Langfristig wirkende gesellschaftliche Entwicklungen haben die Bedingungen, unter denen Kinder und Jugendliche heute aufwachsen, nachhaltig verändert. Soziale Probleme als Folge des Strukturwandels der Familie und der schwierigen Arbeitsmarktsituation, zunehmende Bedeutung von Bildung bei gleichzeitiger Entwertung von geringqualifizierenden Bildungsabschlüssen und steigende Problembelastungen durch den Strukturwandel der Jugendphase und umfassender Individualisierungsprozesse beeinflussen die Kinder und Jugendlichen nachhaltig und haben Auswirkungen auf Schulalltag und Jugendhilfe. Die Schule sieht sich schon lange nicht mehr in der Lage, diesen Entwicklungstendenzen erfolgreich entgegenzutreten und wirkt oft selbst durch ihre Selektions- und Allokationsfunktion als problemerzeugender Faktor. Die Schulsozialarbeit gewinnt dabei als Gegenpol zu Leistungsdruck, Konkurrenzverhalten und Benachteiligungstendenzen zunehmend an Bedeutung. Angetreten, um auch sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen Chancengleichheit zu garantieren, sieht Schulsozialarbeit ihre Funktion vor allem in der Stärkung und Förderung der Persönlichkeitsentwicklung und Handlungskompetenz und der sozialen, schulischen und beruflichen Integration von Kindern und Jugendlichen. Dabei kommt dem Erwerb sozialer Kompetenzen und beruflicher Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Toleranz, Kritikfähigkeit , Verantwortungsbewusstsein, Kompromissbereitschaft und kommunikativen Fähigkeiten eine wesentliche Bedeutung zu, um gesellschaftlichen Anforderungen zu genügen und eigenen Zielen und Ansprüchen gerecht zu werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Schulsozialarbeit
1.1. Begriffserklärung und Entwicklung von Schulsozialarbeit
1.2. Kritikpunkte
1.3. Kriterien professioneller Schulsozialarbeit
2. Training sozialer Kompetenz für Jugendliche
2.1. Der Erwerb sozialer Kompetenz als Entwicklungsaufgabe des Jugendalters
2.1.1. Jugend als eigenständige Lebensphase
2.1.2. Entwicklungsaufgaben des Jugendalters
2.1.3. Entwicklungsaufgabe soziale Kompetenz
2.1.4. Entwicklungsprobleme und Problemverhalten von Jugendlichen
2.2. Lerntheoretische Grundlagen
2.2.1. Modell sozial-kognitiver Informationsverarbeitung
2.2.2. Die sozial kognitive Lerntheorie
2.2.3. Das Konzept der Selbstwirksamkeit
2.3. Ziele
2.4. Zielgruppen
2.5.Methoden
2.6.Aufbau einer Trainingsstunde
2.7.Module
3. Möglichkeiten und Grenzen des Kompetenztrainings
3.1. Effekte
3.2. Anforderungen an das Trainerverhalten
3.3. Kooperation zwischen Schulsozialarbeit und Schule
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das soziale Kompetenztraining als ein Konzept zur Professionalisierung der Schulsozialarbeit, mit dem Ziel, Jugendlichen Unterstützung bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben und der gesellschaftlichen Integration zu bieten.
- Grundlagen und Entwicklung professioneller Schulsozialarbeit
- Entwicklungspsychologische Aspekte und Anforderungen des Jugendalters
- Lerntheoretische Fundierung des Kompetenztrainings
- Praktische Implementierung und Module des Trainingsprogramms
- Bedingungsfaktoren für den Erfolg des Kompetenztrainings im schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Das Jugendalter als eigenständige Lebensphase
Im heutigen Sprachgebrauch scheint es selbstverständlich, von einer eigenständigen Lebensphase der „Jugend“ zu sprechen. Sozialhistorisch gesehen zeigt sich aber, dass die Jugend als eigene Lebensphase in der menschlichen Biographie noch zur Jahrhundertwende nicht bekannt war. Der Übergang ins Arbeitsleben wurde mit dem Ende der Kindheit vollzogen (teilweise schon eher), um sich selbst und die Familie versorgen zu können.
Die Lebensphase Jugend ist in ihrer heute bekannten Form ein Produkt der gesellschaftlichen Entwicklung seit Mitte des 19. Jahrhunderts (Engel, Hurrelmann 1989, S.5) und somit eng mit der historisch entstandenen ökonomischen, politischen und kulturellen Situation einer Gesellschaft verbunden und durch sie überhaupt erst definiert.
Friebel (1983, S.20) bestätigt diese soziologische Sichtweise, wenn er Jugend als „eine durch gesellschaftliche Maßnahmen ermöglichte, eine durch gesellschaftliche Strukturprobleme notwendige Lebensphase zur persönlichen Entwicklung und sozialen Platzierung“ erkennt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Schulsozialarbeit: Dieses Kapitel erläutert den aktuellen Diskussionsstand zur Begriffsdefinition von Schulsozialarbeit und arbeitet Kritikpunkte an der gegenwärtigen Praxis heraus, um Kriterien für eine professionelle Arbeitsweise zu formulieren.
2. Training sozialer Kompetenz für Jugendliche: Hier wird das Konzept des Kompetenztrainings als Beitrag zur Professionalisierung eingeführt, wobei jugendpsychologische Aspekte sowie lerntheoretische Grundlagen, Ziele, Methoden und Modulaufbauten detailliert beschrieben werden.
3. Möglichkeiten und Grenzen des Kompetenztrainings: Im abschließenden Hauptkapitel wird die praktische Umsetzbarkeit des Trainings diskutiert, wobei insbesondere die Rolle des Trainers und die notwendige Kooperation mit der Schule beleuchtet werden.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, soziale Kompetenz, Jugendliche, Jugendalter, Entwicklungsaufgaben, Kompetenztraining, Selbstwirksamkeit, lerntheoretische Grundlagen, Modelllernen, Rollenspiel, Professionalisierung, Kooperation, Bildungssektor, Prävention, Integration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das soziale Kompetenztraining als ein Instrument professioneller Schulsozialarbeit, um Jugendliche bei ihrer persönlichen Entwicklung und gesellschaftlichen Integration zu unterstützen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Definition professioneller Schulsozialarbeit, die entwicklungspsychologischen Anforderungen an Jugendliche, die theoretische Fundierung durch sozial-kognitive Lerntheorien sowie die methodische Ausgestaltung und Evaluation von Kompetenztrainings.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, das soziale Kompetenztraining als ein professionelles Konzept innerhalb der Schulsozialarbeit vorzustellen und aufzuzeigen, wie Kriterien wie integrationsorientierte Kooperation und operationalisierte Zielperspektiven praktisch verwirklicht werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu soziologischen und psychologischen Konzepten (z.B. Modell sozial-kognitiver Informationsverarbeitung, soziale Lerntheorie) sowie der praktischen Reflexion und Evaluation eines durchgeführten Trainingsprogramms an einer Regeschule.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verankerung des Trainings im Jugendalter, die Beschreibung der methodischen Vorgehensweise (u.a. Modelllernen, Rollenspiel) und die Diskussion der Erfolgsbedingungen, wie Trainerverhalten und die Zusammenarbeit zwischen Sozialarbeit und Schule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Schulsozialarbeit, soziale Kompetenz, Jugendalter, Kompetenztraining, Selbstwirksamkeit und Prävention.
Welche Bedeutung hat das Konzept der Selbstwirksamkeit im Training?
Das Konzept der Selbstwirksamkeit ist ein zentraler theoretischer Rahmen des Trainings; die Erfahrung, eigenes Handeln positiv beeinflussen zu können, soll das Selbstvertrauen der Jugendlichen stärken und sie befähigen, kompetent mit schwierigen Problemen umzugehen.
Wie ist die Kooperation zwischen Schule und Schulsozialarbeit in das Training eingebunden?
Eine intensive und integrationsorientierte Zusammenarbeit mit der Schulleitung und den Lehrkräften wird als unerlässlich für die Durchführbarkeit und den Erfolg des Trainings erachtet, wobei die Integration in den Schulunterricht als besonders sinnvoll hervorgehoben wird.
- Quote paper
- Susan Schellknecht (Author), 2003, Training sozialer Kompetenz als eine Möglichkeit professioneller Schulsozialarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26458