Der Begriff Simonie leitet sich von der biblischen Figur Simon Magus ab. In der Bibel heißt es: „Als die Apostel in Jerusalem hörten, daß Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. Diese zogen hinab und beteten für sie, sie möchten den Heiligen Geist empfangen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen Jesu, des Herrn, getauft. Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist. Als Simon sah, daß durch die Handauflegung der Apostel der Geist verliehen wurde, brachte er ihnen Geld und sagte: Gebt auch mir diese Macht, damit jeder, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfängt. Petrus aber sagte zu ihm: Dein Silber fahre mit dir ins Verderben, wenn du meinst, die Gabe Gottes lasse sich für Geld kaufen. Du hast weder einen Anteil daran, noch ein Recht darauf, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott. Wende dich von deiner Bosheit ab, und bitte den Herrn, vielleicht wird dir dein Ansinnen vergeben.“
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Rolle des Adels bei der Besetzung kirchlicher Ämter
1. Der Einfluss des Adels auf die Kirche
1.1 Das Eigenkirchenwesen
1.2 Die ottonisch-salische Reichskirche
2. Legitimation des Herrschers – Sakrale Überhöhung
III. Kampf der Kirche – Das Reformpapsttum des 11. Jahrhunderts
1. Heinrich III. und Papst Leo IX. – regnum und sacerdotium gemeinsam gegen Simonie
1.1 Die Synoden von Sutri und Rom unter der Herrschaft Heinrichs III.
1.2 Der Kampf gegen Simonie unter dem Pontifikat Leos IX.
1.3 Unterstützer der Reform – Humbert de Silva Candida
2. Bruno von Segni: Libellus de symoniacis – Ein späterer Beitrag zur Simonie
3. Das Ziel Gregors VII. – „die simonistische Häresie auszumerzen“
IV. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Kampf gegen die Simonie im Rahmen der kirchlichen Reformbewegung des 11. Jahrhunderts, wobei insbesondere das komplexe Spannungsfeld zwischen der Macht des Adels, der sakralen Legitimation der Herrscher und den Bestrebungen der Reformpäpste zur Autonomie der Kirche analysiert wird.
- Strukturen des Eigenkirchenwesens und der ottonisch-salischen Reichskirche
- Die sakrale Legitimation und machtpolitische Rolle des Herrschers
- Die Rolle der Synoden von Sutri und Rom bei der Neuausrichtung des Papsttums
- Theologische und kirchenrechtliche Auseinandersetzungen über die Gültigkeit simonistischer Weihen
Auszug aus dem Buch
1.2 Die ottonisch-salische Reichskirche
Schon lange hat die Forschung die zentrale Bedeutung der Verfügung über kirchliche Ämter für die Herrschaftsausübung und -sicherung, insbesondere für die Ottonen- und Salierzeit, bemerkt. Die ältere Forschung meinte gar, darin ein Reichskirchensystem zu erkennen. Leo Santifaller versteht darunter „das besondere und eigentümliche Verhältnis von Religion, Kirche und Staat im Zeitalter der Ottonen und ersten Salier“. Dies äußere sich laut Santifaller: „in der besonderen Stellung des Königs, in der ausgedehnten Ansammlung staatlicher Hoheitsrechte in den Händen der Kirche und in der umfassenden Beteiligung der Kirche an der Reichsregierung sowie der [...] ausgedehnten Herrschaft des Staates über die Kirche einschließlich des Papsttums seit der Mitte des 10. Jahrhunderts.“
Der Begriff Reichskirchensystem ist von der neueren Forschung allerdings zurückgewiesen worden, suggeriert er doch etwas Planvolles und institutionell Verankertes, was so nicht festgestellt werden konnte. Gerd Tellenbach weist dabei auf die Problematik der Bezeichnung und Definition Santifallers hin: „Die Definition [...] bedient sich freilich in eher einer Weise der Begriffe von Kirche und Reichsverfassung, die uns problematisch anmutet. Das 'eigentümliche Verhältnis von Religion, Kirche und Staat' erscheint uns in vieler Hinsicht eher unsystematisch.“ Vor allem Timothy Reuter lehnt die Bezeichnung ab: „It was by no means [...] systematic“. Er geht so weit, die ottonisch-salische Reichskirche gänzlich in Frage zu stellen: „Had the Reichskirchensystem really been different in kind from other national Churches, one would expect it to have had a different kind of organisation. It did not. There was no Reichskirche in the sense of a special or separate organisation“. Fleckenstein lehnt die Auffassung Reuters entschieden ab, denn die Gleichstellung der Reichskirche mit einer Nationalkirche käme der „Negation der Reichskirche“ gleich. Und auch Schieffer sieht die Kirchenpolitik der Ottonen bzw. Salier mit mehr Konsequenz verfolgt als anderswo, was den „modernen Eindruck von 'Systematik' im ottonischen Vorgehen“ hatte entstehen lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Begriff der Simonie ein und erläutert die Forschungsfrage sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
II. Die Rolle des Adels bei der Besetzung kirchlicher Ämter: In diesem Kapitel werden die Grundlagen des Eigenkirchenwesens und der Reichskirche sowie die sakrale Rolle des Herrschers als Legitimation seiner Macht dargestellt.
III. Kampf der Kirche – Das Reformpapsttum des 11. Jahrhunderts: Dieser Hauptteil analysiert die konkreten Reformschritte unter Heinrich III. und Papst Leo IX. sowie die theoretische Aufarbeitung der Simonie-Problematik durch zeitgenössische Autoren wie Humbert von Silva Candida, Bruno von Segni und Gregor VII.
IV. Zusammenfassung und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse zur Entwicklung der Reformbewegung und der Überwindung der Simonie unter Berücksichtigung des Spannungsverhältnisses zwischen regnum und sacerdotium zusammengefasst.
Schlüsselwörter
Simonie, Kirchenreform, 11. Jahrhundert, Reichskirche, Eigenkirchenwesen, Papsttum, Heinrich III., Leo IX., Gregor VII., Investitur, regnum, sacerdotium, Simonist, Sakralkönigtum, Humbert von Silva Candida
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die kirchenpolitischen und theologischen Anstrengungen im 11. Jahrhundert, den Verkauf kirchlicher Ämter und Weihen, die sogenannte Simonie, zu unterbinden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Rolle des Adels bei der Ämtervergabe, das Selbstverständnis des mittelalterlichen Königtums als sakrale Instanz sowie der Reformprozess der römischen Kirche.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Kirche unter den Reformpäpsten versuchte, sich durch die Bekämpfung der Simonie von der weltlichen Einflussnahme zu emanzipieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kirchen- und verfassungsgeschichtliche Analyse, die primär auf zeitgenössischen Traktaten, Briefen und Synodalbeschlüssen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Synoden von Sutri und Rom, der Amtszeit Leos IX. und der theologischen Argumentation gegen Simonisten durch Kardinäle und Päpste.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem zentralen Begriff der Simonie sind Begriffe wie Reichskirche, Investiturstreit, regnum, sacerdotium und päpstliche Reformautonomie prägend.
Wie bewerten die Reformatoren die Weihen von Simonisten?
Es gab unterschiedliche Ansätze: Während Petrus Damiani die Weihen unter Bedingungen als gültig ansah, lehnte Humbert von Silva Candida diese aufgrund der Häresie des Simonisten radikal ab.
Welche Rolle spielt die "sakrale Überhöhung" des Herrschers?
Die sakrale Überhöhung diente den Königen als Legitimation ihrer Macht, verlor aber an Überzeugungskraft, je stärker die Kirche auf einer klaren Trennung zwischen geistlicher und weltlicher Sphäre beharrte.
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- Elisabeth Seidel (Author), 2012, Der Kampf gegen Simonie im Zuge der Kirchenreform des 11. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264453