Reformen des Kleisthenes


Seminararbeit, 2011
15 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Aufstieg des Kleisthenes
1.1 Kleisthenes gegen die Oligarchie
1.2 Kleisthenes Absichten und Ziele

2. Die Reformen des Kleisthenes
2.1 Die Phylen-Reform.
2.2 Militärische Veränderungen
2.3 Gesellschaftliche Veränderungen

3. Kleisthenes: „Der Vater der Demokratie“?

Literaturverzeichnis & Quellenverzeichnis

Einleitung

„What Kleisthenes did“?

Diese Frage stellten sich schon viele Historiker und Studenten. Gleichwohl ist es, durch den großen zeitlichen Abstand, den wir zu diesem Ereignis haben keine leicht zu beantwortende Frage. Der gleichnamige Aufsatz der beiden Historiker Bob Develin und Martin Kilmer weißt auf eines der größten Probleme hin, wenn man sich einem Thema auf dem Gebiet der Alten Geschichte nähern will. Die Quellenlage aus dieser Zeit ist sehr „dünn“.[1] Derjenige der Kleisthenes Schaffenszeit noch am nächsten käme, ist Aristoteles. Dieser hinterließ uns mit seinem Werk – Der Saat der Athener (Athenaion politeia) – viele Informationen über das antike Athen und die Herausbildung der attischen Demokratie. Die Zeit, von Kleisthenes bis zum Ende der Perserkriege, beschreibt er in diesem Werk von Kapitel 20 bis 22.[2] Die Reformen des Kleisthenes datiert er auf das Jahr 508/507 v.Chr.[3], beurteilt Kleisthenes jedoch nur aus den Folgen seines Handelns heraus. Aristoteles bezeichnet die kleisthenische Staatsform als demokratisch.[4]

Ob man den Staat der Athener unter Kleisthenes wirklich als demokratisch bezeichnen kann und wie die neuere Forschung das Thema „die Reformen des Kleisthenes“ beurteilt, werde ich in dieser Seminararbeit versuchen darzulegen. Zunächst werden wir klären, unter welchen Umständen Kleisthenes in die Position kam, um überhaupt Reformen zu erlassen. Dazu werden wir uns ansehen, welche Ziele und Absichten Kleisthenes aus heutiger Sicht zugesprochen werden können. Danach untersuchen wir die kleisthenischen Reformen unter drei Gesichtspunkten: die Phylen-Reform, die militärische Veränderungen sowie die gesellschaftliche Veränderungen, die sich aus dem Gesamten Prozess ergeben. Abschließend versuche ich die Frage zu klären, ob Kleisthenes als Vater der Demokratie bezeichnet werden kann.

1. Der Aufstieg des Kleisthenes

1.1 Kleisthenes gegen die Oligarchie

„Nach dem Sturz der Tyrannis lagen der Sohn des Teisandros, Isagoras, der ein Freund der Tyrannen war, und Kleisthenes aus dem Geschlecht der Alkmenoiden miteinander im Kampf.“[5]

Mit diesen Worten steigt Aristoteles in seinem Buch, „Der Staat der Athener“, in die Thematik des Kleisthenes ein. Kleisthenes gehörte dem Adelsgeschlecht der Alkmenoiden an und bekleidete bereits unter den Tyrannensöhnen Hippias und Hipparchos das Amt des Archon Eponymos. Nach dem Tod des Hipparchos und der damit verbundenen Verschärfung der tyrannischen Herrschaft Hippias, wurden Kleisthenes und sein Geschlecht, ins Exil geschickt.[6]

Die Tyrannen wurden letztlich nicht durch die Athener vertrieben, sondern erst durch das Eingreifen Spartas unter dessen König Kleomenes, der den Einfluss Spartas nach Norden ausweiten wollte. Er besiegte die Tyrannis unter Hippias in einer Schlacht um Athen und belagerte die Akropolis. Auch wenn sich ebenfalls Athener, darunter Isagoras und das inzwischen zurückgekehrten Geschlecht der Alkmenoiden an der Vertreibung beteiligten, wird der Hauptteil den Spartanern zugeschrieben. Nach der Vertreibung Hippias nach Kleinasien kehrte in Athen für kurze Zeit eine gewisse Ruhe ein und man fand zur alten oligarchischen Staatsordnung Solons zurück. Jedoch darf an dieser Stelle nicht vergessen werden, dass der attische Adel, der nun von der verhassten Tyrannis befreit war, versuchte seine alte Autorität wieder zu erlangen. Die Spartaner, die sich sicher waren weite Teile der athenischen Obrigkeit, darunter der spartanische „Gastfreund“[7] Isagoras und die Alkmenoiden zum „Freund“ zu haben, zogen sich aus Athen zurück. Nun begann ein Machtkampf zwischen Isagoras und Kleisthenes um den Einfluss im befreiten Athen.

In diesem war Kleisthenes den „politischen Bünden“[8] zunächst unterlegen. Das lässt sich auch daraus begründen, dass Isagoras eine stärke Position inne hatte, da er in diesem Jahr (508/7) zum Archonten gewählt wurde.[9] Kleisthenes hatte einen bis dahin nie dagewesen Plan, um das Blatt zu wenden. Laut Aristoteles „[...] brachte er das Volk auf seine Seite, in dem er die Herrschaft im Staat auf die Menge übertrug.“[10]. Gemeint sind damit die Reformen des Kleisthenes, die wir später noch genauer beleuchten werden.

Durch diese Reformen, mit denen Kleisthenes wohl schon während des Machtspiels mit Isagoras begonnen hatte [11], unterlag Isagoras letztendlich und rief den spartanischen König Kleomenes zu Hilfe. Dieser fürchtete, dass durch die Infragestellung der Oligarchie durch Kleisthenes ein zu starkes Athen entstehen könnte. Daraufhin übt zunächst Druck auf Kleisthenes aus, vertreibt dann mit einem kleinen Heer 700 Familien des Alkmenoiden Geschlechts aus Athen und versucht sogar den Rat aufzulösen.[12] Diese Maßnahmen machten deutlich, dass Kleomenes eine „spartafreundliche Oligarchie“ in Athen errichten wollte.[13]

„Der Rat jedoch fand sich mit seiner Ablösung nicht ab und leistete Widerstand.“ [14] Der spartanische König und Isagoras besetzten die Akropolis, wurden jedoch nach kurzer Verhandlungszeit und durch das Eingreifen der übrigen Athener Bürger aus Attika vertrieben. Kleisthenes und die 700 vertrieben Familien konnten wieder nach Attika zurück kehren, womit die Reformen des Kleisthenes fortgeführt werden konnten.[15]

[...]


[1] Vgl. DEVELIN, Bob / KILMER, Martin: „What Kleisthenes did“, in: Historia Zeitschrift für alte

Geschichte 97/46 (1997), S.1.

[2] In der vorliegenden Übersetzung (ARISTOTELES: Der Staat der Athener, 20-22) siehe Literatur/Quellenverzeichnis.

[3] v.Chr. – Alle Jahreszahlen dieser Seminararbeit beziehen sich auf die Zeit „vor Christus“

[4] Vgl. ARISTOTELES: 22, 1.

[5] Vgl. ARISTOTELES: 20, 1.

[6] Vgl. SCHULLER, Wolfgang: Griechische Geschichte (Grundriss der Geschichte, Bd. 1A),

München 2008 (6. Aufl.), S.25.

[7] ARISTOTELES: 20, 2.

[8] Ebd.20, 1.

[9] Vgl. DREHER: Athen und Sparta, S. 63 - „Das Isagoras die stärkere Position hatte, lässt sich auch daran erkennen, dass er für das Jahr 508/7 zum Archonten gewählt wurde.“

undWELWEI, Karl Wilhelm: Die griechische Polis. Verfassung und Gesellschaft in archaischer und klassischer Zeit, Stuttgart 1998, S.157-„So konnte sich Isagoras zwar in der ersten Phase des Kampfes mit Unterstützung seiner Hetairien in der Wahlversammlung durchsetzten, doch bildete die Mehrheit der Versammlungsteilnehmer keine ständige Hausmacht des Neugewählten Archonten.“

[10] ARISTOTELES: 20, 1.

[11] Vgl. WELWEI: Die griechische Polis. Verfassung, S.157f - „Die rasche Zuspitzung des Kampfes läßt darauf schließen, dass Kleisthenes bereits kurz nach den Archontenwahlen Reformvorschläge vorgebracht und bereite Zustimmung fand, [...]“.

[12] Der Rat ist laut: DREHER: Athen und Sparta, S. 64 - „[...] unter dem wir wahrscheinlich den Areopag zu verstehen haben, [...]“

oderlaut WELWEI: Die griechische Polis. Verfassung, S.158 - „Als er den noch bestehenden Rat der 400 aufzulösen beabsichtigte, [...]“

[13] Vgl. DREHER: Athen und Sparta, S. 64.

[14] Ebd. S.65.

[15] Vgl. Ebd. S.65.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Reformen des Kleisthenes
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Geschichte)
Veranstaltung
Seminar: Die athenische Demokratie
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V264642
ISBN (eBook)
9783656540069
ISBN (Buch)
9783656541561
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dies ist meine erste Hausarbeit im wissenschaftlichen Duktus. Sie wurde von mir jüngst überarbeite. Den Fußnotenapparat habe ich überarbeitet bzw. korrigiert und einige Ausdrucksfehler beseitigt. Ein inhaltlicher Kritikpunkt war, dass ich viele Sachverhalte nur über die Fußnoten diskutiert habe. Der Fließtext ist somit für eine erste Annäherung ausreichten, kann jedoch durch einige Aspekte, die in den Fußnoten aufgeführt sind, noch erweitert werden.
Schlagworte
reformen, kleisthenes, Athen, Demokratie
Arbeit zitieren
B.Ed. Axel Sylvester (Autor), 2011, Reformen des Kleisthenes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264642

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