Die kommunistische Partei Italiens, 1921 aus der Sozialistischen Partei Italiens gegründet, war von der Republikgründung 1948 bis zu den politischen Umwälzungen in Osteuropa die zweitstärkste Partei in Italien.
Der Kalte Krieg und das ungeschriebene Gesetz der Nichtbeachtung des Partito Comunista Italiano (kurz: PCI) bei der Suche nach möglichen Koalitionspartnern, führte aber dazu, dass den Kommunisten nie die Machtübernahme in Italien gelang.
Die Partei unterzog sich darauf in den Nachkriegsjahrzehnten schrittweise einem demokratischen Wandel, der gekennzeichnet war von einer vorsichtigen Loslösung von Moskau und einem eigenständigen, einem „italienischen Weg zum Sozialismus“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Von der Gründung der Kommunistischen Partei Italiens zur Gründung der Republik Italien
2.1 Gründung der Partei
2.2 Widerstand gegen den Faschismus
2.3 Gründung der Republik und Ausschluss der PCI
3. Die Kommunistische Partei Italiens in der Nachkriegszeit
3.1 Abkehr vom Sowjetkommunismus und der italienische Weg zum Sozialismus
4. Enrico Berlinguer: Der historische Kompromiss und der Eurokommunismus
4.1 Staatsputsch in Chile und Idee des „compromesso storico“
4.2 Die Regierung des „Nicht-Misstrauens“
4.3 Eurokommunismus
5. Epilog
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der Sozialdemokratisierung der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Scheitern des „historischen Kompromisses“ in den späten 1970er Jahren. Dabei wird analysiert, warum die PCI einen demokratischen Weg einschlug und eine Zusammenarbeit mit den Christdemokraten anstrebte.
- Entwicklung des „italienischen Wegs zum Sozialismus“
- Rolle von Antonio Gramsci und Palmiro Togliatti in der Parteistrategie
- Der „compromesso storico“ als politische Antwort auf Krisenerscheinungen
- Die Regierung des „Nicht-Misstrauens“ und ihre Auswirkungen auf die PCI
- Theoretische Grundlagen und praktische Umsetzung des Eurokommunismus
Auszug aus dem Buch
4.1 Staatsputsch in Chile und Idee des „compromesso storico“
Näherte sich die PCI und Italien nur langsam einer Regierungsbeteiligung, wurde in Chile 1970 der Sozialist Allende demokratisch ins Amt gewählt. Mit umfassenden Reformen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik und Kompromissen mit christdemokratischen Forderungen, versuchte er eine demokratisch-sozialistische Gesellschaft aufzubauen. Die Regierung wurde allerdings am 11. September 1973 vom chilenischen Militär unter Führung von Augusto Pinochet gestürzt und in eine Militärdiktatur umgewandelt. Aktiv am Umsturz der politischen Verhältnisse in Chile beteiligte sich der amerikanische Geheimdienst CIA. Diese Ereignisse in Chile bewegten den 1972 zuvor als Parteichef der PCI gewählten Enrico Berlinguer dazu, das Konzept eines „compromesso storico“ (historischer Kompromiss) zu entwickeln. Nicht nur die außenpolitische Haltung sollte hinterfragt werden, sondern vor allem auch die eigenen Probleme und Konsequenzen der politischen Umgestaltung Italiens in einen demokratischen Sozialismus. Denn auch Italien – ähnlich wie Chile, sei „von den Armeen kapitalistischer Mächte, das heißt der Vereinigten Staaten und Großbritanniens [nämlich der NATO], okkupiertes Land“.
Berlinguer wollte die großen demokratischen Kräfte des Landes, das heißt die Kommunisten, Sozialisten und Christdemokraten dazu bringen ihre ideologischen Gegensätzen zurückzustellen um die dringendsten nationalen Probleme gemeinsam zu lösen. Vor allem wichtig für Berlinguer war die unmittelbaren ökonomischen Probleme und Interessen der Arbeiterklassen mit den anderen sozialen Gruppen, die hauptsächlich christdemokratisch wählten, in Einklang zu bringen. Um aus der wirtschaftlichen Krise Italiens herauszukommen, waren für Berlinguer drei Grundbedingungen nötig: 1. Eine zielorientierte Wirtschaft, was aber nicht heißen soll, die gesamte Ökonomie zu verstaatlichen, da diese sonst an Rentabilität einbüßen würde. Monopole wie in sozialistischen Ländern (und nicht nur) sollten verhindert werden. 2. Eine stufenweise, allgemeine Umverteilung des Einkommens. 3. Eine tiefe Umgestaltung der politischen Leitung, die vor allem im öffentlichen Sektor Willkür, Zufall, Verschwendung, Kontrolllosigkeit und Klientelwirtschaft verhindern soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Weg der Kommunistischen Partei Italiens hin zur Sozialdemokratisierung und definiert das Ziel der Arbeit, den Prozess des „historischen Kompromisses“ zu untersuchen.
2. Von der Gründung der Kommunistischen Partei Italiens zur Gründung der Republik Italien: Das Kapitel behandelt die Abspaltung der PCI von der PSI, den Widerstand gegen den Faschismus und die politische Etablierung der Partei nach dem Zweiten Weltkrieg.
3. Die Kommunistische Partei Italiens in der Nachkriegszeit: Hier wird die Abkehr vom orthodoxen Sowjetkommunismus hin zu einem eigenständigen italienischen Weg unter Togliatti und dessen Nachfolgern analysiert.
4. Enrico Berlinguer: Der historische Kompromiss und der Eurokommunismus: Dieses Kapitel erläutert die Strategie des historischen Kompromisses sowie die theoretischen und praktischen Grundlagen des Eurokommunismus vor dem Hintergrund der internationalen Lage.
5. Epilog: Der Epilog fasst den gesamten Sozialdemokratisierungsprozess der PCI zusammen und bewertet den langfristigen Wandel der Partei bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion.
Schlüsselwörter
Eurokommunismus, historischer Kompromiss, PCI, Italien, Sozialdemokratisierung, Enrico Berlinguer, Palmiro Togliatti, Antonio Gramsci, Demokratie, Partito Comunista Italiano, Christdemokratie, compromesso storico, Kalter Krieg, Sozialismus, Linksblock.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die politische Entwicklung der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) im 20. Jahrhundert, insbesondere ihren Wandel zur Sozialdemokratie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themen umfassen die Geschichte der PCI, das Verhältnis zum Sowjetkommunismus, den Einfluss des Faschismus, den "historischen Kompromiss" sowie den Eurokommunismus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu erläutern, warum die Kommunisten in Italien einen demokratischen Weg einschlugen und die Zusammenarbeit mit den Christdemokraten suchten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung parteipolitischer Dokumente sowie zeitgenössischer Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Partei, die Ära unter Togliatti, die Strategie von Enrico Berlinguer und die Herausforderungen der Regierung des „Nicht-Misstrauens“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Eurokommunismus, historischer Kompromiss, PCI, Sozialdemokratisierung und der italienische Weg zum Sozialismus.
Warum war der Staatsputsch in Chile 1973 ein Wendepunkt für Enrico Berlinguer?
Der Sturz Allendes verdeutlichte Berlinguer die Notwendigkeit, eine breite demokratische Allianz zu bilden, um eine Destabilisierung Italiens durch außenpolitische und interne Kräfte zu verhindern.
Was verstand man unter der „Regierung des Nicht-Misstrauens“?
Dies war eine Minderheitsregierung unter Andreotti (DC), die von den Kommunisten im Parlament toleriert wurde, ohne dass diese direkt an der Regierung beteiligt waren.
Warum scheiterte das Projekt des historischen Kompromisses letztlich?
Das Projekt scheiterte an internen Widerständen, dem mangelnden Vertrauen der Christdemokraten und einer sich ändernden politischen Stimmung in Italien.
- Citar trabajo
- Mirco Maltauro (Autor), 2012, Eurokommunismus und historischer Kompromiss – Die Sozialdemokratisierung der kommunistischen Partei Italiens in den 70er Jahren, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263931