Qualitätsmanagement in der Weiterbildung

Das Modell LQW


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

GLIEDERUNG

1. Einleitung

2. Qualität in der Weiterbildung
2.1 Zum Begriff Qualität
2.2 Qualität in der Weiterbildung im Unterschied zu Produktqualität
2.3 Über die Messbarkeit von Qualität in der Weiterbildung
2.4 Qualitätsmanagement in der Erwachsenenbildung

3. LQW
3.1 Historie, Entstehung, Entwicklung
3.2 Das Modell
3.2.1 Definition pädagogische Qualität – pädagogische Professionalität
3.2.2 Aufbau von LQW
3.3 Vor- und Nachteile von LQW

4. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Seit dem Ende der 70er Jahre verzeichnet der Weiterbildungsbereich steigende Teilnehmerzahlen und avancierte im Laufe der Zeit zum größten Bildungssektor Deutschlands.[1] Seine Expansion fußt auf gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich unmittelbar auf die Lernbedarfe der Individuen auswirken. Mit dem Übergang der vorwiegend industriell geprägten Gesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft nimmt die Bedeutung der auf Wissen basierenden Tätigkeiten zu. Das lebenslange Lernen ist zu einer Pflicht geworden, die nicht nur Arbeitssuchenden oder Karrieristen obliegt, sondern ebenso jene betrifft, die in ihrem Beruf weiterhin bestehen möchten.

Wer auf dem Arbeitsmarkt bestehen will, muss sich fortbilden, seine einmal erworbene Qualifikation auf dem neuesten Stand halten und sich technischen wie wissenschaftlichen Innovationen anpassen. Aufgrund der Vielzahl der Weiterbildungsangebote gestaltet sich die Auswahl der passenden Fortbildung jedoch nicht immer einfach. Einen Anhaltspunkt kann unter anderem das Vorhandensein eines Qualitätszertifikates liefern, bzw. ob und wenn ja, mit welchem Qualitätsmanagementsystem die jeweiligen Einrichtung arbeitet. Da jedoch mit dem quantitativen Ausbau der Weiterbildungslandschaft eine Mannigfaltigkeit an Qualitätsmanagementmodellen einhergeht, kostet es den Suchenden Zeit und Mühe, sich durch den Dschungel an Angeboten und deren, nicht immer transparenten, Qualitätsauszeichnungen zu arbeiten.

Ohne Frage sind Qualitätsstandards in der Weiterbildung wichtig. Für den an einer Fortbildung Interessierten ebenso, wie für die weiterbildende Organisation selbst. Während sich die Weiterbildungsorganisation auf dem hart umkämpften Bildungsmarkt behaupten will und dabei oftmals einen Balanceakt zwischen Kundenzufriedenheit und Wirtschaftlichkeit vollführen muss, setzt der Kunde individuelle Maßstäbe, um die Qualität einer Weiterbildung zu beurteilen. Hinzu kommt, dass der Begriff „Kunde“ ein Begriffsfeld öffnet, welches weit über den Begriff des „Lernenden“ hinaus geht. Nicht nur der Teilnehmer legt eigene Kriterien für die Qualität eines Weiterbildungsangebotes fest, auch Firmen, die sich um entsprechende Fortbildungskurse für ihre Mitarbeiter bemühen und nicht zuletzt die Agentur für Arbeit lassen sich als Kunden mit unterschiedlichen Qualitätskriterien definieren.

Aus der Vielzahl der Qualitätsmanagementmodelle lassen sich drei Konzepte herausfiltern, die sich auf dem deutschen Weiterbildungsmarkt besonderer Beliebtheit erfreuen. Die Normenreihe DIN EN ISO 9000ff. bietet, obwohl ursprünglich für den industriellen Sektor konzipiert, mit der Norm DIN EN ISO 9001:2008 Weiterbildungsorganisationen die Möglichkeit, sich in ihren Prozessen zu optimieren. Ebenfalls aus der Wirtschaft stammt das Modell EFQM, welches seinen Fokus, ähnlich der Normenreihe DIN EN ISO 9000ff., auf Organisationsprozesse legt, dabei jedoch nicht mit dem Qualitätsmanagementhandbuch und externen Auditoren arbeitet, sondern auf Selbstevaluation setzt. Das dritte Modell, LQW (Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung), arbeitet mit einem Qualitätskreislauf, welcher sich aus Selbstevaluation, externer Begutachtung und externer Qualitätstestierung zusammensetzt.

Obzwar sich die vorliegende Arbeit mit der Qualitätsentwicklung nach LQW befassen wird, zielt sie weniger auf eine detaillierte Darstellung des Modells ab, als auf die Frage, inwieweit sich Qualität im Bereich der Weiterbildung beurteilen und messen lässt. Da LQW speziell für den Weiterbildungsbereich konzipiert wurde und, nach Angaben von dessen Entwicklern, einen vergleichsweise hohen Zuspruch erfährt, dient die Auseinandersetzung mit ebendiesem Konzept vielmehr als gelungenes Beispiel für den Versuch, Qualität in der Weiterbildungslandschaft zu entwickeln, zu sichern und zu bewerten.

2. Qualität in der Weiterbildung

Mit dem Begriff „Qualität“ assoziiert man landläufig Produkte ausgezeichneter Güte. Nun handelt es sich bei einer Weiterbildung zum einen nicht um ein Produkt, welches man mit Hilfe technischer Geräte herstellen kann und welches, unter Berücksichtigung eines immer gleichen Herstellungsprozesses in seiner Qualität konstant bleibt. Zum anderen ist der Begriff „Qualität“ in seiner geläufigen Bedeutung irreführend. Um die Qualität einer Weiterbildung zu beurteilen, bedarf es daher zunächst einer Klärung der einzelnen Begrifflichkeiten und ihrer Bedeutungs-zusammenhänge.

2.1 Zum Begriff Qualität

So vertraut der Begriff „Qualität“ in seiner alltäglichen Verwendung erscheint, so kompliziert gestaltet sich eine exakte Definition desselben bei genauerer Betrachtung.

Die Mehrdimensionalität des Begriffes „Qualität“ zeigt sich bereits in seiner etymologischen Wurzel, welche auf den lateinischen Wortstamm „qualis“ zurückreicht und in seiner Übersetzung als „Beschaffenheit, Eigenschaft“ zunächst einmal wertneutral ist. Das von diesem Wortstamm abgeleitete „qualitas“ hingegen lässt sich mit „Verhältnis zu den Dingen“ übersetzen und inkludiert damit bereits eine wertende Komponente.[2]

Die Wertigkeit eines Produktes, also seine Qualität, lässt sich über den Vergleich mit einem Anspruch oder einer Erwartung (an das jeweilige Produkt) ermitteln und liegt demnach weniger im Produkt selbst, als in den „Festlegungen, Kriterien [und] Erwartungen“[3], die an das Produkt herangetragen werden. Die Qualität eines Produktes definiert sich, nach Hartz/ Meisel, über festgelegte Qualitätskriterien, die sich stets aus gesellschaftlichen, tradierten und individuellen Interessenbezügen konstruieren.[4]

So sind die Qualitätskriterien, die ein wirtschaftliches Unternehmen für sein Produkt festlegt nur bedingt mit denen identisch, die der Verbraucher für dasselbe Produkt formuliert. Ebenso heterogen ist die Erwartungshaltung der Endverbraucher untereinander. Was dem einen unverzichtbar, ist dem anderen von nachgeordnetem Rang. Doch nicht nur unterschiedliche Interessen und Erwartungen erschweren eine übergreifende und allgemeingültige Definition des Qualitätsbegriffes. Da die Beschaffenheit eines Produktes sowohl von gesellschaftlichen Entwicklungen und kulturellen Strömungen als auch von ökonomischen Kontexten und technischen Neuerungen abhängig ist, kann sie mitnichten als unangreifbar und allen Wandlungsprozessen trotzend angesehen werden. Qualität ist brüchig und stets an produktexterne Kontexte geknüpft. Während sich im sekundären Wirtschaftssektor, also im produzierenden Gewerbe, über die Zeit ein relativ homogenes Verständnis von Qualität herausgebildet hat, herrscht im tertiären Sektor, im Dienstleistungsbereich, Strittigkeit, weniger über die Relevanz des Begriffes, als über dessen tatsächliche Bedeutung.[5]

So existieren z. B. im Weiterbildungsbereich unterschiedliche Auffassungen über die Bestimmung der pädagogischen Qualität.[6] Die Beschäftigung mit dem Thema Qualität in der Weiterbildung erfordert daher über eine bloße Begriffsbestimmung des Wortes „Qualität“ hinausgehende Überlegungen. Aus diesem Grunde strebt der folgende Abschnitt eine Zusammenführung der bisher herausgearbeiteten Gedanken, den Begriff „Qualität“ betreffend, mit der Thematik Weiterbildung an. Die zentrale Frage hierbei lautet, welche Aspekte und Faktoren die Qualität einer Weiterbildung von der Qualität eines Produktes aus dem herstellenden Gewerbe unterscheiden.

2.2 Qualität in der Weiterbildung im Unterschied zu Produktqualität

Betrachtet man Weiterbildung als Dienstleistung, als den Versuch eines Anbieters, mittels all seiner ihm zur Verfügung stehenden Mittel, die Zufriedenheit und Erwartungen eines Kunden zu erfüllen, so gelangt man bei näherer Betrachtung zu dem Schluss, dass ein solcher Versuch immer nur zu Teilen vom Anbieter selbst vollzogen werden kann.[7] Der wesentliche Unterschied zwischen einer Dienstleistung und einem Produkt des herstellenden Gewerbes liegt in der Gleichzeitigkeit von dem Erstellen und Aneignen der Leistung, dem sogenannten Uno-actu-Prinzip. Während die Fertigung eines materiellen Produktes außerhalb der Einflussmöglichkeiten des Kunden liegt, der Kunde somit zum „Verbraucher“ des Endproduktes wird, ist er im Rahmen einer Dienstleistung unmittelbar in den Herstellungsprozess eingebunden.[8] Die Zufriedenheit des Kunden, das Gelingen einer Dienstleistung hängt insofern also zu einem Teil vom Nachfrager selbst ab.

[…]


[1] Vgl. Reich-Claassen, Jutta: Warum Erwachsene (nicht) an Weiterbildungsveranstaltungen partizipieren. LIT Verlag Dr. W. Hopf, Berlin 2010.

[2] Vgl. Zollondz, Hans-Dieter: Grundlagen Qualitätsmanagement. 2. Auflage, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2006.

[3] Arnold, Rolf, zit. nach Hartz, Stefanie/ Meisel, Klaus: Qualitätsmanagement. 3., aktualisierte und überarbeitete Auflage, Bertelsmann, Bielefeld 2011, S. 16.

[4] Vgl. Hartz/ Meisel (2011).

[5] Vgl. ebenda.

[6] Vgl. ebenda.

[7] Erhard Schlutz spricht sich für die Verwendung des Begriffes „Dienstleistung“ im Zuge von Weiterbildung aus, da diese sowohl auf das Bemühen des Anbieters als auch auf dessen begrenzten Handlungsspielraum fokussiert.

[8] Vgl. Schlutz, Erhard: Bildungsdienstleistungen und Angebotsentwicklung. Waxmann Verlag, Münster 2006.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Qualitätsmanagement in der Weiterbildung
Untertitel
Das Modell LQW
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Qualitätsentwicklung in der Erwachsenenbildung
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V263853
ISBN (eBook)
9783656528692
ISBN (Buch)
9783656537380
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
qualitätsmanagement, weiterbildung, modell
Arbeit zitieren
Iwa Juschak (Autor), 2011, Qualitätsmanagement in der Weiterbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263853

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