Lohnsteuer und Sozialversicherung. Steuerfreie Einnahmen im Ertragsteuerrecht


Seminararbeit, 2013

28 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Steuerfreie Einnahmen
2.2 Steuerfreier Arbeitslohn
2.3 Annehmlichkeiten und andere Sachzuwendungen

3 Steuerfreie Einnahmen
3.1 Sonstige steuerfreie Einnahmen und Sondersachverhalte
3.2 Sozialleistungen und ähnliche steuerfreie Einnahmen unter Progressionsvorbehalt
3.2.1 Steuerfreie Einnahmen unter Progressionsvorbehalt
3.2.2 Die steuerliche Wirkung des Progressionsvorbehalts

4 Steuerfreie Einnahmen aus Arbeitsverhältnissen und nebenberuflichen Tätigkeiten
4.1 Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale
4.2 Zuschläge zum Arbeitslohn nach § 3b EStG
4.3 Freiwillige Trinkgelder
4.4 Durchlaufende Gelder und Auslagenersatz
4.5 Werkzeuggeld
4.6 Typische Berufskleidung
4.7 Private Nutzung von Datenverarbeitungsgeräten
4.8 Arbeitgeberleistungen für Kinderbetreuung und Kindergarten
4.9 Gesundheitsförderung
4.10 Sammelbeförderung und Fahrtkostenzuschüsse des Arbeitgebers
4.11 Steuerfreie Erstattung von Reise- und Umzugskosten
4.11.1 Umzugskosten
4.11.2 Reisekosten
4.11.3 Exkurs: „Gesetz zur Änderung und Vereinfachung [...] des steuerlichen Reisekostenrechts

5 Fazit

Anhangverzeichnis mit Anhang

Verzeichnis der Gesetze, Verordnungen, Verwaltungsanweisungen und sonstigen Rechnungslegungsnormen

Rechtsprechungsverzeichnis

Verzeichnis der Internetquellen

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Per 21. März 2013 wurde das „Gesetzes zur Stärkung des Ehrenamtes“ im Bundesgesetzblatt offiziellbekannt gegeben.1 Nach einem langen Entscheidungsweg über acht Länderkammern und kontroversenDiskussionen betreffend einer notwendigen Anpassung, tritt das „Ehrenamtstärkungsgesetz“ damitrückwirkend zum 01. Januar 2013 formell in Kraft. Neben Änderungen im Bereich der Aufwandsentschädigung für rechtliche Betreuungen im Sinne des § 1835a BGB wurden auch im Einkommensteuergesetz sowohl die sogenannte „Übungsleiterpauschale“ (§ 3 Nr. 26 Satz 1 EStG) von bisher 2.100EUR auf 2.400 EUR erhöht und ebenfalls die „Ehrenamtspauschale“ (§ 3 Nr. 26a Satz 1EStG) von500 EUR auf 720 EUR angepasst. Beide Pauschalen regeln, welche Einnahmen aus ehrenamtlicheroder nebenberuflicher Tätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer und aus der Pflegebehinderter, kranker oder alter Menschen, unter bestimmten gesetzlich geregelten Voraussetzungen alssteuerfrei einzustufen sind.2

Obwohl die Bundesrepublik Deutschland ein ausgesprochen umfassendes Steuersystem vorweisen kann, hat der Gesetzgeber im Rahmen seiner Lenkungs-, Umverteilungs- und Subventionszwecke bewusst einkommensteuerliche Befreiungen und Gestaltungsmöglichkeiten geschaffen die Raum für fiskalpolitische Maßnahmen offen lassen.

Im Verlauf dieser Arbeit soll auf Steuerbefreiungen im Allgemeinen, sowie die vorrangig in § 3 EStGgeregelten steuerfreien Einnahmen im Rahmen eines lohn- und sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisses im Besonderen eingegangen werden. Anhand von Beispielrechnungen soll auch dieFunktionsweise und Auswirkung des sogenannten Progressionsvorbehalts verdeutlicht werden.

Gleichzeitig muss darauf hingewiesen werden, dass es aus Vereinfachungsgründen nicht möglich istim Rahmen dieser Seminararbeit eine abschließende Abhandlung sämtlicher Befreiungsvorschriftenvorzunehmen.

Ziel der Arbeit soll es sein, eine Übersicht über die steuerlichen Befreiungsvorschriften und deren lohnsteuerliche Gestaltungsfunktionen durch, vom Gesetzgeber geförderten Gehaltsbausteinen, zu geben. Anhand dreierlei Kriterien sollen die steuerfreien Einnahmen klassifiziert werden, um im Anschluss einzelne Befreiungsvorschriften im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses näher aufzuführen. Abschließend soll sowohl auf Kritikpunkte, als auch die aktuell geplante Gesetzesreform im Bereich des steuerlichen Reisekostenrechts, eingegangen werden.

2 Definitionen

Um sich näher mit dem Begriff der „steuerfreien Einnahmen“ im seminarspezifischen Kontext zu befassen, bedarf es zunächst einer genaueren Einordnung und Abgrenzung der Begriffe „SteuerfreieEinnahme“, „Steuerfreier Arbeitslohn“ und „Annehmlichkeiten und andere Sachzuwendungen“.

2.1 Steuerfreie Einnahmen

Der steuerliche Einnahmenbegriff gem. § 8 EStG umfasst „alle Güter, die in Geld oder Geldeswert bestehen und dem Steuerpflichtigen im Rahmen einer der Einkunftsarten des § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4-7 EStG zufließen.“3 Nummer 4 bis 7 umfasst die Überschusseinkünfte, also Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, Einkünfte aus Kapitalvermögen, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sowie die sonstigen Einkünfte i.S.d. § 22 EStG. Analog dazu gilt diese Nomenklatur ebenso für die Betriebseinnahmen im Rahmen der Gewinneinkunftsarten (§ 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1-3 EStG).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Der Einnahmenbegriff

Die Einnahmen im Rahmen des EStG können in steuerbare und nicht steuerbare Einnahmen untergliedert werden. Nicht steuerbar sind diejenigen Einnahmen die, nicht besteuert werden, weil sie nichteiner der sieben Einkunftsarten zugeordnet werden können. Darunter fallen z.B. Lotterie- und andereSpielgewinne, Einnahmen im Rahmen einer steuerlich unbeachtlichen Liebhaberei (fehlende Gewinnerzielungsabsicht), Erbschaften und Schenkungen und grundsätzlich auch der Verkauf von Privatvermögen.4 5

Steuerbare Einnahmen sind entweder steuerpflichtig nach § 2 EStG oder sie fallen ihrer Art nach untereine der sieben Einkunftsarten, sind aber vom Gesetzgeber aus „wirtschaftspolitischen, sozialpolitischen oder verschiedenen anderen Gründen“6 explizit ganz oder teilweise steuerbefreit. Damit verstehtdas Einkommensteuergesetz unter steuerfreien Einnahmen Zuflüsse in „Geld oder Geldeswert“7, also auch Sachbezüge (z.B. freie Verpflegung), welche ein Steuerpflichtiger im Sinne des EStG erzielt und die aber nach dem EStG oder anderen Befreiungsvorschriften nicht der Besteuerung unterliegen. Dabei ist es nicht entscheidend, ob es sich um laufende oder einmalige Einnahmen handelt, ob ein Rechtsanspruch auf sie besteht, unter welcher Bezeichnung oder in welcher Form sie gewährt werden und ob sie dem ursprünglich Bezugsberechtigten oder seinem Rechtsnachfolger zufließen.8

Ein umfangreicher Katalog sämtlicher einkommensteuerlicher, zum größten Teil sachlicher Steuerbefreiungsvorschriften, aber auch Vergünstigungen in der Bemessungsgrundlage, finden sich in § 3EStG. Sachliche Steuerbefreiungsvorschrift bedeutet, dass ein an sich steuerpflichtiger Vorgang odereine steuerpflichtige Tätigkeit im Rahmen von Steuerungs-, Umverteilungs- oder Subventionszweckenvon der Besteuerung ausgenommen sein soll.9 Die Vorschrift des § 3 EStG umfasst derzeit rund 70Positionen, teilweise mit umfangreichen Untergliederungen (z.B. § 3 Nr. 40 Buchstabe a bis j EStG).Andere steuerfreie Einnahmen, wie die Befreiung bestimmter Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- undNachtarbeit finden sich in § 3b EStG, in DBAs und weiteren korrespondierenden Befreiungsvorschriften.10

Allgemein gilt nach § 3c EStG, dass Ausgaben, die mit steuerfreien Einnahmen in „unmittelbarem wirtschaftlichem Zusammenhang“11 stehen, nicht gleichzeitig als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden dürfen.12 Der Gesetzgeber will durch das Abzugsverbot, für unmittelbar zueinander in Bezug stehenden Aufwendungen, eine Doppelbegünstigung vermeiden, d.h. soweit Ausgaben mit steuerfreien Einnahmen direkt zusammenhängen, ist von einer steuermindernden Berücksichtigung im Zuge der Einkommensteuerveranlagung abzusehen. Die gesetzliche Grundlage für das Verrechnungsverbot findet sich u.a. gem. § 3c Abs. 2 EStG im Bereich des Teileinkünfteverfahrens. Hier ist das Abzugsverbot auf den begünstigten Teil (40 %) der dort genannten Aufwendungen begrenzt, während der darüber hinaus verbleibende Teil (60 %) für abziehbar erklärt wird. Als weitere Ausnahmeregelungen lassen sich auch das Reisekostenrecht und der Werbungskostenabzug in den Bereichen der Ehrenamts- und Übungsleiterpauschalen nennen.13

2.2 Steuerfreier Arbeitslohn

Im Kontext dieser Arbeit ist insbesondere auch der steuerliche Arbeitslohnbegriff, also die Art vonEinnahmen die einem Arbeitnehmer aus einem gegenwärtigen oder früheren Dienstverhältnis zufließen als „Gegenleistung für das Zurverfügungstellen der individuellen Arbeitskraft“14 von Bedeutung.

Zwar enthält das Einkommensteuergesetz keine konkrete Definition des Begriffes Arbeitslohn, jedoch kann diese aus § 19 Abs. 1 EStG in Verbindung mit § 8 Abs. 1 EStG und § 2 LStDV abgeleitet werden.15 Geregelt ist, dass zu den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit sämtliche Bezüge und Vorteile gehören, unabhängig von der Bezeichnung oder Form, die einem Arbeitnehmer aus einem Dienstverhältnis (öffentlich oder privat) zufließen.16 Arbeitslohn umfasst also grundsätzlich jede Art von geldwertem Vorteil, der durch das einzelne gegenwärtige, zukünftige oder vergangene Dienstverhältnis veranlasst ist und damit der Lohnsteuerpflicht und dem Beitragsabzug zur Sozialversicherung unterliegt. Auch in diesem Bereich gibt es bestimmte Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit, die von Rechtsprechung und Verwaltung explizit steuerfrei gestellt sind.17

2.3 Annehmlichkeiten und andere Sachzuwendungen

Handelt es sich um Aufwendungen des Arbeitgebers im „überwiegend eigenbetrieblichen Interesse“18,sind diese Gegenleistungen oder Vorteile in Geldeswert als nicht steuerbarer Arbeitslohn einzustufen.Das ist dann der Fall, wenn sich aus den „Begleitumständen wie zum Beispiel Anlass, Art und Höhedes Vorteils, Auswahl der Begünstigten, freie oder nur gebundene Verfügbarkeit, Freiwilligkeit oderZwang zur Annahme des Vorteils“19 ergibt, dass eine betriebliche Zielsetzung vollständig im Vordergrund steht und ein damit einhergehendes eigenes Interesse des Arbeitnehmers den betreffenden Vorteil zu erlangen, vernachlässigt werden kann. (z.B. herkömmliche Betriebsveranstaltungen, Fortbildungskosten, Vorsorgeuntersuchungen, die Bereitstellung von Aufenthalts-, Erholungs- und Fitnessräumen, aber auch die Übernahme von Kammerbeiträgen durch den Arbeitgeber).20

Daneben sind auch sogenannte Annehmlichkeiten (Aufmerksamkeiten) i.S.d. R 19.6 LStR 2011 keinherkömmlicher steuer- und beitragspflichtiger Arbeitslohn, soweit es sich um Sachleistungen, nichtaber um Geldzuwendungen anlässlich eines besonderen, persönlichen Ereignisses handelt. Geldzuwendungen gehören stets zum Arbeitslohn, auch wenn es sich dabei um einen geringen Wert handelt.21 Dagegen sind Sachleistungen des Arbeitgebers bis zu einem Wert von 40 EUR (einschließlichUSt), die im gesellschaftlichen Verkehr üblichen Maß gewährt werden und zu keiner „objektiven“22 Bereicherung führen, nicht steuerpflichtig. Darunter fallen z.B. Gelegenheitsgeschenke wie Blumen,Bücher, CDs, Eintrittskarten für Theater, Konzert, Schwimmbad usw. Außerdem Getränke und Genussmittel, die der Arbeitgeber den Mitarbeitern zum Verzehr im Betrieb kostenlos oder verbilligt überlässt wie Kaffee oder Wasser etc. Die Freigrenze kann unter gegebenen Umständen (Namenstag,

Geburtstag, Hochzeit, bestandene Prüfung) auch mehrfach ausgeschöpft werden. Darüber hinaus gibt es auch eine Freigrenze nach § 8 Abs. 2 Satz 9 EStG für Sachbezüge von bis zu 44 EUR monatlich, unabhängig davon, ob ein besonderer Anlass vorliegt (z.B. Tankgutscheine, Jobtickets).

3 Steuerfreie Einnahmen

Folgende Übersicht enthält eine Sammlung diverser Steuerbefreiungen, wobei der Fokus hier im Wesentlichen im Bereich des Einkommensteuergesetzes liegt. Die Tabelle soll die umfassenden Befreiungsvorschriften klassifizieren und systematisch aufzeigen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit und notwendiger Vereinfachung enthält die Tabelle nur ausgewählte Bereiche, auf die im Detail in ausgewählten Einzelbeispielen im Hauptteil der Arbeit eingegangen werden soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Klassifizierungstabelle für sämtliche steuerfreie Einnahmen23

3.1 Sonstige Steuerbefreiungen und Sondersachverhalte

Sonstige steuerfreie Einnahmen kennt das Gesetz beispielsweise in diesen Bereichen:

- Betriebseinnahmen und Einnahmen aus Vermögenswerten

Hierunter fällt beispielsweise das sogenannte Teileinkünfteverfahren. Demnach sind Einnahmen gem. § 3 Nr. 40 EStG nur zu 60 % steuerpflichtig bzw. zu 40 % steuerbefreit. Dies sind insbesondere Erträge aus der Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften (vor allem GmbH, AG), sowie Gewinnausschüttungen (Dividenden) aus diesen. Die Regelung gilt sowohl für Anteile, welche im Betriebsvermögen gehalten werden, als auch für Anteile der privaten Vermögensebene. Gleichzeitig greift in diesem Zusammenhang § 3c EStG, demnach sind Aufwendungen im Zusammenhang mit diesen Erträgen nur zu 60 % abziehbar.24

Im Einkommensteuergesetz befindet sich in § 13 Abs. 4 Satz 5 und 6 auch eine besondere Befreiungsvorschrift für Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft. Hier werden Einnahmen aus Entnahme oderVeräußerung der (Betriebs-)Wohnung unter bestimmten Voraussetzungen und zeitlichen Merkmalensteuerfrei gestellt.

§ 3 EStG nennt weitere Leistungen und Bezüge welche steuerfrei gestellt sind. Dies sind u.a.:

- Versorgungs-/ Entschädigungsleistungen
- Leistungen zur Förderung von Wissenschaft, Forschung, Bildung, Erziehung, Kunst und Kultur
- Ehrenbezüge
- Bezügen auf Grund von Leistungen zur Erfüllung der Wehr- und Zivildienstpflicht bzw. Vergü tungen an den Bundesfreiwilligendienst leistende Personen

Die nachfolgenden Sachverhalte stellen teilweise keine steuerfreien Einnahmen im eigentlichen Sinnedar. Da sie jedoch gut in den weiteren Kontext dieser Arbeit passen, soll hier kurz darauf eingegangenwerden.

- Investitionszulagen gem. Investitionszulagengesetz

Investitionszulagen sind per Gesetz keine Einkünfte. So lautet § 13 InvZulG: „Die Investitionszulagegehört nicht zu den Einkünften im Sinne des Einkommensteuergesetzes. Sie mindert nicht die steuerlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten.“ Somit sind Investitionszulagen nicht steuerbar.25

- Härtefallregelung für Nebeneinkünfte gem. § 46 Abs. 3 EStG

Eine zweite einkommensteuerliche Besonderheit ist die sogenannte Härtefallregelung. Korrespondierend zu der im Abschnitt 3.2.2 genannten Meldepflicht steuerfreier Einnahmen mit Progressionsvorbehalt nach § 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG, besteht nach § 46 Abs. 3 EStG eine steuerliche Freigrenze von410 EUR für sämtliche Nebeneinkünfte. Übersteigt die Summe der Nebeneinkünfte 410 EUR, ist eine gewöhnliche Veranlagung durchzuführen, bei der jedoch zudem nach § 46 Abs. 5 EStG i.V.m. § 70 EStDV die „Abschmelzregelung“ zu beachten ist.

- Pauschalierung der Lohnsteuer für Teilzeitbeschäftigte und geringfügig Beschäftigte

Eine ähnliche aber weitaus bekanntere „steuerliche Freistellung“ findet man im Bereich der sogenannten Mini-Jobs (geringfügige Beschäftigung). Gem. § 40a EStG können Arbeitnehmer bis zu 450 EURpro Monat unter sozialversicherungsrechtlichen und lohnsteuerrechtlichen Besonderheiten hinzuverdienen. Dabei ist die geringfügige Beschäftigung keinesfalls (Lohn-)steuerfrei, der Arbeitgeber hatjedoch das Wahlrecht, die Lohnsteuer mit 2 % zu pauschalieren und somit mit Abgeltungswirkung fürseinen Arbeitnehmer zu übernehmen (§ 40a EStG). Unterbleibt eine Pauschalierung, so ist das Arbeitsentgelt regulär zu versteuern.

- Steuerbefreiungen nach DBA und anderen zwischenstaatlichen Übereinkommen

Bestimmte ausländische Einkünfte können nach einem Doppelbesteuerungsabkommen oder sonstigen zwischenstaatlichen Übereinkommen steuerfrei gestellt werden. Dabei sollen DBA im Wesentlichen regeln, dass Einkünfte, welche in beiden Ländern gemäß der dort geltenden Rechtslage steuerpflichtig wären, tatsächlich nur in einem Land besteuert werden. Das andere Land entlastet diese Einkünfte dann in der Regel entweder durch das Anrechnungsverfahren oder durch das Freistellungsverfahren ggf. unter Progressionsvorbehalt. Der Progressionsvorbehalt und dessen steuerliche Wirkungsweise soll im nachfolgenden Abschnitt näher erläutert werden.

3.2 Sozialleistungen und ähnliche steuerfreie Einnahmen unter Progressionsvorbehalt

Aus Abbildung 2 geht hervor, dass ein Teilbereich der steuerfreien Einnahmen diverse Sozialleistungen sind. Ein Großteil der dort aufgeführten steuerfreien Einnahmen fällt gem. § 32b EStG als Lohnersatzleistung im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung unter den Progressionsvorbehalt.

3.2.1 Steuerfreie Einnahmen unter Progressionsvorbehalt

Die jeweiligen Einnahmen unter Progressionsvorbehalt unterliegen nicht direkt der Steuerpflicht, allerdings haben sie Auswirkung auf den Steuersatz der anderen Einkünfte bzw. erhöhen die Bemessungsgrundlage, von der wiederum die Steuerlast zu ermitteln ist. Die steuerfreien Einnahmen werdenzur Berechnung des zu versteuernden Einkommens bzw. des Steuersatzes für die verbleibenden steuerpflichtigen Einkünfte zunächst mit zugeschlagen, letztendlich aber nicht direkt besteuert. Im Ergebnis können die übrigen steuerpflichtigen Einkünfte einem (progressiv) höheren oder in wenigen Ausnahmefällen, auch niedrigeren26 Steuersatz unterliegen als ohne steuerfreie Einnahmen, denn auchsteuerfreie Einnahmen erhöhen die steuerliche Leistungsfähigkeit. Dieser i.d.R. höhere Steuersatz wirdauch als besonderer Steuersatz bezeichnet und stellt rechnerisch eine Art Quasi-Besteuerung der steuerfreien Einnahmen in Höhe des Unterschiedsbetrages, der sich aus dem individuellen Steuersatz ohneProgressionsvorbehalt und dem Steuersatz mit Progressionsvorbehalt ergibt, dar.

[...]


1 Vgl. BGBl 2013 I, Nr. 15, vom 28.03.2013, Gesetz zur Stärkung des Ehrenamtes.

2 Vgl. hib, Nr.19, NWB-News zum Steuerrecht, Gesetzgebung: Ehrenamt wird gestärkt, 2013, unter http://www2.nwb.de/portal/content/ir/service/news/news_1335461.aspx, (10.06.2013) und Bundestag online, NWB-Newszum Steuerrecht, Gesetzgebung: Stärkung des Ehrenamtes beschlossen, 2013, unter http://www2.nwb.de/portal/content/ir/service/news/news_1338419.aspx, (10.06.2013).

3 § 8 Abs. 1 EStG.

4 Ausnahmen hierzu finden sich in: § 17 EStG; § 20 Abs. 2 EStG; § 23 EStG; § 21 UmwStG (zit. nach Geserich, S., Steuerfreie Einnahmen, 2012, unter http://www.haufe.de/steuern/steuer-office/steuerfreie-einnahmen-1-nicht-steuerbare-einnahmen_idesk_PI27_HI2221787.html, (10.06.2013).

5 Vgl. Geserich, S., Steuerfreie Einnahmen, 2012, unter http://www.haufe.de/steuern/steuer-office/steuerfreie-einnahmen-1-nicht-steuerbare-einnahmen_idesk_PI27_HI2221787.html, (10.06.2013).

6 Seigel, G., Betriebliche Steuerlehre, 2002, S. 63.

7 § 8 Abs. 1 EStG.

8 Vgl. A. Liebig, Arbeitslohn und Arbeitsentgelt, 2013, unter http://www.lohn-info.de/arbeitslohn.html, (10.06.2013).

9 Vgl. Jochum, G., Die Steuervergünstigung, 2006, S. 148.

10 Vgl. Seigel, G., Betriebliche Steuerlehre: Arbeitsbuch, 2001, S. 63.

11 Ein unmittelbarer wirtschaftlicher Zusammenhang liegt vor, wenn Einnahmen und Ausgaben durch dasselbe Ereignis veranlasst sind.

12 Siehe § 3c Abs. 1 EStG.

13 Vgl. Hartmann, R., Abzugsverbot für Werbungskosten bei steuerfreien Einnahmen, 2012, unter http://www.haufe.de/finance/finance-office-professional/abzugsverbot-fuer-werbungskosten-bei-steuerfreien-einnahmen_idesk_PI11525_HI2333984.html, (10.06.2013).

14 R 70 LStR, R 19.3 EStR, siehe aber auch H 19.3 ’Allgemeines’.

15 Vgl. Schönfeld, W./ Plenker, J., Lexikon für das Lohnbüro 2013, 2013, S. 7.

16 § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG.

17 Vgl. Wenning, J., Arbeitslohn, 2013, S. 1, NWB infoCenter Beitrag (Fundstelle: LAAAB-14424) bzw. http://www1.nwb-datenbank.de/nwb9/main.aspx?sid=ca1kuzo4&kaufschritt=Default&dokurl=content%2fdms%2finfoCenter%2fdata%2f000%2f123%2f000123563_0001_index.xml&shigh=arbeitslohn&aktion=DokumentAnzeigen, (10.06.2013).und Wolf, M., Sämtliche Möglichkeiten lohnsteuerfreier Zuwendungen des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer, 1979, S. 9.

18 Spahn, M., Besteuerung des Arbeitslohns der Arbeitnehmer, 2.5.1 Überwiegend eigenbetriebliches Interesse, 2012, unterhttp://www.haufe.de/finance/finance-office-professional/besteuerung-des-arbeitslohns-der-arbeitnehmer-251-ueberwiegend-eigenbetriebliches-interesse_idesk_PI11525_HI2529407.html, (10.06.2013).

19 BFH-Urteil vom 07.07.2004 VI R 29/00 (zit. nach Schönfeld, W./ Plenker, J., Lexikon für das Lohnbüro 2013, 2013, S. 7).

20 Wenning, J., Arbeitslohn, 2013, S. 2, NWB infoCenter Beitrag (Fundstelle: LAAAB-14424) bzw. siehe Link (FN 17).

21 Vgl. R 19.6 Abs. 1 S. 3 LStR 2011.

22 Rick, E./Gunsenheimer, G./Martin, U./Schneider J., Lehrbuch der Einkommensteuer, 2002, S. 84, Abs. 125.

23 Vgl. Vanheiden, U., Steuerfreie Einnahmen, 2013, NWB infoCenter Beitrag (Fundstelle: NAAAB-04884) bzw. unterhttp://www1.nwb- datenbank.de/nwb9/main.aspx?sid=ca1kuzo4&kaufschritt=Default&dokurl=content%2fdms%2finfoCenter%2fdata%2f000%2f114%2f000114100_0001_index.xml&shigh=steuerfreie%2beinnahmen&aktion=DokumentAnzeigen (10.06.2013).

24 Vgl. Abschnitt 2.1.

25 Vgl. Abbildung 1, S. 2.

26 In Ausnahmefällen kann er auch zu einem niedrigeren Durchschnittssteuersatz führen, welcher dann als negativer Progressionsvorbehalt bezeichnet wird, nämlich dann, wenn die als „steuerfrei“ außer Acht gelassenen Beträge negativ sein sollten z.B. negative Auslandseinkünfte, Rückzahlung von Lohnersatzleistungen im Folgejahr.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Lohnsteuer und Sozialversicherung. Steuerfreie Einnahmen im Ertragsteuerrecht
Hochschule
Universität Augsburg  (Betriebswirtschaftslehre)
Veranstaltung
Ertragsbesteuerung
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
28
Katalognummer
V263936
ISBN (eBook)
9783656529606
ISBN (Buch)
9783656535812
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lohnsteuer, sozialversicherung, steuerfreie, einnahmen, ertragsteuerrecht
Arbeit zitieren
Matthias Mantel (Autor), 2013, Lohnsteuer und Sozialversicherung. Steuerfreie Einnahmen im Ertragsteuerrecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263936

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