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Ludwig Tiecks ‘Der gestiefelte Kater’ als Modell intertextuell gelenkter Kommunikation

Titel: Ludwig Tiecks ‘Der gestiefelte Kater’ als Modell intertextuell gelenkter Kommunikation

Seminararbeit , 1998 , 23 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Heinz Rosenau (Autor:in)

Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Nicht nur die konkreten Bezüge auf Vertreter des vorromantischen Theaters (besonders Iffland und Böttiger) rücken Ludwig Tiecks Theaterstück Der gestiefelte Kater in den Blickpunkt intertextueller Forschung. Die durch die romantische Poetik erstrebte und im gestiefelten Kater realisierte Vereinigung von Epik und Dramatik, sowie besonders das Hauptthema des Stücks, das Scheitern der theatralischen Kommunikation machen Tiecks Lustspiel zum Gegenstand einer rezeptionsorientierten, intertextuellen Analyse. Als ein Hauptgrund für das Scheitern der theatralischen Kommunikation erscheinen die zahlreichen dem Text des fiktiven Theaterstücks immanenten, intertextuellen Referenzen, sowie die von den Zuschauern im Rezeptionsprozeß an das Stück herangeführten, intertextuell gelenkten Interpretationsversuche. Das fiktive Stück wird nicht, wie es der fiktive Autor am Ende fordert , für sich wahrgenommen, sondern löst bei seinen Zuschauern verschiedenartige intertextuelle Bezüge aus, die die Rezeption steuern und - im Sinne des fiktiven Autors - verfälschen. Die mehrfach von den fiktiven Zuschauern formulierten Motive der ‘Tollheit’ und ‘Verrücktheit’ , die das fiktive Stück hervorruft, scheinen das Resultat eben dieser mißlingenden Versuche einer intertextuell gelenkten Textinterpretation zu sein. Das fiktive Stück entspricht nicht den Erwartungen der theatralischen Gattungen, in deren Rahmen seine Zuschauer es zu verstehen versuchen, sämtliche gattungsgebundenen Handlungsvorhersagen und Wertungsversuche schlagen fehl: das fiktive Stück erscheint seinen Zuschauern als inkohärent.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Begriffs 'Intertextualität'

3. Ein Kommunikationsmodell dramatischer Texte. Das Spiel im Spiel als sekundäres Kommunikationssystem

4. Intertextualität auf der Ebene N1 (fN1)

5. Intertextualität auf der Ebene N1 (fN3, fN4)

5.1. Das systemtheoretische Kommunikationsmodell

5.2. Objektinkohärenz

5.3. Die Kollektivität der Produktion und Rezeption

5.4. Rezipientenmodell und Produzentenmodell

5.5. Die Dynamik des Produzentenmodells

5.6. Die partielle Textverarbeitungsstrategie

6. Intertextualität auf der Ebene N3

7. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Theaterstück "Der gestiefelte Kater" von Ludwig Tieck unter dem Aspekt der intertextuell gelenkten Kommunikation. Ziel ist es, zu analysieren, wie das im Stück enthaltene "Spiel im Spiel" sowie die daraus resultierende Doppelstruktur des Textes die Möglichkeiten und das Scheitern theatralischer Kommunikation beeinflussen.

  • Analyse intertextueller Signale und ihrer Bedeutung für den Rezeptionsprozess.
  • Untersuchung der theoretischen Grundlagen von Kommunikation in dramatischen Texten.
  • Anwendung systemtheoretischer Modelle auf die Interaktion von Produzenten und Rezipienten.
  • Erforschung der textverarbeitenden Strategien im Kontext eines fiktiven Theaterpublikums.
  • Bewertung der Kohärenzbildung innerhalb komplexer theatralischer Strukturen.

Auszug aus dem Buch

3. Ein Kommunikationsmodell dramatischer Texte. Das Spiel im Spiel als sekundäres Kommunikationssystem

Manfred Pfister unterscheidet bei seinem Vergleich der Kommunikationsmodelle narrativer und dramatischer Texte vier 'einander übergeordnete semiotische Niveaus': N1: das innere Kommunikationssystem zwischen den fiktiven Figuren (S/E1 ↔ S/E1) N2: das vermittelnde Kommunikationssystem zwischen fiktivem Erzähler und fiktivem Hörer (S2 → E2) N3: das idealisierte äußere Kommunikationssystem zwischen idealem Autor und idealem Rezipienten (S3 → E3) N4: das reale äußere Kommunikationssystem zwischen empirischem Autor und empirischem Rezipienten (S4 → E4) Das dramatische Kommunikationsmodell zeichnet sich im Gegensatz zum narrativen durch den Ausfall des vermittelnden Kommunikationssystems aus.

Die dargestellten Ebenen sind selbstverständlich ebenfalls bei einer Aufführung des gestiefelten Katers zu unterscheiden. Die besondere Situation des Theaters im Theater, die 'Einbettung einer sekundären Funktionsebene in einer primäre' bedeutet für unser Kommunikationsmodell jedoch eine zusätzliche Unterteilung der Ebene N1. Auf dieser Ebene wird die dramatische Kommunikation selbst zum Thema gemacht. Die dramatischen Figuren im gestiefelten Kater sind ihrerseits Teilnehmer einer (fiktiven) dramatischen Kommunikation, und so den von uns unterschiedenen (fiktiven) Kommunikationssystemen zuzuordnen: → fN1: die Figuren des Spiels im Spiel (fE/S1) Hinze, Gottlieb, Der König etc. → fN3, fN4: Die Produktionsfunktionen des Spiels im Spiel (S4, S3) Der Dichter, Der Souffleur, Der Maschinist, die aus ihren Rollen heraustretenden Schauspieler (z.B. der Hanswurst zu Beginn des dritten Aktes), sowie die Zuschauer des Spiels im Spiel (E4, E3) Fischer, Müller, Bötticher etc. Die dargestellte Doppelung des Kommunikationsmodells können wir graphisch folgendermaßen darstellen:

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der intertextuellen Forschung an Tiecks "Der gestiefelte Kater" ein und benennt das Scheitern theatralischer Kommunikation als zentrales Untersuchungsobjekt.

2. Definition des Begriffs 'Intertextualität': Dieses Kapitel erläutert verschiedene theoretische Ansätze zur Intertextualität, insbesondere die Unterscheidung zwischen text- und rezeptionsorientierten Modellen.

3. Ein Kommunikationsmodell dramatischer Texte. Das Spiel im Spiel als sekundäres Kommunikationssystem: Es wird ein theoretischer Rahmen für die Analyse dramatischer Kommunikation entwickelt, wobei die Besonderheit der "Einbettung" bei Tieck hervorgehoben wird.

4. Intertextualität auf der Ebene N1 (fN1): Dieses Kapitel widmet sich den Adaptionsphänomenen und der Re-Linearisierung des Märchens innerhalb des Aufführungstextes.

5. Intertextualität auf der Ebene N1 (fN3, fN4): Hier wird der Prozess der theatralischen Kommunikation anhand systemtheoretischer Ansätze und der Interaktion zwischen Produzenten- und Rezipientenmodellen detailliert analysiert.

6. Intertextualität auf der Ebene N3: Dieses Kapitel betrachtet die ideale Kommunikationsebene und die Wirkung der Doppelstruktur des Stücks auf den idealen Rezipienten.

7. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die Bedeutung der Kohärenzbildung und der intertextuell gelenkten Kommunikation für die Wirksamkeit des Stücks.

Schlüsselwörter

Intertextualität, Ludwig Tieck, Der gestiefelte Kater, Kommunikation, Theatertheorie, Rezeptionsprozess, Spiel im Spiel, Kohärenz, Dramentheorie, Textverarbeitung, Systemtheorie, Medien, Adaption, Semiotik, Aufführungsanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert Ludwig Tiecks Theaterstück "Der gestiefelte Kater" unter dem Blickwinkel, wie intertextuelle Signale die Kommunikation zwischen den Akteuren auf der Bühne und dem fiktiven Publikum steuern.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Intertextualität, die Kommunikationstheorie im Drama, das Konzept des "Theaters im Theater" und die kognitiven Prozesse der Textrezeption durch das Publikum.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Doppelstruktur des Stücks dazu beiträgt, dass theatralische Kommunikation sowohl gelingen als auch scheitern kann, und welche Rolle dabei interne Modelle der Beteiligten spielen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einem systemtheoretischen Kommunikationsmodell, kombiniert mit texttheoretischen Ansätzen zur Intertextualität und Konzepten der kognitiven Sprachverarbeitung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung verschiedener Kommunikationsebenen, die Analyse der Kohärenzbildung, die Dynamik von Produzenten- und Rezipientenmodellen sowie die Untersuchung spezieller Textverarbeitungsstrategien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselwörter sind Intertextualität, theatralische Kommunikation, Kohärenz, Rezeption, Spiel im Spiel und das Produzentenmodell nach Tieck.

Warum spielt das Konzept der 'Objektinkohärenz' im Stück eine wichtige Rolle?

Das Konzept beschreibt, warum das Publikum Schwierigkeiten hat, den Aufführungstext als kohärent wahrzunehmen, da die vom Dichter gewählten Märchen-Elemente mit der Theatersituation kollidieren.

Wie unterscheidet sich die Rezeption des 'fiktiven Publikums' von einer normalen Aufführung?

Das fiktive Publikum im Stück reagiert explizit auf die Vorführung, was die Kommunikation innerhalb des Dramas zur zentralen Thematik macht und die "Doppelstruktur" der Kommunikation hervorhebt.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Ludwig Tiecks ‘Der gestiefelte Kater’ als Modell intertextuell gelenkter Kommunikation
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Heinz Rosenau (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1998
Seiten
23
Katalognummer
V264681
ISBN (eBook)
9783656543800
ISBN (Buch)
9783656544333
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ludwig tiecks kater’ modell kommunikation
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Heinz Rosenau (Autor:in), 1998, Ludwig Tiecks ‘Der gestiefelte Kater’ als Modell intertextuell gelenkter Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264681
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Leseprobe aus  23  Seiten
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