Philosophische Ethik


Referat (Ausarbeitung), 2000

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Philosophisehe Ethik

Eaimund Klein

25.04.2000

Zusammenfassung

Dieser Vortrag stellt einige Grundpositionen der antiken Ethik aus der griechischen Philosophie sowie solche aus der neuzeitlichen, z.B. der kantianischen Ethik, dar. Er basiert auf dem Buch [HH96] und dient als Grundlage fur die weiteren Veranstaltungen des Seminars Ethische Problem,e der Inform,atik.

1 Ethische Betraehtungen in der antiken Philo­sophie

1.1 Einleitung: Ethische Reflexion vor Sokrates

Den eigentlichen Beginn der philosophischen Ethik kann man - je nach Ge- schmack - bei Sokrates, Platon oder Aristoteles ansetzen. Fest steht, dass vor Sokrates sich niemand mit ethischen Betraehtungen in Bezug auf das gesam- te menschliche (Zusammen-)Leben auseinandergesetzt hat. Aristoteles zufol- ge war Sokrates der erste, der sich ausschlieBlich mit den sittlichen Tugenden beschaftigt und dariiber allgemeine Begriffe und Definitionen aufgestellt hat.

Die sogenannten Vorsokratiker beschaftigten sich entweder mit der Betrach- tung der Natur als Totalitat alles aufiermenschlich Gegebenem („Physiologen“) oder mit der Suche nach dem Gottlichen in unserer Welt („Theologen“) im Gegensatz zu denen, die dies in Geschichten und Legenden suchten („Mytho- logen“). Dabei konzentrierten sie sich oft auf die Berechnung der Gestirne und aller Himmelserscheinungen.

Bereits vor Sokrates gab es mehrere philosophisehe Betraehtungen zu einzel- nen Aspekten der Ethik (so z.B. bei Demokrit oder den Pythagoreern), aber dies geschah eher beilaufig und stand nicht im Zentrum der Uberlegungen. Bereits in den beiden wohl altesten bekannten groBen Epen der griechischen Literatur, der Ilias und vor allem in der Odyssee, tauchen Schilderungen liber verschiedene Aspekte menschlichen Zusammenlebens auf, die groBtenteils auch vom Dichter bewertet werden. So lautet (sinngemaB) ein Satz aus der Odyssee: „Jeder findet seine Freude an dem, was Gott ihm ins Herz legt, der eine an diesem, der andere an jenem.“ Hier taucht bereits der Ansatz einer Antwort auf die zentrale Frage der philosophischen Ethik auf: Was wiinscht sich der Mensch bzw. was soil er sich wiinschen?

1.2 Sokrates, Platon und die Sophisten

1.2.1 Die Sophisten: Die Menschen maflregeln sich selbst

Um Sokrates bzw. Platon zu verstehen, ist es unumganglich, die Sophi- stenbewegung, gegen die Platon (und ihm zufolge auch sein Lehrer Sokrates) ankampfte, zu betrachten. Die Sophisten beschaftigten sich mit der Relativitat dessen, was die Menschen als fur sie gut empfinden. Jeder Mensch hat seine eigenen Vorlieben, und fur jeden Menschen stellt sich der Nutzen verschiedener Dinge unterschiedlich dar. So zitiert Platon den Sophisten Protagoras folgen- dermaBen:

Ich kenne sehr viele Dinge, die dem Menschen vollig unniitz sind, andere sind ihm niitzlich; wiederum andere sind den Menschen zwar keines von beiden, wohl aber den Pferden, andere wiederum nur den Rindern, andere den Hunden, noch andere keinem von alien drei- en, wohl aber den Baumen. Und so schillert das Gute und wandelt sich immer wieder. Anderes ist fur des Baumes Wurzeln gut, fur die Zweige aber schadlich, sowie auch der Mist bei alien Pflanzen fur die Wurzeln gut ist, wenn er beigegeben wird, wolltest du ihn aber auf die SchoBlinge und die jungen Triebe geben, so verdirbt er alles. Denn auch das 01 ist fur alle Pflanzen gar schlecht und fur die Haare der iibrigen Lebewesen iiberaus schadlich aufier fur die des Menschen, fiir die des Menschen aber ist es heilsam wie fiir die auBeren Teile des Korpers, fiir die inneren aber ist genau dasselbe ganz schlecht. Und deshalb untersagen alle Arzte den Kranken, 01 zu verwenden, bis auf moglichst wenig an dem, was man essen soil, gerade soviel, daB es das Unangenehme dampfen kann, das wegen der Empfindungen durch die Nase zuweilen an einigen Speisen entsteht.

Diese Aussage spiegelt ziemlich deutlich die Empfindungen der griechi- schen Bevolkerung zu dieser Thematik wieder: Die Griechen waren nicht nur durch philosophische Uberlegungen, sondern auch durch viele Reisen, ob nun zu Handels- oder Forschungszwecken, zu der Ansicht gelangt, dass solche Begriffe wie Sittlichkeit oder Moral fiir unterschiedliche Menschen bzw. unterschiedliche Kulturen unterschiedliche Bedeutung haben. Diese Beobachtungen fiihrten zu zwei Interpretationen:

- Das ..Gute" und alle anderen Werte sind der Sache und dem Wesen (wie auch dem Namen) nach verschieden.
- Diese und ahnliche Begriffe sind nicht in Sache und Wesen verschieden, sind aber fiir die einen gut, fiir andere iibel, teilweise sogar fiir den gleichen Menschen mal das eine, mal das andere.

Aus den Beobachtungen der Reisenden, Historiker und Ethnographen erga- ben sich drei verschiedene Positionen zu den Aspekten des Zusammenlebens:

1. Normen, Sitten und Gesetze sind relativ, aber die Bevolkerungsgruppe, fiir die sie gelten, empfindet sie als verbindlich. So sagt z.B. Herodot:„Wenn man den Menschen unter alien Sitten und Brauchen die Wahl lieBe, wiirden sie schlieBlich ihre eigenen wahlen: Jeder halt eben die seinen fiir die be- sten.“ Nach Protagoras ist der Mensch selbst „das MaB des Guten“.

2. Dieser Geltungspositivismus schlug bisweilen in blanken Zynismus um. So schreibt der Sophist Antiphon:

Die Gerechtigkeit besteht darin, dafi man Gesetz und Brauch in dem Staat, in dem man als Burger lebt, nicht iibertritt. Am vorteilhaftesten wird sich dabei der einzelne Mensch zur Gerech­tigkeit stellen, wenn er in Anwesenheit von Zeugen Gesetz und Brauch hochhalt, ohne solche dagegen die Gebote der Natur.

Denn die Forderungen von Natur und Brauch sind willkiirlich auferlegt, die Gebote der Natur dagegen beruhen auf Notwen- digkeit. Denn die Forderungen von Gesetz und Brauch sind ver- einbart, nicht natiirlich geworden, die Gebote der Natur aber sind natiirlich geworden, nicht vereinbart. Wenn man nun bei der Ubertretung von Gesetz und Brauch von denen, welche die Vereinbarung getroffen haben, unbemerkt bleibt, ist man von Schande und Strafe frei, andernfalls nicht. Vergewaltigt man dagegen die mit der Natur verwachsenen Gesetze liber das mogliche Mafi hinaus, so ist das Unheil um nichts geringer, wenn es auch kein Mensch merkt, und um nichts grofier, auch wenn es alle Welt sieht. Denn der Schaden erwachst nicht aus der Mei- nung, sondern aus der Wirklichkeit... Das Niitzliche, das Gesetz und Brauch als solches bestimmt hat, ist eine Fessel der Natur, dasjenige aber, das aus der Natur kommt, beruht auf Freiheit...

Es ist das, was der Natur zutraglich ist, lustvoll; was aber Ge­setz und Brauch bestimmt, ist, sofern es Unlust erregt, wider die Natur und also schadlich.

3. Eine dritte Position bildet Platons Ansatz, der in Abschnitt 1.2.2 naher erlautert wird: „Der Gott diirfte fur uns am ehesten das Mafi aller Din- ge sein, und dies weit mehr als etwa, wie manche sagen, irgend so ein Mensch. “

1.2.2 Platon: Es existiert ein gottliches Prinzip

Da von Sokrates kaum eigene schriftliche Dokumente iiberliefert sind, muss man sich bei der Betrachtung seiner Philosophie an die Schriften seines wohl beriihmtesten Schulers Platon halten; haufig kommt es hier vor, dass Sokrates Platons Aussagen in den Mund gelegt werden. Folglich ist die getrennte Be­trachtung von Platon und Sokrates unmoglich, und im weiteren Verlauf beziehe ich mich nur auf Platon, meine damit aber ebenso Sokrates.

Platon geht von der Existenz eines „hoheren Wesens“ oder eines „hoheren Ziels“ aus, das den Menschen bei der Entscheidungsfindung leiten soil. Damit verbunden ist die Aussage, dass es so etwas wie „universelle Wahrheiten“, de- ren Existenz die Sophisten ja bezweifeln, im Bereich der Ethik und Philosophie durchaus gibt. Platon bedient sich in vielen seiner Argumentationen der Mathe- matik, die fur ihn weit mehr als „nur“ eine Technik, die mit bedeutungslosen Zahlen arbeitet, darstellt. Mit dieser Ansicht steht er nicht alleine da; ganz im Gegenteil, diese Betrachtung der Mathematik war unter den antiken Philoso- phen weit verbreitet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Philosophische Ethik
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Ethische Probleme der Informatik
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
11
Katalognummer
V26419
ISBN (eBook)
9783638287616
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dieser Vortrag stellt einige Grundpositionen der antiken Ethik aus der griechischen Philosophie sowie solche aus der neuzeitlichen, z.B. der kantianischen Ethik, dar. Grundlage ist das Buch "Ethik - Ein Grundkurs" von Heiner Hastedt und Ekkehard Martens" und diente als Basis für die weiteren Veranstaltungen des Seminars "Ethische Probleme der Informatik".
Schlagworte
Philosophische, Ethik, Ethische, Probleme, Informatik
Arbeit zitieren
Raimund Klein (Autor), 2000, Philosophische Ethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26419

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