Soziale Ungleichheit und Krankheit (Gesundheit) im Alter


Hausarbeit, 2013
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Epidemiologische Befunde
2.1 Ursachen und Merkmale von Krankheiten
2.2 Krankheiten im Alter und Alterskrankheiten
2.3 Kontinuumsmodell von Antonovsky

3. Soziale und gesundheitliche Ungleichheiten
3.1 Theorien und Merkmale sozialer Ungleichheit
3.1.1 Empirische Befunde.
3.1.2 Schnittpunkte sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit
3.2 Entwicklung von gesundheitlicher Ungleichheit im Alter
3.2.1 Gesundheitliche Ungleichheit im Lebenslauf
3.2.2 Gesundheitsverhalten und Prävention

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit findet ihren Ursprung in dem Seminar „Gesundheit im Alter: Epidemiologische, sozialwissenschaftliche und verhaltenswissenschaftliche Grundlagen“ und wird durch eine Kooperation der Technischen Universität Dortmund und der Ruhr-Universität Bochum (RUB) unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Hartmann am Lehrstuhl der RUB angeboten. In den einzelnen Veranstaltungen ging es zum einen inhaltlich um den allgemeinen Zusammenhang und die Schnittpunkte von Krankheiten und Gesundheit und zum anderen um die spezielle Kausalität von Krankheit und Gesundheit im Alter[1]. Letztgenannte Ursächlichkeit ist die Grundlage für die Auseinandersetzung mit der Fragestellung, welcher Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Krankheit im Alter besteht. Es ist dabei notwendig, das Thema dieser Hausarbeit und seiner forschungsleitenden Frage dahingehend zu erweitern, welche inhaltliche Verbindung zwischen Gesundheit und sozialer Ungleichheit besteht, da Krankheit oftmals als Gegensatz zu Gesundheit, bzw. Gesundheit als Abstinenz von Krankheit betrachtet wird. Aus diesem Grund steht der Begriff der Gesundheit in der Themenfragestellung in Klammern nach der Begrifflichkeit der Krankheit. Der Fokus dieser wissenschaftlichen Auseinandersetzung liegt dennoch auf dem Zusammenhang zwischen Krankheit und sozialen Verschiedenheiten, da an diesem Punkt die Schnittstellen besonders deutlich werden. Gesundheit geht in der genaueren Betrachtung über die Kontrastdefinition zu Krankheit hinaus und beschreibt nach einer Begriffsbestimmung der Weltgesundheitsorganisation „[…] einen Zustand vollkommeneren körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen “ (WHO 1946 und Böhm et al. 2009, S. 12). In dieser allgemein geltenden Erläuterung wird das subjektive und zwischen den Individuen unterschiedliche Empfinden von Krankheitssymptomen deutlich. Zum anderen wird darin die Mehrdimensionalität von möglichen Erkrankungen hervorgehoben. Bei der epidemiologischen Auseinandersetzung mit Krankheiten tragen diese Faktoren zu einer starken Komplexität dieser wissenschaftlichen Betrachtung bei. Zu Beginn dieser Arbeit wurde bereits auf Thematik und Begrifflichkeit von Krankheit eingegangen. Im nächsten Schritt werden verschiedene epidemiologische Befunde vorgestellt und die Transitionen von Krankheiten, welche als gesellschaftsbezogene Übergänge von Erkrankungen bezeichnet werden, vorgestellt. Dafür wird zuerst auf die Ursachen und Merkmale von Krankheiten eingegangen und es werden spezielle Alterskrankheiten erläutert. Anhand des salutogenetischen Kontinuum-Modells von Antonovsky wird im Anschluss ein Muster vorgestellt, welches in seiner Definition gesundheitsfördernde Maßnahmen in den Vordergrund stellt. Im zweiten Block dieser Arbeit geht es um soziale und gesundheitliche Ungleichheiten. Dafür werden zuerst Theorien und Merkmale dieser – auch auf gesellschaftlicher Ebene vorhandenen Differenzen – definiert. Als beispielhafter empirischer Befund wird dazu die Lebensstiltheorie herangezogen. Danach wird auf den inhaltlichen Zusammenhang zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheiten eingegangen und es werden Theorien dieses Vorkommens vorgestellt. Daran anschließend geht es um die spezielle altersbedingte Entwicklung von gesundheitlichen Ungleichheiten. Es wird dabei auf die Lebenslaufperspektive und auf geschlechterunterscheidende Sachverhalte in dem Morbiditätsvorkommen eingegangen. Das individuelle Gesundheits- und Präventionsverhalten als Handlungsansatz folgt im Anschluss. Dabei ist besonders der Aspekt der Bildung als Voraussetzung für ein gesundheitsförderndes Verhalten von Interesse. Diese Handlungsweise wird durch einen standardisierten Prozess der Verhaltensänderung dargestellt. Zum Schluss wird ein zusammenfassendes Fazit gezogen und es werden die gewonnenen Erkenntnisse gebündelt.

2. Epidemiologische Befunde

Die epidemiologische Transition ist nach Ehmer ein Wandel der Krankheitsbilder und verschiedener Todesursachen (vgl. Ehmer 2004, S. 41). Dieser Wechsel vollzog sich seiner Ansicht nach vom 19. Jahrhundert[2] bis zur heutigen Zeit und ist historisch sowie gesellschaftlich bedingt. Im Zeitalter der Industrialisierung und der damit einhergehenden Urbanisierung waren vor allem Infektionskrankheiten die häufigste Todesursache. Im letzten Jahrhundert stellten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Neubildungen wie Krebs die zahlreichsten Mortalitätsgründe dar (vgl. ebd.). Diese „endogenen“ Erkrankungen dominieren aktuell in der Diagnosehäufigkeit gegenüber den früheren „exogenen“ Erkrankungen (vgl. ebd.). Zu diesen Krankheiten, die ihren Ursprung im Inneren des Menschen (endogen) besitzen, lassen sich ebenfalls psychische Beschwerden zählen.

2.1 Ursachen und Merkmale von Krankheiten

Die Ursachen von Krankheiten lassen sich aus der Perspektive unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen betrachten. Von besonderer Wichtigkeit ist dabei die medizinische und soziologische Betrachtungsweise. Die Medizin sieht die Existenz von Erkrankungen als eine Abweichung physiologischer und psychologischer Faktoren als eine Dysfunktion des Körpers (vgl. Schuhmacher & Brähler 2004, S. 3). Die Behandlung dieser Störung bildet das Handlungsfeld der medizinischen Disziplin (einschließlich der psychiatrischen Praxis) und erfolgt anhand eines geplanten Heilungsverfahrens. Dieser Betrachtung fehlt jedoch ein gesellschaftlicher und soziologischer Blick auf die Ursachen und Merkmale von Krankheiten[3]. Für die Darstellung eines kausalen Zusammenhangs zwischen sozialer Ungleichheit und Krankheit bzw. Gesundheit bietet diese soziologische Betrachtungsweise einen umfassenderen Erklärungsspielraum. Grundlegend für diese Überlegung ist die Ansicht, dass Krankheiten durch ein Verhalten entstehen, welches sich von geltenden Normen entfernt (vgl. ebd.). Diese allgemeingültigen und durch formelle (Verordnungen) und informelle Gesetzmäßigkeiten (Vereinbarungen) geschaffenen Kriterien beschreiben ein gesellschaftlich und verantwortungsvolles Verhalten jedes einzelnen Mitglieds einer Gemeinschaft (vgl. ebd.). Krankheiten entstehen demnach aus der Differenz von Verhalten und Normen. Bspw. wurde Homosexualität aus diesem Grund lange als Krankheit betrachtet, da eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft nicht den geltenden Regeln entsprach. Heutzutage gelten vor allem psychische Erkrankungen oder derartige Störungen, die sich keinen eindeutigen somatischen Symptomen zuordnen lassen als Beispiele dieser Krankheitsdefinition. Die Ansicht einer verhaltensbedingten Entwicklung von Krankheiten lässt sich dem Risikofaktorenmodell zuordnen (vgl. dazu Franke 2010, S. 131-135). Dieses Modell erweitert das biomedizinische Modell u.a. um die Variable der Einflussmöglichkeit des Individuum auf die Veränderungen seiner Krankheiten, wie bspw. deren Intensität (vgl. ebd., S. 132). Franke bemerkt dabei, dass Risikofaktoren, wie ein ungesunder Lebensstil, nicht die Entstehung von Beschwerden erklären, sondern deren Verlaufsbedingungen und Auftretungswahrscheinlichkeiten. Das Risikofaktorenmodell ist daher aus einer soziologischen Perspektive beachtenswert, weil es das individuelle Handeln, einhergehend mit gesellschaftlichen Strukturen, in einen Kontext der möglichen Beeinflussung von Krankheiten setzt. Die Schwäche dieser Theorie liegt ebenfalls in diesem Aspekt der Selbstwirksamkeit. Viele Krankheiten entstehen auch mit einem gesunden und nachhaltigen Lebensstil und zeigen sich erst in einem fortgeschrittenen Alter. Auf diesen Inhalt soll in der folgenden Beschreibung der Alterskrankheiten eingegangen werden.

2.2 Krankheiten im Alter und Alterskrankheiten

Es existieren spezielle Krankheiten, die in den späteren Altersphasen entstehen und in der empirischen Forschung als Alterskrankheiten bezeichnet werden[4]. Dem gegenüber sind Krankheiten im Alter eher allgemeiner Natur und verlaufsmäßig über die gesamte Lebensspanne vorhanden. Als Beispiele für spezielle Alterskrankheiten gelten Herz-Kreislauf-Erkrankungen (vgl. BMBF 2012), Formen der Demenz oder Neubildungen wie Krebserkrankungen. Das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) veröffentlichte 2011 in seinem „Report Altersdaten“ (vgl. DZA 2011, S. 21f) ein Ranking über diagnostizierte Krankheiten bei gesetzlich versicherten Männern und Frauen über 60 Jahren. Jeweils bei Männern und Frauen sind dieser Statistik nach die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie koronare Herzkrankheiten (KHK), bestimmend. Bezogen auf die bereits dargestellte epidemiologische Transition lässt sich hier ein kausaler Zusammenhang feststellen: Wo früher insgesamt infektiöse Erkrankungen gesamtgesellschaftlich dominierten, stehen heute auch in den späteren Altersphasen die Herzerkrankungen an vorderer Stelle. Es lassen sich insgesamt bezogen auf Krankheiten in den Altersphasen zwei wichtige Theorien der Verlaufsmäßigkeit beschreiben: Zum einen ist dabei die Morbiditätskompressionsthese (vgl. Kuhlmey 2008, S. 89), welche auch als Kompressionsthese bezeichnet wird, zu nennen. Nach der Kompressionsthese nimmt die Morbidität (Krankheitsrate) im Lebensverlauf und mit der Zunahme der Lebenserwartung ab. Dieser Zugewinn an Lebensjahren wird nach dieser positiven Theorie eher in Gesundheit als in Krankheit verbracht. Die Krankheiten, welche im Alter auftreten, verschieben sich damit immer stärker in die Nähe des Todeszeitpunktes und stellen eine Verbesserung der Lebensqualität für das betreffende Individuum dar. Für Menschen mit chronischen, also nicht heilbaren Erkrankungen, bedeutet dieser Umstand, dass sich ein Auftreten dieser andauernden Krankheiten ebenfalls verzögert und komprimiert (vgl. ebd.). Demgegenüber ist gemäß der dazu konträren Medikalisierungsthese eine Zunahme der Gesamtmorbidität festzustellen (vgl. ebd.). Die durch eine demografisch bedingte längere Lebenserwartung wird überwiegend durch Symptome von Krankheiten bestimmt. Kuhlmey sieht es als einen Verdienst der Medizin, dass durch deren wissenschaftlichen und technischen Fortschritt diese Lebensdauer verlängert werden kann. Dennoch kann seiner Ansicht nach dieser Umstand das Auftreten und Anhalten von Krankheiten nicht beeinflussen und führt in der Folge zu einer Expansion der Morbidität (vgl. ebd.). Es lohnt sich, für eine umfassende Betrachtung möglicher Erkrankungen im Alter auf den Sachverhalt chronischer Krankheiten einzugehen. Kuhlmey nennt dabei ein wichtiges Charakteristikum: „ Dazu zählt ein kontinuierliches oder periodisches Auftreten von Krankheitssymptomen […]“ (ebd., S. 94). Für ältere Menschen bedeutet dieser Umstand neben einer grundsätzlich langen Rehabilitationsphase eine dauerhafte Verschlechterung der Lebenssituation und Einschränkungen in der Lebensführung. Diese Beschränkungen können z.B. zu einer Pflegebedürftigkeit und zu einer für das Individuum negativen Beeinflussung verschiedener Lebensbereiche führen (vgl. ebd.).

[...]


[1] Es sei in diesem Kontext darauf verwiesen, dass keine allgemeingültig und universelle Definition des Alters existiert. Alter ist jeweils subjektiv und erhält seine Bedeutung in der Perspektive des individuellen Lebenslaufes.

[2] Ehmer gibt den ganzen Zeitraum des 19. Jahrhunderts für das häufige Auftreten der Infektionskrankheiten an.

[3] Der Teilbereich der medizinischen Soziologie, als Lehrinhalt der Medizin, geht erst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert verstärkt auf den Zusammenhang zwischen der Entstehung von Krankheiten und den gesellschaftlichen Einflüssen ein (vgl. Graumann & Lindemann 2010, S. 295).

[4] Der Duden (2013) bezeichnet die Form der Alterskrankheit als eine „[…] durch fortgeschrittenes Alter begünstigte, vorzugsweise im Alter auftretende Krankheit “.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Soziale Ungleichheit und Krankheit (Gesundheit) im Alter
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Veranstaltung
Gesundheit im Alter: Epidemiologische, sozialwissenschaftliche und verhaltenswissenschaftliche Grundlagen
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V263791
ISBN (eBook)
9783656526285
ISBN (Buch)
9783656532026
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alter, Gesundheit, Ungleichheit, Krankheit, Antonovsky
Arbeit zitieren
Markus Singer (Autor), 2013, Soziale Ungleichheit und Krankheit (Gesundheit) im Alter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263791

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