Bergstürze im Laufe der Zeit

Wahrnehmung und Deutung dieser Naturkatastrophe mit besonderem Augenmerk auf den großen Mönchsbergsturz von 1669


Seminararbeit, 2010
21 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Phänomen Bergsturz
2.1. Definition des Begriffes „Bergsturz“
2.2. Forschung
2.3. Zahlen und Fakten
2.4. direkte und indirekte Ursachen

3. Katastrophen durch Bergstürze
3.1. Der Bergsturz von Plurs
3.2. Der Bergsturz von Elm

4. Der große Mönchsbergsturz von 1669
4.1. Rekonstruktion der Geschehnisse
4.2. Ursachen
4.3. Deutung, Wirkung und Wahrnehmung
4.4. Bewältigung der Katastrophe

5. Fazit

Bergstürze im Laufe der Zeit

Wahrnehmung und Deutung dieser Naturkatastrophe mit besonderem Augenmerk auf den großen Mönchsbergsturz von 1669

„Es war in der dritten Morgenstunde des 16. Juli 1669, als ein überaus heftiges Getöse nicht nur den Stadtteil der Gstätten, sondern weithin in der ganzen Stadt die Häuser erdbebengleich zweimal mit gesteigerter Heftigkeit erschütterte und die Bewohner der Stadt, die im tiefen Schlafe lagen, in Bangen jäh erwachen ließ.“ (Mühlbacher 2007: 228)

1. Einleitung

Doch was war passiert in jener Nacht? In den Morgenstunden des 16. Juli 1669, genauer gesagt zwischen zwei und drei Uhr früh, zerstörte ein gigantischer Felssturz vom Salzburger Mönchsberg einen Großteil der anliegenden Gstättengasse und tötete 220 Menschen. Bei diesem Unglück lösten sich gut 110.000 Kubikmeter Gestein vom Mönchsberg. Die Felsen rasten mit einer enormen Geschwindigkeit nach unten und begruben die anliegenden Häuser unter sich (vgl. Petry 2009: 22).

Die riesigen Felsmassen überraschten die Menschen im Schlaf. Die Bewohner der Gstättengasse hatten praktisch keine Chance. 13 Gebäude der Gstättengasse, die Markus-Kirche, das Kirchlein zu „Unserer Lieben Frau am Bergl“ sowie ein Priesterseminar wurden zerstört. Aufgrund des Lärmes kamen Nachbarn und Beichtväter herbeigeeilt, um zu helfen. Man wollte die Verletzten bergen und den Sterbenden beistehen. Doch leider kam es zu einem zweiten Felssturz, durch den dann auch die zur Rettung herbeigeeilten Personen großteils ums Leben kamen (vgl. Flieher 2009: 12).

Laut der Historikerin Katrin Hauer handelt es sich beim „großen Mönchsbergsturz von 1669“ um die schlimmste Naturkatastrophe überhaupt in der Geschichte von Stadt und Land Salzburg (vgl. Petry 2009: 22). Es dauerte einige Tage, bis den Bewohnern Salzburgs, das Ausmaß dieser Katastrophe bewusst war und die Aufräumarbeiten dauerten ein ganzes Jahrzehnt (vgl. Hauer 2009: 11).

Allgemein betrachtet kann man einen Bergsturz als das Endglied einer Steigerungsreihe sehen, die beim Steinschlag beginnt. Wenn die herabfallenden Massen ein Volumen in der Größenordnung von Kubikmetern erreichen, spricht man von einem Felssturz. Erst wenn es zu nachhaltigen Veränderungen in der Topographie kommt, wenn zum Beispiel große Gesteinspartien abstürzen, wird das jeweilige Ereignis zum „Bergsturz“. Am häufigsten treten solche Hangbewegungen naturgemäß in Ländern mit Gebirgen auf. Beispiele dafür wären die Alpenländer, Südamerika, Japan, China oder Indien. Wie bedeutend Fels- und Bergstürze als Naturereignis sind und dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema mit Sicherheit von Bedeutung ist, soll folgendes Beispiel zeigen: laut Angabe von Forschern sollen nur in der Tschechoslowakei in den Jahren 1961 und 1962 9.000 sogenannte Rutschungen aufgetreten sein. Dabei soll eine Fläche von 60.000 ha betroffen gewesen sein. (vgl. König 1984: 205).

Die vorliegende Proseminararbeit beschäftigt sich, wie der Titel schon verrät, mit Bergstürzen im Laufe der Zeit. Geschrieben wurde diese Arbeit im Zuge des Proseminars Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Stadt und Umwelt in der Vormoderne) am Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg. Im Zuge dieser Lehrveranstaltung beschäftigten sich die Studenten gemeinsam mit dem Dozenten Dr. Georg Stöger mit dem Phänomen der Naturkatastrophen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Vor allem auch mit der Frage, wie die Menschen der damaligen Zeit diese Katastrophen wahrgenommen und gedeutet haben. Auch wie man damals darauf reagierte stand im Mittelpunkt dieses Themenschwerpunktes.

An diesen Themenschwerpunkt anknüpfend soll in dieser Arbeit nun das Phänomen des Fels- und Bergsturzes näher beleuchtet werden. Der inhaltliche Aufbau dieser Arbeit schildert sich so, dass zunächst eine generelle Einführung zur Thematik des Bergsturzes gegeben werden soll. Dabei soll geschildert werden, was ein Bergsturz eigentlich ist, welche verschiedenen Grade an Unterscheidung man bei diesen Gesteinsbewegungen kennt und wie ein Bergsturz genau vonstatten geht. Weiters liefert dieses Kapitel einige Zahlen und Fakten, um die Bedeutung dieser Naturereignisse besser einordnen zu können und zu guter Letzt sollen die direkten und indirekten Ursachen für einen Bergsturz unter die Lupe genommen werden.

Im darauffolgenden Kapitel möchte ich auf die Geschichte der Bergstürze eingehen, festhalten, wie gut Bergstürze dokumentiert wurden und einige historische Beispiele nennen. So sollen zum Beispiel der Bergsturz von Plurs aus dem Jahre 1618, der Bergsturz von Elm, der sich 1881 ereignete und Bergstürze in den Anden näher beleuchtet werden. Dabei soll auch darauf eingegangen werden, wie die Betroffenen mit diesem Unglück umgegangen sind.

Das Hauptkapitel des vorliegenden Werkes wird sich dann mit dem „großen Mönchsbergsturz aus dem Jahre 1669“ beschäftigen. Dabei möchte ich genau auf die Gründe für diese Salzburger Naturkatastrophe eingehen, die Zahlen und Fakten der Katastrophe nennen und mich ebenfalls mit der Deutung und Wirkung dieses Ereignisses auseinandersetzen. Dieses Kapitel stützt sich hauptsächlich auf die von der Historikerin Karin Hauer verfasste Diplomarbeit aus dem Jahr 2007 und auf das, sich dem selben Thema widmende, zwei Jahre später erschienene Werk mit dem Titel „der plötzliche Tod“. In diesen beiden Büchern beschreibt Hauer den Mönchsbergsturz in seiner ganzen Grausamkeit. Gegen Ende dieses Kapitels soll noch ein Blick auf die Auswirkungen, die dieser Bergsturz hatte, geworfen werden und näher auf die dadurch eingeführten Schutzmaßnahmen (z.B. die Salzburger Bergputzer) eingegangen werden.

Am Ende der Arbeit sollen die beschriebenen Katastrophen noch einmal miteinander verglichen werden und es soll darauf geachtet werden, ob andere Umgehensweisen mit der Katastrophe bei einer zeitlichen oder regionalen Differenz erkannt werden können.

2. Phänomen Bergsturz

Im nun folgenden Kapitel soll das Naturereignis Bergsturz näher beschrieben werden. Dabei soll zunächst geklärt werden, worum es sich bei einem Berg- oder Felssturz handelt, welche Unterscheidungen es für Gesteinsbewegungen gibt und wie genau ein Bergsturz „funktioniert“. Darauffolgend möchte ich einige Zahlen und Fakten zum Thema nennen, um das Kapitel mit der Darstellung der am häufigsten auftretenden direkten und indirekten Ursachen für Bergstürze zu beenden.

2.1. Definition des Begriffes „Bergsturz“

Aus Sicht der Ingenieurgeologie gilt es bei schnellen Massenbewegungen im Felsgestein zwischen Steinschlag, Block-, Fels- und Bergsturz zu unterscheiden. Das Unterscheidungsmerkmal bildet hier die Steingröße der sich lösenden Masse. So spricht man bei einer Steingröße von bis zu 0,5 m³ von einem Steinschlag, bei einer Steingröße von 0,5 bis 10 m³ von einem Blocksturz, bei einer Steingröße von 10 bis 1.000.000 m³ von einem Felssturz und bei allem, was darüber hinaus geht von einem Bergsturz (vgl. Hauer 2007: 7).

Wenn man den Begriff des Bergsturzes näher erläutern möchte, dann wird man nicht darum herumkommen, sich auch mit Erdrutschen zu befassen. So lässt sich zwischen Rutschungen und Bergstürzen oft keine genaue Abgrenzung durchführen. Gerade im angelsächsischen Sprachgebrauch wird der Begriff „landslides“ oft für beide Phänomene verwendet. Von eigentlichen Rutschungen spricht man, wenn eine Felsmasse eine Bewegung auf einer Gleitfläche durchführt. Bei Bergstürzen spielt dagegen meistens ein freier Fall, in der Regel von Felsmaterial, die Hauptrolle (vgl. König 1984: 205).

Laut Abele (vgl. 1974: 4) handelt es sich, wenn man den Begriff „Bergsturz“ für die Massenbewegung anwendet, um eine Übertreibung im doppelten Sinne. So erklärt der Wissenschaftler, dass es ja kein Berg ist, der bei einem „Bergsturz“ niedergeht, sondern dass es sich – selbst bei den größten Massenbewegungen – um einen Sturz vom Berge handelt. Weiters, so Abele, handelt es sich nur bei sogenannten Fallstürzen um Abstürze im eigentlichen Sinn. „Die im alpinen Raum sehr häufigen ‚Schlipfstürze’, die sich am Fuße ihrer Gleitbahn oft in einen schußstromartigen [sic] Trümmerstrom auflösen, zeigen an keiner Stelle ihrer Fahrbahn eine Sturzbewegung.“ (Miller 1998: 5)

Neben dem ersten - bereits geschilderten - quantitativen Merkmal der Abgrenzung ist das zweite kennzeichnende Merkmal der Bergstürze die hohe Geschwindigkeit. So zählen zu den Bergstürzen laut Abele (vgl. 1974: 4f.) nur diejenigen Massenbewegungen, die in Sekunden oder wenigen Minuten zu Tal fahren. Der Historiker kombiniert weiterführend die beiden bestimmenden Merkmale der Bergstürze, nämlich großes Volumen und hohe Geschwindigkeit und kommt daraufhin zu folgender Definition:

„Bergstürze sind Fels- und Schuttbewegungen, die mit hoher Geschwindigkeit (in Sekunden oder wenigen Minuten) aus Bergflanken niedergehen und im Ablagerungsgebiet ein Volumen von über 1 Mio. m³ besitzen oder eine Fläche von über 0,1 km² bedecken.“ (Abele 1974: 5)

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Bergstürze im Laufe der Zeit
Untertitel
Wahrnehmung und Deutung dieser Naturkatastrophe mit besonderem Augenmerk auf den großen Mönchsbergsturz von 1669
Hochschule
Universität Salzburg  (Fachbereich Geschichte)
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V264530
ISBN (eBook)
9783656538141
ISBN (Buch)
9783656542162
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bergstürze, laufe, zeit, wahrnehmung, deutung, naturkatastrophe, augenmerk, mönchsbergsturz
Arbeit zitieren
Bakk. Komm. BA Josef Schopf (Autor), 2010, Bergstürze im Laufe der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264530

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