Die charismatische Herrschaft Adolf Hitlers. Analyse seiner Redekunst


Facharbeit (Schule), 2013
18 Seiten, Note: 15 Punkte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Hauptteil
2.1. Die allgemeine charismatische Herrschaft
2.2.1 Die Faktoren die Hitlers Rhetorik einen Nährboden gaben
2.2.2. Die radikale Parteienlage
2.3. Analyse der Rede Hitlers: „Judenparadies oder deutscher Volksstaat?“
2.4. Inszenierung, Sprachverhalten, Gestik und Mimik
2.4.2. Die Inszenierung
2.4.3. Ausgestaltung mittels Gestik, Mimik und Sprachverhaltens

III Konklusion

IV Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1. Literaturverzeichnis
4.2. Quellenverzeichnis

V Anhang

1. Einleitung

Zwölf Jahre drei Monate und neun Tage dauerte die Herrschaft Adolf Hitlers, dem letzten Diktator der deutschen Geschichte, welcher bis heute im Geist der Bevölkerung vorhanden ist. Ein jeder hat das Aussehen, des ehemals so sehr geliebten und heutzutage bei der deutlichen Mehrheit des Volkes so sehr unbeliebten Führers in Erinnerung. So sind jedem wohl auch Fotos des Diktators vor Augen, bei welchen er mit offensichtlich fanatischer Mimik und Gestik kämpferische Reden hält und eine entsprechende Reaktion der Zuschauer erhält. Eine Reaktion, die ebenso fanatisch war. Wie konnte es einem Mann, einem Österreicher gelingen, als deutscher Diktator der mächtigste Mensch Europas zu werden und binnen einhundert Tagen aus einem demokratischen Staat einen despotischen zu machen[1] ? Wie konnte er einen der grausamsten Kriege, welcher auch viele deutsche Opfer fordern sollte im Volk legitimieren[2] ? Hitlers Rhetorik ist für seinen Aufstieg vom Gefreiten zum Reichskanzler und schließlich zum Despoten von großer Bedeutung[3].. Doch wie war es ihm mittels seiner Reden möglich Millionen Menschen von seiner Meinung zu überzeugen? Sogar das Parlament, der Reichstag, die höchste demokratische Instanz in Deutschland löste sich selbst auf, in dem es dem sog. Ermächtigungsgesetzt zustimmte und Hitler so zum Alleinherrscher machte[4]. Die meisten Deutschen liebten ihren Führer und wenn sie ihn nicht liebten, hatten sie großen Respekt vor ihm[5]. Was machte das Auftreten des Führers des Dritten Reichs aus und wie waren seine Reden aufgebaut? Ich werde die Rhetorik Adolf Hitlers analysieren und betrachten wie sein Charisma, mittels seiner Reden zum Ausdruck kam. Zu Beginn werde ich als Fundament der Arbeit erläutern, was eine charismatische Herrschaft bedeutet und welche Faktoren Hitlers politischen Aufschwung begünstigten. Auf Grund der sehr großen Materialbasis über Adolf Hitler selbst, ist die Möglichkeit sich über sein Leben zu informieren nicht von großer Schwierigkeit, andererseits ist das Beschaffen einer großen Zahl von Reden Hitlers nicht prätentiös. Mir vorliegend ist jedoch eine Primärquelle, ein Buch, welches einige frühere Reden Adolf Hitlers enthält[6]. Ich werde im späteren Verlauf die Rede Hitlers „Judenparadies oder deutscher Volksstaat?“ vom 27. April 1923 analysieren. Konklusiv lässt sich also sagen, dass die Quellenlage eine gute Basis bildet.

2. Hauptteil

2.1. Die allgemeine charismatische Herrschaft

Zunächst ist zu betrachten, was eine Charismatische Herrschaft ausmacht. Das Wort charismatisch ist das Adjektiv des Charismas, dies stammt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie Geschenk oder auch göttliche Gabe[7]. Der heutige Wortsinn ist die Ausstrahlungskraft oder der Reiz einer Person. Vor allem zu erkennen an Gestik, Mimik und Sprachverhalten eines Menschen, hierbei wird bei Politikern vor allem von der Persuasion ihres Auftretens bzw. Redens gesprochen. Die Herrschaft stammt von dem mittelhochdeutschen Wort „Hērschaft“[8], was so viel bedeutet wie Hoheit, Würde, Obrigkeit oder auch ehrenvolles Amt. Herrschaft impliziert somit Würde und Ehre eines höhergestellten Weisungsbefugten. Heute sagen wir hierzu zum Beispiel Regierung. Bei der Zusammenführung beider Begriffe kommt man also zu einer ehrenvoll ausgeführten, mit besonders starker Ausdruckskraft und Persuasion versehenen Regierungsart, wobei sich eine charismatische Herrschaft auf die regierenden Menschen und nicht auf die Regierungsorgane bezieht. Diese Art der Herrschaft wurde in den zwanziger bis vierziger Jahren noch durch den politischen und wirtschaftlichen Gesamtkomplex in Mitteleuropa protegiert.

2.2.1 Die Faktoren die Hitlers Rhetorik einen Nährboden gaben

Im November 1918 endete der Erste Weltkrieg mit der Niederlage des Deutschen Kaiserreichs. Nachdem die Weimarer Republik[9] gebildet worden war, wurde durch die sog. Entente-Mächte[10] der Versailler Vertrag[11] entworfen. Dieser schränkte den deutschen Staat u.a. im militärischen Bereich ein[12]. Reparationszahlungen in großer Höhe[13] mussten ebenfalls von Deutschland geleistet werden, sowie die Abtretung einiger Gebiete an die Siegermächte[14]. Im Jahre 1923 kam es im Zuge der allgemeinen Unzufriedenheit wegen der Forderungen des Versailler Vertrags und der Besetzung des Ruhrgebiets zum Generalstreik. Durch die Abtretung der Gebiete mit den meisten Industrien kam es zu enormen wirtschaftlichen Einbußen und zur galoppierenden[15] und schließlich zur Hyperinflation. Nach einem ständigen auf und ab der Wirtschaft kam es final, im Oktober 1929 zum Kollaps der amerikanischen und schließlich der deutschen Börse. Die Arbeitslosenzahl stieg von 1,3 Millionen im Jahre 1929, auf 6 Millionen im Jahre 1933 an. Die Armut in der Bevölkerung wuchs rasant, da auch die Realeinkommen um rund dreißig Prozent sanken. Die Folgen waren neben Obdachlosigkeit, Beschaffungskriminalität und Straßenmusizieren auch der Freitod vieler Bürger.[16]

2.2.2 Die radikale Parteienlage

Für die radikalen Parteien war dies ein idealer Nährboden, so warben sie intensiv mit dem Spruch „Arbeit und Brot“ um die Gunst der Wähler. Die KPD vertrat vor allem die Meinung der Linksextremen, der Kommunisten. Sie setzten sich hauptsächlich gegen das „herrschende Finanzkapital“, die reichen Industriellen, Bankiers etc. und die Demokratie ein. Die Lösungen von Seiten der NSDAP verbreiten sich jedoch besser im Volke. Im Anschluss an die Wahl vom 05. März ist hier gut der Spruch zu nennen „Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden!“[17]. Die Formulierung suggeriert, dass der Jude an einem Problem Schuld sei, an welchem wird nicht gesagt. Da jenes Zitat jedoch auf einem, vor einem jüdischen Geschäft stehenden SA-Mann gehaltenen Schild zu lesen ist, ist von einer antithetischen Intention auszugehen. Das florierende, jüdische Geschäft steht im Gegensatz zu dem geschlossenen deutschen. Es wird latent dem Juden vorgeworfen, er habe sich an den Deutschen bereichert und daher ist sein Geschäft noch geöffnet. Es bleibt die Frage nach dem „Warum sie Hitler wählten“[18], die KPD bot doch auch soziale Argumente[19]. Den interessantesten Aspekt gibt wohl der Anführer der NSDAP, Adolf Hitler. Im Folgenden werde ich eine Rede Hitlers im Münchner Bürgerbräukeller, sieben Monate vor dem „Hitler Ludendorff Putsch“ analysieren.

2.3. Analyse der Rede Hitlers: „Judenparadies oder deutscher Volksstaat?“

Die Rede ist zunächst allgemein gegliedert in Einleitungs-, Haupt- und Schlussteil. Die Überschrift der Rede wird als Frage formuliert, welche Hitler an zwei Stellen beantwortet. Eingeleitet wird mit der Grußformel „Liebe Volksgenossen und Genossinnen!“ (Zeile 3). Schon mit den ersten Worten baut Hitler eine Beziehung zwischen sich und den Zuhörern auf. Er macht sich zum Teil der Gruppe und löst sich von der Unerreichbarkeit des elitären Politikers. Diese Grußworte reflektieren zu gleich auch seine Volksideologie[21]. Im Kommenden ersten Abschnitt charakterisiert Hitler die „Sozialdemokratie“ (Zeile 4 ff.). Er setzt seinen Schwerpunkt hierbei vor allem auf die politischen Verflechtungen der „sozialdemokratischen Partei“ mit den Gewerkschaften, der höheren und nur dem Kaiser unterstellten politischen Klasse und den Marxisten. Er stellt die von ihm nicht bewiesen These auf, die politische Elite schütze die sozialdemokratischen Machenschaften in dem sie die Sozialdemokraten als „[…] harmlose Mummenschanz […] “dem Volke präsentierten, als lustige gesellige Vereinigung, was sie gar nicht sei (Zeile 8f.). Danach behauptet Hitler sei die Partei Zentrum, welche die SPD unterstütze eine marxistische Vereinigung. Mit Hilfe der von ihm gewählten Formulierungen schafft es Hitler eine Angst im Geist des Zuhörers zu erzeugen, dies gelingt ihm aufgrund einer Klimax im ersten Abschnitt. So wird von ihm erst eine Sicherheit im Staat suggeriert, doch sukzessive wird aus den in Sicherheit wiegenden Formulierungen, eine undurchschaubare Konstruktion einer Verschwörung. Weiter spricht er „Wir [die NSDAP] dulden es nicht, daß ein ganzes Volk in Judenknechtschaft gebracht wird“ (Zeile 19f.). Durch die von Hitler zuvor als Fakten formulierten, doch tatsächlich nur als Theorien existierenden Behauptungen[22], wird der Jude in die Verkleidung des Verschwörers und somit größten Verbrechers – Hochverräter - der Nation gezwängt. Durch den Einsatz der psychischen Unterdrückung, mittels der Angst und die gezogene undurchschaubare, angebliche Steuerung des Verbrechens durch die Juden, bekommt der Hörende Angst und dadurch einen Hass auf den Juden. Der Hass kommt hauptsächlich dadurch zustande, dass der gemeine Zuhörer sich in seiner Existenz bedroht fühlt, so entsteht im Zuhörer der Trieb der Selbsterhaltung sowie eine gewisse Aggression gegenüber des Gegners. Die Rolle des Gegners fällt hierbei dem Juden zu. Hitler spricht nun im zweiten Abschnitt auch von Terror. Sofort wird dem Zuhörer unterschwellig vermittelt, der Jude sei mit dem Schrecken zu assoziieren. Stilmittelanalytisch ist Zeile 17 ein gutes Beispiel für die antithetischen Formulierungen, zu den Sozialdemokraten gesellte sich der „Terror“ - besonders hervorgehoben wird das Ganze noch durch den durch Komma angehängten Satz, durch den Terror halte man die Sozialdemokraten zusammen. Des Weiteren sagt Hitler, dass es bisher nur einen ersichtlichen Zusammenbruch der Sozialdemokratie gab, laut Hitler 1914. Auch hier wird sofort offenbar, dass Hitler die Angst - die Angst vor dem Krieg - nutzt und unmittelbar danach die Formulierung „[…] jüdisch[e] Führer […] Volksbegaunerer“ (Zeile 35f.) anhängt. Anschließend äußert sich Hitler zur Entfremdung der deutschen Nation (u.a. Zeile 61). Interessant ist festzustellen, dass Hitler keinen Beweis für seine aufgestellten Thesen darlegt. Er formuliert Thesen als Aussagen und leitet auf diese mittels einer Rhetorischen Frage hin. „Wann […] hat nun […] der Zusammenbruch dieser […] Bewegung eingesetzt. […] 1914 ist die internationale Solidarität […] flöten gegangen. Vorhanden war nur die […] der jüdischen Führer“ (Zeilen 29ff.). Fakten für die Aussage zu den Juden liefert er nicht. Im Weiteren gibt er der „Sozialisierung“ Schuld an dem desolaten Zustand der Arbeiterklasse. Er gibt an, die „Internationalisierung“ habe Deutschland zu einer Kolonie des Auslandes gemacht und die Fiskalpolitik Deutschlands sei immer mehr „überfremdet“ worden (Zeile 45f.). Innerhalb des Hauptteils, ab dem Anfang bis Zeile 58 werden von Hitler nur negative Aspekte die Wirtschaft und die linke Politik betreffend aufgezählt. Erneut stellt er eine Rhetorische Frage, „Ist das nun eine Volksrevolution, ist ein solches Gebilde ein Volksstaat?“ (Zeile 59). Die Antwort wird von Hitler im Schriftbild besonders hervorgehoben durch die sog. gesperrte Schrift „N e i n , d a s i s t d a s P a r a d i e s d e r J u d e n.“ (Zeile 60). In diesem Moment fällt unmittelbar die moralische Schuld auf die Volksgruppe der Juden, hier wird besonders die Diskrimination deutlich, welche schon seit Jahrhunderten in den Köpfen der Europäer verankert war, der Jude sei an materiellem Besitz so sehr interessiert, dass er dafür auch die Gemeinschaft zerstört[23]. Im Anschluss äußert sich Hitler zu einem anderem Thema, er nutzte die Sperrschrift also auch als Schnitt im Redeverlauf. Er spricht von einer „Bodenreform“, sagt, dass sie nötig sei, führt sie jedoch nicht genauer aus. Er relativiert jedoch seine Aussage – so scheint es auf dem ersten Blick zumindest zu sein – um dann den „politischen Expansionswillen“ als von großer Wichtigkeit herauszustellen. Expansionswille wird nicht erläutert, man kann wohl davon ausgehen, dass es sich nicht um einen friedlichen Landgewinn handelt. Im Verlauf führt Hitler sogar im Bezug auf den „Boden“ an, dass eine Reform Spekulationsgeschäfte fördere, auch hier wird auf Grund der vorherigen Argumentationen zum Thema Wirtschaft, ersichtlich, dass er erneut unterschwellig wieder dem Juden unterstellt die Politik der „Bodenreform“, als eine Art Verschwörer zu lenken. Der Jude wird in die Rolle des Landscharrenden, Nation zerstörenden gedrängt. Deutlich in den Zeilen 65ff.. Zunächst wird vom Boden als mögliches Spekulationsobjekt gesprochen, dann als zu schützendes Naturprodukt der gesamten Nation, welches nur angenommen werden könne, wenn man es sich „erarbeitet“ habe und dann wird konklusiv festgestellt, dass Grund und Boden keine „Schacherobjekte“ seien. Innerhalb dieses Abschnittes ist eine latent negativ klimatische Beschreibung der jüdischen Bevölkerung aufzufinden. Dem Zuhörer ist eine im Kern unlogische Argumentationskette dargelegt worden, welche mittels scheinbar faktenbasierten Argumenten zusammengehalten wird. Im Anschluss an seinen Plan einer Bodenreform wird von einer Kehrtwende im Bereich des Rechts gesprochen. So will Hitler nicht mehr, wie bisher das Private schützen, sondern vor allem den Staat. Er spricht von der „Volksgemeinschaft“ und suggeriert das Soziale seiner geplanten „Reform des Rechts“ (Zeile 71ff.). Das aktuelle Gesetzt besagt laut ihm, dass die Nation legitim herabgesetzt werden dürfe „[…] Besudelung der nationalen Ehre, der nationalen Größe ist gestattet“ (Zeile 71f.), da Minderheiten die Ehre der Allgemeinheit besudelten müsse es jedoch ein neues Gesetz geben. Hitler sagt abschließend zu diesem Punkt, dass das Recht der Minderheit, das sich „so sehr“ von der Gemeinschaft entfernte, reformiert werden müsse. Man kann sich hier als Leser sowie Zuhörer fragen, welche Minderheit gemeint sein könnte. Man muss wohl zu dem Schluss kommen, dass es sich um die Randgruppe der Juden handeln muss. Was auch hier deutlich wird. Erneut ist in Erscheinung getreten, dass Negativa den Fortlauf der Redeabschnitte bestimmen, um im Anschluss wieder den Juden damit in Verbindung zu bringen. Im nächsten Schritt wechselt Hitler zum Thema Bildung. „Überbildung“ (Zeile 79) sei ein Problem. Die Bildungselite sei nicht in der Lage zu handeln, „Instinkt“ und „Wille“ (Zeile 80) gingen verloren so Hitler. Auch an dieser Stelle füllt Hitler ein im Volke bekanntes Stereotyp der Juden aus, ohne jedoch den Juden zu erwähnen[24]. Hitler nutzt also das Innuendo als wirksames Mittel, das Stereotyp des intelligenten Juden. In den folgenden Zeilen verbalisiert Hitler wieder die Unnahbarkeit zwischen den Juden und der Volksgemeinschaft „Wenn wir uns nicht [...] soweit vom Volksempfinden entfernt hätten, hätte der Jude nie […] den Weg in unser Volk finden können.“, er schließt schon mittels dieser Art der Formulierungen diese Volksgruppe komplett aus der deutschen Gemeinschaft aus. An diesem Satz ist eine chiastische Redewendung zu erkennen, gebildet durch den zweimal verwendeten Konjunktiv Plusquamperfekt, welche durch ein Komma getrennt sind und durch den negativ gehaltenen Anfang „Wenn wir nicht […]“ bzw. das negativ gehaltene Ende „[…] nie in unser Volk […]“ (Zeile 82) eingeschlossen wird. Das Wort „wir“ sowie das Wort „Volk“ stehen beide für ein gemeinschaftliches Handeln bzw. Zusammenleben, sie bilden die anderen Ecken in diesem Chiasmus. Im Weiteren stellt er erneut die Distanz zwischen den Deutschen - wobei im Grunde nie klar ist, welche Menschen er zu den Deutschen zählt – und den Juden heraus, in dem er nun sagt, dass – und Hitler wiederspricht sich selbst innerhalb seiner Argumentation – das Land „geistige Führer“ aus dem Volk brauche (Zeile 83f.). Zuvor argumentierte er allerdings, dass es eine „Überbildung“ gäbe. An dieser Stelle wird besonders die unlogische, widersinnige Argumentationskette gut sichtbar. Im auf diese Aussage folgenden Satz betont er wieder, dass der Jude an der Spaltung der Gesellschaft schuld sei. Obwohl dies aus seinen Ausführungen nicht als Konsequenz hervorgeht. „Setzen wir an ihre Stelle Intelligenzen aus [...unserem Volke], dann haben wir die Brücke zur Volksgemeinschaft gefunden!“ (Zeile 85ff.). Dass eine Brücke gefunden werden muss, suggeriert, dass es eine Spaltung gibt, welche es gilt zu überwinden. Hier wird als die verursachende Kraft ebenfalls der Jude angeführt. Als nächstes geht Hitler auf die Medien- und Kulturlandschaft ein und hier explizit auf die Presse. So ist die Presse laut Hitler zu international, sie vergifte das Volk (Zeile 94). Es bedürfe einer Reform der Presse. Im selben Absatz sagt er, müsse auch das Kunst- und Theaterwesen reformiert werden (Zeile 88ff.). Nach diesem Euphemismus konkretisiert Hitler seine genauere Absicht, er sagt „[…] was einem Volk schadet muss beseitigt werden.“ (Zeile 95f.). Diese Aussage bedarf im Grunde keiner weiteren Interpretation, dennoch werde ich diese Stelle auf Grund ihrer möglichen schrecklichen Folgen, welches später klar wird, vertiefen. Diese Aussage steht in stark antithetischem Kontrast zu dem zuvor genannten Reformationswillen. Er nutzt die „Reform“ geschickt als Legitimation für seinen offenbar schon vorhanden Plan des Holocaust. Seine Aussage: „[…] was einem Volk schadet muss beseitigt werden.“, vermittelt dem Zuhörer erneut der Jude sei zu beseitigen – beseitigt wird in der Regel Müll oder auch Ungeziefer, dadurch erzeugt Hitler in den Köpfen der Hörer ebenfalls einen gewissen Ekel -, denn der Jude wird von Hitler immer im Bezug auf Negativa erwähnt. Sequens kritisiert Hitler den pazifistischen Teil der Bürger, die, welche ohne Waffengewalt etwas verändern wollen - was wohl Reformer repräsentieren soll. Auffällig ist, dass Hitler selbst noch rund zwanzig Zeilen zuvor von notwendigen Reformen spricht so wird erneut die unlogische Argumentationskette offensichtlich. Laut Hitler haben Reformer ebenfalls kein Recht auf Existenz, „[...] [ein Volk das seine Verteidigung ablehnt] hat kein Recht auf Existenz“ (Zeile 97f.), „Ein Volk das nicht bereit ist sich zu wehren ist charakterlos.“ (Zeile 101f.). Es scheint als rechtfertige er seine Überzeugung, nur mit Waffengewalt etwas verändern zu können. Zwischen den beiden Zitaten ist im original Text ein in gesperrter Schrift notierter Satz zu lesen, welcher besonders die Charakterlosigkeit der Pazifisten verdeutlichen soll. In Zeile 105 spricht er dem Militarismus seinen negativen Charakter ab. Stattdessen handele es sich um „Selbsterhaltung“. Hier liegt eine besonders gut zu erkennende Antithese vor. Zeile 105 bildet zu gleich auch den letzten Satz des Hauptteils. Es fällt auf, dass Hitler als letztes Wort seines Hauptteils „Selbsterhaltung“ nutzt. So ruft er dem Zuschauer erneut die mögliche Gefahr durch Verzug ins Gedächtnis, wenn der Jude, der ja alles Negative steuert, nicht aufgehalten wird, wird er das deutsche Volk zerspalten. So beschwört Hitler ein letztes Mal die Angst in den Menschen herauf, bevor er seine abschließenden Lösung vorstellt. Am Schluss angelangt stellt Adolf Hitler die von der NSDAP gewünschten Neuerungen vor. Die Wehrpflicht solle wieder eingeführt werden, um so dem Staat Respekt zu zollen. Er hebt explizit hervor, dass die, welche gegen die Wehrpflicht sind auch gegen den Staat sind (Zeile 106ff.). Weiter appelliert er an seine Hörer sich zu bewaffnen, um ihre Freiheit zu sichern. Auch dieser Teil ist, als einer von vier Textpassagen in gesperrter Schrift vorzufinden, „[...] e u c h [g i b t n i e m a n d] d i e F r e i h e i t [...] a l s e u e r S c h w e r t s e l b s t“ (Zeilen 108ff.). Daran wird die Wichtigkeit der Aussage noch einmal pronunziato gezeigt. Er verdeutlicht so, dass der Einsatz von Gewalt nicht nur legitim, sondern auch nötig ist. Unmittelbar danach apostrophiert Hitler, dass die deutsche Nation eine nicht parlamentarische Führungsschicht benötigt, welche nach bestem Wissen und Gewissen handelt (Zeile 110ff.). Weiter werde sich eine neue Nation bilden, wenn es gelänge Führer aus der „Masse unseres Volkes“ (Zeile 114) zu generieren. Es scheint, dass Adolf Hitler sich latent selbst in das Zentrum der möglichen Führer stellt. Schließlich scheint er der aus dem Volke emporgegangene zu sein, welcher, aufgrund seiner im Hauptteil aufgedeckten jüdischen Verschwörung, die Nation wieder von Grund auf verbessern will. So argumentiert Hitler im Hauptteil im Sinne der „Volksgemeinschaft“, also vor seinem „Gewissen, Gott und der Welt“ (Zeile 104) vertretbar. So hebt er sich im Sinne seiner eigenen Definition zum besten Kandidaten für das Führeramt. Im Anschluss ruft er wieder das „terrorisieren“ (Zeile 117) sowie das „unterdrücken“ (Zeile 117) ins Gedächtnis des Zuhörers. Wieder steht hier der Komplex der jüdischen Drahtzieher der Probleme in Deutschland im Raum. Zugleich spricht er davon, dass die nationalsozialistische Bewegung immer weiter wächst, so lange bis sie von „ihnen“ – hier ist auffällig, dass er nicht explizit sagt wer, wobei die Juden sehr naheliegend sind – nicht mehr niedergeknüppelt werden könne (Zeile 119f.). Jetzt beantwortet Hitler zum zweiten mal die in der Überschrift der Rede aufgeworfene Frage. „[…] Deutschland [ist heute] kein Volksstaat […]“ (Zeile 122). Analogisch heißt dies, dass es sich nicht mehr um etwas Deutsches handelt, da Hitler sich für die zweite Antwortmöglichkeit der Fragestellung „Judenparadies oder deutscher Volksstaat?“ (Zeile 1) entschieden hat. Ein letztes mal wird dem Deutschen seine Identität, vermeidlich durch den Juden, genommen. Die finale Konklusion umfasst die letzten beiden Sätze, die besagen, dass ein „Volksstaat“ entstehen müsse und dass die Bewegung, die Nationalsozialisten die Genossen zum Kampf hierfür ausbilden werde (Zeile 123f.). Auch hier wieder der Apell an die Menschen von der Gewalt gebrauch zu machen. Abschließend wird an den „Stolz“ angeknüpft, der mit der „Bewegung“ verbunden sei. Dies ist eine letzte Bitte an die Hörer sich für Hitlers „Bewegung“ zu engagieren und für den freien Staat zu kämpfen „[…] diese Aufgabe, das ist unser Ziel. Es ist der Stolz unserer Bewegung[…]“ (Zeile 125). Es liegt nahe, dass die „Aufgabe“ wohl die Beseitigung des Juden sein wird.[20]

[...]


[1] Gerechnet vom 30.01.1933 zum 10.05.1933, von der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler bis zur Bücherverbrennung –also dem aktiven Verfolgen- der ungewollten Literatur. Aus einer Quelle vom 28.02.2013, 15:00 Uhr: http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/rbb/nacht-ueber-deutschland-100.html

[2] Die Zahl an getöteten deutschen Zivilisten während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg beträgt 9,4 Millionen. Aus einer Quelle vom 28.02.2013, 15:30 Uhr: http://www.professor-bellinger-berlin.de/hist_ma30.html

[3] Fest, Joachim: Hitler. Eine Biographie. 9. Auflage. Berlin 2006. Seite 113.

[4] Das Ermächtigungsgesetzt trat am 24. März 1933 in Kraft, Hitler war es nun möglich sämtliche Gesetze zu ändern wie es ihm beliebte. Die NSDAP hielt 340 der insgesamt 647 Sitze, da sie nicht die erforderliche 66,6 Prozent-Grenze erreichte, konnte sie das Gesetzt nicht beschließen. Die NSDAP änderte die Geschäftsordnung des Reichstages –auf legalem, demokratischem Wege- so, dass nicht anwesende Mandatsträger trotzdem zur Mindestanwesenheitszahl -432 Abgeordnete- für Abstimmungen gezählt wurden. Schließlich stimmten 441 Abgeordnete für das Ermächtigungsgesetz. Aus einer Quelle vom 28.02.2013, 17:00 Uhr: http://www.zeit.de/1953/12/der-mythos-des-ermaechtigungsgesetzes

[5] Kershaw, Ian: Hitlers Macht. Das Profil der NS-Herrschaft. München 2001. Seite 16 ff.

[6] Dr. Boepple, Ernst (Hrsg.): Adolf Hitlers Reden. Deutscher Volksverlag. München 1934.

[7] Quelle, 06.03.2013, 17:07Uhr : http://de.pons.eu/dict/search/results/?q=charisma&l=dela&in=&lf=la

[8] Quelle, 06.03.2013, 17:10Uhr: http://www.duden.de/rechtschreibung/Herrschaft

[9] Phillipp Scheidemann rief am 09. November 1918 in Berlin die Republik aus, wenig später rief Karl Liebknecht die sog. „freie sozialistische Republik aus“. Am 13. Februar 1919 wurde Phillip Scheidemann zum ersten Staatsoberhaupt Deutschlands gewählt. Quelle, 02.03.2013, 16:03 Uhr: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/ScheidemannPhilipp/index.html

[10] Oder auch Tripleentente genannt, ist ein Bündnis der Staaten Russland, England und Frankreich während des Ersten Weltkriegs. Quelle, 06.03.2013, 18:03 Uhr: http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/kriegsverlauf/entente/index.html

[11] Der Name Versailler Vertrag wird bestimmt dadurch, dass der Vertrag vom damaligen Deutsch Außenminister Hermann Müller sowie vom Verkehrsminister Hermann Bell im Spiegelsaal des französischen Schlosses Versailles am 28. Juni 1919 unterzeichnet wurde. Quelle, 06.03.2013, 18:05 Uhr: http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/versailles/index.html

[12] Das Heer Deutschlands durfte über maximal 100.000, die Marine über maximal 15.000 Soldaten verfügen. Große Kriegswaffen, sowie die Luftwaffe waren komplett verboten. Des Weiteren sollte die Weimarer Republik für hohe Reparationszahlungen aufkommen. Quelle, 06.03.2013, 18:20 Uhr: http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/versailles/index.html

[13] Festgesetzt wurde im Mai 1921 in London eine Summe in Höhe von 132 Milliarden Mark. Als Vertragsstrafe stand die Besetzung des Ruhrgebiets im Raum. So kam es im Jahr 1923 auch zur Besetzung dieses Gebiets. Quellen, 06.03.2013, 18:35 Uhr: http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/aussenpolitik/reparationen/index.html http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/innenpolitik/index.html

[14] Deutschland musste Posen, Elsass-Lothringen, das Hultschiner Land und Westpreußen an die Siegermächte abgeben. Quelle: http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/versailles/index.html

[15] Quelle, 06.03.2013, 18:57 Uhr: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19584/galoppierende-inflation

[16] Quelle, 06.03.2013, 19:12Uhr: http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/industrie/wirtschaftskrise/index.html

[17] Lüdeke, Alexander: Der Zweie Weltkrieg. Ursachen – Ausbruch – Verlauf – Folgen. Berlin 2007. Seite 278f.

[18] Quelle, 06.03.2013, 19:00 Uhr: http://www.youtube.com/watch?v=3vtfdfILdAw

[19] Quelle, 06.03.2013, 19:34Uhr: http://www.bundestag.de/kulturundgeschichte/geschichte/infoblatt/parteien_weimarer_republik.pdf

[20] Dr. Boepple, Ernst (Hrsg.): Adolf Hitlers Reden. Deutscher Volksverlag. München 1934.

[21] Anne, Jahr: Persuasiv Rhetorik am Beispiel der Rede von Adolf Hitler am 10.02.1933 im Berliner Sportpalast. Studienarbeit. Trier 2008.

[22] Es wird schlicht kein Beweis für die Theorien geliefert.

[23] Prof. Ekkehard W., Stegemann: Antijüdische Stereotypen in der anthroposophischen Tradition - Fragezeichen ? Aktion Kinder des Holocaust. Aufgerufen: 06.03.2013, 19:40 Uhr: http://www.akdh.ch/ps/ps_60Ref-Stegemann.html

[24] Prof. Ekkehard W., Stegemann: Antijüdische Stereotypen in der anthroposophischen Tradition - Fragezeichen ? Aktion Kinder des Holocaust. Aufgerufen: 06.03.2013, 19:40 Uhr: http://www.akdh.ch/ps/ps_60Ref-Stegemann.html

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Details

Titel
Die charismatische Herrschaft Adolf Hitlers. Analyse seiner Redekunst
Veranstaltung
Geschichte Seminarfach
Note
15 Punkte
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V263917
ISBN (eBook)
9783656528456
ISBN (Buch)
9783656532019
Dateigröße
628 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net schüler-wissen
Schlagworte
herrschaft, adolf, hitlers, analyse, redekunst
Arbeit zitieren
Marcel Schulz (Autor), 2013, Die charismatische Herrschaft Adolf Hitlers. Analyse seiner Redekunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263917

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