Johann Hinrich Wichern prägte die Kirchengeschichte wie die Erziehungswissenschaft gleichsam. Als der „große Koordinator der evangelischen sozialen Aktivitäten“ (Greschat M. 1997, S. 232), oder besser bekannt als der Kirchenvater der Diakonie (vgl. Sattler D. 1998, S. 41), ist Wichern in vielen Darstellungen zu finden. „Eine der größten Gestalten des deutschen Protestantismus“ (Hauschild W.-D. 2001, S. 791) ist eine weitere Superlative wie er in nahezu jeder Verschriftlichung zu seinem Leben und Werk hervorgehoben wird.
Gelegentlich fragt man sich als Betrachter, wie lang der Tag Wicherns gewesen sein muss. Die Liste von Wicherns Aktivitäten, die ich kurz in seinem Werken ansprechen werde, ist lang. So gerät man nicht ohne Grund ins Schwärmen, denn Wichern war tatkräftig und sein Christsein, das die Verantwortung für den Nächsten annimmt, nötigt dem Betrachter Bewunderung ab.
In meiner Jahreshausarbeit versuche ich den historischen Ereignissen nachzuspüren, um ein möglichst klares Bild über sein Leben, seine Werke, und sein Wirken aufzuzeigen. Ich bediene mich dabei der historischen Anthropologie. Dabei gehe ich besonders auf Wicherns eigene Entwürfe und Ideen im Hinblick auf dessen pädagogische Arbeit und Umsetzung ein und zeige an Beispielen auf, in wie weit sich das eine oder andere Konzept bis heute durchgesetzt hat. Expliziert werde ich das Rauhe Haus in seinen Gründerjahren deskriptiv vorstellen, da es meines Erachtens, ein gutes Beispiel dafür liefert, wie Wichern pädagogisch tätig war.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wicherns Leben und Werke
2.1 Jugend und Ausbildung
2.2 Privatleben
2.3 Weitere historische Angaben zu Wichern und dessen Werke
3. Das Rauhe Haus
3.1 Gründungsjahre des Rauhen Hauses und Wicherns praktische Arbeit dabei
3.2 Die pädagogische Arbeit
4. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Jahreshausarbeit hat zum Ziel, ein fundiertes Bild über das Leben, Wirken und die pädagogischen Konzepte von Johann Hinrich Wichern zu zeichnen. Dabei steht die historische Analyse seines Engagements für die Innere Mission und die praktische Umsetzung der pädagogischen Arbeit im Rauhen Haus im Fokus, um den Einfluss seiner Ansätze auf die heutige Sozialpädagogik kritisch zu hinterfragen.
- Biographische Eckdaten und prägende Einflüsse auf Wichern
- Die Entstehung und Entwicklung des Rauhen Hauses
- Wicherns pädagogische Grundprinzipien und Erziehungsansätze
- Die Etablierung und Bedeutung der Inneren Mission
- Kritische Reflexion der pädagogischen Konzepte im historischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.1 Gründungsjahre des Rauhen Hauses und Wicherns praktische Arbeit dabei
Zu jener Zeit wollten viele jungen Männer Pastoren werden und so war es, in Ermangelung einer freien Stelle, auf unbestimmte Zeit nicht möglich in den kirchlichen Dienst übernommen zu werden (vgl. Greschat M. 1985, S.50). Doch alternativ ergab sich die Möglichkeit für den jungen Wichern, die Leitung der Sonntagsschule von Pastor Rautenberg zu übernehmen. Es ist zu erwähnen, dass Rautenberg mit seiner Sonntagsschule und dem ihr zugehörigen Besuchsverein, sich an evangelischen Vorbildern orientierte. So war die Idee, die Beschulung von armen Kindern wenigstens am Sonntag zu gewährleisten und ihnen, wie wir heute sagen würden, das elementare Wissen wie Lesen, Rechnen, Schreiben und auch Religion zu vermitteln, denn während der Woche mussten die Kinder oft zum Familieneinkommen beitragen.
Bei dieser Arbeit zeigten sich sofort Wicherns Tatenkraft und praktische Fähigkeiten, welche sich schon bei seinen Studien zuvor herausbildeten. Zum einen gestaltete er den Lehrplan neu und zum anderen führte er Qualitätsprüfungen durch. Seine theologischen Ambitionen kamen ebenfalls nicht zu kurz, da er seine Lehrer und Lehrerinnen mit Bibelstunden weiterbildete (vgl. Hauss G. 1995, S. 117). In diesem Zusammenhang lernte er seine zukünftige Frau Amanda Böhme kennen, welche sich freiwillig für den Unterricht nach einem Aufruf gemeldet hatte (vgl. Gerhardt M. 1927, S. 175ff). Wichern, als Oberlehrer, praktizierte den Unterricht nicht nur in der Sonntagsschule, sondern führte auch Besuche bei den Kindern durch (vgl. Sämtliche Werke IV/I 1958, S. 19-31).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Bedeutung von Johann Hinrich Wichern für die Kirchengeschichte und Erziehungswissenschaft und legt das methodische Vorgehen der Arbeit dar.
2. Wicherns Leben und Werke: Dieses Kapitel behandelt Wicherns Jugend, Ausbildung, sein privates Leben sowie seine umfassenden Aktivitäten in der Inneren Mission.
3. Das Rauhe Haus: Hier werden die Gründung des Rauhen Hauses und die darin angewandten spezifischen pädagogischen Prinzipien, wie das Familienprinzip und das Prinzip der Freiheit, detailliert beschrieben.
4. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über die Relevanz von Wicherns Grundprinzipien für heutige pädagogische Berufe und gesellschaftliche Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Johann Hinrich Wichern, Rauhes Haus, Innere Mission, Diakonie, Pädagogik, Heimerziehung, Familienprinzip, Sozialpädagogik, Erweckungsbewegung, christliche Erziehung, Jugendhilfe, Wohltätigkeit, Sozialgeschichte, Hamburger Armenwesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Leben und Wirken von Johann Hinrich Wichern sowie seine pädagogische Arbeit im von ihm gegründeten Rauhen Haus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Entstehung der Inneren Mission, die Entwicklung des Rauhen Hauses und Wicherns innovative pädagogische Ansätze zur Rettung verwahrloster Kinder.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, Wicherns historische Entwürfe und sein praktisches Wirken zu analysieren und aufzuzeigen, inwieweit seine Konzepte bis heute fortwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin bedient sich der Methode der historischen Anthropologie, um Ereignisse und Wicherns Entwürfe in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Darstellung, eine historische Einordnung seiner Projekte und eine detaillierte Ausarbeitung der pädagogischen Prinzipien des Rauhen Hauses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Wichern, Rauhes Haus, Innere Mission, Heimerziehung und christliche Erziehung.
Warum war das „Familienprinzip“ im Rauhen Haus so innovativ?
Es ersetzte die damals übliche Massenunterbringung durch kleine, familienähnliche Gruppen, in denen Geborgenheit und individuelle Betreuung im Zentrum standen.
Wie bewertet die Autorin Wicherns heutige Relevanz?
Sie betont, dass viele seiner Grundprinzipien wie Individualität und Nachbetreuung auch in der heutigen Sozialpädagogik relevant sind, mahnt aber gleichzeitig zu einer kritischen Reflexion bei missionarischen Ansätzen.
- Arbeit zitieren
- Sabrina Werber (Autor:in), 2008, Johann Hinrich Wichern und sein pädagogisches Wirken am Beispiel des Rauhen Hauses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264316