Die Durchführung von Due-Diligence-Prüfungen


Hausarbeit, 2013

21 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Due Diligence in Theorie und Praxis...

2.1 Einsatz und Ziel

2.2 Arten der Due Diligence

2.3 Umfang der Due Diligence

2.4 Durchführung der Due Diligence

3. Die Prinzipal-Agent-Theorie und ihre Anwendung auf Due-Diligence-Untersuchungen

4. Lösung der Interessenkonflikte und Wahrung der Unabhängigkeit der Berater

5. Fazit.

Literaturverzeichnis..

Anhang

1. Einleitung

In den letzten Jahrzehnten ist, mit Einbrüchen durch die Dotcom-Blase 2000 und die Finanzkrise 2008, die Anzahl der M&A-Transaktionen stark gestiegen, von unter 5.000 in den 1980er Jahren bis auf den bisherigen Höhepunkt von über 46.000 im Jahre 2007(Institute of Mergers, Acquisitions and Alliances, 2013, S. 4).

Dennoch sind nicht alle Transaktionen erfolgreich; tatsächlich führen bei kapitalmarktorientierten Firmen zwei Drittel der Mergers und Acquisitions zu einer negativen Rendite (Neue Zürcher Zeitung, 2008). Dies ließe sich durch eine bessere Analyse des Zielunternehmens vermeiden (Benner, 2008, S. 2). Um eine schlechte Transaktion zu vermeiden, bieten unter anderemWirtschaftsprüfungsunternehmen sogenannte Due-Diligence-Prüfungen an.Hier wirddas zu übernehmende oder für den Zusammenschluss auserkorene Unternehmen auf Risiken und auch mögliche Synergien hin überprüft wird.Dadurch werden die Informationsasymetrien in der Verkaufsverhandlung abgebaut. Due-Diligence-Untersuchungen werden nicht nur für Firmen durchgeführt, sondern auch für Teile von Firmen oder einzelne Assets (z. B. Immobilien). Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt jedoch auf der Akquisition ganzer Firmen.

Da es keine gesetzlichen Vorgaben für die Durchführung einer Due Diligence gibt (im Gegensatz z. B. zu der Prüfung von Jahresabschlüssen), haben die prüfenden Berater die Möglichkeit, auf das Ergebnis der Due Diligence Einfluss zu nehmen. Dies kann potentiell zu Interessenkonfliktenführen, wie sie beispielsweise bekannt sind aus dem klassischen M&A, wie es von Investmentbanken durchgeführt wird (die eine am Wert der Transaktion orientierte Entlohnung erhalten und daher daran interessiert sind, dass die Transaktion zustande kommt, und zwar zu einem hohen Preis), oder von Rating-Firmen(die ihren eigenen Auftraggeber kritisch überprüfen sollen und dabei nicht daran interessiert sind, ihren Mandanten aufgrund zu schlechter Bewertung zu verlieren).Es ist daher zu untersuchen, ob auftretende Interessenkonflikte gelöst werden können.

Ich werde in dieserArbeit zunächst mit einer allgemeinen Beschreibung von Due-Diligence-Prüfungen beginnen, erklären wann und wozu sie eingesetzt werden, welche Arten von Due Diligence unterschieden werden, und wie bei der Prüfung vorgegangen wird. Im Anschluss gehe ich auf den theoretischen Hintergrund von Prinzipal-Agent-Interessenkonflikten ein und erläutere, inwiefern die Theorie auf Due-Diligence-Prüfungen anwendbar ist. Zum Schluss wird am Beispiel der Ernst & Young GmbH (EY) gezeigt, wie die Interessenkonflikte gelöst werden und die Unabhängigkeit der Berater somit gewährleistet wird.

2. Due Diligence in Theorie und Praxis

Der Begriff “Due Diligence” stammt aus dem US-amerikanischen Securities Exchange Act von 1933. Broker-Händler konnten sich dadurch bei einer Anklage, sie hätten den Investoren vor dem Kauf unzureichende Informationen über Wertpapiere zukommen lassen, verteidigen, sie hätten mit erforderlicher Sorgfalt (also „due diligence“) gehandelt, wenn die den Investoren fehlenden Informationen auch ihnen nicht bekannt waren(Berens, Mertens, & Strauch, 2008, S. 7-9). Der Begriff wurde später allgemein auf die sorgfältige Analyse eines Objekts (z. B. einer Firma oder Immobilie) vor dem Abschluss einer Transaktion ausgeweitet.Mit der Due-Diligence-Prüfung werden alle für die Transaktion wesentlichen Fakten überprüft. Hierdurch ist die Due Diligence von der Jahresabschlussprüfung und der Unternehmensbewertung abzugrenzen: erstere ist gesetzlich vorgeschrieben und normiert und letztere ist zwar meistens ein Teil der Due Diligence, berücksichtigt aber nicht etwaige individuelle Risiken und Chancen bei einer Fusion oder Akquisition mit bzw. durch den Käufer.

Der Auftraggeber kann frei entscheiden, wer die Due Diligence durchführen soll. Meist geht der Auftrag an Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wie EY, aber auch andere Berater, die sich auf Transaktionsgeschäfte spezialisiert haben, kommen in Frage. Den Jahresabschlussprüfern der beteiligten Unternehmen ist es aber aufgrund der mangelnden Unabhängigkeit juristisch meist nicht erlaubt, eine Due Diligence durchzuführen (Hölscher, Nestler, & Otto, 2007, S. 36-37).

2.1 Einsatz und Ziel

Die Due Diligence als Analyse eines Zielobjekts soll vor einer Transaktion vorhandene Informationsasymetrien abbauen und zudem realisierbare Synergien feststellen. Zu einer solchen Untersuchungist der Kaufinteressent allerdings nicht verpflichtet, auch nicht für die Aufrechterhaltung von Gewährleistungsansprüchen.

Es gibt verschiedene Anlässe zur Durchführung einer Due Diligence, darunter:

1. Der häufigste Anlass ist eine klassische Transaktion, die vom potentiellen Käufer in Auftrag gegeben wird (sogenannte Buy Side Due Diligence).
2. Ebenso ist es möglich, dass die Prüfung vom Verkäufer in Auftrag gegeben wird (sogenannte Vendor Side oder Sell Side Due Diligence), Anlass ist dabei nicht nur eine klassische Transaktion, sondern auch einBieter- oder Auktionsverfahren.
3. Vor einem Börsengang (IPO)wird ebenfalls eine Vendor Side Due Diligence durchgeführt.
4. Ein weiterer Anlass für eine Vendor Due Diligence ist ein Management Buyout.
5. Im Rahmen einer Sanierung wird auch oft eine Due Diligence durchgeführt.
6. Daneben dient eine Due Diligence auch zur Exkulpationder Entscheidungsträger nach den oben genannten Prozessen.
7. Zur gesetzlich motivierte Unternehmensbewertungen können Anlass für eine Due Diligence sein.

Im klassischen Falle, der Buy Side Due Diligence, werden drei Dinge festgestellt: die Chancen der Investition für den Käufer, die Risiken bei der Übernahme und die wichtigsten Werttreiber des Zielunternehmens(Hölscher, Nestler, & Otto, 2007, S. 1). Die Due Diligence soll hierbei die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Transaktion steigern und der Mandant soll eine dokumentierte Begründung erhalten, ob er das Zielunternehmen kaufen sollte oder nicht (Nachescu, 2010, S. 115-116). Der Due-Diligence-Anbieter muss hierbei auchdie Erwartungen des Kaufinteressenten an die Zielfirma managen (Engle, 2011, S. 20-21). Etwa vier von fünf Kaufinteressenten lassen eine Due Diligence durchführen (Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V., 2007, S. 1081).

Die Vendor Side Due Diligence hat für den Verkäufer den Vorteil, dass eigene Stärken und Schwächen bereits früh erkannt werden, sodass die Firma bei den Verhandlungen besser präsentiert werden kann (Görtz, 2006, S. 529-530), des Weiteren kann der Verkäufer die Höhe der voraussichtlich notwendigen Gewährleistungen und Zusicherungen erkennen(Wachter & Mader, 2007, S. 65).Ein allgemeiner Vorteil dieser Due Diligence ist, dass bei zahlreichen potentiellen Käufern (etwa bei einer Auktion) das Zielobjekt nur einmal zu untersuchen ist, statt für jeden Kaufinteressenten einzeln (Bayuk, 2009, S. 3), was nicht nur die Gesamttransaktionskosten senkt (was wiederum mehr Interessenten anlockt, da sie keine kostspielige Due Diligence mehr durchführen müssen), sondern auch den Transaktionsprozess für den Verkäufer beschleunigt (Hölscher, Nestler, & Otto, 2007, S. 40-41); auch für komplexe Sachverhalte wie Carve Outs ist eine Vendor Due Diligence besser geeignet (Hölscher, Nestler, & Otto, 2007, S. 40). Nachteil der Vendor Side Due Diligence ist, dass, ähnlich der Situation bei Rating-Agenturen, das zu prüfende Objekt dem zahlenden Auftraggeber gehört, welcher natürlich an einem Aufdecken von Schwächen nicht interessiert ist. Die naheliegende Frage nach der Unabhängigkeit der prüfenden Berater wird später wieder aufgegriffen.

Im Zuge eines Initial Public Offering (IPO) werden Due-Diligence-Prüfungen oft von der Emissionsbank in Auftrag gegeben, um die Plausibilität der Planungsrechnung der betroffenen Firma zu überprüfen. Für die Firma hat es ebenfalls den Vorteil, dass durch die Verminderung der Unsicherheiten durch die Due Diligence eine niedrigere Risikoprämie von der Bank verlangt wird (Arlinghaus & Balz, 2001, S. 89-91).

Bei einem Management Buyout übernimmt das bisherige Management die Firma von den bisherigen Eigentümern. Da das Management meistens einen Informationsvorsprung besitzt, geben die bisherigen Eigentümer oft eine Due Diligence in Auftrag, um einen adäquaten Wert des Unternehmens festzustellen (Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V., 2007, S. 1082).

Bei einer Unternehmenssanierung soll die Due Diligence Antworten finden auf die Fragen, ob eine Insolvenz droht, ob eine Sanierung möglich ist und ob sie sinnvoll wäre (Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V., 2007, S. 1083).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Durchführung von Due-Diligence-Prüfungen
Hochschule
European Business School - Internationale Universität Schloß Reichartshausen Oestrich-Winkel
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V263959
ISBN (eBook)
9783656532514
ISBN (Buch)
9783656536369
Dateigröße
689 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Due Diligence, Wirtschaftsprüfung, Prüfung, Consulting, Prinzipal-Agent, Principal-Agent, Interessenkonflikt
Arbeit zitieren
Florentin Rack (Autor), 2013, Die Durchführung von Due-Diligence-Prüfungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263959

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Durchführung von Due-Diligence-Prüfungen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden