Krisenintervention im Kontext der Prävention


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

20 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gemeindepsychologie
2.1 Ziele und Prinzipien der gemeindepsychologischen Perspektive

3. Krisenintervention
3.1 Definition und Bedeutungsaspekt
3.2 Ziel der Krisenintervention

4. Präventive Intervention
4.1 Gerald Caplan’s Krisentheorie
4.1.1 Veränderungskrise in Modellform
4.1.2 Ausgangspunkt der Veränderungskrise
4.1.3 Verlauf der Veränderungskrise
4.1.4 Zusammenfassung des Krisenmodells

5. Krisenintervention im Kontext der primären Prävention
5.1 Primäre Prävention
5.1.1 Definition
5.1.2 Konzeptioneller Rahmen
5.1.3 Durchführung primärer Prävention
5.1 4 Ziel und Wirkungsweise der primären Prävention nach Caplan
5.2 Sekundäre Prävention
5.3 Tertiäre Prävention
5.4 Kritik

6. Schlussbemerkung

1. Einleitung

Bei Introspektion ist mir aufgefallen‚ dass Krisenintervention nicht zwingend mit professioneller Hilfe zu verbinden ist. Nicht selten wenden sich Personen in Krisensituationen an Menschen in ihrer natürlichen und bekannten Umgebung wie zum Bespiel dem Friseur‚ welchen man jahrelang besucht oder die wöchentlichen Stammtischrunden bei dem Gastwirt um die Ecke. Leider können unprofessionell Tätige selten auf psycho-therapeutische Fachkompetenzen zurückgreifen‚ dennoch übernehmen sie‚ ob bewusst oder unbewusst‚ die Aufgabe‚ in der seelischen Not zu helfen. Es ist wohl anzunehmen und verständlich‚ dass sich der Betroffene in erster Linie an vertraute Personen aus seinem unmittelbaren Umfeld wenden wird‚ um Rat und Unterstützung für die Bewältigung von belastenden Problemen zu erhalten. In vielen Fällen werden die aus Erfahrung weitergegebenen Lösungsvorschläge jedoch nicht zur Bewältigung angestauter Probleme ausreichen‚ dass sich diese Person darüber hinaus fachkompetente Hilfe einholen muss. In diesem Rahmen agiert die Krisenintervention und Prävention.

In dieser Arbeit möchte ich genau dort ansetzen und die Krisenintervention in den Kontext der Prävention stellen. Vorrangig richte ich mich auf die primäre Prävention von Gerald Caplan.

Natürlich können die Ausführungen im Bereich der Krisenintervention weiter aufgeführt und eine enge Verknüpfung von Themenbereichen und Funktionen der Gemeindepsychiatrie‚ welche mit der „Mental-Health-Bewegung“ (Hervorhebung d.V.) einhergehen‚ ebenfalls gesehen werden. Doch möchte ich in diesem Rahmen lediglich die Prinzipien und Ziele der Gemeindepsychologe und die Krisenintervention im Allgemeinen aufzeigen‚ um mit dessen Hilfe die Weichen für die von Gerald Caplan konzeptionierter Krisentheorie eine Basis im Hinblick auf seine Sichtweise schaffen.

Dabei gehe ich im Rahmen dieser Arbeit auf Ursachen und Gründe seines Konzeptes ein‚ weshalb primäre Prävention bei Krisen hilfreich sein kann und stelle dessen Krisentheorie vor. In diesem Zusammenhang versuche ich‚ dessen primäre Prävention in den Blickpunkt der Krisenintervention zu stellen um abschließend einige Kritikpunkte aufzuzeigen.

2. Gemeindepsychologie

Gemeindepsychologie lässt sich mit ein paar wesentlichen Grundgedanken charakterisieren‚ welche nachfolgend aufgeschlüsselt werden.

Anzumerken ist‚ dass diese Grundsätze nur zusammenfassend dargestellt werden‚ um den Kontext und den Wert der primären Präventionstheorie nach Caplan nachzuvollziehen.

2.1 Ziele und Prinzipien der gemeindepsychologischen Perspektive

Gemeindepsychologie begreift Probleme als individuelle Lösungsversuche im Spannungsfeld subjektiver Bedürfnisse und gesellschaftlicher Widersprüche und Belastungen in der alltäglichen Lebenswelt. Insofern stellt eine gemeindepsychologische Perspektive nicht die Anwendung psychologischer Konzepte auf die Gemeinde dar‚ sondern sie versucht die für ein Subjekt relevante Gemeinde in Gestalt konkreter materieller‚ ökologischer und soziokultureller Ressourcen zu erfassen (vgl. Keupp 1994‚ S. 18ff)

Sie fragt danach‚ wie die psychosoziale Praxis Menschen möglichst optimal dabei unterstützen kann‚ mit den Problemen ihres Alltags besser fertig zu werden. Dabei soll professionelle Hilfe einerseits die bessere Wahrnehmung und Nutzung vorhandener lebensweltlicher Ressourcen fördern und andererseits Unterstützung bei der Schaffung neuer Potenziale leisten (ebd.).

Gemeindepsychologie bemüht sich um den Aufbau und Erprobung alternativer psychosozialer Praxisformen‚ die möglichst bürgernah und alltagsbezogen arbeiten‚ quasi das Prinzip „Gemeindenähe“ (Hervorhebung d.V.) verkörpern. Es soll eine Haltung des Zugehens‚ auf den Betroffenen angestrebt werden. Die psychosozialen Institutionen müssen sich für die vielfältigen Bedürfnisse und Problemlagen in ihrem Zuständigkeitsgebiet öffnen und ihre fachlichen Ansätze als Antwort darauf verstehen (ebd.).

Eine gemeindepsychologische Perspektive beinhaltet die Notwendigkeit zu multiprofessionellen Arbeitsformen. Rein psychologische Modelle verkürzen den konkreten und komplexen Alltag spezifischer Gruppen von Menschen in unzulänglicher Weise und stellen damit oft auch eine fragwürdige Reduktion von Hilfsmitteln dar. In der kooperativen Verknüpfung von fachlichen Sichtweisen und Kompetenzen unterschiedlicher Professionen entstehen neue Handlungsressourcen und Hilfsangebote‚ nach dem Prinzip der Vernetzung (ebd.).

In einer Gesellschaft‚ deren Veränderungsdynamik zu einem zunehmenden Zerfall von traditionellen kollektiven Lebensformen führt und Individualisierung fördert‚ bezieht die Gemeindepsychologie bewusst eine Position‚ die auf die Förderung neuartiger kollektiver Lernprozesse zielt. Notwendig ist demnach die gezielte Initiierung und Unterstützung von aufkommenden selbstorganisierten Projekten (ebd.).

Gemeindepsychologie vertritt eine eindeutige Werteposition‚ die ihre theoretischen und praktischen Bemühungen durchdringt. Sie geht von der Einsicht aus‚ dass viele Belastungen und Lebensprobleme auf die ungerechte Verteilung gesellschaftlicher Ressourcen zurückgeführt werden (ebd.).

Gerald Caplan greift genau diesen Punkt auf und versucht durch eine verbesserte Versorgung der Ressourcen eine Minderung der Problemlagen. Dies wird um Punkt vier näher beleuchtet.

Gemeindepsychologie setzt dabei an Ambivalenzen des gesellschaftlichen Transformationsprozesses an‚ der zur Individualisierung von Lebenslagen und zur sozialen Desintegration führt‚ der aber zugleich die Spielräume für Individualität erweitert. In Ulrich Beck’s Individualisierungsthese (vgl. Keupp 1994‚ S. 79) wird diese Problematik näher aufgeführt. Dieser Freisetzungsprozess bedeutet zugleich den Verlust gewohnter alltäglicher Lebensmuster und zunehmende Krisenhaftigkeit von Identitätsbilungsprozessen. Hier versucht die Gemeindepsychologie eine Praxis‚ die eine lebbare Vermittlung beider Pole Individualität und kollektive Handlungsfähigkeit initiiert und unterstützt (vgl. Keupp 1994‚ S. 18ff).

Kurzum: Gemeindepsychologie ist eine psychologische Handlungsebene‚ welche psychosoziale Probleme als individuelle Lösungsversuche im Kontext der Widersprüche und Belastungen der alltäglichen Lebenswelt begreift (vgl. Frey/Greif 1994‚ S. 580).

3. Krisenintervention

Wenn man heute über Krisenintervention spricht‚ dann sind zwangsläufig die Aufgaben und Funktionen der Gemeindepsychiatrie eng damit verbunden. Nach einer allgemeinen Darstellung der Krisenintervention‚ konstruiere ich anschließend‚ die aufgestellte Krisentheorie von Gerald Caplan‚ welcher als Vater der Krisenintervention gilt.

3.1 Definition und Bedeutungsaspekt

Wenn man versucht den Begriff der „Krisenintervention“ (Hervorhebung d.V.) auf unseren umgänglichen Sprachgebrauch auszudrücken‚ würden wir diesen mit „sich einschalten“ oder auch „vermitteln“(Hervorhebung d.V.) übersetzen.

Die Krisenintervention ist als Hilfe bei akuten Krisen entwickelt worden und ist die logische gedankliche Fortführung der Kurztherapie. Krisenintervention und die Entwicklung von Krisenkonzepten entstanden Anfang der 1940er Jahre in den USA. Als Väter‚ und somit die Geburtsstunde der Krisenintervention‚ wird mit Caplan und Lindemann angegeben (vgl. Aguilera 2000‚ S. 48). Lindemann unterscheidet zwischen normaler Trauerarbeit und pathologischen Trauerreaktionen‚ infolge von unterbliebener Trauerarbeit nach traumatischen Ereignissen (ebd.) und Caplan in Veränderungskrisen‚ welche im nachfolgenden Punkt aufgegriffen und erläutert werden.

Der generelle Ansatz der Krisenintervention konzentriert sich auf den kennzeichnenden Verlauf eines bestimmten Typs von Krise und nicht auf die Psychodynamik des Einzelfalls (ebd.‚ S.49). Sie dient dazu die Selbsthilfemöglichkeit dahingehend zu fördern‚ dass auch der Chancenaspekt der Reifung und des Wachstums der Krise genützt werden kann. Krisenintervention ist ganz besonders durch die Methodenflexibilität geprägt‚ denn Krisen unterstehen einer Vielfalt durch individuelle menschlicher Entwicklung und unterschiedlicher Krisenanlässe. Eine Pauschalität bei der Durchführung ist demnach nicht möglich. Die Bedeutung für die Intervention ist die Kenntnis des Krisenanlasses in seiner jeweiligen subjektiven Bedeutung. Die Umwelt beeinflusst also auch den Krisenverlauf‚ insbesondere bei Veränderungskrisen (vgl. Sommer/Ernst 1977‚ S. 57).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Krisenintervention im Kontext der Prävention
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltung
Krisenbewältigung als Problem der Sozialpädagogik
Note
2
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V264314
ISBN (eBook)
9783656537076
ISBN (Buch)
9783656537861
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
krisenintervention, kontext, prävention
Arbeit zitieren
Sabrina Werber (Autor:in), 2009, Krisenintervention im Kontext der Prävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264314

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