Arm und Reich in den Satiren von Juvenal


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zu Person und Werk

3. Warum bedient sich Juvenal der Satire?

4. Inhalte der Satiren
4.1. Themenüberblick
4.2. Übersetzung einer Textpassage und Textkritik
4.3. Arm und Reich in den Satiren Juvenals
4.3.1. Die Pros und Contras des Reichtums
4.3.2. Die Pros und Contras der Armut
4.3.3. Juvenals Stellung in der Gesellschaft und seine Positionierung zu Arm und Reich

5. Schlussbetrachtung – Geißelt Juvenal den Reichtum und preist die Armut?

Quellen

1.Einleitung

difficile est saturam non scribere.[1]

Die Aussage dieses von Juvenal in Vers 30 seiner ersten Satire niedergeschrieben Satzes ist sinnbildlich für sein gesamtes Satirenwerk, in dem er die Missstände der Gesellschaft seiner Zeit und den moralischen Verfall massiv anprangert und aufs Korn nimmt. Kern der vorliegenden Abhandlung ist die Betrachtung der Vermögensverhältnisse der Dichter der damaligen Zeit und die Untersuchung, ob der Autor in seinem Werk den Reichtum geißelt und die Armut preist. Auf Basis meines Referats werde ich dieser Frage anhand einiger Beispiele von Juvenals Satiren nachgehen, um die Frage am Ende zu beantworten.

2.Zu Person und Werk

Genaue Lebensdaten zu Decimus Iunius Iuvenalis, dem „grandiosen letzten römischen Satiriker“[2], wie ihn FUHRMANN nennt, sind kaum bekannt. Er muss etwa von 60 bis 135 n. Chr. gelebt haben. Seine fünf Bücher umfassenden 16 Satiren soll er in den Jahren zwischen 100 und 130 n. Chr. verfasst haben. Wie oben bereits vermerkt, stellen seine Satiren eine Kritik am Verfall der römischen Gesellschaft dar, wie ihn der Autor wahrgenommen hat. Breitgefächert setzt er sich dabei mit dem Leben in der Großstadt, dem Umgang mit Klienten, sexuellen Aktivitäten jeglicher Art, Erbschleicherei, Habgier, dem Beten für falsche Dinge und die falschen Ideale sowie der Armut intellektueller Berufsstände, auf die ich im Laufe dieser Arbeit noch konkreter eingehen werde, auseinander. Juvenal ist sich sicher, dass alle Laster, alle Verdorbenheit, alle moralischen Fehltritte zu seiner Zeit auf dem Höhepunkt angelangt waren. So fragt er in I, 85-87, wann es eine reichhaltigere Menge von Lastern gegeben hätte. Auch FRIEDLAENDER konstatiert mit mehreren Belegen, Juvenal habe „in ausführlichen Schilderungen die Bedürfnisslosigkeit und Unschuld der alten Römer dem Luxus, der Lasterhaftigkeit und Unersättlichkeit seiner Zeitgenossen gegenübergestellt, und auch sonst sind Seitenblicke auf die gute alte Zeit bei ihm häufig.“[3]

Einer philosophischen Strömung lässt sich Juvenal unseren Untersuchungen zufolge nicht strikt zuordnen. Er lehnt sich an manchen Stellen an Ansichten der Stoiker an, an anderen wiederum an Ansichten des Epikureismus. Ihn deshalb als Vertreter einer der beiden Philosophien zu titulieren, wäre unhaltbar und auch falsch. Grundsätzlich ist zu beachten, dass man Juvenal nicht immer mit dem lyrischen Ich gleichsetzen darf, da häufig auch allgemeine Topoi wie die die römische Gesellschaft verschandelnden Griechen oder eben auch der arme Dichter vorkommen.

3.Warum bedient sich Juvenal der Satire?

Juvenal schien sich als eine Art Moralprediger, als die Gesellschaft und deren Begleitumstände Anprangernder zu fühlen. Er hat erwartet, dass der Stoff, die verfasste Kritik etwas beim Leser bewirkt [4] und er mit seiner Literatur derart Einfluss auf sein Publikum nehmen würde, dass sich im sozialen Sektor seiner Zeit dadurch etwas verändert, was ihm aber anscheinend nicht gelungen ist. [5]

„Die echte Satire ist blutreinigend: und wer gesundes Blut hat, der hat auch einen starken Teint. Was darf Satire? Alles.“[6]

Tucholskys Satz über die Satire fasst prima zusammen, weshalb sich Juvenal diesem Genre zugeschrieben hat. Die Satire erlaubt es ihrem Autor moralisch zu predigen, zu spotten, formlos zu schreiben. Er konnte kritisieren und aburteilen. Er konnte sich gehen lassen und sich der für die Gattung typischen Sprache des alltäglichen Lebens, also der Umgangssprache bedienen. Die für letztere typischen Stilmittel, wie u.a. die Ellipse, die Verwendung von Deminutiven oder griechischer Wörter untermauern dies. [7]

„Übertreibt die Satire? Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird…“[8]

Juvenal „konstruiert eine eigene, eine satirische Welt“[9], übertreibt und überspitzt maßlos und schließt – ganz induktiv – besonders gern von Einzelfällen der damaligen Gesellschaft Roms auf überall vorhandene moralische und sittliche Verfehlungen. [10] Wenn er das allerdings nicht täte, sondern seine Eindrücke relativieren würde, so wäre es keine Satire mehr. Was Personen in hohen Positionen oder den Adel überhaupt angeht, verschmäht, verspottet und karikiert er nur bereits Verstorbene, weil er vor den noch Lebenden ebendieser Gesellschaftsvertreter eine zu große Angst vor Rache und Bestrafungen hat, wie er seinen Dialogpartner Naevolus in den Versen 97 ff. der neunten Satire verlauten lässt.

4.Inhalte der Satiren

4.1.Themenüberblick

Wie bereits in 2. erwähnt, ist das Themenspektrum in Juvenals Satirensammlung weitreichend. Thematisiert werden u.a. Geburtsadel und sexuelle Ausschweifungen (VIII, IX, X), Völlerei (XI), Erbschleicherei (XII), Geldverlust (XIII), Kindererziehung und Habsucht (XIV) oder ein Fall von Kannibalismus in Ägypten (XV). Ich möchte hier nur kurz einige Inhalte etwas genauer nennen und parallel dazu Beispiele in Form von Textstellen anführen. So kritisiert er beispielsweise in VI, 186-196 die Griechen, deren Charakteristika bei den Römern immer mehr Einzug hielten. So seien es vor allem die Frauen, die in Bezug auf Mimik, Gestik, Sprache, ihrer Kleidung und auch in sexuellen Eigenarten den Griechen immer ähnlicher wurden. Er nutzt zwar häufig Gräzismen als stilistisches Mittel, kritisiert sie aber auf der anderen Seite. Das Griechische stand im damaligen Rom bekanntermaßen schlichtweg für Verweichlichung. Auch Homosexualität prangert Juvenal an (vgl. II und XI) und macht die Griechen dafür als diese Kultur Einführende verantwortlich. Hierbei sollte man allerdings das ambivalente Verhältnis der Römer zu den Griechen im Auge behalten. Zum einen sind es die Römer gewesen, die in die griechische Kultur eindrangen und nicht umgekehrt. Vor allem im römischen Bildungsbürgertum wurden die Griechen verehrt. Auch muss konstatiert werden, dass ein Verderben auch immer voraussetzt, dass die andere Seite sich auch verderben lässt.

[...]


[1] Knoche, Ulrich: D. Iunius Iuvenalis – Saturae. Max Hueber Verlag, München 1950. S. 2.

[2] Fuhrmann, Manfred: Geschichte der römischen Literatur. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart 1999. S. 318.

[3] Friedlaender, Ludwig: D. Junii Juvenalis – Satura Libri V.. Verlag von S. Hirzel, Leipzig 1895. S. 53 f..

[4] siehe Mueller-Goldingen, Christian: Dichter und Gesellschaft – Vier Studien zur römischen Literatur. LIT Verlag, Berlin 2006. S.10.

[5] siehe ebd.

[6] Kurt Tucholsky in „Berliner Tageblatt“, Nr. 36, 27. Januar 1919.

[7] siehe Friedlaender, Ludwig: D. Junii Juvenalis – Satura Libri V.. S.56 f..

[8] Kurt Tucholsky in „Berliner Tageblatt“.

[9] s. Fuhrmann, Manfred: Geschichte der römischen Literatur. S. 319

[10] vgl. ebd. und Friedlaender, Ludwig: D. Junii Juvenalis – Satura Libri V.. S. 54.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Arm und Reich in den Satiren von Juvenal
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Klassische Philologie)
Veranstaltung
Juvenal, Satiren
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V264630
ISBN (eBook)
9783656541806
ISBN (Buch)
9783656542780
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Arbeit werden die Termini Arm und Reich genauer untersucht und v.a., ob Juvenal einer der beiden Kategorien mehr, weniger oder überhaupt zugetan ist.
Schlagworte
Juvenal, Iuvenal, Iuvenalis, Satire, Satiren, Saturae, Satura, Arm, Reich, Armut, Reichtum, Rom, Roma, Antike, Philologie, Klassische Philologie, Latinistik
Arbeit zitieren
Thomas Köhring (Autor), 2011, Arm und Reich in den Satiren von Juvenal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264630

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