Die hier vorliegende schriftliche Ausarbeitung bezieht sich auf die Präsentation: “Personenbezogene Dienstleistungsberufe”, welche im Rahmen des Arbeitslehre Kolloquiums an der Justus-Liebig-Universität zu Gießen im WS 2021/13 gehalten wurde. Im Rahmen dieser Ausarbeitung soll zunächst die historische Entwicklung von Dienstleitungsberufen aufgezeigt werden. Damit einhergehend soll der Fokus auch auf die Entwicklung von als „typisch weiblich“ deklarierten Berufsfeldern gelegt werden, welche vornehmlich im Bereich von personenbezogenen Dienstleistungen angesiedelt sind. Hier soll auch aufgezeigt werden, welche Unterschiede zwischen den von Männern beherrschten Dienstleistungsberufen und den von Frauen dominierten personenbezogenen Dienstleistungsberufen vorherrschen. Über die Darstellung des aktuellen Zustandes dieser Berufsfelder soll dann aufgezeigt werden, inwieweit der demographische Wandel zu einem höheren Bedarf an Arbeitnehmern in diesem Sektor führt und welche Probleme zukünftig hinsichtlich des Schließens dieser Versorgungslücken entstehen werden. Im anschließenden Teil der Ausarbeitung soll der Blick dann auf die verzögerte Implementierung der Lehramtsausbildung gerichtet werden und eine Erklärung über die Gründe der bis heute unzureichenden Qualitätsstandards und Professionalisierung in diesem Bereich sowie der Lehramtsausbildung in diesem Sektor abgeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Personenbezogene Dienstleistungsberufe
3. Historischer Rückblick
4. Gegenwart
5. Problematiken
6. Universitäre Lehramtsausbildung
7. Gegenwart
8. Curricular-didaktische Konzepte
9. Reformoptionen
10. Resümee
11. Reflexion des praktischen Teils
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung, den aktuellen Status sowie die strukturellen Herausforderungen von personenbezogenen Dienstleistungsberufen, wobei insbesondere die Professionalisierung und die Lehramtsausbildung in diesem Sektor kritisch beleuchtet werden.
- Historische Genese und Geschlechterdifferenz in Dienstleistungsberufen
- Auswirkungen des demographischen Wandels auf den Arbeitskräftebedarf
- Professionalisierungsdefizite und Qualitätssicherung in der Ausbildung
- Heterogenität der ordnungsrechtlichen Konstruktionen
- Reformansätze für Curricular-didaktische Konzepte
Auszug aus dem Buch
3. Historischer Rückblick
Die personenbezogenen Dienstleistungsberufe befanden sich lange Zeit komplett außerhalb des deutschen Berufsprinzips. Während die typisch männliche berufliche Ausbildung meist in einem dualen System, also einer „Kombination aus Ausbildung im Betrieb und Berufsschulbildung“ (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2013) in einem handwerklichen oder gewerblichen Beruf mit anerkanntem Abschluss absolviert wurde, besuchten die Frauen vollzeitschulische Institutionen, die aufgrund ihres fehlenden Praxisbezugs nur unzureichende Berücksichtigung fanden (vgl. Friese 2010, 311).
In der Industriegesellschaft fanden personenbezogene Dienstleistungsberufe kaum Anerkennung und wurden nicht als professionell angesehen. Durch die Expansion zur Dienstleistungsgesellschaft und dem steigenden Anteil immer älter werdender Menschen kommt es jedoch zu einem großen und stetig wachsenden Professionsbedarf. Dr. Friese erkennt den Wandel und spricht an dieser Stelle von „historisch gewachsene Strukturen von „Semi-Professionalität“ (Industriegesellschaft) und wachsende Professionsbedarfe im Zuge der Transformation zur Dienstleistungsgesellschaft“ (2010, 314).
Weit zurückblickend kann man sagen, dass die Dienstleistungsgesellschaft ihren Ursprung Ende des 19. Jahrhunderts in dem weilblich dominierten Berufsfeld der Dienstmädchen/-boten fand. Diese galt zur damaligen Zeit als die größte weibliche Berufsgruppe. Im Zuge der Aufklärungspädagogik und der daraus resultierenden Geschlechterdifferenz kam es zum Ausschluss des weiblichen Geschlechts aus dem normativen Berufsbildungsprinzips. Die Industriepädagogik benannte die Mutterpflichten und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten der Frauen als höchstes Gebot und auch Kerschensteiners Konzept der „Erziehung zum Weibe“ Anfang des 20. Jahrhunderts führte zu einem Sonderberufsschulsystem für Mädchen. Durch diese Entwicklung vollzog sich die völlige Trennung der Geschlechter. Das Resultat dieser Entwicklung war die Einordnung in die zwei Berufsbildungssysteme (duale Ausbildung und vollzeitschulische Ausbildung) mit ihren unterschiedlichen Wertesystemen (vgl. Friese 2010, 314 ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die historische Entwicklung personenbezogener Dienstleistungsberufe und beleuchtet die Problematik der Professionalisierung und Lehramtsausbildung im Kontext des demographischen Wandels.
2. Personenbezogene Dienstleistungsberufe: Das Kapitel definiert den Begriff als unmittelbare Dienstleistung am Menschen und betont die Notwendigkeit flexiblen, professionellen Handelns jenseits starrer Regelwerke.
3. Historischer Rückblick: Es wird dargelegt, wie durch die historische Trennung von dualer und vollzeitschulischer Ausbildung eine geschlechtsspezifische Benachteiligung und Professionalisierungslücke in diesen Berufsfeldern entstand.
4. Gegenwart: Hier werden statistische Daten zum demographischen Wandel präsentiert, die den steigenden Bedarf an Fachkräften im Dienstleistungssektor unterstreichen.
5. Problematiken: Das Kapitel thematisiert den hohen Frauenanteil, die mangelnde Wertschätzung und die verzögerte Implementierung von Curricular-didaktischen Konzepten.
6. Universitäre Lehramtsausbildung: Die Defizite in der akademischen Ausbildung werden aufgezeigt, insbesondere die geringe Anzahl an Standorten und die späte Etablierung fachbezogener Studiengänge.
7. Gegenwart: Die Analyse konzentriert sich auf die Heterogenität der Zuständigkeiten und die Diskrepanz zwischen Ausbildung nach BBiG/HwO und anderen Ausbildungsformen.
8. Curricular-didaktische Konzepte: Es werden Notwendigkeiten für eine Vereinheitlichung der Berufsbezeichnungen sowie eine stärkere Kompetenzorientierung der Ausbildung formuliert.
9. Reformoptionen: Das Kapitel diskutiert Ansätze wie die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes und die Implementierung von Qualitätsbausteinen zur Verbesserung der Ausbildungssituation.
10. Resümee: Die Zusammenfassung betont, dass trotz der historischen Benachteiligung ein dringender Handlungsbedarf besteht, um die Zukunftsfähigkeit der personenbezogenen Dienstleistungsberufe zu sichern.
11. Reflexion des praktischen Teils: Die Autoren beschreiben die Durchführung einer Talkshow-Methodik im Rahmen des Kolloquiums zur anschaulichen Vermittlung der Theorieinhalte.
Schlüsselwörter
Personenbezogene Dienstleistungsberufe, Demographischer Wandel, Berufsbildung, Professionalisierung, Lehramtsausbildung, Frauenerwerbsarbeit, Dienstleistungsgesellschaft, Curricular-didaktische Konzepte, Gesundheitsberufe, Sozialberufe, Qualitätsstandards, Heterogenität, Ausbildungsstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation und den strukturellen Problemen von personenbezogenen Dienstleistungsberufen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung, die Folgen des demographischen Wandels, die Professionalisierung und die Lehramtsausbildung in diesem Sektor.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Gründe für die unzureichende Professionalisierung und die Verzögerungen bei der Implementierung von Ausbildungsstandards aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die theoretische Aufarbeitung basiert auf einer Literaturanalyse, während der praktische Teil eine simulierte Talkshow zur Diskussion der Problemlagen umfasst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Benachteiligung weiblich dominierter Berufe, die aktuelle Versorgungslücke durch den demographischen Wandel sowie die Defizite in der akademischen Lehramtsausbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Personenbezogene Dienstleistungsberufe, Professionalisierung, demographischer Wandel, Lehramtsausbildung und Curricular-didaktische Konzepte.
Warum gibt es eine so große Heterogenität in den Ausbildungsordnungen?
Dies resultiert aus der fehlenden Einbindung vieler dieser Berufe in das Berufsbildungsgesetz und die Handwerksordnung, was zu einer Zersplitterung der Zuständigkeiten führt.
Welche Rolle spielt die Geschlechterdifferenz historisch gesehen?
Historisch wurden hauswirtschaftliche und pflegerische Tätigkeiten als weibliche Kulturaufgabe definiert, was zu einer Abwertung gegenüber den als männlich geltenden dualen Facharbeiterausbildungen führte.
Was erhoffen sich die Autoren von den Reformoptionen?
Durch eine bessere Transparenz, Vergleichbarkeit und Qualitätsbausteine soll die Attraktivität und soziale Anerkennung dieser Berufe gesteigert werden.
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- Nadine Custer (Author), 2013, Personenbezogene Dienstleistungsberufe. Typisch weiblich?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263877