Geschichte am Cover

Geschichtsjournalismus auf den Titelseiten von Profil und Spiegel


Seminararbeit, 2012

31 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtsjournalismus in den Printmedien

3. Nachrichtenmagazine

4. Die Titelseite

5. Untersuchungsmethode
5.1. Inhaltsanalyse
5.2. Untersuchungsgegenstand
5.2.1. Das Profil
5.2.2. Der Spiegel
5.3. Vorgehensweise

6. Ergebnisse/Auswertung
6.1. Auswertung Profil
6.2. Auswertung Spiegel
6.3. Vergleich: Profil vs. Spiegel

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

Geschichte am Cover

Geschichtsjournalismus auf den Titelseiten von Profil und Spiegel

„[Titelbilder] sollen beim ersten, manchmal nur flüchtigen Hinsehen das Thema der Titelgeschichte signalisieren, aus der Entfernung die Wirkung eines Plakats haben und auch aus der Nähe dem Blick noch standhalten. Examinierte Grafiker sitzen wöchentlich an dieser Pflicht, delegieren spezielle Aufgaben an Fotografen, an andere Grafiker und Künstler; sie diskutieren, skizzieren, mischen, sie brüten und hexen – früher an Zeichentischen, heute an ihren für mich Zauberkästen gleichen Computern.“ (Augstein 2000: 6)

1. Einleitung

History sells. Dies beweist die Tatsache, dass Geschichte in den letzten Jahren immer mehr an öffentlicher Aufmerksamkeit und gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen hat. Gerade in den letzten Jahren haben sich viele unterschiedliche Formate der Vermittlung und Präsentation von Geschichte herausgebildet, welche von einem breiten Publikum rezipiert werden (vgl. Horn/Sauer 2009: 9).

„Fernsehfilme wie ‚Dresden’, ‚Die Flucht’ oder ‚Die Gustloff’ erweisen sich als Straßenfeger, Kinofilme wie ‚Good bye Lenin’ oder ‚Das Leben der Anderen’ feiern internationale Erfolge. In den Buchhandlungen füllen historische Romane ganze Regale. Historische Museen und Ausstellungen erfreuen sich eines längst nicht nur bildungsbürgerlichen Interesses. Und historische Debatten […] erregen die Öffentlichkeit und lassen den Blätterwald rauschen. Kein Zweifel: Geschichte hat Konjunktur.“ (Horn/Sauer 2009: 9)

Kommunikationswissenschaftler als auch Historiker sind sich darüber einig, dass das Genre des Geschichtsjournalismus in den letzten Jahren geprägt worden ist, einen Aufschwung genießt und ganz klar im Kommen ist. In dieser Seminararbeit soll versucht werden zu überprüfen, ob dies auch für die Titelgeschichten von Nachrichtenmagazinen zutrifft.

Diese im Rahmen des, an der Universität Salzburg am Fachbereich Kommunikationswissenschaft von Frau Mag. Dr. Martina Thiele angebotenen, Spezialisierungsseminars mit dem Titel Geschichtsjournalismus erstellte Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, die Cover der Nachrichtenmagazine Profil und Spiegel zu untersuchen. Dabei wurden alle Titelbilder von Profil und Spiegel von 1990 bis heute unter die Lupe genommen. Ziel dieser Untersuchung ist es, der Frage auf den Grund zu gehen, wie viele Titelgeschichten der beiden Nachrichtenmagazine geschichtsjournalistische Coverstories sind. Weiters soll versucht werden zu erörtern, ob es einen Anstieg geschichtsjournalistischer Titelgeschichten in Nachrichtenmagazinen gibt.

Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich im zweiten Kapitel zunächst mit dem Phänomen des Geschichtsjournalismus und versucht der Beziehung von Medien und Geschichte näher auf den Grund zu gehen. Interessant erscheinen hier die Fragen worüber und in welchen Ressorts geschichtsjournalistisch berichtet wird. Weiters werden in diesem Kapitel Begriffe wie der Gedenktagsjournalismus oder das kollektive Gedächtnis näher erläutert. Der dritte Teil der Arbeit dreht sich um den Begriff des Nachrichtenmagazins. Hier wird die ursprüngliche Bedeutung der Worte Nachricht und Magazin geschildert und deutlich gemacht, was ein Nachrichtenmagazin eigentlich ausmacht. Das vierte Kapitel der Seminararbeit behandelt das Nachrichtenmagazincover. Welche wesentliche Funktion das Cover für das Nachrichtenmagazin erfüllt, wird hier beleuchtet. Weiterführend soll dann von der theoretischen Einführung und den Begriffserklärungen auf die praktische Untersuchung übergeleitet werden. Dies wird vor allem im fünften Kapitel der Arbeit stattfinden, welches die Untersuchungsmethode beschreiben wird. Im sechsten und vorletzten Arbeitskapitel werden die Untersuchungsergebnisse präsentiert und Vergleiche bzw. Gemeinsamkeiten der Profil - und Spiegel -Titelblätter erörtert. Darauf aufbauend soll die Arbeit mit einem Schlussfazit abschließen.

2. Geschichtsjournalismus in den Printmedien

Geschichte ist für uns allgegenwärtig und sie begegnet uns ständig in unseren unterschiedlichen Lebenswelten. Dieses Phänomen lässt sich unter dem Begriff der „Geschichtskultur“ zusammenfassen. Meistens ist Geschichte als Erlebnis inszeniert und steht in einem unterhaltenden Kontext. Eine bewusste, interessensmotivierte Aufnahme von Geschichte erfolgt eher selten. Aus diesem Grund kommt es häufig zu einer sehr oberflächlichen Geschichtsbildung, bei der das Gefühl für die größeren Zusammenhänge verloren geht. Es mangelt sozusagen an einem übergeordneten Verständnis (vgl. Wogrolly 2000: 8).

Hier liegt es sicher auch am Journalismus, diese Zusammenhänge aufzuzeigen und das Geschichtsbild der Leser, Hörer und Seher zu schärfen. Darüber hinaus haben geschichtliche Themen durchaus auch das Potential, beim Publikum anzukommen. Insbesondere dann, wenn wie beispielsweise in der Zeitgeschichte an die Lebenserfahrung des Publikums angeknüpft werden kann und geschichtliche Inhalte Angebote zur individuellen Identitätskonstruktion liefern (vgl. Arnold/Hömbert/Kinnebrock 2010: 7). Moderne Massenmedien haben die Verantwortung, bei der aktuellen Orientierung behilflich zu sein und dazu bedarf es historischer Ankerpunkte. Das Fernsehen übernimmt hier natürlich eine Vorreiterrolle, dennoch ist auch der Einfluss und die Wirkungsbreite der Printmedien nicht zu unterschätzen. Da das Geschichtsbewusstsein Bestandteil politischer Kultur ist, lässt sich durchaus behaupten, dass die Vermittlung von Geschichte nicht nur zum Informations-, sondern auch zum Kultur- und Bildungsauftrag eines Medienhauses zählt (vgl. Wogrolly 2000: 34).

Grundsätzlich intendiert der Journalismus die Vermittlung von allerneuesten und nicht längst vergangenem Geschehen. Der bekannte Ausspruch: „Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“ verdeutlicht dies. Trotzdem haben laut den Kommunikationswissenschaftlern Klaus Arnold, Walter Hömberg und Susanne Kinnebrock (2010: 7) Verlage und Sender in den letzten Jahren das Thema Geschichte für sich entdeckt. So werden neue Zeitschriften, Zeitschriftenableger oder Fernsehformate über Geschichtsthemen produziert und die Attraktivität historischer Themen steigt. Die genannten Forscher sprechen sogar davon, dass ein neues Ressort bzw. eine neue Form von Journalismus zunehmend an Kontur gewinnt, nämlich der Geschichtsjournalismus.

Ganz allgemein war die Beziehung von Geschichtswissenschaft und Journalismus immer eine interessante, wenn auch nicht ganz spannungsfreie Beziehung. In der Regel hatten (und vielleicht haben) die Fachhistoriker nur selten eine hohe Meinung von Journalistinnen und Journalisten. So entdeckte beispielsweise der einflussreiche Historiker Heinrich von Treitschke in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts zwar einige „sehr tüchtige und ehrenhafte Männer“ unter ihnen, jedoch bestehe die Mehrzahl der Journalistinnen und Journalisten „aus katilinarischen Existenzen“, sozusagen aus Leuten, die sonst im Leben nicht fortgekommen sind. In den klassischen Definitionen stand immer die Seriosität der Wissenschaft gegen die Leichtfertigkeit des Journalismus. Sogar noch bis heute herrscht in gewissen Kreisen die Meinung vor, dass für diejenigen, für welche die akademischen Träume nicht aufgegangen sind, immer noch als „Notausgang“ der Weg in die journalistische Laufbahn bleibt (Ullrich 2009: 177).

Diese Vorbehalte innerhalb der Geschichtswissenschaft gegenüber Printmedien sowie Journalistinnen und Journalisten, die sich mit Geschichtsthemen befassen, sind hartnäckig. Laut Thiele (2009: 186) haben die Ökonomisierung der Hochschulen sowie die daraus entstandenen Legitimationsprobleme der Geschichtswissenschaft dazu geführt, dass sich nun auch Historikerinnen und Historiker mit Gegenständen befassen, die sie bis dahin der von ihnen als „Hilfswissenschaft“ bezeichneten Publizistik- und Kommunikationswissenschaft überlassen hatten. Nichtsdestotrotz – so Thiele (ebd.) gelten „Medien und speziell Zeitungen […] heute in der Geschichtswissenschaft als unverzichtbare ‚Traditionsquellen’. Ihre Archivierung garantiert die Erschließung sowohl lokaler Alltagsgeschichte als auch vergangener Ereignisse mit weltpolitischer Auswirkung.“ Darüber hinaus scheinen wir einen Punkt erreicht zu haben, an dem das Schreiben für Zeitungen nicht mehr karriereschädigend wirkt, sondern sogar das Ansehen fördert.

Somit wendet sich der Journalismus – obwohl die Beziehung zum aktuellen Geschehen als dessen zentrales Kennzeichen genannt wird - paradoxerweise dem Nicht-Aktuellen, der Vergangenheit, zu. Geschichte scheint, auch ohne explizit Gegenwartsbezüge herstellen zu müssen, so etwas wie latente Aktualität zu besitzen. Aus diesem Grund scheint Geschichte für eine journalistische Aufarbeitung geeignet, zumal sie ein Reservoir an spannenden, dramatischen, konfliktreichen und oft gut zu personalisierenden Geschehnissen bereithält (vgl. Arnold/Hömberg/Kinnebrock 2010: 7).

Was die „Historiker-Journalisten“ angeht, so verfügten und verfügen nicht wenige führende Publizisten über eine solide historische Ausbildung. Volker Ullrich (2009: 178) nennt hier einige Beispiele wie etwa Theo Sommer, den langjährigen Chefredakteur und Herausgeber der ZEIT, Hermann Rudolph, den Herausgeber des Tagesspiegels oder Franziska Augstein und Gustav Seibt von der Süddeutschen Zeitung.

Auch Frank Bösch (2010: 45ff.) ist der Meinung, dass die Geschichtswissenschaft und die Geschichtsdarstellung in den Medien – obwohl diese beiden Bereiche meistens als zwei getrennte Sphären angesehen werden – sich durchaus berühren und teilweise auch interagieren. Ausgehend von Pierre Bourdieu schürt er hier die Annahme der Existenz eines zeithistorischen Feldes, in dem viele Spieler agieren, die sich gelegentlich die Bälle auch zuspielen. Der Begriff der „Medialisierung der Zeitgeschichte“ – der auf drei miteinander verbundene Ebenen eingeht – scheint hier von großer Bedeutung. Erstens strukturieren Medien bereits die Entstehung von Ereignissen, Praktiken oder Deutungen, indem sie Geschehnissen bei ihrer Entstehung historischen Charakter geben. Zweitens entscheiden die Medien in hohem Maße mit, wie historische Fragen in der öffentlichen Erinnerung verhandelt werden, wodurch sie auch die Zeitgeschichtsforschung mitprägen und „drittens unterstreicht der Begriff, dass auch die Medien durchaus von einem Subsystem wie der Geschichtswissenschaft mit geprägt werden können.“ (Bösch 2010: 47)

Wann und über welche historischen Ereignisse wird medial berichtet? Was die Präsentation von Geschichte betrifft, so üben die Massenmedien eine entscheidende Selektionsfunktion aus. Der Aspekt der Aktualität spielt hierbei eine ganz besondere Rolle. So beherrscht der Rhythmus „runder“ Erinnerungsdaten mittlerweile den Terminkalender der Historiker-Journalisten (vgl. Ullrich 2009: 178). Auch Thiele (2009: 189) spricht davon, dass Beiträge für historisch interessierte Leserinnen und Leser besonders häufig zu bestimmten Gedenktagen in der Presse zu finden sind. Meistens stehen diese Gedenktage in Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Diktatur, dem Zweiten Weltkrieg und der Shoah. Doch auch anderer international bedeutsamer Ereignisse wird gedacht. So gesehen beispielsweise am 11. September 2011, als sich das Attentat auf das World Trade Center in New York zum zehnten Mal gejährt hat und die Medienberichterstattung darüber nicht ausführlicher hätte sein können. Darüber hinaus gibt es auch Daten - wie beispielsweise den 9. November - an dem sich gleich mehrere Ereignisse von nationaler Bedeutung jähren.

„Mit diesem Datum verbindet sich sowohl die Erinnerung an die Ausrufung der Republik (1918) als auch die an den Hitler-Putsch (‚Marsch auf die Feldherrnhalle’, 1923), den Novemberpogrom (‚Reichskristallnacht’, 1938), Georg Elsers Attentat auf Hitler (1939) und die Maueröffnung in Berlin (1989)“ (Thiele 2009: 190)

An diesen Tagen sind die Zeitungen und Zeitschriften voll von Beiträgen, welche diese historischen Ereignisse thematisieren (vgl. ebd.) In weiterer Folge sollen einige Beispiele für diese Form von Gedenktagsjournalismus aufgezeigt werden: So jährte sich beispielsweise im Jahr 2004 der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 90. Mal. Bereits zu Beginn dieses Jahres begann der Spiegel eine große Serie über „Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, in der auch prominente Historiker zu Wort kamen. Ähnliches wiederholte sich ein Jahr später zum 60. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges. In Anbetracht dieses Ereignisses veranstalteten einige Zeitungen und Zeitschriften diesbezüglich eigene Serien in Form von Erinnerungen von Zeitgenossen an die letzten Kriegstage oder in Form von Interviews mit prominenten Zeitgenossen von heute (vgl. Ullrich 2009: 178f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Spiegel 2005, Nr. 5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Spiegel 2005, Nr. 31

2007 waren es gerade in Deutschland zwei runde Daten, die das Interesse der Medien auf sich zogen. Da war zum einen der 30. Jahrestag des „Deutschen Herbstes“ von 1977 und zum anderen der 40. Jahrestag der Erschießung von Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967, welcher den studentischen Protest innerhalb weniger Tage zu einer Massenbewegung anwachsen ließ. Das Jahr 2008 stand ganz im Zeichen des „Prager Frühlings“ und der „68er-Generation“ sowie des 75. „Jubiläums“ der Machtergreifung von Adolf Hitler. Für Volker Ullrich (2009: 179) scheint es beinahe so, als ob der Hunger nach solchen Events unersättlich sei.

Ein weiterer nicht unwesentlicher Punkt ist der des kollektiven Gedächtnisses. Medien bzw. die mediale Reproduktion von Geschichte spielen eine besondere Rolle in diesem Prozess. Der Begriff „kollektives Gedächtnis“ geht auf den französischen Soziologen Maurice Halbwachs zurück und beschreibt ein durch Kommunikation und Zusammenleben mit anderen Menschen erworbenes, gelerntes, übernommenes, angeeignetes und geteiltes Gedächtnis. Zentral erscheint hier die These der sozialen Bedingtheit des Gedächtnisses, denn ohne sozialen Bezugsrahmen kann sich auch kein individuelles Gedächtnis bilden und erhalten (vgl. Duregger 2011: 13). Unter dem Begriff der „Erinnerungskultur“ werden weiterführend alle Formen und Medien subsumiert, die es aufgrund einer Abrufbarkeit von Wissen Gruppen und Kulturen erlauben, eine kollektive Identität aufzubauen und sich an der Gegenwart zu orientieren (vgl. Assmann 2006: 274).Vittoria Borsò (2001: 12) betont, dass „kulturelles Gedächtnis“ nicht nur als das Abrufen von historischen Inhalten aus externen Speichern verstanden werden kann, sondern dass es sich dabei um einen komplexen Vorgang von Vergessen, Verwerfung und Wiederaufarbeitung handelt.

Astrid Erll (2004: 4) behauptet, dass die Konstitution und Zirkulation von Wissen und Versionen einer gemeinsamen Vergangenheit erst durch Medien ermöglicht wird. Auf kollektiver Ebene – so die Wissenschaftlerin – ist das Gedächtnis stets medial vermittelt bzw. wird es oftmals erst medial konstruiert. Von Bedeutung erscheint die Tatsache, dass das kollektive Gedächtnis keine Abbilder eines vergangenen Geschehens bietet, sondern dass es aufgrund der hochgradigen Selektivität bei der Auswahl der Erinnerungsgegenstände, aufgrund der Überformung vergangenen Geschehens sowie aufgrund der erstaunlichen Wandlungsfähigkeit von Erinnerungsversionen maximal ein aktives und kreatives wirklichkeitserzeugendes Verfahren der Kultur darstellt (vgl. ebd.).

Für die Präsentation von Geschichte unterscheidet Assmann (2007: 149f.) drei Darstellungsverfahren. Diese drei Grundformen, Medien und Formate der Geschichtspräsentation sind das Erzählen, das Ausstellen und das Inszenieren. Die Erzählung stellt für die Autorin die einfachste und packendste Form, eine Vielfalt von Informationen übersichtlich gegliedert und stimulierend aufzubereiten, dar. Beispiele hierfür wären Ursprungserzählungen, Passionsgeschichten, Bildungsromane oder Niedergangs- und Fortschrittserzählungen. Das Ausstellen bezeichnet die Anordnung von historischen Texten, Bildern und Gegenständen im Raum. (vgl. ebd.: 150f.) Bei der Inszenierung lässt sich wiederum zwischen der räumlichen und der medialen Inszenierung unterscheiden. Letztere erscheint besonders für die vorliegende Arbeit relevant. Mediale Inszenierung verwendet bewegte Bilder und umfasst somit den ganzen Bereich der gefilmten und verfilmten Geschichte (vgl. ebd.: 152f.) „Durch Film, Fernsehen, Video und digitale Medien sind der Darstellung von Geschichte ganz neue und massenwirksame öffentliche Arenen hinzugewachsen.“ (Assmann 2007: 152)

Laut Aleida Assmann (2004: 55f.) haben sich in den letzten Jahren im Zuge der Digitalisierung drei Veränderungen des Speichergedächtnisses vollzogen. Hierzu zählen die Übertragung von materiellen auf elektronische Datenträger, die Erweiterung der Speicherkapazität bei drastischer Reduktion der Langzeitstabilität sowie die schnelle Zirkulation und der erweiterte Zugriff. Die Wissenschaftlerin vertritt die These, dass die neuen digitalen Medien die Vorstellung von Kultur als Gedächtnis keineswegs obsolet gemacht, sondern diese Vorstellung erst wirklich hervorgetrieben haben (vgl. Assmann 2004: 57).

Was die Geschichte des Geschichtsjournalismus betrifft, so kann man sagen, dass besonders die Zeitgeschichte sehr stark medialisiert wurde und wird. Gerade nach 1945 hat sich die Medialisierung der Zeitgeschichte deutlich verstärkt. Hier antworteten die Medien auf das große Bedürfnis nach Sinnstiftung und Kontingenzbewältigung. Durch das Aufkommen von Nachrichtenmagazinen sowie des Fernsehens und den Boom der Illustrierten wurden neue Formen der Geschichtsrekonstruktion ermöglicht. Der Zweite Weltkrieg sorgte für eine noch stärkere Auseinandersetzung mit der jüngsten Zeitgeschichte und seit Kriegsende bekam die Zeitgeschichte in den Medien vermehrt die Aufgabe einer historischen Beweisfunktion (vgl. Bösch 2010: 48). In den 1950er Jahren zeigte sich der Stellenwert der medialisierten Zeitgeschichte nicht nur im Kino und den Illustrierten, sondern auch bei den Nachrichtenmagazinen. So druckte der Spiegel beispielsweise bereits in seiner Anfangsphase jährlich immerhin rund einhundert Artikel zu historischen Themen, von denen rund zwei Drittel auf die Zeit des Nationalsozialismus und die Zeitgeschichte nach 1945 entfielen. Auch im Fernsehen nahm die Berichterstattung über den Nationalsozialismus ab 1958 deutlich zu. Auf diese Art und Weise förderten die Medien eine erste Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen (vgl. Bösch 2010: 48f.).

Walter Hömberg (2010: 17ff.) definiert zusätzlich zu dem bereits erwähnten Gedenktagsjournalismus auch den Jubiläums- und den Rückblicksjournalismus als Teil des Geschichtsjournalismus. Als Beispiel für den Jubiläumsjournalismus nennt Hömberg Artikel über das 25-jährige Bestehen des Journalistik-Studiengangs in Eichstätt oder über das 100-Jahr-Jubiläum der Erfindung des ersten Filters für die Zubereitung von satzfreiem Kaffee. Zum Rückblicksjournalismus zählen alle Arten von Wochen-, Monats- oder Jahresrückblicken.

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Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Geschichte am Cover
Untertitel
Geschichtsjournalismus auf den Titelseiten von Profil und Spiegel
Hochschule
Universität Salzburg  (Fachbereich Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Geschichtsjournalismus
Note
2
Autor
Jahr
2012
Seiten
31
Katalognummer
V264518
ISBN (eBook)
9783656539162
ISBN (Buch)
9783656540427
Dateigröße
984 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschichte, cover, geschichtsjournalismus, titelseiten, profil, spiegel
Arbeit zitieren
Josef Schopf (Autor), 2012, Geschichte am Cover, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264518

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