Nachhaltigkeit im Kontext der Generationengerechtigkeit

Ethik, Planung und Recht


Hausarbeit, 2011
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einführung
1.1. Zielsetzung
1.2. Vorgehensweise und Methodik

2. Nachhaltigkeit
2.1. Ursprung des Begriffs der Nachhaltigkeit
2.2. Definition
2.2.1. Drei Dimensionen der Nachhaltigkeit
2.2.2. Verhältnis der drei Dimensionen der Nachhaltigkeit zueinander
2.3. Nachhaltigkeit in der Europäischen Union
2.4. Die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie
2.5. Implementierung der Nachhaltigkeit im Baugesetzbuch

3. Generationengerechtigkeit
3.1. Definition der Generationengerechtigkeit
3.1.1. Abgrenzung des Begriffs „Generation“
3.2. Gerechtigkeitstheorie nach Rawls
3.2.1. Rawls Gerechtigkeitstheorie im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung
3.3. Die Rolle des demographischen Wandels
3.4. Gerechtigkeit zwischen den Generationen

4. Fazit – Die Bedeutung der Nachhaltigkeit im Kontext der Generationengerechtigkeit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Gerechtigkeit in den 31 Industriestaaten 1

Abbildung 2: Nachhaltigkeitsdreieck 5

Abbildung 3: Indikatoren der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie 9

Abbildung 4: Seniorenwirtschaft 15

1. Einführung

Das Leitbild der Nachhaltigkeit ist seit Anfang der 1990er Jahre in der ganzen Welt präsent. Es ist in aller Munde, jedoch stellt sich manchmal die Frage, ob z.B. Fußballtrainer, die in einem Fernsehinterview von einem „nachhaltigen Training“ sprechen, tatsächlich wissen, was mit Nachhaltigkeit gemeint ist. Außerhalb des Sports, hat man die Vorstellung einer besseren und gerechteren Welt, die im Einklang mit Natur und Klima lebt. Es geht darum die Bereiche Wirtschaft, Ökologie und Soziales/Kultur zu vereinen, damit auch künftige Generationen weiterhin die Möglichkeit haben ein gutes Leben auf der Erde zu führen.

Abb. 1: Gerechtigkeit in den 31 Industriestaaten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr. 2 vom 04.01.2011, München, S. 5.

Wie gerecht Deutschland im weltweiten Vergleich der 31 Industriestaaten ist, zeigt Abbildung 1. In die Analyse sind Indikatoren aus fünf Bereichen eingeflossen:

- Armut
- Bildung
- Arbeitsmarkt
- sozialer Zusammenhalt
- Generationengerechtigkeit

Besonders die Generationengerechtigkeit spielt eine große Rolle. Im weltweiten Vergleich hat Deutschland gute Noten für die eingelegte Schuldenbremse auf Bundesebene erhalten, da künftige Generationen nicht übermäßig belastet würden. Jedoch warnt die Bertelsmann-Stiftung: „die soziale Schieflage zulasten künftiger Generationen könnte sich als schwere Hypothek für die Zukunft des deutschen Sozialstaats erweisen.“[1]

In Deutschland sind Kommunen, aber auch der Bund hoch verschuldet. Es kommt die Frage auf, ob man es verantworten kann heute Kredite aufzunehme, die zukünftige Generationen zurückzahlen müssen, obwohl deren Möglichkeiten durch eben jene Schuldenlast stark eingeschränkt sind. Ist das nachhaltig?

1.1. Zielsetzung

Das Ziel dieser Hausarbeit ist die Darstellung des Zusammenhangs und der Bedeutung von Nachhaltigkeit im Kontext der Generationengerechtigkeit. Dabei sind untersuchungsleitende Fragen:
- Was bedeutet Nachhaltigkeit?
- Wie ist Nachhaltigkeit in unser Rechtssystem implementiert?
- Ist Nachhaltigkeit überhaupt umsetzbar?
- Was bedeutet Generationengerechtigkeit?
- Können wir heute, in Zeiten des Wandels, tatsächlich realistisch für die kommenden Generationen mitplanen?
- Ist der Mensch zu Nachhaltigkeit überhaupt fähig?

1.2. Vorgehensweise und Methodik

Zunächst wird das Thema Nachhaltigkeit untersucht. Neben einem Versuch einer Definition, wird die Entstehungsgeschichte der Nachhaltigkeit dargestellt sowie auf die Implementierung der Nachhaltigkeit in unser Rechtssystem eingegangen. Anschließend wird die Generationengerechtigkeit thematisiert. Allein der Begriff Gerechtigkeit ist ein Terminus, der sehr unterschiedlich ausgelegt werden kann. In der westlichen Welt wird Gerechtigkeit anders verstanden und umgesetzt als beispielsweise im Orient. Zum Schluss wird ein Zusammenhang zwischen beiden Begriffen hergestellt, der abschließend die untersuchungsleitenden Fragen klären soll.

2. Nachhaltigkeit

„Nachhaltigkeit als Ziel findet sich folgerichtig seit Anfang der 90er Jahre in nahezu sämtlichen Veröffentlichungen der EU sowie nationaler Regierungen und Parlamente – nur eben unbestimmt und eher folgenlos.“[2]

2.1. Ursprung des Begriffs der Nachhaltigkeit

Die Idee der Nachhaltigkeit stammt eigentlich aus dem Bereich der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts. Es war ein Bewirtschaftungsprinzip, das dadurch charakterisiert ist, dass nicht mehr Holz geerntet wird, als jeweils nachwachsen kann.[3]

Dieses Bewirtschaftungsprinzip diente als Vorbild zur Übersetzung von „sustainable development“ in die deutsche Sprache sowie als Vorbild für die Idee der Nachhaltigkeit, wie sie heute aufgefasst wird.

„Das umfassende Konzept einer nachhaltigen Entwicklung hat ihren Ursprung in der von den Vereinten Nationen im Jahre 1983 eingesetzten Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, der sogenannten Brundtland-Kommission. Diese Kommission hatte zur Aufgabe, eine Entwicklungsstrategie aufzuzeigen, die einen langfristigen Fortschritt mit einer umweltschonenden Entwicklung im Einklang bringt.“[4]

Die Vorsitzende war die frühere Umweltministerin und damalige Ministerpräsidentin von Norwegen Gro Harlem Brundtland, die 18 Bevollmächtigte aus weiteren 18 Ländern versammelte.[5] 1987 wurde in der Brundtland – Kommission, einem prominent besetztem, aber rein beratendem Expertengremium, die Nachhaltigkeit als zentrales Politikziel auf der Ebene der Vereinten Nationen proklamiert.[6] Dazu wurde der Zukunftsbericht „Our Common Future“, der sogenannte Brundtland-Report, veröffentlicht.[7]

„Dieser beeinflusste die internationale Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik maßgeblich. Er wurde auf zwei internationalen Konferenzen (1987 in London und 1988 in Mailand) eingehend diskutiert und war der auslösende Hauptfaktor für die Umweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992.

(...) Der Abschlussbericht der Brundtland-Kommission „Our Common Future“ ist deswegen so bedeutend für die internationale Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik, weil hier erstmals das Leitbild der „nachhaltigen Entwicklung“ entwickelt wurde.

(...) Das von der Kommission vorgestellte Konzept einer nachhaltigen Entwicklung bildete zum ersten Mal die Grundlage einer integrativen globalen Politikstrategie. So wurden herkömmlich als getrennt betrachtete Problembereiche wie u.a. Umweltverschmutzung in Industrieländern, globale Hochrüstung, Schuldenkrise, Bevölkerungsentwicklung und Wüstenausbreitung in der Dritten Welt in einem Wirkungsgeflecht gesehen, das durch einzelne Maßnahmen nicht würde gelöst werden können.

Nach Ansicht der Kommission muss einerseits die Armut in den Entwicklungsländern überwunden werden. In den Industrieländern ist dagegen der materielle Wohlstand mit der Erhaltung der Natur als Lebensgrundlage in Einklang zu bringen. Für die Zukunft muss davon ausgegangen werden, dass sich die Konsum- und Lebensweisen der westlichen Industrieländer nicht auf die gesamte derzeitige und zukünftige Weltbevölkerung übertragen lassen.

Weiter stellt die Kommission fest, dass die Weltwirtschaft zwar die Bedürfnisse und legitimen Wünsche der Menschen befriedigen müsse. Das Weltwirtschaftswachstum dürfe aber die ökologischen Grenzen der Erde nicht sprengen. Auch müssten die Menschen viele ihrer Tätigkeiten und Lebensweisen ändern, wenn die Welt nicht vor unannehmbare menschliche Leiden und Umweltschäden gestellt werden solle.“[8]

Die Teilnehmer der Rio – Konferenz 1992 verabschiedeten die „Agenda 21“. Das ist das Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert mit Handlungsempfehlungen für Staaten sowie Bürgerinnen und Bürger.[9]

2.2. Definition

Verfolgt man aufmerksam Berichterstattungen in den Medien, ob Radio, Zeitung, Internet oder Fernsehen, stellt man fest, dass das Wort „nachhaltig“ bzw. „Nachhaltigkeit“ sehr oft fällt. Doch wissen die Verfasser dieser Texte oder die Redner tatsächlich was Nachhaltigkeit bedeutet? Manchmal wird das Wort ganz anders gebraucht und entspricht nicht der Grundidee der Nachhaltigkeit. Deshalb nun zwei Definitionen der Nachhaltigkeit, die die Bedeutung klären.

Der Duden weist dem Wort „nachhaltig“ folgende Bedeutung zu: „sich auf längere Zeit stark auswirkend: einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.“[10]

„Nachhaltigkeit bzw. nachhaltige Entwicklung meint das Ziel, dass unsere Kinder und Kindeskinder auch morgen noch etwas auf dem Teller haben – und dass überhaupt erstmals alle Menschen dieser Welt etwas auf den Teller bekommen. Es geht also um eine lebenswerte, freiheitliche und friedliche Erde für alle Menschen.“[11]

Im Brundtland-Report heißt es: „Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“[12]

Kernaussage ist also, dass wir alle und künftige Generationen ein gutes Leben auf der Erde haben sollen. Ein Aspekt, der nicht deutlich genug aus der Brundtland-Definition herauskommt, ist, dass auch alle heute lebenden Menschen, egal aus welchen Ländern, gleiche Chancen und Möglichkeiten haben sollten. Das fängt in vielen Ländern bereits bei der Trinkwasser- und Lebensmittelversorgung an. Es ist sehr vorausschauend und löblich an künftige Generationen zu denken, aber man sollte auch die Überwindung heutiger Unterschiede im Lebensstandard nicht vergessen.

2.2.1. Drei Dimensionen der Nachhaltigkeit

Die Nachhaltigkeit setzt sich aus einer ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimension zusammen. Diese Dimensionen werden im Nachhaltigkeitsdreieck oder Drei-Säulen-Modell visualisiert (vgl. Abbildung 2) und streben nach einer gleichberechtigten Berücksichtigung. Man kann gut erkennen, dass Nachhaltigkeit nicht nur Klimaschutz bedeutet, sondern alle Lebensbereiche betrifft.

Abb. 2: Nachhaltigkeitsdreieck

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.dr-frank-schroeter.de/nachhaltigkeit.htm, Zugriff: 17.01.2011.

- Die ökologische Dimension: „Durch die menschliche Nutzung der Natur, wie der Abbau von Rohstoffen, die Umlenkung von Stoff- und Energieströmen, die Veränderung von großräumigen natürlichen Strukturen und die Belastung von Schutzgütern wie die Atmosphäre wird das ökologische System zunehmend verändert oder belastet. (...) Die ökologische Nachhaltigkeit zielt daher auf die Erhaltung des ökologischen Systems bzw. ökologischen Kapitalstocks ab. Das begründet sich daraus, dass das ökologische System die Lebensgrundlage aller menschlichen Aktivitäten bildet.“[13]
- Die ökonomische Dimension: „Das Ziel der ökonomischen Nachhaltigkeit ist analog zur ökologischen Nachhaltigkeit die Erhaltung des ökonomischen Kapitalstocks. (...) Das ökonomische System kann demnach für sich alleine nicht nachhaltig sein, da seine dauerhafte Existenz von dem Zusammenspiel der Wirtschaft mit dem ökologischen System abhängt.“[14]
- Die soziale Dimension: „Die soziale Nachhaltigkeit und somit der Erhalt des sozialen Kapitals erweist sich in seiner Interpretation bzw. begrifflichen Abgrenzung im Gegensatz zu den beiden anderen Kapitalformen als wesentlich schwieriger. (...) Im Gegensatz zu anderen Kapitalformen ist Sozialkapital dadurch gekennzeichnet, dass es sich auf eine mit Externalitäten verbundene soziale Interaktion bezieht. (...) Wichtige Elemente von Sozialkapital sind Vertrauen, Normen und soziale Netzwerke.“[15]

[...]


[1] Süddeutsche Zeitung Nr. 2 vom 04.01.2011, München, S. 5.

[2] Ekardt, Felix (2005): Das Prinzip Nachhaltigkeit, München, S. 26.

[3] vgl. Meyers Großes Taschenlexikon (2006), Hamburg.

[4] von Hauff, Michael, Tarkan, Bülent (Hrsg.)(2009): Nachhaltige kommunale Finanzpolitik für eine intergenerationelle Gerechtigkeit, Baden-Baden, S. 16.

[5] vgl. http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_1987_728.htm, Zugriff: 17.01.2011.

[6] vgl. Ekardt, Felix (2005): Das Prinzip Nachhaltigkeit, München, S. 25.

[7] vgl. http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_1987_728.htm, Zugriff: 17.01.2011.

[8] http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_1987_728.htm, Zugriff: 17.01.2011.

[9] vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.)(2009): Umweltpolitik A – Z , Berlin, S. 74.

[10] Duden – Deutsches Universalwörterbuch (2007), Mannheim.

[11] Ekardt, Felix (2005): Das Prinzip Nachhaltigkeit, München, S. 25.

[12] Ekardt, Felix (2005): Das Prinzip Nachhaltigkeit, München, S. 26.

[13] von Hauff, Michael, Tarkan, Bülent (Hrsg.)(2009): Nachhaltige kommunale Finanzpolitik für eine intergenerationelle Gerechtigkeit, Baden-Baden, S. 16 f..

[14] von Hauff, Michael, Tarkan, Bülent (Hrsg.)(2009): Nachhaltige kommunale Finanzpolitik für eine intergenerationelle Gerechtigkeit, Baden-Baden, S. 17.

[15] von Hauff, Michael, Tarkan, Bülent (Hrsg.)(2009): Nachhaltige kommunale Finanzpolitik für eine intergenerationelle Gerechtigkeit, Baden-Baden, S. 17.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Nachhaltigkeit im Kontext der Generationengerechtigkeit
Untertitel
Ethik, Planung und Recht
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V263905
ISBN (eBook)
9783656527961
Dateigröße
1541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nachhaltigkeit, kontext, generationengerechtigkeit, ethik, planung, recht
Arbeit zitieren
Tina Schreiber (Autor), 2011, Nachhaltigkeit im Kontext der Generationengerechtigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263905

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