Wissen ist Macht – dieses Sprichwort gilt in der modernen Informations- und Wissensgesellschaft, in der Wissen einen zunehmend bedeutenden Produktionsfaktor darstellt, mehr denn je. Der Ausbau eines Wettbewerbsvorteils gegenüber der Konkurrenz und der damit einhergehende Erfolg von Unternehmen ist grundlegend von einer fundierten Wissensbasis abhängig. Der Aufbau sowie die Sicherung und ständige Aktualisierung des innerbetrieblichen Wissens sind somit für jedes Unternehmen essentiell. Die Notwendigkeit dieser Aufgabe wird durch den demografischen Wandel in Deutschland zusätzlich verstärkt: In einer drastisch alternden Gesellschaft werden in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge der Baby-Boomer und damit auch eine große Anzahl von hochqualifizierten Fach- und Führungskräften in den Ruhestand gehen. Hierbei besteht für Unternehmen die Gefahr, dass unternehmensspezifisches und bedeutsames Wissen, das sich Mitarbeiter aufgrund jahrelanger Tätigkeit im Unternehmen angeeignet haben, verloren geht.
Wissensmanagementkonzepte bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten, dieser Gefahr eines Wissensverlustes zu begegnen, um einen gezielten intergenerationalen Wissenstransfer zu gewährleisten. Aufgrund der großen Relevanz des Themas soll in dieser Hausarbeit der Frage nachgegangen werden, welche Maßnahmen des Wissensmanagements geeignet sind, um den Herausforderungen des demografischen Wandels in optimaler Weise zu begegnen.
Zur systematischen Beantwortung dieser Frage wird zunächst herausgearbeitet, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Wissenstransfermaßnahmen auszeichnen. Hierbei werden 4 verschiedene Maßnahmen des intergenerationalen Wissenstransfers vorgestellt und kritisch untersucht: altersgemischte Teams, Mentoring, die ZWAR-Methode sowie technische Informationssysteme. Nach dem Aufzeigen der Vor- und Nachteile der einzelnen Wissenstransfermaßnahmen wird in der Arbeit schließlich gezeigt, wie die einzelnen Maßnahmen des Wissenstransfers in einem ganzheitlichen Konzept sinnvoll miteinander kombiniert werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Pensionierungswelle durch den demografischen Wandel in Deutschland
3. Intergenerationaler Wissenstranfer durch Wissensmanagement
3.1 Definition und Klassifikation von Wissen
3.2 Zielsetzung und Aufgabenspektrum des Wissensmanagements
3.3 Intergenerationaler Wissenstransfer und auftretende Barrieren
3.3.1 Begriffsklärung und Veranschaulichung des Wissenstransferprozesses
3.3.2 Barrieren des innerbetrieblichen Wissenstransfers
3.3.3 Kriterien für die Beurteilung von Wissenstransfermaßnahmen
4. Maßnahmen des Wissenstransfers und deren Beurteilung
4.1 Elektronische Wissenstransfersysteme
4.1.1 Beschreibung elektronischer Wissenstransfersysteme
4.1.2 Beurteilung elektronischer Wissenstransfersysteme für den Wissenstransfer
4.2 Die ZWAR-Methode des intergenerativen Wissenstransfers
4.2.1 Beschreibung der ZWAR-Methode
4.2.2 Beurteilung der ZWAR-Methode für den Wissenstransfer
4.3 Mentoring
4.3.1 Beschreibung von Mentoring
4.3.2 Beurteilung von Mentoring für den Wissenstransfer
4.4 Altersgemischte Teams
4.4.1 Beschreibung von altersgemischten Teams
4.4.2 Beurteilung von altersgemischten Teams für den Wissenstransfer
5. Die sinnvolle Kombination der dargestellten Wissenstransfermaßnahmen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Unternehmen durch systematisches Wissensmanagement einem drohenden Wissensverlust durch die Pensionierungswelle der Baby-Boom-Generation begegnen können. Ziel ist es, geeignete Maßnahmen für den intergenerationalen Wissenstransfer zu identifizieren, kritisch zu bewerten und ein ganzheitliches Konzept zu deren sinnvoller Kombination zu entwickeln.
- Analyse des demografischen Wandels und seiner Auswirkungen auf die Altersstruktur in deutschen Unternehmen.
- Theoretische Fundierung von Wissen, Wissensmanagement und intergenerationalem Wissenstransfer.
- Kritische Beurteilung ausgewählter Wissenstransfermaßnahmen anhand spezifischer Kriterien.
- Entwicklung eines Modells zur Kombination der Maßnahmen für eine optimale Wissenssicherung.
- Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für die betriebliche Praxis.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Beschreibung der ZWAR-Methode
Die ZWAR-Methode wurde im Rahmen des Nova.PE-Projektes der Universität Bochum speziell für die Herausforderungen des intergenerationalen Wissenstransfers entwickelt (siehe auch Nova.PE, o. J.). Der Wissenstransferprozess gliedert sich hierbei in folgende fünf Phasen (siehe hierzu Alms / Piorr / Steinmann, 2007, S. 86-88):
1. Ansprache des Wissensgebers und Wissensnehmers:
In dieser Phase soll durch vertrauensbildende Einzelgespräche zwischen den beiden Transferpartnern jeweils mit dem Personalleiter und einem externen Moderator die Zustimmung der beiden Tranferpartner für den anstehenden Wissenstransfer angestrebt werden. Durch eine besondere Wertschätzung der Lebensleistung des Wissensgebers soll diesem die Angst genommen werden, nicht mehr gebraucht werden. Auch der Wissensnehmer ist für den Wissenstransfer zu gewinnen, weil bei diesem häufig die Angst aufkommt, als nicht qualifiziert genug für die zukünftige berufliche Aufgabe eingeschätzt zu werden. Zudem ist es wichtig, die Transferpartner über das zukünftige Vorgehen aufzuklären und Transparenz bezüglich des Wissenstransferprozesses zu schaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des Wissenstransfers in Zeiten des demografischen Wandels und formuliert die Forschungsfrage zur Eignung verschiedener Wissensmanagement-Maßnahmen.
2. Pensionierungswelle durch den demografischen Wandel in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert die demografische Entwicklung und die daraus resultierende Problematik des drohenden Wissensverlusts durch ausscheidende Mitarbeiter der Baby-Boom-Generation.
3. Intergenerationaler Wissenstranfer durch Wissensmanagement: Hier werden der Wissensbegriff definiert sowie die theoretischen Grundlagen des Wissensmanagements und die Barrieren beim Wissenstransfer für die Beurteilung der späteren Maßnahmen gelegt.
4. Maßnahmen des Wissenstransfers und deren Beurteilung: In diesem Hauptteil werden vier spezifische Maßnahmen (elektronische Systeme, ZWAR-Methode, Mentoring, altersgemischte Teams) detailliert beschrieben und anhand der zuvor entwickelten Kriterien kritisch bewertet.
5. Die sinnvolle Kombination der dargestellten Wissenstransfermaßnahmen: Das Kapitel führt die Einzelbetrachtungen zusammen und schlägt ein ganzheitliches Konzept vor, wie die verschiedenen Maßnahmen sinnvoll kombiniert werden können.
6. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zusammen und gibt eine zusammenfassende Bewertung der analysierten Methoden zur Sicherung von Erfahrungswissen.
Schlüsselwörter
Wissenstransfer, Wissensmanagement, demografischer Wandel, Pensionierungswelle, intergenerationaler Wissenstransfer, Wissenssicherung, Erfahrungswissen, ZWAR-Methode, Wissensbaum, Mentoring, altersgemischte Teams, Wissensgesellschaft, Wissenstransferbarrieren, Wissenssender, Wissensempfänger
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Unternehmen in Deutschland durch professionelles Wissensmanagement dem Risiko begegnen können, dass durch die Pensionierung zahlreicher älterer Mitarbeiter (Baby-Boom-Generation) wertvolles betriebsspezifisches Erfahrungswissen verloren geht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen den demografischen Wandel, die theoretischen Grundlagen des Wissensmanagements, die Analyse von Barrieren beim Wissenstransfer sowie die detaillierte Untersuchung und Bewertung verschiedener Methoden zur Wissensweitergabe.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Wissenstransfermaßnahmen zu identifizieren, die den Herausforderungen des demografischen Wandels optimal begegnen, und ein Konzept zu entwickeln, wie diese Maßnahmen kombiniert werden können, um eine bestmögliche Sicherung des Erfahrungswissens zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und einer kritischen Literaturrecherche, aus der Beurteilungskriterien abgeleitet werden, anhand derer die Wirksamkeit verschiedener Wissenstransfermaßnahmen systematisch analysiert und bewertet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden vier verschiedene Instrumente (elektronische Wissenstransfersysteme, ZWAR-Methode, Mentoring und altersgemischte Teams) beschrieben und unter Berücksichtigung von Motivations-, Struktur-, Zeit- und kognitiven Barrieren bewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Wissenstransfer, demografischer Wandel, intergenerationaler Austausch, Wissensmanagement, Erfahrungswissen und die ZWAR-Methode.
Wie schneidet die ZWAR-Methode im Vergleich ab?
Die ZWAR-Methode wird in der Arbeit als besonders effektiv für den intergenerationalen Wissenstransfer hervorgehoben, da sie durch den Einsatz von Wissensbäumen und Transferplänen eine strukturierte Wissensweitergabe ermöglicht, weist jedoch einen eingeschränkten Empfängerkreis auf.
Was ist das Hauptproblem bei elektronischen Wissenstransfersystemen?
Obwohl diese Systeme Wissen langfristig und unabhängig speichern können, beschränken sie sich meist auf explizites Wissen und weisen oft Defizite bei der Unterstützung der Explikation impliziten Wissens sowie bei der persönlichen Verständnissicherung auf.
Welchen Stellenwert hat die Unternehmenskultur für den Erfolg?
Die Arbeit betont, dass neben den konkreten Methoden eine offene und wissensfreundliche Unternehmenskultur essentiell ist, um die notwendige Bereitschaft zur Kommunikation und zum Wissensaustausch zwischen den Generationen zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Andreas Hundler (Autor:in), 2013, Wissenstransfermaßnahmen in Zeiten des demografischen Wandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263815