Karl Raimund Popper und Wikipedia

Gibt es Parallelen zwischen Poppers Ansichten in „Wie ich die Philosophie sehe“ und der Online Enzyklopädie?


Hausarbeit, 2013

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Karl Raimund Popper und seine Philosophie
2.1 Eine kurze Biographie
2.2 Karl Raimund Popper – Wie ich die Philosophie sehe
2.3 Der Begriff des Fallibilismus
2.4 Der Begriff der Bewährung

3. Wikipedia – Die Online Enzyklopädie
3.1 Das Projekt und seine Geschichte
3.2 Die Funktionsweise von Wikipedia

4. Poppers Philosophie und Wikipedia

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Philosophie Karl Raimund Poppers und der Internet Enzyklopädie Wikipedia und soll beide in Relation zueinander bringen, um zu untersuchen, ob es Parallelen zwischen den Lehren Poppers und dem Wikipedia-Projekt gibt. Besonderes Augenmerk soll dabei auf den, im begleitenden Seminar verwendeten, Text Poppers „Wie ich die Philosophie sehe“ gelegt werden. Aufgrund des nur begrenzten Umfanges dieser Hausarbeit, kann dies nur oberflächlich erfolgen, dennoch soll geklärt werden, inwiefern sich Poppers Philosophie in Wikipedia wieder findet. Um für die Fragestellung wichtige und zentrale Begriffe von Poppers Philosophie, wie etwa des Fallibilismus oder die Idee der Bewährung näher zu klären, wurden verschiedene Werke der Sekundärliteratur verwendet. Als hilfreich hat sich dabei das Werk „Die Philosophie Karl Poppers“ von Herbert Keuth erwiesen, daneben aber auch der Sammelband „Logik der Forschung“ aus der Reihe „Klassiker Auslegen“, welcher vom gleichen Autor herausgegeben wurde. Neben diesen Beiden wurden mehrere Übersichtswerke verwendet um einen etwas größeren Überblick über die Philosophie Poppers zu erlangen. Die Entstehung und Geschichte des Projekts Wikipedia zeichnet Andrew Lih in „The Wikipedia Revolution“ detailliert nach, die Funktionsweise und innere Prozesse der Enzyklopädie beleuchtet Günter Schuler in „Wikipedia Inside“. Christian Pentzold zeigt in „Wikipedia-Diskussionsraum und Informationsspeicher im neuen Netz“ eine Theorie über die Funktionsweise des Diskurses über die Richtigkeit der einzelnen Wikipedia Artikel auf.

2. Karl Raimund Popper und seine Philosophie

2.1 Eine kurze Biographie

Sir Karl Raimund Popper wurde am 28. Juli 1902 in Wien als Sohn des Juristen Simon Siegmund Carl Popper und seiner Frau Jenny geboren. Er besuchte zunächst das Gymnasium in Wien, brach die Schule aber 1918 ab und besuchte Vorlesungen in Mathematik, Physik, Philosophie und Psychologie an der Universität in Wien. Nachdem er 1922 seinen Schulabschluss nachgeholt hatte nahm er dort ein reguläres Studium auf. Popper war vielseitig interessiert und absolvierte neben dem Studium von 1922 bis 1924 noch eine Tischlerlehre. In dieser Zeit kam er auch mit den Philosophen des „Wiener Kreises“ in Kontakt, dabei insbesondere mit Moritz Schlick und Rudolf Carnap. Er selbst gehörte dem Wiener Kreis aber nicht an. 1924 erwarb er die Lehrbefähigung für Grundschulen und arbeitete als Erzieher und Sozialarbeiter in einem Heim für sozial gefährdete Kinder und Jugendliche. Von 1925 bis 1927 war Popper Mitglied des Pädagogischen Instituts der Stadt Wien und setzte sich dort für die Reform der Schulen und der Bildung ein. 1928 promovierte er bei Karl Bühler mit dem ungedruckten Werk „Zur Methodenlehre der Denkpsychologie“ und erwarb die Lehrbefähigung für Hauptschulen in den Fächern Mathematik und Physik. 1930 wurde Karl Popper Hauptschullehrer in Wien. Mitte der 30er Jahre erhielt Popper Einladungen Vorträge in England zu halten und emigrierte 1937 nach Neuseeland, wo er bis 1945 als Dozent am Canterbury University College tätig war. 1946 wurde ihm auf Vermittlung von Friedrich August von Hayek eine Stelle an der London School of Economics and Political Science angeboten. Popper arbeitete dort von 1949 bis zu seiner Emeritierung 1969. Als sein philosophisches Hauptwerk gilt „Die Logik der Forschung“ von 1934, die Popper bis zu seinem Lebensende immer wieder durch Fußnoten und Anhänge erweiterte. Karl Raimund Popper starb am 17. September 1994 in London.[1]

2.2 Karl Raimund Popper – Wie ich die Philosophie sehe

In seinem Aufsatz „Wie ich die Philosophie sehe“ von 1978 hebt Popper, der sich selber als kritischer Rationalist bezeichnete, die Bedeutung einer kritischen Einstellung in der Philosophie hervor und warnt die akademische Philosophie gleichzeitig vor „einer minuziösen, kleinlichen Kritik kleinlicher Angelegenheiten ohne Verständnis der großen Probleme der Kosmologie, der menschlichen Erkenntnis, der Ethik und der politischen Philosophie, und ohne das ernsthafte und hingebende Bemühen, sie zu lösen“[2].

Zu Beginn seiner Ausführung bezieht sich Popper auf einen Aufsatz seines Freundes Friedrich Waismann, der zeigen wollte, dass Philosophen und die Disziplin der Philosophie gegenüber anderen akademischen Disziplinen wie etwa der Mathematik einen besonderen Charakter haben. Popper teilt diese Auffassung Waismanns nicht und stellt klar, dass er alle Menschen für Philosophen hält und die Theorie seines Freundes von der Philosophischen Elite ablehnt. Popper stellt klar, dass er den Gedanken einer Elite von Philosophen, wie er etwa von Plato vertreten wurde für gefährlich halt und stellt dieser Theorie den Gedanken Sokrates‘ gegenüber, der sich seiner intellektuellen Grenzen bewusst war. Popper stellt im Anschluss an diese Aussage den Determinismus Humes und Spinozas vor, deren Auffassung es war, dass die Philosophie möglichst eingehend die Motive und Ursachen unseres Handelns zu beobachten habe um sie schließlich umfassend zu verstehen. Popper lehnt den Gedanken des Determinismus hingegen ab und bezweifelt, dass die Menschen jemals eine komplette und rationale Vorstellung von den Motiven ihres Handelns haben könnten. Popper sieht es daher als notwendig an, die Philosophie zu verteidigen und ihre Aufgaben näher zu umreißen. Nach einem kurzen Exkurs über den Wiener Kreis, einer Gruppe von Philosophen, die die Existenz ernsthafter, rein philosophischer Probleme leugneten, stellt Popper neun Auffassungen von Philosophie vor, die oft als charakteristisch für die Disziplin der Philosophie angesehen würden, es aber seiner Meinung nach nicht sind. Zuerst stellt Popper klar, dass es nicht Sache der Philosophie sein kann, Missverständnisse aufzulösen. Philosophie ist nach Popper ebenfalls keine reine Sammlung von großen und interessanten Gedanken, sondern muss vielmehr den Mut aufbringen, revolutionär im Denken zu sein. Dies führt ihn zum dritten Punkt, nach dem die Philosophie nicht nur eine Sammlung von intellektuellen Konstrukten ist, die lediglich als Versuchsaufbau dienen und vielleicht zufällig eine Wahrheit hervorbringen. Popper ist überzeugt, dass jeder ernsthafte Philosoph sein System zielgerichtet zur Wahrheitsfindung aufbaut, allerdings immer bereit wäre es aufzugeben, wenn klar würde, dass dieses Ziel nicht mehr erreicht werden könnte. Als vierten Punkt erteilt Popper der reinen Begriffsanalyse als Aufgabe der Philosophie eine Absage und fordert, man solle eher nach „interessanten und bedeutsamen Wahrheiten“ suchen, speziell nach wahren Theorien. Poppers fünfter Punkt ist einfach: Man soll Philosophie nicht zu Selbstdarstellung missbrauchen. Poppers sechster Kritikpunkt besagt, dass Philosophie nicht dazu dienen sollte, die Menschheit aus philosophischen Verwirrungen zu führen. Als siebten Aspekt stellt er klar, dass es nicht Aufgabe der Philosophie sein kann sich immer präziser und exakter auszudrücken, da so auch immer die Gefahr entsteht, etwas komplizierter zu machen als es das eigentliche Problem erfordert. Daraus resultiert auch der achte Punkt, nachdem Philosophie auch nicht den reinen begrifflichen Rahmen oder die Grundlagen einer Lösung von Problemen, die erst in der Zukunft auftreten könnten, liefern sollte. Schließlich kann Philosophie nicht nur ein Ausdruck des Zeitgeistes sein, da die Wahrheit nicht abhängig von der Mode der Zeit sein kann. Für Popper folgt daraus die Ablehnung der elitären Philosophie und so kommt er zu der Feststellung, dass alle Menschen Philosophen sind, deren Aufgabe es ist, auch verbreitete und einflussreiche Theorien und Ideen kritisch zu hinterfragen. Dabei ist das Ziel das Erreichen eines Standpunkts, der der Wahrheit näher ist und sich von gefährlichen philosophischen Vorurteilen, wie etwa der Auffassung irgendjemand oder irgendetwas müsse für das Böse in der Welt verantwortlich sein, immer weiter entfernt. Für Popper sind daher die Probleme der Erkenntnistheorie eine sehr wichtige Aufgabe in der Philosophie, dabei speziell die Frage, inwiefern wir fähig sind, Wissen zu erlangen und was wir überhaupt wissen können. Der Alltagsverstand stellt für Popper den Ausgangspunkt unseres Wissens dar, jedoch sollten wir ihn nicht als Basis für sicheres Wissen gebrauchen. Die Erkenntnistheorie des Alltagsverstands setzt, so Popper, Wissen dem sicheren Wissen gleich, und behauptet, dass alles was auf Hypothesen beruht, kein sicheres Wissen sei. Damit ist die Erkenntnistheorie des Alltagsverstands für Popper, der die Existenz einer absolut sicheren Basis von Wissen ablehnt, nicht haltbar. Aus dieser Problematik ergibt sich für Popper die Aufgabe der Philosophie, Wissen zu suchen, es aber auch immer wieder zu hinterfragen und kritisch zu prüfen. Daher ist die Philosophie für Popper auch nicht von den anderen Einzelwissenschaften zu trennen. Große Wissenschaftler, wie etwa Newton, forschen daher, so Popper, immer nach neuen Erkenntnissen, bleiben diesen gegenüber aber immer skeptisch und sind bereit, ihre gefundenen Theorien immer wieder kritisch zu prüfen. Diese ständige kritische Prüfung kann aber nicht einziger Zweck der Philosophie sein und so hält Popper es für eher gefährlich, dass, seiner Meinung nach, in der Philosophie mehr und mehr der Trend aufkommt, jede neue Idee bis ins kleinste Detail zu untersuchen, zu interpretieren um sie schließlich so lange zu bearbeiten bis man einen Kritikpunkt gefunden hat und sie ablehnen kann. Diese „Arroganz und Ungeschliffenheit“ würde, so Popper, noch fälschlich als Tugend und mutiges Denken gefeiert. Für Popper ist es jedoch wichtig, dass sich jeder seiner eigenen intellektuellen Grenzen bewusst ist. Ein echter Philosoph weiß um das was er nicht weiß, behält die Probleme der Welt im Auge und versucht sie in seinem eigenen Rahmen, zu lösen.[3]

[...]


[1] Peter Schroeder-Heister: Art. Sir Karl Raimund Popper, in: Neue Deutsche Biographie Bd. 20 (2001), Sp. 625-626.

[2] Karl Raimund Popper: Wie ich die Philosophie sehe, in: Salamun, Kurt (Hg.): Was ist Philosophie? Neuere Texte zu ihrem Selbstverständnis, 4. Aufl., Tübingen 2001, S. 218 - 233. S. 231

[3] Karl Raimund Popper: Wie ich die Philosophie sehe, in: Salamun, Kurt (Hg.): Was ist Philosophie? Neuere Texte zu ihrem Selbstverständnis, 4. Aufl., Tübingen 2001, S. 218 - 233.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Karl Raimund Popper und Wikipedia
Untertitel
Gibt es Parallelen zwischen Poppers Ansichten in „Wie ich die Philosophie sehe“ und der Online Enzyklopädie?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Was ist Philosophie?
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V264030
ISBN (eBook)
9783656533016
ISBN (Buch)
9783656543480
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
karl, raimund, popper, wikipedia, gibt, parallelen, poppers, ansichten, philosophie, online, enzyklopädie
Arbeit zitieren
Christian Risse (Autor), 2013, Karl Raimund Popper und Wikipedia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264030

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Titel: Karl Raimund Popper und Wikipedia



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