Die Diskussion um die neuen KMU-IFRS – Chancen und Risiken für den deutschen Mittelstand aus bilanzpolitischer Sicht

BIL11 – Bilanzmanagement/Controlling – Anwendung/Vertiefung


Hausarbeit, 2013
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Begriffliche Grundlagen und Definitionen
2.1 Deutscher Mittelstand und KMU
2.2 Bilanzpolitik
2.3 Full IFRS

3 IFRS for SMEs/KMU-IFRS

4 KMU-IFRS - Chancen und Risiken für den deutschen Mittelstand aus bilanzpolitischer Sicht
4.1 Chancen für den deutschen Mittelstand
4.2 Risiken für den deutschen Mittelstand

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Abgrenzungskriterien der EU

Tabelle 2: Abgrenzungskriterien des IfM

Tabelle 3: Aufbau der IFRS for SMEs

1 Einleitung

Die zunehmende Integration der Kapitalmärkte, die wirtschaftliche Internationalisierung der Unternehmenstätigkeit und die Heterogenität der nationalen Rechnungslegungssysteme machten eine Rechtsangleichung durch Harmonisierung und Standardisierung der Rechnungslegung in Europa und Deutschland zwingend erforderlich.[1] Als erste Reaktion auf die sich verändernden ökonomischen Umweltbedingungen, wurden die Full IFRS (International Financial Reporting Standards) in das europäische Bilanzrecht mit der Verabschiedung der EU-Verordnung EG Nr. 1606/2002 vom 19.07.2002 implementiert und kapitalmarktorientierte Konzerne mit Sitz in der Europäischen Union (EU) dazu verpflichtet, ihre Abschlüsse nach den IFRS aufzustellen und offen zu legen.[2] Die Full IFRS werden mittlerweile auch global anerkannt und angewendet[3], doch sind sie auf die Bedürfnisse kapitalmarktorientierter Unternehmen ausgerichtet.[4] Wo bleibt da der Mittelstand? Auch der Mittelstand nimmt zunehmend am internationalen Wettbewerb teil und kann sich auf Dauer nicht der internationalen Harmonisierung der Rechnungslegung entziehen. Mit der Veröffentlichung der International Financial Reporting Standards for Small and Medium-sized Entities (IFRS for SMEs) im Jahr 2009, verfolgte das International Accounting Standards Board (IASB) das Ziel, einen Standard, der auf die speziellen Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) zugeschnitten ist[5], als „[...]einheitliches Rechnungslegungsnormensystem des globalen Mittelstands [zu] etablieren“[6]. Die Resonanz war allerdings äußerst durchwachsen. Fast zeitgleich kam es in Deutschland zur Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG[7] ), mit dem Ziel des deutschen Gesetzgebers, die HGB-Normen an die internationale Rechnungslegung und damit die IFRS anzunähern.[8] Auf Grund der wirtschaftlichen Bedeutung des Mittelstands mit weit über 90% der Unternehmen in Deutschland, die zudem mehr als 60% der Arbeitsplätze stellen, gilt es mit Bedacht an die Reform von Regelungen zu gehen, die den Mittelstand betreffen und so unterliegt die mögliche Einführung der IFRS for SMEs (IFRS-SME[9] ) mit ihren Chancen und Risiken einer permanenten Diskussion[10].

1.1 Ziel der Arbeit

Das Ziel dieser Arbeit ist, dem Leser einen Überblick über die wesentlichen Begrifflichkeiten zum Thema zu geben und zu erklären, um abschließend anhand von Chancen und Risiken zu diskutieren, ob der deutsche Mittelstand aus bilanzpolitischer Sicht mit dem möglichen Einsatz der neuen IFRS-SME gegenüber der derzeit national gültigen HGB-Rechnungslegung besser gestellt wird.

1.2 Aufbau der Arbeit

Zunächst werden mit Kapitel 2 die Begriffe des deutschen Mittelstands und der KMU, die Bilanzpolitik und die Full IFRS definiert und detailliert auf seine Bedeutung eingegangen. Anschließend wird in Kapitel 3 die historische Entwicklung der IFRS- SME/KMU-IFRS mit ihren Inhalten erläutert. Kapitel 4 betrachtet abschließend aus bilanzpolitischer Sicht, die Chancen und Risiken durch die Anwendung der IFRS-SME für die KMU. Kapitel 5 fasst die Arbeit zusammen und lässt Raum für ein Schlusswort.

2 Begriffliche Grundlagen und Definitionen

2.1 Deutscher Mittelstand und KMU

Die neuen IFRS-SME bzw. KMU-IFRS wurden als Rechnungslegungsstandard für den Mittelstand bzw. KMU durch das IASB vorgegeben, daher muss natürlich auch geklärt werden, was unter den beiden Begriffen überhaupt zu verstehen ist. Für den Begriff Mittelstand wird oft auch synonym der Begriff KMU verwendet. Die Abkürzung KMU steht für kleine und mittlere Unternehmen. In Literatur und Praxis existiert allerdings keine einheitliche Definition für diese beiden Begriffe.[11] Im Internationalen Sprachgebrauch dominiert die Bezeichnung KMU, in englischer Übersetzung SME.[12] Dabei ist ein Unternehmen als ,,[...]/ede Einheit anzusehen, die eine wirtschaftliche Tätigkeit ausübt“[13]. Der Begriff Mittelstand lässt sich über qualitative sowie quantitative Kriterien definieren, wobei sich weltweit Gesetzgeber und andere Gremien verschiedener Länder bei der Definition der KMU an den quantitativen Merkmalen orientieren und die Größenkriterien Anzahl der Beschäftigten, Umsatz und Bilanzsumme zugrunde legen.[14] Mit der Verabschiedung der IFRS-SME hat das IASB lediglich eine qualitative Abgrenzung des Anwenderkreises vorgenommen. Den nationalen Gesetzgebern wurde die Entscheidungskompetenz überlassen, den individuellen Anwenderkreis nach Maßgabe von eigenen Größenmerkmalen zu bestimmen. Mit den Standards wurde vorgegeben, das Unternehmen, die keiner öffentlichen Rechenschaftspflicht unterliegen (public accountability), aber dennoch Jahresabschlüsse für externe Abschlussadressaten erstellen und veröffentlichen (general purpose financial statements for external users), in den Anwenderkreis der IFRS-SME fallen.[15] Darüber hinaus wurde durch die EU-Kommission im Jahr 2003 mit der Empfehlung (2003/361/EG) folgende Einstufung der KMU vorgegeben, die beispielsweise als Grundlage für die Eingrenzung des Empfängerkreises für EU- Förderprogramme dient.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Abgrenzungskriterien der EU

Als weiteres Kriterium ist zwingend eine weitgehende Unabhängigkeit der Unternehmen erforderlich. Unternehmen, die zu mehr als 25 % in dem Besitz anderer Unternehmen sind, gehören laut Definition der EU nicht zu den KMU.

Die in Deutschland gängigste Abgrenzung für den Mittelstand, ist die Mittelstandsdefinition des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn. Sie verwendet allerdings eine andere Definition als die EU, weil die Bezeichnung Mittelstand neben den quantitativen, auch die qualitativen Aspekte (z. B. die Einheit von Eigentum, Leitung, Haftung und Risiko) berücksichtigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Abgrenzungskriterien des IfM

Nur Beschäftigtenzahl und Umsatzgröße sind dabei entscheidend. Beide Kriterien müssen erfüllt sein.[16]

Unter dem Gesichtspunkt, dass im Jahr 2010 gemäß der Mittelstands-Definition des IfM bzw. der EU-KMU-Definition 99,6% (99,5% EU) der Unternehmen in Deutschland 37,1% (35,9% EU) aller steuerbaren Umsätze durch Lieferungen und Leistungen mit einer Beschäftigtenanzahl und 60,2% (54,7% EU) aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erzielten[17], kann man Deutschland durchaus als Mittelstandsland bezeichnen[18].

2.2 Bilanzpolitik

Die Unternehmensführung hat sich zum Ziel gesetzt, das Unternehmen in der Öffentlichkeit so zu präsentieren, dass die Ziele umgesetzt, die Existenz des Unternehmens gesichert und insgesamt eine positive Einstellung zum Unternehmen erreicht wird. Als Bestandteil der Unternehmenspolitik leistet die Bilanzpolitik hierzu ihren Beitrag.[19] Bilanzpolitik definiert sich als .]bewusste Beeinflussung einzelner Positionen des Jahresabschlusses, um die Steuerung der Gewinnausschüttung, die Gestaltung der Bilanzstruktur, die Reduzierung der Steuerbelastung zu erreichen sowie der Ausgewogenheit der Informationen und der Erfüllung der Publizitätsverpflichtungen nachzukommen.“[20] Im Einklang mit den Unternehmenszielen wird auf die Geschäftsvorfälle Einfluss genommen und die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage im Jahresabschluss unter Beachtung der vorgegebenen Gesetzes- bzw. Rechnungslegungsnormen dargestellt.[21]

2.3 Full IFRS

Das IASB, eine aus Vertretern nationaler Rechnungslegungsgremien bestehende privatrechtliche Institution mit Sitz in London, als Nachfolger der 1973 gegründeten International Accounting Standards Committee (IASC) hervorgegangen[22], ist für die operative Ausführung und eigenverantwortliche Entwicklung von Rechnungslegungsstandards zuständig.[23] Es hat sich zum Ziel gesetzt, ,,[...]im öffentlichen Interesse einen einzigen Satz an hochwertigen, verständlichen und durchsetzbaren globalen Rechnungslegungsstandards zu entwickeln[...]“[24]. Mit einer internationalen Harmonisierung der Rechnungslegung sollen Unterschiede zwischen den verschiedenen Rechnungslegungssystemen und ihren Rechnungslegungsregeln beseitigt bzw. reduziert werden, um somit eine Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen der Unternehmen aus unterschiedlichen nationalen Rechnungslegungskreisen herzustellen.[25] Aus diesem Bestreben heraus erarbeitete, überarbeitete und verabschiedete das IASB seit 2003 zunächst die International Accounting Standards (IAS) und seit 2003 die IFRS.[26] Von den ursprünglich 41 verabschiedeten IAS sind derzeit noch 29 in Kraft und somit umfasst die IFRS-Rechnungslegung, die auch als Full IFRS bezeichnet wird, zuzüglich der 9 bislang veröffentlichten IFRS aktuell somit 38 Einzelstandards[27] mit einem Umfang von über 2.500 Seiten.[28] Mit der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 betreffend die Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards begann eine neue Ära auf dem Weg der Harmonisierung der internationalen Rechnungslegung. Europaweit wurden sämtliche kapitalmarktorientierten[29] Unternehmen dazu verpflichtet, ihren Konzernabschluss ab dem Jahr 2005 nach Full IFRS aufzustellen. Im Rahmen dieser Entwicklung wurde erstmalig diskutiert, ob auch nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen ihre Rechnungslegung internationalisieren sollten und auf welchem Weg dies ggfs. erreicht werden kann.[30]

[...]


[1] Vgl. Pellens, B. et al. (2011), S. 36 ff.

[2] Vgl. Breimann, A. (2007), S. 5.

[3] Vgl. Deloitte (o.J.), Webseite.

[4] Vgl. Brembt, T. (2010), S. 1.

[5] Vgl. Küting, K. et al. (2011), S. 24 f.

[6] Küting, K. etal. (2011), S. 25.

[7] Vgl. KPMG (o.J.), Webseite.

[8] Vgl. Küting, K. et al. (2011), S. 16 f.

[9] Im Rahmen dieser Arbeit werden die Begriffe IFRS-SME und KMU-IFRS synonym verwendet.

[10] Vgl. Kaminski, V. (2008), S. 5.

[11] Vgl. Breimann, A. (2007), S. 12.

[12] Vgl. Kaminski, V. (2008), S. 37.

[13] Lühr, I. (2010), S. 25.

[14] Vgl. Lühr, I. (2010), S. 25.

[15] Vgl. Küting, K. et al. (2011), S. 27 f.

[16] Vgl. Breimann, A. (2007), S. 12 ff.

[17] Vgl. IfM (o.J.), Webseite.

[18] Vgl. Kaminski, V. (2008), S. 5.

[19] Vgl. Peemöller, V. H. (2003), S. 1.

[20] Vollmuth, H.J. (1998), S. 18.

[21] Vgl. Nobach, K. (2006), S. 151.

[22] Vgl. Zülch, H./Hendler, M. (2009), S. 36.

[23] Vgl. Breimann, A. (2007), S. 3.

[24] Pellens, B. et al. (2011), Vorwort V.

[25] Vgl. Zülch, H./Hendler, M. (2009), S. 34.

[26] Vgl. Breimann, A. (2007), S. 3 f.

[27] Vgl. dazu die Tab. 4.1 Übersicht über die bislang verabschiedeten Standards der IFRS- Rechnungslegung (Stand: Januar 2011) gemäß Pellens, B. et al. (2011), S. 93 ff.

[28] Ebd., S. 92.

[29] Vgl. Definition zu kapitalmarktorientierten Unternehmen gemäß Lueg, R. (2008), S. 5.

[30] Vgl. Brembt, T. (2010), S. 1.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Diskussion um die neuen KMU-IFRS – Chancen und Risiken für den deutschen Mittelstand aus bilanzpolitischer Sicht
Untertitel
BIL11 – Bilanzmanagement/Controlling – Anwendung/Vertiefung
Hochschule
AKAD-Fachhochschule Pinneberg (ehem. Rendsburg)
Veranstaltung
Controlling / Bilanzmanagement
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V263898
ISBN (eBook)
9783656529323
ISBN (Buch)
9783656536611
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
KMU;, IFRS, HGB, IFRS for SMEs, IFRS for SME, IFRS für KMU, Mittelstand, Bilanzpolitik, Full IFRS, IFRS light, IFRS-SME, BilMoG, Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, KMU-IFRS, IAS, IASB, Chancen und Risiken, Chancen, Risiken
Arbeit zitieren
Guido Martins Kück (Autor), 2013, Die Diskussion um die neuen KMU-IFRS – Chancen und Risiken für den deutschen Mittelstand aus bilanzpolitischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263898

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