Die immer knapper werdenden finanziellen Mittel der öffentlichen Haushaltskassen zwingen auch die Sozialarbeit zu einer Ökonomisierung mit betriebswirtschaftlichen Ansätzen. Die Forderung nach einer wirtschaftlichen Optimierung ist eine logische Konsequenz.
Demnach muss die Sozialarbeit sparsamer und dennoch effizienter und effektiver werden. So werden sozialarbeiterische Organisationen zu sozialen Dienstleistern umstrukturiert und Sozialarbeiter werden zu Managern der sozialen Angebote, verknüpfen die zur Verfügung stehenden Ressourcen und stimmen das Angebot der möglichen Hilfestellungen ab. Eine mittlerweile gängige Methode, die all diese Schritte in sich vereint, ist das so genannte Case Management. Dieses wird nicht nur in der Sozialen Arbeit und im Gesundheitswesen angewandt, sondern auch in der Pflege, der Rehabilitation, der Psychiatrie, bei medizinischen Behandlungen, in der Altenpflege, der Behindertenhilfe, der Familienhilfe, der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch der Straffälligen- und Bewährungshilfe sowie der Suchtmittelabhängigen- und Wohnlosenhilfe.
Case Management kann als koordinierter und vernetzter Hilfeprozess betrachtet werden, der versucht durch Aktivierung der persönlichen, sozialen und materiellen Ressourcen die Abhängigkeit der Klienten von Hilfesystemen zu verringern. Es geht darum, die Selbstbestimmung der Klienten zu fördern.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Definition
2. Geschichtlicher Hintergrund
3. Funktionen des Case Manager
3.1 Advocacy Funktion
3.2 Broker Funktionen
3.3 Gate Keeper Funktionen
4. Gestaltungsaufgaben
4.1 Angebots- und Nutzerorientierung
4.2 Handeln nach Vereinbarungen
4.3 Prozedurale Fairness
4.4 Produktorientierung
4.5 Qualitätsmanagement
4.5.1 Strukturqualität
4.5.2 Prozessqualität
4.5.3 Ergebnisqualität
5. Methode des Case Managements
5.1 Falleinschätzung
5.2 Hilfeplanung
5.3 Durchführung
5.4 Begleitung und Überprüfung der Hilfen
5.5 Klientenfürsprache
5.6 Beendigung und Auswertung
6. Fazit und Kritik
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Konzept des Case Managements in der Sozialen Arbeit theoretisch und methodisch fundiert einzuführen. Dabei wird untersucht, wie durch eine koordinierte Prozesssteuerung knappe Ressourcen effizienter genutzt und die Selbstbestimmung der Klienten gefördert werden kann, um eine nachhaltige Hilfeleistung zu gewährleisten.
- Historische Entstehung des Case Management Konzepts in den USA und Europa.
- Kernfunktionen des Case Managers: Advocacy, Broker-Funktion und Gatekeeping.
- Qualitätsmanagement und methodische Phasen des Case-Management-Prozesses.
- Ethische Herausforderungen und das Problem des doppelten Mandats in der Praxis.
- Empowerment und die Verknüpfung professioneller sowie informeller Hilfesysteme.
Auszug aus dem Buch
3.1 Advocacy Funktion
In dieser Funktion übernimmt der Case Manager die Rolle eines Anwalts und dient der Durchsetzung der Interessen der Klienten, die alleine nicht in der Lage sind ihre Bedürfnisse angemessen zu artikulieren. Der Case Manager soll sich direkt in die Lage der Klienten hineinversetzten und konsequent und professionell, mit Hilfe seines Fallverständnisses die Probleme analysieren und den Bedarf klar und deutlich herausstellen. Dabei kann und wird er Lücken im Versorgungssystem finden, die er dann wieder an andere Stellen weiterleitet, um diese künftig schließen zu können. Die anwaltschaftliche Funktion ist vor allem für stark benachteiligte Personengruppen, wie Wohnungslose und Suchtkranke von Bedeutung. Drogenabhängige Menschen beispielsweise benötigen ein stärkeres Engagement, da sie aufgrund ihrer problematischen Lebenslage oft nicht selbst tätig werden können. Eine bloße Vermittlung an andere Einrichtungen wäre oftmals zu wenig.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einführung thematisiert den Zwang zur Ökonomisierung in der Sozialarbeit und stellt Case Management als Methode zur effizienten und effektiven Ressourcensteuerung vor.
1. Definition: Es werden grundlegende Kriterien des Case Managements erläutert, die einen dynamischen, zielorientierten und ganzheitlichen Hilfeprozess definieren.
2. Geschichtlicher Hintergrund: Das Kapitel beschreibt die Entwicklung des Konzepts aus der US-amerikanischen Psychiatrie- und Sozialreform sowie die spätere Adaption in Europa.
3. Funktionen des Case Manager: Hier werden die Kernrollen des Case Managers als Anwalt, Vermittler und Gatekeeper analysiert.
4. Gestaltungsaufgaben: Dieses Kapitel widmet sich den strategischen und operativen Aufgaben, einschließlich Qualitätsmanagement und Nutzerorientierung.
5. Methode des Case Managements: Es wird der phasenorientierte Prozess von der Falleinschätzung bis zur Auswertung detailliert dargestellt.
6. Fazit und Kritik: Das Fazit reflektiert das Potenzial von Empowerment sowie die Risiken des doppelten Mandats und der Priorisierung ökonomischer Effizienz.
Schlüsselwörter
Case Management, Soziale Arbeit, Effizienz, Empowerment, Hilfeplanung, Falleinschätzung, Ressourcenanalyse, Advocacy, Gatekeeping, Qualitätsmanagement, Doppelmandat, Hilfeparadoxon, Sozialwesen, Prozesssteuerung, Klientenorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Einführung in das Konzept des Case Managements innerhalb der Sozialen Arbeit unter Berücksichtigung ökonomischer und professioneller Anforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören die historischen Wurzeln des Case Managements, die spezifischen Funktionen des Case Managers, methodische Prozessschritte sowie ethische Konfliktlinien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Ablauf und die methodischen Grundlagen des Case Managements aufzuzeigen, um zu verstehen, wie soziale Dienstleistungen effizienter koordiniert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Konzepte und Modelle des Case Managements systematisch zusammenführt und kritisch reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Rollen des Case Managers, die methodischen Gestaltungsaufgaben, Qualitätskriterien sowie die sechs Phasen des Case-Management-Prozesses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Case Management, Empowerment, Hilfeparadoxon, Effizienz und Prozesssteuerung charakterisieren.
Wie löst das Case Management laut Arbeit das Hilfeparadoxon?
Durch die Aktivierung persönlicher und sozialer Ressourcen sowie die Förderung der Selbsthilfe wird versucht, die Abhängigkeit der Klienten vom professionellen Hilfesystem zu minimieren.
Was versteht man unter dem doppelten Mandat im Case Management?
Der Case Manager befindet sich in einem Zwiespalt zwischen der Loyalität gegenüber dem Klienten und dessen individuellen Bedürfnissen sowie der Verantwortung gegenüber dem Dienstleistungssystem zur effizienten Kostensteuerung.
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- Christian Preiss (Author), 2013, Case Management. Eine Einführung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264684