Die Staatsverschuldung in Europa

Analyse von Herkunft und Auswirkungen der bestehenden öffentlichen Verschuldung


Hausarbeit, 2013

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

1 Einleitung

2 Die theoretischen Rahmenbedingungen
2.1 Die Herleitung von Budgetdefizit und Staatsverschuldung
2.2 Das "Dieses Mal ist alles anders"-Modell
2.3 Das ricardianische Äquivalenztheore m
2.4 Die Arten der Staatsverschuldung

3 Die Staatsverschuldung in Europa

4 Ergebnisse und Handlungsempfehlungen

5 Lite raturverzeichnis

6 Anhang

Verzeichnis der Abbildungen

Abbildung 1: „Dieses Mal ist alles anders“-Modell

Abbildung 2: Handelsungleichgewichte in der Europäischen Union

Abbildung 3: Staatsverschuldung in der Europäischen Union und Euro-Zone

Abbildung 4: Deutschlandsstaatsschulden seit 1850

1 Einleitung

Im Umgang mit der Staatsverschuldung existieren nur marginale Differenzen zwischen den demokratisch legitimierten Regierungen der Neuzeit und den absoluten Monarchien im 18. Jahrhundert. Die Aufnahme von Krediten ist im ersten Moment unproblematisch und ist nicht besorgniserregend. Erst wenn die Prolongierung fraglich wird, da das Ansehen des Staates gelitten hat, wird das Problem erkennbar, ist aber in der Realität nicht angekommen. Im Idealfall überdauert die Situation mehre Wahlperioden, in denen die Gewählten mehr ausgeben konnten, als sie eigentlich zur Verfügung hatten um an ihrer Profilierung zu arbeiten. Was bleibt, ist der Begriff der Altlasten, den man sonst nur im Zusammenhang mit Atom- und Chemieabfällen verwendet.

Die Schulden, die einige Länder in Europa angehäuft haben ließen die internationalen Finanzmärkte an deren Tragfähigkeit zweifeln, weswegen es zur Zuspitzung der Eurokrise kam. Gleichzeitigt stellte sich die Frage, ob eine weitere Prolongierung der Kredite ratsam wäre. (Vgl. Bieling, 2011, S. 76 ff.) Die Ursachen der Verschuldung sind von Land zu Land unterschiedlich und sollen in dieser Hausarbeit nur am Rande besprochen werden. Besonderes Augenmerk soll hingegen auf die Entwicklung in Deutschland gelegt werden.

Ziel dieser Hausarbeit ist es nun, die Herkunft und die Auswirkungen der Verschuldung zu untersuchen. Hierzu werden im ersten Teil verschiedene theoretischen Grundlagen besprochen. Anschließend werden diese Grundlagen zur Analyse der Situation in Europa herangezogen, um abschließend die Ergebnisse zusammen zu fassen und Handlungsempfehlungen auszusprechen, die zu einer Lösung der Verschuldungsproblematik beitragen können.

2 Die theoretischen Rahmenbedingungen

2.1 Die Herleitung von Budgetdefizits und Staatsverschuldung

Wer die Tragfähigkeit der öffentlichen Fina nzen abschätzen möchte, muss zu allererst die staatliche Budgetrestriktion ableiten. Diese setzt voraus, dass über die Zeit(t) die öffentlichen Einnahmen, bestehend aus Steuereinnahmen ( ) und der Kreditaufnahme ( ) den Ausgaben entsprechen, die sich aus den Ausgaben für Waren und Dienstleistungen ( ) und der Tilgung und Zinszahlung für die Schulden der Vorperiode zusammensetzen. Wobei der Nominalzins der Staatsanleihen streng positiv sein muss (i> 0). Aus diesen Annahmen ergibt sich die Budgetrestriktion (Vgl. Feld et al., 2013, S. 4 ff.):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch Umstellen von Gleichung[1] kann gezeigt werden, dass die Veränderung der nominalen Schulden ( ) dem Haushaltssaldo entspricht. Ein positiver Term auf der rechten Seite der Gleichung[2] zeigt ein Haushaltsdefizit, während ein negativer einen Haushaltsüberschuss aufzeigt (Vgl. Ebenda).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Differenz zwischen Staatsausgaben ( ) und Steuereinnahmen ( ) wird oft als der Primärsaldo ( ) bezeichnet. Die Gleichung[2] kann daher vereinfacht werden zu:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die öffentliche Verschuldung ist dann nachhaltig, wenn die Wachstumsrate der öffentlichen Verschuldung die Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes nicht übersteigt. Andauernde Haushalsdefizite sind also nicht zwangsläufig mit einer Belastung für die öffentlichen Finanzen gleichzusetzen. Um das BIP der Periode in Gleichung[3] einzubinden wird die nominelle BIP-Wachstumsrate eingeführt, das Verhältnis der Steuereinnahmen zum BIP , sowie das Verhältnis der öffentlichen Ausgaben für Waren und Dienstleistungen zum BIP und darüber hinaus das Verhältnis von Schulden zum BIP . Das Verhältnis des Budgetsaldo zum BIP wird folglich als ausgedrückt. Dies führt zu Gleichung[4] (Vgl. ebd.):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch Gleichung [4] wird offensichtlich, dass mit einem Anstieg der öffentlichen Verschuldungsquote ( zu rechnen ist, wenn die Regierung ein Haushaltsdefizit ( verursacht und gleichzeitig der Nominalzins die nominelle BIP-Wachstumsrate ( übersteigt, was langfristig unhaltbar ist. Dies kann, unter der Annahme konstanter Zinsen und Wachstumsraten, durch Iteration der Gleichung[4] nach vorn gezeigt werden kann (Vgl. ebd.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Gleichung[5] steht für das reale BIP-Wachstum, für den realen Zins und π für die Inflationsrate. Es wird gezeigt, dass in einer Situation, in der ( und ( immer mehr neue Schulden benötigt werden, damit die alten getilgt und die Zinsen bedient werden können. Die intertemporale Budgetrestriktion sorgt dafür, dass ab einem bestimmten Punkt, der von den Markterwartungen abhängt, die Kreditgeber ihr Angebot einschränken, da sie die Kreditwürdigkeit des Staates anzweifeln. Übersteigt hingegen langfristig die Wachstumsrate des BIP den Zinssatz, ist die Regierung in der Lage die Schulden zu prolongieren und ein Ponzi-Schema zu betreiben. Unter der Annahme, dass Gleichung[5] in jeder Periode zutrifft, ist der Barwert der aktuellen Budgetrestriktion gegeben durch (Vgl. ebd.):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gleichung[6] impliziert zwei sich ergänzende Bedingungen für eine nachhaltige gleichgewichtige Finanzpolitik. Die erste Bedingung ist erfüllt, wenn der zweite Term auf der rechten Seite, welcher den abgezinsten Barwert der öffentlichen Schuldenquote darstellt, sich an Null annähert, wenn T unendlich groß ist. Ist dies der Fall muss das Ponzi-Schema scheitern. Der Abzinsungsfaktor der zukünftigen öffentlichen Verschuldung hängt vom Realzins sowie der realen Wachstumsrate der Wirtschaft ab und ist entscheidend für die Beurteilung der Nachhaltigkeit der Fiskalpolitik. Unter der Annahme, dass die Zinsen die Wachstumsrate des BIPs übersteigen, ist es für Gleichung [7] notwendig vorauszusetzen, dass die realen Zinsen den Anstieg der Schuldenquote nicht übertreffen (Vgl. ebd.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die zweite Bedingung, die durch Gleichung[8] dargestellt ist, setzt voraus, da ss die diskontierten Budgetsalden der aktuellen Schuldenquote entsprechen. Die öffentlichen Finanzen sind also dann nachhaltig, wenn das aktuelle Defizit durch künftig Überschüsse ausgeglichen werden kann, wobei diese Restriktion nicht notwendig ist, wenn die wachsende Schuldenlast durch ein ausreichendes Wirtschaftswachstum abgesichert ist, wie oben gezeigt wurde. Übersteigt das reale Wachstum des Bruttoinlandsproduktes langfristig den realen Zinssatz, kommt es, ohne Primärüberschüsse notwendig sind, zu einer Reduzierung der Staatsschuldenquote (Vgl. ebd.).

2.2 Das „Dieses Mal ist alles anders“-Modell

Dass Finanzkrisen kein neues Phänomen sind, zeigen Reinhart und Rogoff in „Dieses Mal ist alles anders“. Sie brachen wiederkehrend in verschiedenen Ländern aus, sodass sich nach der Analyse von achthundert Jahren ein Ablaufmuster (Abbildung 1) erkennen lässt, an dessen Ende nicht zwangsläufig der Staatsbankrott steht. Es lassen sich auch keine allgemeingültigen Aussagen treffen. In der Regel kommt es vor dem Ausbruch der Banken- oder Währungskrisen, zu einer Finanzmarktliberalisierung, die den Banken den Zugang zu ausländischen Krediten ermöglicht, die Geldmenge ausweitet und die Vergabe riskanter Kredite anregt. Die erhöhte Kreditnachfrage der Privaten lässt Preise für Assets ansteigen, wobei die Bankbilanzen durch falsche Kreditentscheidungen nach und nach geschwächt werden und damit der Grundstein für die beginnende Bankenkrise gelegt wird, die in der Regel bei kleineren Instituten beginnt und durch Zahlungsausfälle systemisch wird. Anschließend tritt die Zentralbank als Kreditgeber der letzten Instanz für die Institute auf, deren Solvenz auf Grund von mangelnder Liquidität gefährdet ist, wobei es zu Interessenkonflikten und Moral Hazard kommt. Außerdem legte die Zentralbank oft die Basis für den Währungszusammenbruch, da sie krisenbedingt von ihre selbstbestimmte Geldpolitische Regel verletzt und das Vertrauen des Marktes verliert (Vgl. Reinhart; Rogoff, 2011, S. 372 ff.).

Anschließend verschlimmert sich die Situation durch Abwertung bzw. Wertminderung der Währung. Hierbei treten drei Probleme in den Vordergrund. Die Fremdwährungskredite1 der Banken werden schwerer zu bedienen, da sich die Relationen der Währungen zu ihren Ungunsten verschieben. Außerdem kommt es üblicherweise zu einer Steigerung der Inflation, da die importierten Güter eine Preissteigerung erfahren. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die staatlichen Fremdwährungskredite nicht zurückgezahlt werden können, was zu einer Steigerung der Risikoprämie, also einem Zinsaufschlag führt. Im folgenden Stadium verschärft sich entweder die Bankenkrise im Anschluss an den Währungszusammenbruch oder verschlimmert sich weiter, da sich die Krise auf die Realwirtschaft ausgeweitet hat und auf einen gesamtwirtschaftlichen Zahlungsausfall hinausläuft (ebd.). Rogoff und Reinhart können keine allgemeingültige Abfolge dieser Krisenereignisse erkennen. Darüber hinaus kommen sie zu dem Ergebnis, dass sich: „Zahlungsausfälle bei Inlandsschulden […] ohne ersichtliches Muster vor, während und nach Zahlungsausfällen bei Auslandsschulden ereignet [haben]. Was die Inflation betrifft, weisen die […] präsentierten Erkenntnisse ausnahmslos auf einen deutlichen Anstieg der Inflation nach einem Zahlungsausfall hin, vor allem nach einem Zwillingszahlungsausfall (bei Inlands- und Auslandsschulden gleichzeitig)“(Reinhart; Rogoff, 2011, S. 374)

[...]


1 Dass Staatsschulden, die in Fremdwährungen zurückgezahlt werden müssen, als gefährlicher angesehen werden, ist in der heutigen Zeit ein Vorurteil. Begründet wird dies durch die Ereignisse, der Weimarer Republik und der Kriegsschuldenregelungen des 20. Jahrhunderts, denn der Staat kann sich über die Inflation einfacher im Inland entschulden, als dies im Ausland möglich wäre. Dieser Standpunkt verstößt jedoch gegen das Prinzip der Nichtdiskriminierung der WTO. Faktisch, sind Inländische von Ausländischen Gläubigern kaum noch zu unterscheiden. Dies wäre nur möglich, wenn man die langfristige Abwanderung von Kapital und M enschen durch Repressionen verhindert und damit Abschied nimmt von der Idee einer offenen Gesellschaft. (Vgl. Herbert Giersch in Lingelbach (H g.), 2000, S.121)

2 Das Theorem wurde von David Ricardos in Funding Systems erörtert, aber als unrealistisch verworfen, da er erwartet, dass die Bürger die zukünftigen Steuerbelastungen systematisch unterschätzen (Vgl. M cCulloch, 1888, S.515). Robert J. Barro griff das Theorem 1974 neu auf und verbreitete es um die Konjunkturpolitik des Keynesianismus zu kritisieren, weshalb auch von der Barro-Ricardo-Proposition gesprochen wird (Briotti, Gabriella 2005, S. 13).

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Staatsverschuldung in Europa
Untertitel
Analyse von Herkunft und Auswirkungen der bestehenden öffentlichen Verschuldung
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V264349
ISBN (eBook)
9783656536123
ISBN (Buch)
9783656539063
Dateigröße
676 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
staatsverschuldung, europa, analyse, herkunft, auswirkungen, verschuldung
Arbeit zitieren
André Piepenburg (Autor:in), 2013, Die Staatsverschuldung in Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264349

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