Wahrheitstheorien unter spezieller Berücksichtigung der Bildtheorie Wittgensteins


Seminararbeit, 2003

15 Seiten, Note: angenommen (ohne Benotung)


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung - was ist Wahrheit?

2 Ein Überblick über die verschiedenen Wahrheitstheorien
2.1 Die Korrespondenztheorie der Wahrheit
2.2 Die Kohärenztheorie der Wahrheit
2.3 Die Redundanztheorie der Wahrheit
2.4 Die pragmatischen Wahrheitstheorien

3 Die Wahrheitstheorie bei WITTGENSTEIN
3.1 Die Bildtheorie
3.2 Der Begriff der Isomorphie in der Bildtheorie

4 Zusammenfassung und Ausblick

1. Einleitung - was ist Wahrheit?

Diese scheinbar so einfache Frage versuchen Philosophen schon seit über 2000 Jahren zu beantworten. Die Antworten könnten unterschiedlicher nicht sein. Das ist kein Wunder, denn in sie fließen grundverschiedene Theorien und Ansichten, z.B. aus der Logik, der Wissenschaftstheorie, der Linguistik, der Metaphysik oder der Ethik mit ein. Um einen ersten Überblick über das Thema Wahrheit zu ermöglichen, werde ich zuerst die verschiedenen Wahrheitstheorien, die sich im Laufe der Zeit gebildet haben, vorstellen.

Dabei sind zentrale Begriffe zu klären. Wahrheit wird immer von Sätzen ausgesagt. Ein Satz wird daher „Wahrheitsträger“ genannt. Der Ausschnitt, der ausschlaggebend ist für Wahrheit, ist die Erfüllung der „Wahrheitsbedingungen“. Sie werden auch „Wahrmacher“ genannt. An dieser Stelle ist der Begriff der Bedeutung von Wichtigkeit, wenn man eine Wahrheitstheorie der Bedeutung hat, kennt man die Wahrheitsbedingungen des Satzes. Wir müssen außerdem zwischen „Wahrheitsdefinition“ und den „Wahrheitskriterien“ unterscheiden.

2 Ein Überblick über die verschiedenen Wahrheitstheorien

2.1 Die Korrespondenztheorie der Wahrheit

Es gibt nicht die Korrespondenztheorie der Wahrheit. Aber alle Korrespondenztheorien eint der Gedanke, dass etwas dann wahr ist, wenn Satz und Wirklichkeit übereinstimmen. Obwohl sicher schon vor Aristoteles dem Begriff Wahrheit eine Bedeutung zukam, war er der erste, der den Kern einer Wahrheitstheorie formulierte: "Eine falsche Aussage ist die Aussage, dass das was ist nicht sei, oder dass das was nicht ist sei; eine wahre Aussage dagegen ist die Aussage, dass das was ist sei, und dass das was nicht ist nicht sei."[1] Der Haupteinwand gegen die Korrespondenztheorien ist, dass Sprache und Wirklichkeit eben nicht übereinstimmen können, da sie nicht vergleichbar seinen. Auch Tarski versteht seinen Ansatz als der Korrespondenztheorie zugehörig. In seiner Theorie gibt es aber keine exakte Wahrheitsdefinition. Partielle Wahrheiten werden durch das Aufzählen von wahren Sätzen bestimmt. Ein wichtiger Bestandteil seiner Theorie ist die sogenannte T-Konvention. Sie besagt, dass „“p“ ist wahr“ gilt, wenn „p“ gilt.[2] Somit entfallen die Schwierigkeiten der Korrespondenztheorie. Das Manko keine Wahrheitsdefinition aufgestellt zu haben und nur eine Definition anhand von Beispielen gegeben zu haben, bleibt.[3] Mit der Tarskischen Definition ist es nicht möglich etwas über neue Wörter oder Sätze auszusagen. Ein anderer Lösungsversuch stammt von WITTGENSTEIN. Wittgenstein versucht die Probleme der Korrespondenztheorie mit Hilfe einer gedachten mathematischen Abbildungsfunktion zwischen Satz und Wirklichkeit zu lösen. Auf diese, die sogenannte „Bildtheorie“, werde ich im Hauptteil der Hausarbeit näher eingehen.

2.2 Die Kohärenztheorie der Wahrheit

Die Kohärenztheorie der Wahrheit stellt weniger hohe Anforderungen als die Korrespondenztheorie. Eine Aussage wird „wahr“ genannt, wenn sie in einem konsistenten System von Behauptungen keine Widersprüche erzeugt, wenn sie in dieses System passt. Das Problem hierbei ist, dass es mehrere mögliche logisch konsistente Systeme geben kann, die sich untereinander in gewissen Punkten widersprechen. Somit wäre es möglich, dass dieselben Aussage in einem System wahr ist und in einem anderen falsch. Dies widerspricht aber vollkommen dem Gebrauch des Wortes wahr. Kohärenz ist nicht mit Wahrheit gleichzusetzen und daher ist auch diese Theorie mit Mängeln behaftet. Die Kohärenztheorie liefert aber ein Wahrheitskriterium, nämlich das der Kohärenz von Aussagen. Vertreter der Kohärenztheorie sind z.B. Rorty und Putnam.

2.3 Die Redundanztheorie der Wahrheit

Viele Redundanztheoretiker finden, dass der Wahrheitsbegriff überhaupt nicht interessant für philosophische Untersuchungen sein könne. Wahrheit sei schlichtweg redundant. Man könne von dem Satz „“p“ ist wahr“ zwar nicht sagen, dass er überhaupt nichts bedeute oder nicht ausgesagt werden kann, er kann aber schlicht als Affirmation zu „p“ gesehen werden. Außerdem könne man seinem Ausdruck mit „ist wahr“ Nachdruck verleihen. Die Redundanztheoretiker gehen von der Überlegung aus, dass der Satz „“p“ ist wahr“ nichts anderes sage, als dass „p“ wahr ist. Somit hat man das Zitat getilgt. Ist „p“ wahr, fügt „ist wahr“ „p“ keine weitere Bedeutung zu, ist „p“ falsch, so ist auch die falsche Behauptung „p“ durch den Zusatz „ist wahr“ trotzdem falsch. „Ist wahr“ fügt also Aussagen keinen weiteren Gehalt zu. Für F. Ramsey ist die Untersuchung des Wahrheitsbegriffes hier abgeschlossen. Er behauptet, dass Wahrheit auch im Falle komplexer Aussagen redundant sei. Auch bei Frege ist der Ausdruck „ist wahr“ lediglich eine plakative Aussage, da die Wahrheit schon durch den Behauptungssatz geliefert wird.

2.4 Die pragmatischen Wahrheitstheorien

Die pragmatischen Wahrheitstheorien: Die Diskussion zwischen Davidson, Rorty und Putnam steht auf der Grundlage des Pragmatismus. Nach William James ist Wahrheit eng mit der Verifizierung verknüpft. Ein Problem, dass sich bei der Vergangenheit stellt, da man die Vergangenheit nicht mehr verifizieren könne. Die Forderung der Pragmatisten ist, dass auch Wahrheit praktische Konsequenzen haben solle. Sie ist nicht auf Ewigkeit da, sondern kann gegebenenfalls wieder an neue Erkenntnisse angepasst werden. Im Pragmatismus treffen wir Wahrheit im holistischen Gewand an. Wahrheit muss als plastisch angesehen werden, es gibt verschiedene Theorien um Widersprüche zu beseitigen. Einige Pragmatisten geben jedoch die Korrespondenztheorie nicht ganz auf. Auch Russell führt den oben genannten Kritikpunkt an der Kohärenztheorie an, dass „wahr“ eben nicht gleichbedeutend mit „kohärent“ sei.[4]

3 Die Wahrheitstheorie bei WITTGENSTEIN

Die Wahrheitstheorie des jungen WITTGENSTEIN, seine späteren Ansichten werden hier nicht untersucht, ergibt sich aus dem Tlp. Sie ist eingebettet in die Bildtheorie

3.1 Die Bildtheorie

Wittgenstein entwickelte die Bildtheorie in seinen jungen Jahren. Die „logisch-philosophische Abhandlung“, die heute vor allem unter dem Namen „Tractatus logico-philosophicus“ (Tlp) bekannt ist, wurde 1918 abgeschlossen und 1921 veröffentlicht; die Bildtheorie ist zentraler Bestandteil dieses Werkes. Das Werk besteht aus sieben, nach ihrem Gewicht nummerierten, Sätzen.[5] 3.4 ist zum Beispiel die vierte Erläuterung zum Punkt drei. Zu einer besseren Übersicht des Textes ist es hilfreich zuerst die wichtigsten Sätze zu lesen und sich erst dann die Erläuterungen vorzunehmen. Diese mit ganzen Zahlen nummerierten Sätze sind kurz und knapp und sie spiegeln, gerade weil sie vieles nur andeuten und nicht erklären, die Ansichten des jungen WITTGENSTEIN am besten wider. Auf den ersten Blick sieht man, dass es für WITTGENSTEIN Unaussprechliches gibt, über das nicht gesprochen werden könne, das was gesagt werden kann, könne aber deutlich gesagt werden.[6]

Die sieben Sätze, die eine ganze Zahl als Nummerierung haben, lauten:

1Die Welt ist alles, was der Fall ist
2 Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten.
3 Das logische Bild der Tatsachen ist der Gedanke
4 Der Gedanke ist der sinnvolle Satz
5 Der Satz ist eine Wahrheitsfunktion der Elementarsätze.
(Der Elementarsatz ist eine Wahrheitsfunktion seiner selbst.)
6 Die allgemeine Form der Wahrheitsfunktion ist: [p, x,N( x)]
7 Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“[7]

Der Tlp ist also eine philosophische Gesamtdarstellung der Gedanken des jungen Wittgenstein. Um die darin enthaltene Bildtheorie zu erklären, ist es unumgänglich ihren Kontext zu erklären.

[...]


[1] Aristoteles, „Metaphysik“(1011b)

[2] siehe Davidson, S.284ff

[3] näheres : DAVIDSON, S.287ff

[4] RUSSEL führt diese Kritik auf den Seiten 818-835, „Philosophie des Abendlandes“ aus.

[5] „Die Dezimalzahlen als Nummern der einzelnen Sätze deuten das logische Gewicht der Sätze an, den Nachdruck, der auf ihnen in meiner Darstellung liegt. Die Sätze n.1, n.2, n.3, etc., sind Bemerkungen zum Satze No. n.m.; und so weiter.“ (Tlp Fußnote zu Satz 1) In der Sekundärliteratur wird dies in letzter Zeit mit dem Hinweis auf den Aufbau des „Prototractatus“ bezweifelt.

[6] siehe Tlp Vorwort (S.6)

[7] Tlp, S. 11; 11; 19; 32; 59; 92; 115

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Wahrheitstheorien unter spezieller Berücksichtigung der Bildtheorie Wittgensteins
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für Philosphie I)
Veranstaltung
Wahrheitstheorien
Note
angenommen (ohne Benotung)
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V26469
ISBN (eBook)
9783638287920
ISBN (Buch)
9783638755849
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine guter Überblick für Einsteiger über sämtliche Wahrheitstheorien. Näher wird dann auf die Bildtheorie Wittgensteins eingegangen, dieser Teil dürfte auch für Fortgeschrittene interessant sein, da der Autor hier übliche und zahlreich vertretene Auffassungen über Homomorphismen bei Wittgensteins widerlegt.
Schlagworte
Wahrheitstheorien, Berücksichtigung, Bildtheorie, Wittgensteins, Wahrheitstheorien
Arbeit zitieren
Markus Andreas Mayer (Autor), 2003, Wahrheitstheorien unter spezieller Berücksichtigung der Bildtheorie Wittgensteins, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26469

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