Parzival begegnet Rittern. Szenenanalyse


Hausarbeit, 2007

8 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Valeria May

EV von Dr. Fuchs-Jolie zu „Ältere deutsche Literaturwissenschaft“, WS 06

Thema: Parzivals erste Begegnung mit Rittern – Szenenanalyse

1. Thematik, Motivierung

In der vorliegenden Szene aus Wolframs „Parzival“ wird erzählt, wie Parzival als Knabe zum ersten Mal Rittern begegnet. Bei den Rittern handelt es sich um edle Verfolger von Raubrittern, die eine Frau entführt haben. An dieser zweisträngig verlaufenden Handlung entspinnt sich die zentrale Frage nach der Beschaffenheit von Ritterschaft:

(1a) du nennest ritter: waz ist daz? hâstu niht gotlîcher kraft, sô sage mir, wer gît ritterschaft? (Parz 123, 4-6)
(1b) Du hast das Wort „Ritter“ genannt: Was ist das? Hast du nicht gottgleiche Kraft, so sage mir, wer gibt Ritterschaft?

„Wer gibt Ritterschaft?“ fragt der junge Parzival den edlen Ritter, dessen prachtvolle Rüstung ihn fasziniert, und verweist damit unbewusst auf den Akt der Schwertleite, die den Knappen zum Mann machen sollte (vgl. Bumke 2005:322). Und wie auch Bumke (2005:422) schon erkennt, wird Parzivals äußere Schönheit von den Rittern schnell mit hoher Abkunft in Verbindung gebracht und er wird zum Artushof eingeladen.

(2a) daz tuot der künec Artûs. junchêrre, komt ir in des hûs, der bringet iuch an ritters namn, daz irs iuch nimmer durfet schamn. ir mugt wol sîn von ritters art (Parz 123, 11)
(2b) Die gibt der König Artus. Junger Herr, kommt in sein Haus, damit er Euch mit der Ritterschaft vertraut machen kann, so dass Ihr Euch nicht mehr schämen müsst. Ihr seid wohl auch von adliger Abstammung.

Bei der Frage, was an den Rittern ihn eigentlich genau fasziniert, muss auf die psychologische Leitstruktur des „Parzival“ verwiesen werden: Der junge Protagonist stellt sich nämlich vor, er begegne in jenem Moment Gott, denn seine Mutter hatte ihm mal mitgeteilt, dass er mit dem Begriff „Gott“ etwas Strahlendes, Helles verbinden solle (Parz 119, 18-28):

(3a) der knappe wânde sunder spot, daz ieslîcher wære ein got. (Parz 120, 27-28)
(3b) Der Knabe glaubte ganz im Ernst, dass jener ein Gott wäre
(4a) den dûhter als ein got getân: ern hete sô liehtes niht erkant. ûfem touwe der wâpenroc erwant. […] (Parz 121, 30 – 122, 2)
(4b) Diesen hatte er für einen Gott gehalten: er hatte so etwas Leuchtendes noch nie gesehen. Bis zum Tau hinab reichte der Waffenrock
(5a) der knappe wânde, swaz er sprach, ez wære got, als im verjach frou Herzeloyd diu künegîn, dô sim underschiet den liehten schîn. (Parz 122, 21-24)
(5b) Der Knabe dachte bei allem was er sprach, er wäre Gott, wie ihm Frau Herzeloyd die Königin erzählt hatte, als sie ihn belehrte über den hellen Schein.

Dabei soll bereits an dieser Stelle angemerkt sein, dass der Erzähler die Gedanken des Protagonisten Parzival kennt, wie an den verba credendi „glaubte“, „dachte“ und dem darauf folgenden Gedankenbericht zu sehen ist.

Ein weiteres Element neben dem Leitmotiv „Ritterschaft“ ist offenbar die „Schönheit“: Im Mittelalter wurde prunkvolles Auftreten und Schönheit mit Herrschaft und Adel in Verbindung gebracht (vgl. Bumke 2005:385, 419, und 426). Schöne Kleidung galt als Ausdruck von höfischer Erziehung. Es scheint jedoch gerade die körperliche Schönheit des Parzival zu sein, die den Ritter Karnahkarnanz zu faszinieren scheint.

(6a) Aller manne schœne ein bluomen kranz, den vrâgte Karnahkarnanz […] (Parz 122, 13-14)
(6b) Den, der ein Blumenkranz männlicher Schönheit war, fragte Karnahkarnanz […]
(7a) von den helden er geschouwet wart: Dô lac diu gotes kunst an im. […] nie mannes varwe baz geriet vor im sît Adâmes zît. des wart sîn lob von wîben wît. (Parz 123, 12-18)
(7b) Er wurde von den Helden angeschaut, alles Können Gottes lag an ihm. Niemand war an körperlicher Schönheit besser geraten seit Adams Zeit. Deshalb wurde er weit in der Welt von den Frauen gerühmt
(8a) der fürste sprach „got hüete dîn. ôwî wan wær dîn schœne mîn! […]“ (Parz 124:17-18)
(8b) Der Fürst sprach: „Gott hüte dich. Wenn ich doch auch so schön wäre wie du! […]“

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Parzival begegnet Rittern. Szenenanalyse
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Germanistik)
Veranstaltung
Ältere deutsche Literaturwissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
8
Katalognummer
V264609
ISBN (eBook)
9783656539582
ISBN (Buch)
9783656551966
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
parzival, szenenanalyse, ritter, wolfram
Arbeit zitieren
Valeria May (Autor), 2007, Parzival begegnet Rittern. Szenenanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264609

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Parzival begegnet Rittern. Szenenanalyse



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden