Medien und Zensur in der modernen russischen Gesellschaft


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Historische Entwicklung

3.Russische Medienlandschaft
3.1.Das Fernsehen
3.2.Das Internet

4.Instrumentalisierung des Medienmarktes

5.Russische Gesetzgebung
5.1.Mediengesetze jenseits demokratischer Standards
5.2.Das Gesetz „Über den Schutz von Kindern vor Informationen, die ihrer Gesundheit und Entwicklung abträglich sind“

6.Gewalt gegen Journalisten

7.Fazit

8.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“[1]

Der moderne Mensch lebt heute in einem Zeitalter der Massenmedien und der globalen Kommunikation. Unsere Weltanschauung, unser tägliches Wissen und die neuesten Ereignisse, erfahren wir aus den Massenmedien. Die Wichtigkeit der uns umgebenden Massenmedien verdeutlicht auch das oben aufgeführte Zitat von Niklas Luhmann. Oft ist es den Menschen nicht einmal bewusst, in welchem Ausmaß diese modernen Medien über unser Leben bestimmen. So ist beispielsweise beim Autofahren das Radio mit seinen Stau- und halbstündlichen Nachrichtenmeldungen schon längst zu einem zuverlässigen Begleiter im Straßenverkehr geworden. Ein Zeitungskiosk schmückt jede zweite Straßenecke und bietet eine umfangreiche Auswahl an Zeitungen und Zeitschriften. Geht man weiter, kommt man auch schon zum Internetcafé, wo man schnell und einfach seine E-Mails „checken“ oder die gesuchte Information auf schnelle und einfache Weise im Internet nachlesen kann. Wer heutzutage kein Fernsehgerät besitzt, kann bei manchen tagesaktuellen Gesprächen kaum mitreden.[2]

Aber nicht nur für die persönliche Unterhaltung und den persönlichen Informationsbezug haben Massenmedien eine wichtige Rolle eingenommen. Auch für die Welt der Politik sind die Massenmedien unverzichtbar geworden. Die Politik und auch der Staat bedienen sich derer in großem Maße. Allerdings können nur autonom handelnde Medien eine positive Rolle im Staat erfüllen.[3]

Im Mittelpunkt der hier vorliegenden Hausarbeit soll das russische Mediensystem stehen. Dafür wird eine konkrete Darstellung und Beschreibung der Medienlandschaft Russlands in der modernen Gesellschaft und die gezielte Umorientierung und Ausnutzung dieser zu Gunsten der heutigen Herrschafts- und Machtstrukturen der russischen Politik vorgenommen. Auch soll ein kurzer geschichtlicher Abriss vorangehen, um dann auf die aktuelle Medienstruktur genauer eingehen zu können. Weiterhin wird das Ausmaß der Zensur an einzelnen zentralen Beispielen näher verdeutlicht. Im abschließenden Fazit werden noch einmal die wichtigsten Punkte der Arbeit resümiert. Schließlich bildet eine persönlichen Stellungnahme zur Thematik dann den Abschluss der Hausarbeit.

2. Historische Entwicklung

In dem nachfolgenden Teil der Hausarbeit soll ein kurzer Überblick über die Beziehung und Entwicklung von Politik und Medien in Russland im geschichtlichen Rahmen gegeben werden, da das Verstehen dieser Entwicklung von zentraler Bedeutung für die heutige Situation im Staat ist.

Die enge Verknüpfung zwischen Politik und Medien war bereits für das sowjetische System in Russland kennzeichnend gewesen. So war die Meinungsfreiheit in dem totalitären Staat nur auf dem Papier existent. Die Presse war Teil des Staatsapparats und auch die Selbstzensur der Medien war keine Seltenheit.[4]

In der Zeit der Perestroika unter der Führung von Michail Gorbačev wurde dann versucht mit Hilfe der Politik der Glasnost die Menschen wieder mehr für das System zu begeistern.[5][6] Der Begriff Glasnost bedeutet übersetzt so viel wie Offenheit oder Öffentlichkeit. Durch so eine Politik wurden die zu der damaligen Zeit im Untergrund agierenden, kritischen Aktivitäten von Journalisten stark gefördert. Es wurde eine Transparenz des Systems angestrebt, wobei man eine begrenzte Meinungsvielfalt zuließ, und auch die Presse gewann neue Handlungsspielräume. Im Nachhinein betrachtet kann man sagen, dass die Situation aus der Sicht der politischen Führung etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Viele Journalisten nutzten ihre neu gewonnen Rechte, die allgemeine Unsicherheit und die schlechte Absprache der kontrollierenden Personen untereinander zu ihren Gunsten aus. Viele Journalisten tricksten die Kontrollinstanzen des Staates regelrecht aus. Sie wussten z.B., dass die Beiträge in der frühesten Zeitzone kontrolliert werden würden, weil die Kontrollinstanzen auf diese Weise noch in der Lage waren die Beiträge bei Bedarf zu zensieren oder zu verändern. Auf diese Wiese wollten die Zensoren verhindern, dass z.B. in Moskau, welches in einer späteren Zeitzone liegt, verbotene Beiträge veröffentlicht wurden. Die Journalisten publizierten daher in der frühesten Zeitzone abgeschwächte Versionen ihrer Beiträge. So ahnten die Zensoren nicht, dass die in der Moskauer Zeitzone gezeigten Beiträge für den Staat unerwünschte Inhalte haben würden.[7][8] Manche Zensoren verrieten auch delikate Informationen und verbündeten sich mit den Journalisten. In dieser relativ kurzen Zeitspanne hat die Bevölkerung daher geradezu begeistert zur Zeitung gegriffen oder den Fernseher einschaltete.[9][10]

Auch das Gesetz über die Massenmedien aus dem Jahr 1992, das Zensur verbot und Informationsfreiheit garantierte, förderte die Entwicklung eines pluralistischen, kritischen Journalismus.[11][12]

Durch die Privatisierung der Wirtschaft unter Präsident Jelzin Mitte der 90er Jahre kam es dann zur Herausbildung neuer nicht-staatlicher Medien. Seit dem demokratischen Umbruch herrschte im Land ein chronischer Geldmangel im Mediensektor, daher wurden die wenig rentablen Medienunternehmen zur leichte Beute für die neuen mächtige Oligarchen.[13] Diese Oligarchen wurden zu den Eigentümern der neuen, teils kritischen Medien. Sie errichteten sich zur größeren politischen und gesellschaftlichen Einflussnahme wahre Medienimperien. Es ging hier um die Propagierung ihrer eigenen wirtschaftlichen und politischen Ziele.[14] Zu nennen sind hier vor allem zwei Oligarchen: Vladimir Gusinskij und Boris Beresovskij.[15][16][17]

Dagegen wurde von Beginn der Amtszeit von Präsident Vladimir Vladimirovič Putin an sehr intensiv gegen freie und besonders gegen kritische Meinungsäußerungen vorgegangen. Man kann sagen, dass die langjährige Tätigkeit Putins beim sowjetischen Geheimdienst eine deutlich erkennbare Prägung hinterlassen hat. Offene Kritik erträgt er nur schwer. So kam es verstärkt zur gezielten Ausschaltung kritischer Stimmen. Zum Beispiel wurden die zwei bedeutendsten oben genannten Medien-Oligarchen, die kritische Medien betrieben, recht schnell beseitigt. Vladimir Gusinskij beispielsweise, der das Medienimperium Most leitete, wurde verhaftet. Ihm wurde Steuerhinterziehung unterstellt, obwohl der eigentliche Grund seiner Verhaftung wohl aber die versagte Unterstützung Putins bei den Wahlen gewesen war.[18][19][20][21][22]

Von Beginn seiner Amtszeit an hatte Putin das Ziel, die Medien in die Hände des Staats zurück zu bringen und diese für seine Zwecke einzusetzen. Putins Philosophie ist dabei: „Staatseigene Medien sollten den Markt dominieren, da nur der Staat in der Lage sei, objektive Informationen über Russland zu vermitteln.“[23] Um sein Ziel zu erreichen bediente er sich dafür der folgenden Instrumente: einer schwammigen Mediengesetzgebung, der Übernahme privater Sender durch Staatsunternehmen, sowie der Unterdrückung kritischer Journalisten, der (Selbst)-Zensur und Instrumentalisierung der Medienunternehmen.[24] Möglichkeiten einer solchen Medienkontrolle werden im weiteren Verlauf der Hausarbeit noch genauer dargestellt.

Insgesamt kann man in Bezug auf das russische Mediensystem in der historischen Entwicklung letztendlich feststellen: „Es geht nicht um Profite, sondern in erster Linie um Macht“.[25]

3. Russische Medienlandschaft

Die modernen Medien in Russland (russisch Средства массовой информации (СМИ)) beinhalten solche modernen Kommunikationsmedien wie Zeitungen, Radio, Fernsehen und Internet. Eines der derzeit größten Medienunternehmen auf dem russischen Medienmarkt ist z.B. die Gazprom-Media, eine Tochterfirma des staatlich kontrollierten Konzerns Gazprom.[26]

Die wichtigsten Medien in Russland sind das Fernsehen und die Printmedien, das Radio hat im Laufe der Zeit doch eher an Bedeutung verloren und wird daher hier nur der Vollständigkeit halber genannt.[27] Im weiteren Verlauf der Hausarbeit werden exemplarisch zwei der wichtigsten Medien Russlands vorgestellt.

[...]


[1] Streuer, V.: Medien in Russland - Macht und Ohnmacht im Verhältnis zum Staat unter Putin. München, 2008, S.1.

[2] Vgl. Pleines, Schröder 2010, S.153ff.

[3] Vgl. Streuer 2008, S.1.

[4] Vgl. http://www.dieeuros.eu/Russlands-Medienlandschaft,1371.html?lang=fr [10.05.13].

[5] Vgl. Koltsova 2006, S. 28ff.

[6] Vgl. Gladkov 2002, 42ff.

[7] Vgl. Koltsova 2006, S.29.

[8] Vgl. Gladkov 2002, S. ff.

[9] Vgl. Koltsova 2006, 29ff.

[10] Vgl. Streuer 2008, S.13.

[11] Vgl. Streuer 2008, S.10.

[12] Vgl. Kreisel 2001, 241-242.

[13] Vgl. http://www.dieeuros.eu/Russlands-Medienlandschaft,1371.html?lang=fr [10.05.13].

[14] Vgl. ebd.

[15] Vgl. Streuer 2008, S.15.

[16] Vgl. Trautmann 2002, S.147-155.

[17] Vgl. Koltsova 2006, S. 37-38.

[18] Vgl. Mommsen, Nußberger 2007, S. 46-48.

[19] Vgl. Streuer 2008, S.16.

[20] Vgl. Kreisel 2001, S.243ff., 254ff.

[21] Vgl. Koltsova 2006, S.42,194-204.

[22] Vgl. Matzen 2006, S.305.

[23] http://www.dieeuros.eu/Russlands-Medienlandschaft,1371.html?lang=fr [10.05.13].

[24] Vgl. ebd.

[25] Kharina-Welke 2004/2005, S. 578.

[26] Vgl. http://www.laender-analysen.de/russland/pdf/Russlandanalysen007.pdf 10.05.13].

[27] Vgl. Kreisel 2001, S.243-250.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Medien und Zensur in der modernen russischen Gesellschaft
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Slavistik und Sprechwissenschaft)
Veranstaltung
Medien und Medienpolitik in Russland Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V264202
ISBN (eBook)
9783656534297
ISBN (Buch)
9783656535393
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
medien, zensur, gesellschaft
Arbeit zitieren
Alexandra Maximova (Autor), 2012, Medien und Zensur in der modernen russischen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264202

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