Die gesellschaftlichen und schulischen Entwicklungen der letzten Jahre haben neue Herausforderungen und vielfältige Aufgaben für die Lehrkräfte mit sich gebracht: Im Hinblick auf die künftige Inklusion wird der Gemeinsame Unterricht (GU) von Schülern mit und ohne Förderbedarf an allgemeinen Schulen zunehmend ausgeweitet. In der Folge verändern sich die Rollen der Lehrkräfte und lassen einen bestimmten Aufgabenbereich in den Fokus rücken: Für das Gewinn bringende Lernen aller Schüler und eine inklusive Schulentwicklung ist die Kooperationsgestaltung von Regel- und Sonderschullehrkräften von zentraler Bedeutung (vgl. Baum/Idel/Ullrich 2012, S. 9; vgl. Harazd/Drossel 2011, S. 146).
Dieser Erwartungshaltung steht ein Beruf gegenüber, bei dem sich das Bild des „Einzelkämpfers“ (Willmann 2009, S. 477) herausgebildet hat: So zeigen sich bereits in integrativen Settings oftmals vielfältige und gravierende Probleme , die eine Zusam-menarbeit erschweren bzw. unmöglich machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kooperationen im GU – mögliche Stolpersteine
2.1 Organisation der Lehrerarbeit
2.2 Die Persönlichkeit der Lehrkraft
2.2.1 Individuelle Überzeugungen über Kooperation und Unterricht
2.2.2 Individuelle Rollenvorstellungen und –erwartungen
2.3 Die Bereitschaft der Lehrkräfte zum GU
3. Kooperationen: Was kann eine PLG bieten?
3.1 Was ist eine PLG?
3.2 Aktivitäten einer PLG
3.3 Effekte einer PLG…
3.3.1 …auf die Mitglieder
3.3.2 …auf die Schüler
3.3.3 …auf die Schule
4. Konkretisierungen oder: Wie können sich PLG positiv auf die Kooperation der Regel- und Sonderschullehrkräfte auswirken?
4.1 Passungen
4.2 Offene Bedarfe
4.3 Fazit und Kritik
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Professionellen Lerngemeinschaften (PLG), um bestehende Herausforderungen und Kooperationsprobleme zwischen Regel- und Sonderschullehrkräften im Gemeinsamen Unterricht (GU) konstruktiv zu adressieren und durch professionelle Austauschstrukturen nachhaltig zu verbessern.
- Analyse von Hindernissen und „Stolpersteinen“ in der schulischen Zusammenarbeit.
- Struktur und Funktionsweise von Professionellen Lerngemeinschaften.
- Positive Auswirkungen von PLGs auf Lehrkräfte, Schüler und die Schulkultur.
- Strategien zur Implementierung kooperativer Strukturen in der inklusiven Schule.
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Persönlichkeit der Lehrkraft
Die Isolation des Arbeitsplatzes stellt im schulischen Alltag nicht nur eine Belastung für Lehrer dar: Gleichzeitig gilt die damit verbundene vermehrte Selbstbestimmung bereits bei der Berufswahl als attraktiv und erstrebenswert. Sie zu favorisieren führt dazu, dass sich viele Lehrkräfte den individualisierenden Rahmenbedingungen immer wieder anpassen, sie befürworten und sich gegenseitig in ihrer Haltung bestätigen (vgl. Terhart/Klieme 2006, S. 164 f.). Dies entspricht dem „Autonomie-Paritäts-Muster“, einer Auffassung, bei der die Gleichbehandlung aller Lehrenden in Bezug auf ihre Arbeitsqualität betont wird und ein Einmischen in die Angelegenheiten der Kollegen als unerwünschtes und unhöfliches Verhalten gilt. Teamarbeit wird in diesem Zusammenhang als möglicher Eingriff in die persönliche Freiheit verstanden und vermehrt abgelehnt (vgl. ebd.; vgl. Eberwein 2009, S. 425; vgl. Huber/Hader-Popp 2008, S. 37; vgl. Thiel/Von der Gathen 2008, S. 20). Mit dem Unterbinden der Einmischung wird zugleich auch die Möglichkeit des kollegialen und positiven Feedbacks deutlich eingeschränkt, was die Lehrkräfte letztlich wiederum in den o. g. Haltungen bestärkt (vgl. Wocken 1988a, S. 241). Das Fehlen einer Vertrauenskultur bzw. von gemeinsamen pädagogischen Zielvorstellungen an einer Schule begünstigt darüber hinaus die Manifestierung der Isolation.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Herausforderungen der inklusiven Schulentwicklung und die Notwendigkeit, durch Kooperationen das Bild des „Einzelkämpfers“ zu überwinden.
2. Kooperationen im GU – mögliche Stolpersteine: Es werden strukturelle, personale und rollenbezogene Barrieren analysiert, die eine systematische Zusammenarbeit im Gemeinsamen Unterricht erschweren.
3. Kooperationen: Was kann eine PLG bieten?: Das Konzept der Professionellen Lerngemeinschaft wird theoretisch hergeleitet und seine Aktivitäten sowie Effekte auf verschiedene Akteure der Schule untersucht.
4. Konkretisierungen oder: Wie können sich PLG positiv auf die Kooperation der Regel- und Sonderschullehrkräfte auswirken?: Dieses Kapitel überträgt das Modell der PLG auf die spezifische Zusammenarbeit von Regel- und Sonderschullehrkräften und identifiziert Bedarfe sowie Lösungsansätze.
5. Schlusswort: Ein persönlicher Ausblick reflektiert das Ideal einer multiprofessionellen, kooperativen Schule und die notwendige Schulentwicklung aus einem Guss.
Schlüsselwörter
Gemeinsamer Unterricht, Kooperation, Professionelle Lerngemeinschaft, PLG, Inklusion, Schulentwicklung, Lehrerrolle, Unterrichtsqualität, Rollenverständnis, Autonomie, Lehrerausbildung, Feedback, Schulkultur, Teamarbeit, multiprofessionelle Teams.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verbesserung der professionellen Zusammenarbeit zwischen Regel- und Sonderschullehrkräften im Gemeinsamen Unterricht durch die Implementierung von Professionellen Lerngemeinschaften (PLG).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Analyse schulischer Kooperationsbarrieren, die theoretische Fundierung von PLGs sowie deren Anwendungspotenzial für die inklusive Unterrichtsgestaltung.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie PLGs als strukturelles Instrument genutzt werden können, um Kooperationsprobleme zu lösen und die inklusive Schulentwicklung voranzutreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Aufarbeitung empirischer Schulforschung zu Themen wie Schulentwicklung, Lehrerkooperation und Professionalisierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Fehleranalyse (Stolpersteine der Kooperation), die theoretische Erläuterung der PLG und die Übertragung dieses Modells auf die spezifische Kooperation zwischen Regel- und Sonderschullehrkräften.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Gemeinsamer Unterricht", "Professionelle Lerngemeinschaft", "Inklusion" und "Schulentwicklung".
Warum ist die "Isolation von Lehrern" ein zentrales Hindernis?
Die Isolation fördert ein "Einzelkämpfer-Dasein" und eine Abwehrhaltung gegenüber Feedback, was eine offene, kooperative Unterrichtskultur im inklusiven Setting massiv behindert.
Welche Rolle spielt die Schulleitung bei der Einführung einer PLG?
Die Schulleitung fungiert als Katalysator, indem sie notwendige Rahmenbedingungen wie Zeitfenster und eine unterstützende Schulkultur schafft, um kooperative Prozesse erst zu ermöglichen.
Können PLGs "verordnet" werden?
Nein, der Faktor der Freiwilligkeit ist entscheidend; PLGs funktionieren am besten, wenn sich Teams auf Basis gemeinsamer Überzeugungen und Werte aktiv zusammenfinden.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2012, Kooperationsprobleme von Regel- und Sonderschullehrkräften im Gemeinsamen Unterricht - inwiefern können Professionelle Lerngemeinschaften die Zusammenarbeit verbessern?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263881