Wer künstlerisch tätig sein will, braucht dafür Zeit, Motivation und Mittel. Erstgenannte Bedingung ist dem freien Künstler, dem hauptberuflichen ,Artisten' eigen, der sich nicht an Werktagen mit einem anderen Beruf seinen Lebensunterhalt zu verdienen gezwungen ist. Zweitgenannte Voraussetzung ergibt sich aus verschiedensten Lebenslagen. Motive finden sich beispielsweise im Glauben und in der Religion, in der Politik, in der Moral und Ethik und nicht zuletzt auch im Auftrag durch den Arbeitgeber. In der höfischen Literatur des deutschen Mittelalters spielt das Mäzenatentum daher eine große Rolle. Nur wenige Dichter waren finanziell unabhängig und nicht auf einen Herrscher als Geldgeber angewiesen. Unterstützung bekam der mittelalterliche Schriftsteller, der sowohl Unterhaltungskünstler als auch Redner und Sänger war, in Form von Existenz sicherndem Unterhalt. Dadurch wurde ihm das Singen am Hofe ermöglicht und die Mittel als Voraussetzung für die künstlerische Tätigkeit waren gewährleistet.
Nach wie vor ist die Frage nach dem Nutzen der Kunst aktuell. Die Problematik, die sich für Autoren ergibt, die dafür Sorge zu tragen haben, dass sich ihr Gönner in ihren Werken wieder findet, hat nichts von ihrer Brisanz verloren. Dennoch sind heute Sponsorennamen eher äußerlich sichtbar, als inhaltlich thematisch verarbeitet. Das liegt vor allem daran, dass die Rezeption sich vom auditiven zum visuellen verändert hat, da die breite Masse der Bevölkerung lesen kann und die früher noch unschickliche Volkssprache Deutsch das Latein nahezu gänzlich abgelöst hat (zumal der gebildete Leser in der Regel über ein gewisses Maß an Fremdsprachenkenntnis verfügt).
Nichtsdestoweniger ist in der Textanalyse nach wie vor Vorsicht geboten: Stets wird gerade in ideologisch eingefärbten Schriften die Beziehung zwischen Autor und Auftraggeber der Schrift untersucht, bevor ein Urteil über den Grad der Objektivität des Schreibens möglich wird. Autorschaft wird in diesem Zusammenhang oft als eine Art Dienstleistung verstanden, die der Autor dem Geldgeber entgegenbringt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Über die Wahrnehmung des Autors von sich selbst und seiner Umwelt
II.I Subjektivität und Selbstdarstellung des Autors
II.II Geschichtsschreiber und politischer Redner –Autorschaft im Wandel der Zeit
II.III Huld dem Herrscher! –So viel wie nötig, so wenig wie möglich?
III. Die Beziehung von Mäzenen und Dichtern in mittelalterlicher Literatur
III.I Beziehung
III.II Beziehung
IV. Fazit
Das Abhängigkeitsverhältnis von Kunst und Realität –
Mäzenatentum und Autorschaft im Mittelalter
Häufig gestellte Fragen
Welche Bedeutung hatte das Mäzenatentum im Mittelalter?
Da nur wenige Dichter finanziell unabhängig waren, ermöglichten Gönner (Mäzene) durch die Sicherung des Lebensunterhalts die künstlerische Tätigkeit der Schriftsteller an den Höfen.
Wie beeinflusste der Auftraggeber den Inhalt der Werke?
Autorschaft wurde oft als Dienstleistung verstanden. Der Autor musste sicherstellen, dass sich der Gönner im Werk widerspiegelt, was die Objektivität der Texte beeinflussen konnte.
Warum änderte sich die Rezeption von Literatur im Mittelalter?
Die Rezeption wandelte sich allmählich vom Hören (auditiv) zum Lesen (visuell), da die Volkssprache Deutsch das Latein verdrängte und die Alphabetisierung zunahm.
Was war die Rolle des Autors gegenüber dem Herrscher?
Der Autor fungierte oft als politischer Redner oder Sänger, der dem Herrscher huldigen musste, um seine Existenzgrundlage zu sichern.
Was unterscheidet mittelalterliches Sponsoring von heutigem?
Während Sponsoren heute meist nur äußerlich sichtbar sind, waren mittelalterliche Mäzene oft inhaltlich und thematisch tief in den Werken verarbeitet.
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- Hannah Grün (Autor), 2011, Mäzenatentum und Autorschaft im Mittelalter, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264488