„Wenn man eine Aufgabe gewissenhaft erfüllt haben will, dann sollte man sie
selbst erledigen.“
In der wirtschaftlichen Realität werden jedoch regelmäßig Kompetenzen an
andere Akteure übertragen, um die vielfältigen Anforderungen und Aufgaben
unterschiedlicher Bereiche bewältigen zu können. Unternehmen sind in
zunehmendem Maße gezwungen, sich durch verbesserte Arbeitsteilung und
Spezialisierung flexibel an die Anforderungen des globalisierten Wettbewerbs
anzupassen. Diese Entwicklung führt zwangsläufig zu einer vermehrten
Delegation von Aufgaben und Entscheidungskompetenzen an geeignete
Vertragspartner. Die hierdurch entstehenden Auftragsbeziehungen werden davon
beeinflusst, in welchem Ausmaß Interessenskonflikte zwischen den Akteuren
dazu führen, dass die Beauftragten vorhandene Handlungsspielräume zu ihrem
persönlichen Vorteil nutzen und dadurch dem Auftraggeber schaden. Deshalb ist
die zunehmende Komplexität von Kooperationen zwischen den
Wirtschaftsakteuren mit einem enormen Koordinations- und Kontrollbedarf
verbunden.
Aus Sicht der jeweiligen Unternehmen stellt sich die Frage, wie die
Vertragsgestaltung dieser Beziehungen zu organisieren ist, so dass die Erfüllung
der übertragenden Aufgaben im eigenen Interesse durchgesetzt werden kann.
Dieser Frage widmet sich die Prinzipal-Agent-Theorie. Bereits in dem 1976
geschriebenen Aufsatz “theory of the firm” prägten JENSEN und MECKLING
das Bild des Unternehmens als “nexus of contracts”. Sie begründeten dadurch das
Verständnis von einem Unternehmen als komplexes Netzwerk von Parteien, die
zueinander in vertraglicher Beziehung stehen. In der Prinzipal-Agent-Theorie
werden vor allem die Auswirkungen der Trennung von Eigentum und Kontrolle in
den Vordergrund gestellt. Daher kommt der Auftragsbeziehung zwischen
Eigentümern und Managern eine besondere Bedeutung zu.
Die Forschung auf diesem Gebiet hat bisher eine Vielzahl von unterschiedlichen Prinzipal-Agent-Modellen hervorgebracht, die sich in Bezug auf ihre Annahmen
zum Teil deutlich unterscheiden. Eine Gemeinsamkeit der verschiedenen Ansätze
besteht darin, dass die Vorteilhaftigkeit alternativer Vertragsgestaltungen auf
Basis eines Kostenkriteriums beurteilt wird.[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Effizienzbetrachtung aus Sicht der Agenturtheorie
2.1 Abgrenzung des technischen Effizienzbegriffes
2.2 Charakterisierung von Auftragsbeziehungen in der Agenturtheorie
2.3 Agenturprobleme und ihre Effizienzwirkung
2.3.1 Hidden action
2.3.2 Hidden characteristics
2.3.3 Hidden information
2.3.4 Hidden intentions
2.4 Lösungsansätze zur Reduzierung der Probleme
2.4.1 Abbau von Informationsasymmetrien
2.4.1.1 Vor Vertragsabschluss
2.4.1.2 Nach Vertragsabschluss
2.4.2 Harmonisierung der Zielkonflikte
2.4.2.1 Anreizgestaltung und ihre Probleme
2.4.2.2 Freiwillige Maßnahmen des Agenten
2.5 Agenturkosten als heuristisches Optimalitätskriterium
2.5.1 Das Entscheidungskalkül des Prinzipals
2.5.2 Bedeutung der Agenturkosten für die technische Effizienz
3. Kritische Betrachtung der Agenturtheorie vor dem Hintergrund der Effizienzbewertung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen von Prinzipal-Agent-Beziehungen auf die technische Effizienz in Unternehmen, mit dem Ziel, durch die Analyse grundlegender, auf dem Kostenkalkül basierender Erkenntnisse der Agenturtheorie, technische Ineffizienzen in Auftragsbeziehungen aufzudecken und zu erklären.
- Analyse von Informationsasymmetrien (Hidden Action, Hidden Characteristics, etc.)
- Untersuchung von Lösungsansätzen zur Reduzierung von Agenturproblemen
- Bewertung von Agenturkosten als Entscheidungskriterium
- Kritische Würdigung der agenturtheoretischen Modelle vor dem Hintergrund der Effizienz
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Hidden action
Der Prinzipal steht bei dieser Form der Informationsasymmetrie vor dem Problem, wie er die Qualität der Auftragsdurchführung bewerten und im Vertrag angemessen berücksichtigen kann. Man spricht von „hidden action“, wenn die delegierte Aufgabe aufgrund verborgener Aktivitäten des Agenten ausschließlich über das Handlungsergebnis beurteilt werden. Es handelt sich um ein endogenes Problem, das sich auf die Verhaltensweisen des Agenten nach Vertragsschluss bezieht. Die Anstrengungen des Agenten zur Erzielung der beobachteten Resultate können entweder nicht vollständig beobachtet werden oder eine derartige Beobachtung wäre mit prohibitiven Kosten verbunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel motiviert die Themenstellung durch die zunehmende Bedeutung von Delegationsentscheidungen und die daraus resultierenden Interessenkonflikte in Prinzipal-Agent-Beziehungen.
2. Effizienzbetrachtung aus Sicht der Agenturtheorie: Das Hauptkapitel erarbeitet die theoretischen Grundlagen, klassifiziert verschiedene Agenturprobleme, diskutiert Lösungsmechanismen und beleuchtet die Rolle von Agenturkosten für die Effizienz.
3. Kritische Betrachtung der Agenturtheorie vor dem Hintergrund der Effizienzbewertung: Hier erfolgt eine Auseinandersetzung mit den methodischen Annahmen und Grenzen der Agenturtheorie, insbesondere hinsichtlich der empirischen Operationalisierbarkeit.
4. Fazit: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und resümiert die Eignung der Agenturtheorie zur Erklärung technischer Ineffizienzen.
Schlüsselwörter
Prinzipal-Agent-Theorie, Auftragsbeziehungen, technische Effizienz, Informationsasymmetrie, Hidden Action, Hidden Characteristics, Agenturkosten, Anreizgestaltung, Vertragsgestaltung, Moral Hazard, Adverse Selection, Effizienzbewertung, Ressourcenverbrauch, Monitoring, Signalling.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Ineffizienzen, die durch Interessenkonflikte und Informationsasymmetrien in Prinzipal-Agent-Beziehungen innerhalb von Unternehmen entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung der Agenturtheorie, die Klassifikation von Agenturproblemen, Ansätze zur Harmonisierung von Zielen sowie die Bewertung dieser Probleme anhand von Agenturkosten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, technische Ineffizienzen, die aus der Delegation von Aufgaben resultieren, auf Basis agenturtheoretischer Modelle aufzudecken, zu analysieren und zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die agenturtheoretische Modellbildung sowie eine literaturgestützte theoretische Analyse, um die Auswirkungen von Vertragsgestaltungen auf die Effizienz zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Differenzierung technischer Effizienz, die systematische Analyse verschiedener Informationsasymmetrien, die Prüfung von Lösungsmechanismen sowie eine kritische Reflexion des agenturtheoretischen Ansatzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Prinzipal-Agent-Theorie, Informationsasymmetrie, technische Effizienz, Agenturkosten, Hidden Action und Moral Hazard.
Was unterscheidet "Hidden Action" von "Hidden Characteristics"?
Während bei "Hidden Action" die Handlungen des Agenten nach Vertragsschluss nicht beobachtbar sind, bezieht sich "Hidden Characteristics" auf verborgene Eigenschaften des Agenten, die bereits vor Vertragsschluss existieren.
Welche Rolle spielen Agenturkosten als Entscheidungskriterium?
Agenturkosten dienen in der Arbeit als heuristisches Kriterium, um die Vorteilhaftigkeit verschiedener Vertragsgestaltungen im Vergleich zu einem idealen Zustand zu bewerten.
- Quote paper
- Nico Granitza (Author), 2012, Ineffizienzen aufgrund von Prinzipal-Agenten-Beziehungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264306