Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Literature - Comparative Literature

Stefan Zweigs 'Amokläufer' zwischen Ereignis und Nicht-Ereignis

'Wissen Sie, was Amok ist?'

Title: Stefan Zweigs 'Amokläufer' zwischen Ereignis und Nicht-Ereignis

Term Paper (Advanced seminar) , 2013 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Carolin Hildebrandt (Author)

Literature - Comparative Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Amok ist Ambivalenz:
Vergangenheit[Seite 2] und Modernität[Seite 5f.]
Krankheit[Seite 4] und Gesundung[Seite 6]
das Fremde[Seite 4] und das Eigenste[Seite 7]
passive Beobachtung[Seite 10f.] und totale Aktion[Seite 7]
Unmöglichkeit[Seite 5] und absolute Präsenz[Seite 12]
Ereignis[Seite 20] und Nachahmungsstruktur[Seite 18]
Ursache wie Symptom[Seite 17]
Wie soll ich meine Gedanken, meinen Schreibakt strukturieren, steht doch das Ereignis, der Gegner der Struktur im Fokus meines gegenwärtigen Schaffens? So sehr ich es auch versuche, alles scheint sich der Ordnung zu widersetzen; immer wieder treten neue Aspekte auf den Plan, die ihr Recht einfordern und sich ereignen wollen. Ich muss versuchen mit dem Ursprung zu beginnen…
Die Provenienz des Amok gestaltet sich (oder wird gestaltet?) ebenso uneindeutig wie der Verlauf seiner Weiterentwicklung, was in der Tatsache begründet liegen mag, dass unterschiedlichste Aktionen unter jenem Begriff zusammengefasst und transformiert wurden, deren äußere Erscheinungsbilder zwar ähnlich anmuten , deren Ursachen und - im wörtlichsten aller Sinne - Beweggründe aber in gänzlich divergierende Richtungen strömen. Schon im 16. und 17. Jahrhundert gab es Berichte europäischer (!) Reisender über ungewöhnliche, gewalttätige Verhaltensausbrüche unter den Eingeborenen Malaysias und Indiens, teilweise mit militärischem Hintergrund, teilweise eingebettet in einen religiösen Kontext oder aber besetzt mit einer gewissen gesellschaftlichen Problematik des jeweiligen Amokläufers. Stefan Zweig hält sich vordergründig mit den entworfenen Bildern in seiner Novelle an jenen idealtypischen Amokläufer, der im Zuge des Kolonialismus (wie vieles andere auch) „seiner kulturellen Bedeutung beraubt“ wurde und seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zum Inbegriff des primitiven, wilden Anderen stereotypisiert wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Rahmen

2.1 Amok ist Ambivalenz

2.2 Die Provenienz des Amok

2.3 Die Kategorie des malayischen Amokläufers

2.4 Postkoloniale Bemühungen

2.5 Die Verlagerung der Demarkation in ein Krankheitsbild

2.6 Die Moderne und die Zivilisation

2.7 Der moderne Amoklauf

2.8 Die Rolle der Medien

2.9 Die Transformation in der Novelle

Zielsetzung & Themen der Publikation

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Amoklaufs, insbesondere dessen Darstellung und Deutung in Stefan Zweigs Novelle "Der Amokläufer", vor dem Hintergrund postkolonialer Machtstrukturen und der medialen Vermittlung von Ereignissen in der modernen Gesellschaft.

  • Kulturelle Konstruktion und Stereotypisierung des "Anderen"
  • Machtverhältnisse zwischen Kolonisator und Kolonisiertem
  • Einfluss der Moderne und Industrialisierung auf die Psyche
  • Mediale Inszenierung und Relativierung von Ereignissen
  • Die Rolle von Sprache und Erzählstruktur bei der Amok-Deutung

Auszug aus dem Buch

Die Ambivalenz und das Ereignis des Amok

Die Provenienz des Amok gestaltet sich (oder wird gestaltet?) ebenso uneindeutig wie der Verlauf seiner Weiterentwicklung, was in der Tatsache begründet liegen mag, dass unterschiedlichste Aktionen unter jenem Begriff zusammengefasst und transformiert wurden, deren äußere Erscheinungsbilder zwar ähnlich anmuten, deren Ursachen und - im wörtlichsten aller Sinne - Beweggründe aber in gänzlich divergierende Richtungen strömen.

Schon im 16. und 17. Jahrhundert gab es Berichte europäischer (!) Reisender über ungewöhnliche, gewalttätige Verhaltensausbrüche unter den Eingeborenen Malaysias und Indiens, teilweise mit militärischem Hintergrund, teilweise eingebettet in einen religiösen Kontext oder aber besetzt mit einer gewissen gesellschaftlichen Problematik des jeweiligen Amokläufers. Stefan Zweig hält sich vordergründig mit den entworfenen Bildern in seiner Novelle an jenen idealtypischen Amokläufer, der im Zuge des Kolonialismus (wie vieles andere auch) „seiner kulturellen Bedeutung beraubt“ wurde und seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zum Inbegriff des primitiven, wilden Anderen stereotypisiert wird.

Also Amok… ja, Amok, das ist so: Ein Malaie, irgendein ganz einfacher, ganz gutmütiger Mensch, trinkt sein Gebräu in sich hinein… er sitzt da, stumpf, gleichmütig, matt […] und plötzlich springt er auf, faßt den Dolch und rennt auf die Straße… rennt geradeaus, immer nur geradeaus… ohne zu wissen wohin… Was ihm in den Weg tritt, Mensch oder Tier, das stößt er nieder mit seinem Kris, und der Blutrausch macht ihn nur noch hitziger… Schaum tritt dem Laufenden vor die Lippen, er heult wie ein Rasender… aber er rennt, rennt, rennt, sieht nicht mehr nach rechts, sieht nicht mehr nach links, rennt nur mit seinem gellen Schrei, seinem blutigen Kris in dieses entsetzliche Geradeaus… Die Leute in den Dörfern wissen, daß keine Macht einen Amokläufer aufhalten kann… so brüllen sie warnend voraus, wenn er kommt: ›Amok! Amok!‹, und alles flüchtet… er aber rennt, ohne zu hören, rennt, ohne zu sehen, stößt nieder, was ihm begegnet… bis man ihn totschießt wie einen tollen Hund oder er selbst schäumend zusammenbricht…

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die thematische Auseinandersetzung mit Stefan Zweigs "Der Amokläufer" ein und beleuchtet die Suche des Autors nach einer kreativen Auseinandersetzung mit dem Phänomen Amok.

2. Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel verortet das Phänomen Amok theoretisch und diskursiv innerhalb von Literatur, Psychologie und gesellschaftlichen Diskursen.

2.1 Amok ist Ambivalenz: Hier werden die widersprüchlichen Aspekte des Amokphänomens skizziert, von Vergangenheit und Modernität bis hin zu Krankheit und Ereignishaftigkeit.

2.2 Die Provenienz des Amok: Der Abschnitt behandelt die historische Herkunft und die uneindeutige Entwicklung des Amok-Begriffs seit den ersten kolonialen Berichten.

2.3 Die Kategorie des malayischen Amokläufers: Hier wird analysiert, wie die Konstruktion des "malayischen Amokläufers" in koloniale Wahrnehmungsstrategien eingebettet ist.

2.4 Postkoloniale Bemühungen: Dieses Kapitel diskutiert die Relevanz postkolonialer Paradigmen für das Verständnis von Machtverhältnissen und die Konstruktion des "Fremden".

2.5 Die Verlagerung der Demarkation in ein Krankheitsbild: Der Autor untersucht, wie die Interpretation von Amok als Krankheit dient, um die westliche Identität vor dem "Import der Fremdheit" zu schützen.

2.6 Die Moderne und die Zivilisation: Hier wird der Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Arbeitsteilung, Zivilisation und der Entstehung von psychischen Spannungen erörtert.

2.7 Der moderne Amoklauf: Dieses Kapitel differenziert zwischen dem ursprünglichen und dem modernen Amoklauf als Ausdruck gesellschaftlicher Entgrenzung.

2.8 Die Rolle der Medien: Der Abschnitt analysiert die Macht und die manipulative Wirkung der Massenmedien bei der Berichterstattung über Gewaltphänomene.

2.9 Die Transformation in der Novelle: Abschließend wird betrachtet, wie Stefan Zweigs Novelle durch ihre literarische Form selbst als Ereignis wirkt und Deutungsräume eröffnet.

Schlüsselwörter

Amok, Stefan Zweig, Postkolonialismus, Ereignis, Zivilisationskritik, Medienmacht, Gewalt, Moderne, Identität, Fremdwahrnehmung, Krankheitsbild, Entgrenzung, Literaturwissenschaft, Soziologie, Kommunikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen des Amoklaufs und analysiert, wie dieses in Stefan Zweigs Novelle "Der Amokläufer" sowie im gesellschaftlichen Diskurs konstruiert, gedeutet und medial verarbeitet wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernbereichen zählen die kulturhistorische Herkunft des Begriffs Amok, postkoloniale Machtverhältnisse, die Rolle der modernen Zivilisation bei der Entstehung von Gewalt und die mediale Inszenierung von Ereignissen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, das Phänomen Amok als ein Ereignis zu begreifen, das die Normalität durchbricht, und zu untersuchen, wie Medien und Gesellschaft versuchen, diesen Störfaktor durch Einordnung, Kategorisierung und Medialisierung zu "neutralisieren".

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse, die postkoloniale Theorien, gesellschaftskritische Ansätze sowie medientheoretische Konzepte zur Untersuchung der Novelle heranzieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Amok-Begriffs, die psychologische Einordnung als Krankheit zur Wahrung westlicher Identität, die Rolle der Technik und Geschwindigkeit in der Moderne sowie die destruktive Rolle der Massenmedien bei der "Fabrikation von Nicht-Ereignissen".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Amok, Postkolonialismus, Ereignis, Medienmacht, Zivilisationskritik, Identität, Entgrenzung und mediale Konstruktion.

Wie unterscheidet der Autor zwischen dem ursprünglichen und dem modernen Amokläufer?

Der ursprüngliche Amokläufer wird als kulturell "fremdes" Phänomen betrachtet, während der moderne Amokläufer als ein Nachahmer gesehen wird, der in einem hochgradig medialisierten und entfremdeten Gesellschaftssystem handelt.

Welche Rolle spielt der Erzähler in Stefan Zweigs Novelle nach Ansicht des Autors?

Der Erzähler wird als eine Art "blinder Passagier" verstanden, der das Versprechen der Geheimhaltung bricht und dem Leser durch die Vermittlung der Geschichte eine Interpretation aufzwingt, die das ursprüngliche Ereignis erneut relativiert.

Excerpt out of 23 pages  - scroll top

Details

Title
Stefan Zweigs 'Amokläufer' zwischen Ereignis und Nicht-Ereignis
Subtitle
'Wissen Sie, was Amok ist?'
College
University of Erfurt  (Philosophische Fakultät)
Course
Ereignistheorien
Grade
1,0
Author
Carolin Hildebrandt (Author)
Publication Year
2013
Pages
23
Catalog Number
V263941
ISBN (eBook)
9783656528944
ISBN (Book)
9783656530268
Language
German
Tags
stefan zweigs amokläufer ereignis nicht-ereignis wissen amok
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Carolin Hildebrandt (Author), 2013, Stefan Zweigs 'Amokläufer' zwischen Ereignis und Nicht-Ereignis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263941
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  23  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint