Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Der französische Einfluss auf den höfischen deutschen Wortschatz

Titel: Der französische Einfluss auf den höfischen deutschen Wortschatz

Essay , 2007 , 6 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Valeria May (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Vennemann verzeichnet in seiner diastratischen Untersuchung von Einflüssen anderer Sprachen auf den Deutschen Sprachstamm zunächst ganz allgemein gefasst, die Beeinflussung durch die italischen (lateinischen, romanischen) kulturellen Superstrate auf das Germanische bei der Herausbildung des Deutschen (Vennemann 2000:262). Als ,,Superstrateinflüsse" bezeichnet Vennemann diejenigen Spracheinflüsse, die ,,von oben" kommen, also von Bevölkerungsschichten, die durch ihre gesellschaftliche Position einflussreich waren, wie zum Beispiel Eroberer (vgl. Vennemann 2000:238).

Von einem Einfluss des Französischen als romanischer Tochtersprache des Lateins auf das Deutsche kann jedoch erst in mittelhochdeutscher Zeit gesprochen werden, denn die romanischen Sprachen Französisch oder Italienisch selbst haben sich erst etwa seit dem 9.-10. Jahrhundert herausgebildet, so Öhmann (1974:323). Historisch gesehen kam es erst 843 mit dem Vertrag von Verdun in der Nachfolge Karls des Großen zu einer Teilung des Reiches und zur Entstehung der (König-)Reiche Frankreich und Deutschland.

Bei der Betrachtung des Worteinflusses auf das Mittelhochdeutsche ist erwähnenswert, dass sich das Französische aufgrund der europäischen Bevölkerungsdynamik zunächst auch in den Niederlanden ausbreitete, und dieses also dann teilweise über diesen Umweg entlehnt wurde (vgl. z.B. Öhmann 1974:327). So kann man teilweise in den mittelhochdeutschen Lehnwörtern aus dem Französischen noch Spuren der niederländischen Lautentwicklung finden, wie zum Beispiel bei afrz. eschac > mndl. schaec > mhd. schach, weil dem auslautenden mittelniederländischen c im Mittelhochdeutschen das ch entsprach (vgl. Öhmann 1974:337).

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung: Weddiges Definition des Begriffs „Lehnwort“

1. Historische und geografische Eingrenzung

2. Lexikalische und morphologische Einflüsse

3. Weitere Entwicklung, Ausblicke

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Einfluss der französischen Sprache auf den höfischen deutschen Wortschatz des Mittelalters, analysiert dabei die sprachwissenschaftlichen Kategorien der Entlehnung und beleuchtet die soziokulturellen Hintergründe des Sprachkontakts.

  • Definition des Begriffs „Lehnwort“ im sprachwissenschaftlichen Kontext
  • Historische und geografische Rahmenbedingungen des mittelhochdeutschen Sprachkontakts
  • Lexikalische Entlehnungen und Imitation von Wortbildungsmechanismen
  • Einfluss des französischen Rittertums und der höfischen Kultur auf das Deutsche
  • Diachrone Entwicklung und Nachwirkungen der Entlehnungen

Auszug aus dem Buch

2. Lexikalische und morphologische Einflüsse

Stellt man nun die Frage nach der Qualität der Entlehnung, so kann man dabei nach den am stärksten betroffenen Kategorien der Sprachwissenschaft klassifizieren. Generell formuliert Vennemann (2000:254), dass Syntax und Idiomatik wie Zählsysteme Denkmuster seien, „von denen sich die Substratsprecher nur mühsam – und oft genug gar nicht – trennen“, anders als bei der Lexik und Morphologie, bei denen sich Entlehnungen schneller wiederfinden.

Superstrat war der französische Einfluss auf das Mittelhochdeutsche, weil die höfische Kultur, die in Frankreich bestand, in Europa durch ihren hohen gesellschaftlichen Stellenwert Einfluss auf die anderen europäischen Länder ausübte. Man findet deshalb vorwiegend Entlehnungen in der „ritterlichen Fachsprache und in der Sondersprache der höfischen Welt“, wie Baum (1998:1107) bemerkt. In der Lexik findet man zum Beispiel konkrete Bezeichnungen für „[…] die Kämpfe und Spiele, die Rüstung und die Kleidung, die Standesbezeichnungen, das gesellige Leben usw. der Angehörigen des Ritterstandes […]“ (Öhmann 1974:329). Beispielsweise findet man in Wolframs „Parzival“ den auf das französische zurückgehende Ausdruck „gabylot“ (Parzival 120,16) für einen Wurfspieß, mit dem der Romanheld bewaffnet ist, als er durch den Wald zieht. Es sind aber auch Verben, Adjektive, Präpositionen und Interjektionen entlehnt (vgl. Öhmann (1974:331). Des Weiteren ist zu erwähnen, dass auch ganze Phrasen und Wendungen der französischen höfischen Dichtung mit ihren stilistischen Eigenarten Einzug in den mittelhochdeutschen Wortschatz gefunden haben (vgl. Öhmann 1974:332).

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Weddiges Definition des Begriffs „Lehnwort“: Die Einleitung kritisiert die bestehende Definition des Lehnworts durch Weddige als unzureichend und steckt den methodischen Rahmen der Untersuchung ab.

1. Historische und geografische Eingrenzung: Dieses Kapitel erörtert die kulturellen und gesellschaftlichen Voraussetzungen, wie die Kreuzzüge und höfische Literatur, die den französischen Einfluss auf das Mittelhochdeutsche begünstigten.

2. Lexikalische und morphologische Einflüsse: Hier werden die spezifischen Entlehnungen in Lexik und Wortbildung analysiert, wobei besonders die Übernahme französischer Ableitungssuffixe und der Einfluss auf die höfische Fachsprache hervorgehoben werden.

3. Weitere Entwicklung, Ausblicke: Das abschließende Kapitel diskutiert das Nachlassen des Einflusses nach dem Niedergang des Rittertums und reflektiert über die bewussten sowie unbewussten Motive des Sprachgebrauchs.

Schlüsselwörter

Mittelhochdeutsch, Lehnwort, Französischer Einfluss, Höfische Kultur, Sprachkontakt, Superstrat, Wortbildung, Lexik, Morphologie, Rittertum, Entlehnung, Sprachgeschichte, Sprachwandel, Diachronie, Literaturgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Analyse des französischen Einflusses auf den deutschen Wortschatz während der mittelhochdeutschen Epoche.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf historischen Hintergründen des Sprachkontakts, lexikalischen Übernahmen, der Adaption von Wortbildungsmechanismen und der Rolle der höfischen Kultur.

Was ist das Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die Qualität und Quantität der französischen Spracheinflüsse auf das Deutsche zu untersuchen und dabei sowohl theoretische Definitionen als auch historische Belege kritisch zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?

Die Autorin stützt sich auf die Auswertung sprachwissenschaftlicher Fachliteratur und historischer Textbelege, um die Diskrepanz zwischen theoretischen Modellen und der tatsächlichen Überlieferung zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die historischen Bedingungen (Kapitel 1), danach die linguistischen Kategorien (Kapitel 2) und abschließend die zeitliche Entwicklung des Einflusses (Kapitel 3) diskutiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind unter anderem Lehnwort, Superstrat, höfische Kultur, sprachliche Entlehnung und Morphologie.

Wie unterscheidet die Autorin zwischen verschiedenen Arten der Entlehnung?

Sie unterscheidet zwischen pragmatischen „Bedürfnislehnwörtern“ und bewussten „Luxuslehnwörtern“, die dazu dienten, Prestige und ein höfisches Lokalkolorit zu erzeugen.

Welche Rolle spielten die Kreuzzüge für den Sprachkontakt?

Die Kreuzzüge fungierten als ein zentrales historisches Ereignis, das durch den engen Kontakt zwischen deutschem und französischem Adel den Austausch von kulturellen Phänomenen und damit auch sprachlichen Elementen förderte.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der französische Einfluss auf den höfischen deutschen Wortschatz
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Germanistik)
Veranstaltung
Ältere deutsche Literaturwissenschaft
Note
1,0
Autor
Valeria May (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
6
Katalognummer
V264636
ISBN (eBook)
9783656539704
ISBN (Buch)
9783656575085
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entlehnung Mittelhochdeutsch Französisch Sprachkontakt
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Valeria May (Autor:in), 2007, Der französische Einfluss auf den höfischen deutschen Wortschatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264636
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  6  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum