Die Bedeutungstheorie Donald Davidsons


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
24 Seiten, Note: 1,00

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Grundlagen der Bedeutungstheorie

3. Der Holismus der Bedeutungstheorie

4. Die radikale Interpretation

5. The Principle of Charity
5.1.Die Überzeugung-Welt-Rationalität Verbindung

6. Die Notwendigkeit zur moderaten Interpretation

7. Die Triangulation

8. Der Skeptizismus

9. Fazit

1. Einleitung

Die Philosophie Donald Davidsons zählt zu den bedeutendsten und am heftigsten sowie häufigsten diskutierten Beiträgen zur Philosophie des 20. Jahrhunderts. Sie umfasst zahlreiche, teilweise unterschiedliche philosophische Bereiche, zeichnet sich jedoch mit einem fixen systematischen Charakter aus, der sehr wohl die Probleme der Erkenntnis, der Sprache, der Bedeutung und der Wahrheit in einer Einheit verbindet. Seine Philosophie schließt darüber hinaus ebenso Themen ein, die gleichfalls in den Werken von Lewis, Quine, Kant und Wittgenstein angesprochen werden – auch wenn dies nicht explizit ist. Daher ist am Anfang zu unterstreichen, dass seine Bedeutungstheorie nicht so sehr einen komplett neuen Umgang mit der Sprache herzustellen versucht, sondern den alten teilweise verbessern und dessen Wichtigkeit unterstreichen möchte.

Die Behandlung des Themas in dieser Arbeit gliedert sich in mehrere Teile, wobei allen wesentlichen Elementen der Bedeutungstheorie ein getrenntes Kapitel gewidmet ist. Von dem Ausgangspunkt der notwendigen Begriffsklärung, die als Ziel die grundlegende Definition und Zielsetzung der Davidson`schen Bedeutungstheorie sowie die Erklärung des Bedeutungsbegriffs selbst hat, sind zunächst die unterschiedlichen Bausteine der Theorie zu erläutern, wobei sie sich aufgrund ihrer Interdependenz an mehreren Stellen überschneiden und wiederholen. Von der Grundlage der Theorie, die in der modifizierten Variante der Tarski`schen Konvention W fundiert, wird demnach zur Notwendigkeit ihres holistischen Charakters übergangen. Weiterhin werden das Wesen der radikalen Interpretation sowie ihre Grundfragen definiert, die untrennbar mit der Erklärung des Principle of Charity zusammenkommen. Im Zusammenhang damit werden noch der Überzeugungsholismus und die wichtige Verbindung zwischen der Überzeugung, der Welt und der Rationalität eingeführt.

Die vollständige Erläuterung aller dieser Komponenten ist erforderlich, damit man zur Pointe der Bedeutungstheorie Davidsons kommen kann – die Triangulation, in der alle bereits angesprochenen Teilbereichen verbunden werden. Innerhalb dieses letzten Teils wird zusätzlich die skeptische Problematik und Davidsons Umgang dazu in einem getrennten Abschnitt angesprochen.

Aufgrund dieser Gliederung bietet die Arbeit einen vollständigen Überblick der kommunikativen Bedeutungstheorie Donald Davidson.

Begriffsklärung

Die Bedeutungstheorie von Donald Davidson beinhaltet viele unterschiedliche, eng miteinander verbundene Elemente. Ihr Hauptziel ist es, anhand von zahlreichen Theorien, Axiomen und Regelungen die Mechanismen zur Entstehung einer Menge wahrer Sätze in der natürlichen Sprache herzuleiten, wobei die Sprache als ein ganzes System erfasst worden ist. Diese Mechanismen erlauben es zu verstehen, wie das Verständnis der Sprechenden im Prozess der Kommunikation abläuft.

In diesem Sinn wird der Begriff „Bedeutung“ in der folgenden Theorie als die Bedeutung von Äußerungen für einen bestimmten Sprecher zu einem bestimmten Zeitpunkt dargelegt.[1] Sie ergibt sich aus dem semantischen Platz des Satzes im gesamten Sprachsystem. Darüber hinaus ist sie alles, was einem Hörer zugänglich ist und was verstanden werden kann.[2] Der Begriff ist in seiner Natur öffentlich und intersubjektiv, wenn auch nicht komplett konventionell. Er impliziert jedoch die Bedeutung der eigenen, ersten Sprache, die eine gemeinsame natürliche Sprache ist. Da das Erlernen dieser Sprache zu Hause beginnt, so kann es sich nicht um eine private Sprache handeln, weil sie nur von einem Mensch gesprochen wird.[3]

Zusammen mit dem Erlernen der Satzbedeutungen einer Sprache beginnt die Kommunikation, welche im Davidson’schen Sinn nichts anderes bedeutet als das Verstehen einer fremden Äußerung. Derjenige, der die Äußerung versteht, wird von Davidson als „Interpret“ bezeichnet. Der Interpretationsprozess hängt daher untrennbar mit der Bedeutung zusammen. Aus diesem Grund kann die Davidson`sche Theorie sowohl Bedeutungstheorie als auch Interpretationstheorie genannt werden. Sie umfasst in sich alle Überlegungen zur sprachlichen Bedeutung und Entwicklung eines Verstehensprozesses, der anhand von Kommunikationsbeispielen erleuchtend wird. Dabei spielt des Weiteren die Wahrheit eine entscheidende Rolle für die erfolgreiche Kommunikation. Diese Rolle sowie die Voraussetzungen und andere Elementen der Davidson`sche Bedeutungs- oder Interpretationstheorie sind in den nächsten Kapiteln vollständig zu analysieren.

2. Die Grundlagen der Bedeutungstheorie

Eine wichtige Voraussetzung für die Erstellung von Davidsons Bedeutungstheorie ist zunächst die Abschaffung der Trennung von analytischen und synthetischen Sätzen, die durch den logischen Positivismus begründet wird. Eine solche Unterscheidung bei der Philosophie zu verwenden, würde entweder bedeuten, dass die philosophischen Systeme analytisch wahr sind oder sie nur im speziellen Bereich untersucht werden können, jedenfalls aber im Alltagsleben zu unserer Kenntnis kaum etwas hinzufügen. Wie im Folgenden zu sehen ist, passt eine solche Trennung keineswegs zur Davidson Bedeutungstheorie, weil er anhand der Regelungen seine Theorie für eine natürliche Objektsprache anzuwenden versucht, die als ein ganzes System erfasst wurde.

Zentralbegriff bei Davidson ist der Begriff der Wahrheit. Er behauptet, einen Satz zu verstehen, heißt zu wissen, unter welchen Bedingungen er wahr ist.[4] Diese noch auf Frege und Wittgenstein zurückzuführende Idee verbindet untrennbar die beiden Begriffe der Bedeutung und der Wahrheit und setzt ein weiteres Hauptziel seiner Theorie – die Wahrheitsbedingungen für jeden Wahrheitsträger anhand dieser Theorie zu spezifizieren, wobei für ihn die Äußerungen selbst die Wahrheitsträger sind, weil sie unbedingt einen Wahrheitswert haben und aufgrund ihrer Wahrheit bzw. Falschheit zu interpretieren sind. Zur Schaffung dieses Ergebnisses bezieht er sich zum größten Teil auf die Tarski`sche Wahrheitsdefinition, wobei er sie erweitert und modifiziert, sodass sie sich den sprachlichen Äußerungen anpasst. In aller Kürze definiert Tarski den Wahrheitsbegriff anhand der formal korrekten Definition des Terminus „wahre Aussage“ für beliebig viele Sprachen. Um zur Definition zu gelangen, erstellt er die so genannte Konvention W aus dem Theorem „S ist genau dann wahr, wenn p“. Dabei ist das erste W-Prädikat S ein Satz in der Objektsprache und p seine Übersetzung in der Metasprache. Dadurch muss die Richtigkeit der W-Definitionen überprüft werden. Die Originalvariante Tarskis ist jedoch nur im Bereich der Formalsprachen anwendbar, da nach ihm die natürlichen Sprachen semantisch geschlossen sind und dennoch zusammengesetzte Sätze, Quantoren, Junktoren usw. beinhalten. Daher erweist sich eine solche formalsprachliche Definition ohne weitere Modifikationen für die Davidson’sche Bedeutungstheorie als nicht passend.

Die Formulierung der Konvention W ist jedoch die Formulierung und die Annahme, auf die sich Donald Davidson stützen will. Dennoch stimmt er aufgrund dessen, dass die Explizierbarkeit der formalen Sprache nur mittels der Objektsprache möglich ist, Tarski dahingehend nicht zu, dass die Wahrheitsdefinition auf die natürlichen Sprachen nicht übertragbar sei. Zwei weitere Modifikationen sind aber hinzugefügt, damit sie erfolgreich funktionieren kann. Die erste ist, dass die Konvention W nicht mehr die Wahrheit von den W-Äquivalenzen bestätigen muss, sondern als das Angemessenheitskriterium für die W-Theorien in der natürlichen Sprache dienen soll. Unter W-Theorien wird dabei das System verstanden, womit die W-Äquivalenzen für einen beliebigen Satz produziert werden. Dieses System setzt viele weitere Kenntnisse sowie das Verständnis des Wahrheitsbegriffs voraus. Im Verständnis des Wahrheitsbegriffs ist nämlich die zweite grundlegende Modifikation Davidsons zu bemerken. Während Tarski das Kenntnis der Bedeutung als Voraussetzung für die Kenntnis der Wahrheit unterstellt, läuft dies bei Davidson in umgekehrter Reihenfolge ab – bei ihm sind die Wahrheitsbedingungen, deren Festlegung die Wahrheitsdefinition erlaubt, nötig, um die Bedeutung einer Äußerung herauszukriegen.

Die Wirkung der Wahrheitsdefinition im Stile von Tarski wird weiter ausgedehnt, indem noch zwei weitere Faktoren hinzugefügt werden, die sich auch auf den Wahrheitswert auswirken – nämlich Raum und Zeit. Die Gründe dafür sind, dass der Begriff der Wahrheit und ihre Bestimmung äußerst relativ sind und mit Rücksicht darauf festgelegt werden, wer der Sprecher ist und unter welchen Bedingungen ein Satz geäußert wird. Das berühmteste Beispiel, das dieses Argument veranschaulicht, ist der Satz „Es regnet“, der je nach Zeitraum und abhängig von dem Verbreiter der Äußerung wahr und falsch sein kann. Dies führt dennoch zum Relativismus der gesamten Theorie, die in jedem Fall nur für eine bestimmte Sprechergruppe wahr ist.

Trotz dieser Erweiterungen bleibt die Anwendung der Theorie bei den natürlichen Sprachen limitiert, weil darin viele Sätze bestehen, die über keinen Wahrheitswert verfügen, wie z. B. die Befehle und die Fragen. Dennoch bleibt die Problematik, dass die komplette Anwendung nur dann möglich wäre, wenn die Sprache formalisiert wird und die bestehenden Quantoren begrenzt und genauer bestimmt.[5]

3. Der Holismus in der Bedeutungstheorie

Die Davidson’sche Konvention W, obwohl auf viele Wege problematisch und relativ, bietet eine Wahrheitsdefinition für die Sätzen mit buchstäblicher Bedeutung. Sie könnte aber darüber hinaus noch weitere Probleme hervorrufen, wenn sie nicht holistisch gebaut wäre. Bevor ich aber zum holistischen Charakter im Spezialfall der Konvention W übergehe, ist es zunächst einmal wichtig, die holistische Struktur der Sprache zu erläutern.

Um Davidson zu verstehen, ist es vor allem wichtig, seine holistische Auffassung zur Struktur der Sprache zu kennen. Damit jemand die Sprache versteht bzw. eine Äußerung dieser Sprache interpretiert, muss er sie (die Sprache) als ein einheitliches System erfassen. Das Verständnis der Sprache erfolgt vor allem in kontextuellem Bezug. Die Wörter selbst besitzen eine Bedeutung, verfügen aber über keinen Wahrheitswert, sie können nur in Verbindung miteinander eine wahre oder falsche Aussage bilden. Daher wird aufgrund dessen, dass die Wichtigkeit der Wahrheit zum Verständnis bereits geklärt ist, deutlich, dass die Wortbedeutung bei Davidson keine Prioritätsrolle spielt, aber jedoch als eines der mehreren Axiomen zur Erstellung der Interpretationstheorie dient. Das Problem bei der Erstellung einer holistischen Bedeutungstheorie besteht darin, dass sie endlich sein muss, die Sätze aber, die sie untersucht, eine unendliche Zahl sind, nur die Wörter, aus denen sie bestehen, finiter Anzahl sind. Genau an diesem Punkt lässt sich klar die Rolle der Wortbedeutung als ein Teil der Interpretationstheorie sehen – die interpretationsfähigen Sätzen bestehen aus einer begrenzten Anzahl an Wörter, die den Sinn des Satzes ausmachen und damit zur gesamten Bedeutung beitragen. Deswegen, obgleich nicht die wichtigste, spielt der Zusammenhang der Wortbedeutung mit der Satzbedeutung eine notwendige Rolle zur Erstellung einer Interpretationstheorie. Sie wirkt sich erstens auf die Möglichkeit, die Kapazität einer natürlichen Sprache zu begründen, und zweitens auf die Bestimmung des Wahrheitswerts eines Satzes aus.

Die holistische Erfassung der Sprache als ein ganzes System rettet die Konvention W wenigstens teilweise vor ihren inneren Problemen. Das erste davon ist das Problem der fehlenden inhaltlichen Verbindung zwischen den zwei W-Äquivalenzen.[6] Eine solche fehlende Verbindung produziert Sätze, in denen noch keine logische Einheit besteht, und aus diesem Grund sind sie nicht interpretativ. Ein Beispiel dafür wäre der Satz „Der Tisch ist rund, ist nur dann wahr, wenn das Haus weiß ist“. Bereits intuitiv erkennt man, dass ein solches Beispiel sinnlos ist. Gegen die Konvention W sind aber solche Argumente sehr schwach, weil sie ihren holistischen Charakter nicht berücksichtigen. Wenn für die Erstellung einer Bedeutungstheorie die Kenntnis über den Wahrheitswert grundlegend ist, so muss man sie aus der Bedeutung und Struktur des Satzes herausfinden. Die Bedeutung des Satzes hängt ihrerseits von der Bedeutung der darin erhaltenen Wörter und der logischen Verbindungen dazwischen ab. Um die genaue Bedeutung des Satzes zu erfahren, muss man dennoch die gesamte Bedeutung der Sprache kennen. Diese Kenntnis erlaubt die Erkennung der logischen Fehler und der irrelevanten Teile einer Konvention W. Und darüber hinaus impliziert der Holismus der Konvention, dass alle ihre Elemente wahr sein müssen, damit sie überhaupt interpretierbar sein kann. Zu Letzterem ist noch eine wichtige Eigenschaft anzumerken: man muss nicht auf die Übersetzungsfolge aufpassen, denn wenn die beiden W-Äquivalenzen übereinstimmen, ist es nicht mehr wichtig, ob die linke die rechte übersetzt oder umgekehrt.

[...]


[1] Glüer, Kathirin: Donald Davidson zur Einführung (Hamburg, 1993); S.15

[2] Davidson, Kapitel 10

[3] Davidson, Kapitel 9

[4] Glüer, Kathrin: Donald Davidson zur Einführung (Hamburg, 1993); S. 18

[5] Wheeler, Darrell: On Davidson (London, 2003); S. 6-7

[6] Glüer, Kathrin: Donald Davidson zur Einführung (Hamburg, 1993); S. 29

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutungstheorie Donald Davidsons
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,00
Autor
Jahr
2009
Seiten
24
Katalognummer
V264331
ISBN (eBook)
9783656536017
ISBN (Buch)
9783656536680
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutungstheorie, donald, davidsons
Arbeit zitieren
Evelina Kirilova (Autor), 2009, Die Bedeutungstheorie Donald Davidsons, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264331

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