dass die vorgeschlagene Analyse der Inquitformel für sich genommen fruchtbar sein kann.

Kritik siehe: Unzeitig; Miedema; Hundnurscher (Hrsg.): 2011, S.3,7f.

[24] Schwartzkopff: 1909, S. 104-119.

[25] ebd. S.87-103.

[26] Hundsnurscher: 2007, S.105.

[27] Ob beide Fassungen Bearbeitungen eines gemeinsamen Urtextes sind oder Handschrift C tatsächlich eine Überarbeitung von B darstellt, darüber herrscht in der Forschung nach bislang keine Einigkeit und soll hier nicht entschieden werden. Beide Varianten sind denkbar, daher sei für die erste Position: Millet, Victor: Germanische Heldendichtung im Mittelalter. Eine Einführung. Berlin 2008, S.228. genannt, für die zweite: Heinzle: 2005, S. 107.

[28] Für die Bezeichnung der Figuren in der Arbeit wurden alle Namen in ihrer heutigen Schreibung verwendet.

[29] Das Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft etwa führt den Terminus unter dem Stichwort ‚Figurenrede‘ auf. Vgl. dazu: Fricke, Harald et al. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd.1. New-York 1997, S.593.

[30] Hundsnurscher, Franz: ‚Sprechen‘ und ‚sagen‘ im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit. Zum Wechsel der Inquit-Formel ‚er sprach / er sagte‘. In: Miedema, Nine; Suntrup, Rudolf (Hrsg.): Literatur – Geschichte – Literaturgeschichte. Beiträge zur mediävistischen Literaturwissenschaft. Festschrift für Volker Honemann zum 60. Geburtstag. Frankfurt am Main 2003, S. 33.

[31] ebd. S. 33.

[32] Fricke et al. (Hrsg.): 1997, S.502.

[33] ebd. S.593.

[34] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs ‚Parzival‘ und ‚Titurel‘. Heidelberg 2008, S.38.

[35] Falls nicht gesondert gekennzeichnet, wird die Reihenfolge Hs B erstgenannt, Hs C zweitgenannt für die Textbeispiele beibehalten.

[36] Vgl. Terminologie dazu: Hundsnurscher: 2007, S.107.

[37] Vgl. dazu Schwartzkopff: 1909, S.107.

[38] Hs B Str.17,1.

[39] Hs B Str.1024,1-2.

[40] Hs B - Hs C: Spitzenstellung: Str.511,1 – Str.524,1; Str.830,1 – 838,1; Str.1559,4 – Str.1595,4; Str.1790,1 – Str.1831,1.Endstellung: Str.425,4 – Str.434,3; 1744,1 - 1784,1.

[41] Kriemhild in Hs C Str.523,3.

Ende der Leseprobe aus 70 Seiten

Details

Titel
Die Gestaltung und Funktion der Inquitformel im Nibelungenlied
Untertitel
Schnittstelle zwischen Erzählstimme und Figurenrede
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
70
Katalognummer
V263771
ISBN (eBook)
9783656526087
ISBN (Buch)
9783656527718
Dateigröße
815 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gestaltung, funktion, inquitformel, nibelungenlied, schnittstelle, erzählstimme, figurenrede
Arbeit zitieren
Antje Sigrid Kropf (Autor), 2012, Die Gestaltung und Funktion der Inquitformel im Nibelungenlied, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263771

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