Der Utopiebegriff in den modernen Politikwissenschaften


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Richard Saage
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Begriffsnutzung

3. Thomas Schölderle
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Begriffsnutzung

4. Arno Waschkuhn
4.1 Begriffsdefinition
4.2 Begriffsnutzung

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit versucht eine Zusammenfassung der Anwendung des Begriffs Utopie in den modernen Politikwissenschaften zu geben. Basis hierfür war der Inhalt des Referats, das im Rahmen des Seminars gehalten wurde. Die modernen Politikwissenschaften beschäftigen sich nach wie vor mit dem Begriff der Utopie und dessen Nutzung bzw. dessen sinnvollem Einsatz in aktuellen Theorien. Den Ansatz bildet dabei vor allem die Utopia von Thomas Morus; die Arbeiten von Karl Mannheim und Hans Freyer, die den Ausgangspunkt des Referats bildeten, werden zwar durchaus in die Analysen miteinbezogen, erhalten jedoch in der aktuellen Literatur keinen hervorgehobenen Stellenwert, so dass sie auch in der vorliegenden Arbeit nicht explizit behandelt werden sollen. Sie werden nur dort genannt, wo sie von den untersuchten Autoren eingebunden werden. Um den Umfang der Arbeit in den vorgegebenen Grenzen zu behalten, wurde die Analyse auf Beiträge beschränkt, die nach 1990 erschienen sind. Daher kann am Ende dieser Hausarbeit nur eine Momentaufnahme der derzeitigen Begriffsnutzung stehen, auf die Entwicklungsgeschichte wurde bewusst verzichtet. Als örtlicher Umriss wurde der deutschsprachige Raum gewählt, da der Einbezug englischer oder amerikanischer Quellen sowohl den inhaltlichen Rahmen als auch die zu bewältigende Literatur zu stark vergrößert hätte.

Des Weiteren wurden die behandelten Autoren gezielt als Repräsentanten der politikwissenschaftlichen Fachrichtung gewählt. Das heißt, dass alle drei ihr Fachgebiet im Bereich der politischen Forschung oder Bildung haben bzw. hatten. Die umfangreiche Literatur aus den Abteilungen der Philosophie, Germanistik, Linguistik oder Literaturwissenschaft wurden nicht hinzugezogen um das behandelte Feld deutlich abzugrenzen, wiewohl ihre Erkenntnisse natürlich in die Arbeiten von Saage, Schölderle und Waschkuhn mit eingeflossen sind.

Eine Hereinnahme der Sozialwissenschaften war zwar durchaus vorgesehen, stellte sich jedoch während der Recherche als nicht sinnvoll heraus, da ein Utopiediskurs in der Soziologie mit Ausnahme einiger Bemerkungen von Niklas Luhmann, eigentlich nicht geführt wird.

Somit entstand die folgende Fragestellung:

Gibt es einen einheitlichen Utopiebegriff in den modernen Politikwissenschaften? Falls ein solcher existiert, wie ist er definiert? Falls nicht, wo liegen die Differenzen?

Methodisch wurde beinahe ausschließlich auf Literaturrecherche zurückgegriffen. Die Grundlage bildeten die in diversen Fachlexika angegebenen Quellen sowie die Primär- und Sekundärliteratur, die im Seminar genannt wurde. Die Werke der drei Autoren, die den oben genannten Kriterien entsprachen und in der Literatur als relevante Quellen erkennbar waren, wurden analysiert um im Fazit die Fragestellung beantworten zu können.

2. Richard Saage

Dr. Richard Saage (*1941, Professor i. R. für Politikwissenschaft an der Martin- Luther-Universität Halle-Wittenberg1 ) kann als der wichtigste Utopieforscher der Gegenwart im deutschsprachigen Raum bezeichnet werden.2 Dies ergibt sich einerseits aus seinem umfangreichen Werk, darunter die vierbändige Reihe Utopische Profile aus den Jahren 2001-2003, die die Entwicklung der Utopie und ihre Rezeption seit der Renaissance ausführlich analysiert. Andererseits bestätigt sich dies auch dadurch, dass zahlreiche Definitionen von Utopie in gängigen politischen Lexika von ihm stammen.3

Zunächst soll seine Definition des Begriffs Utopie behandelt werden, darauffolgend seine Betrachtung der Bedeutung dieser für die moderne Politikwissenschaft.

2.1 Begriffsdefinition

Basis des Utopiebegriffs nach Saage ist eine Gesellschaft, die sich selbst gestaltet mit der Zielsetzung das größtmögliche Allgemeinwohl zu verwirklichen, in dem der Einzelne ein gutes Leben führen kann. Die Utopie soll vergegenwärtigen welche Maßnahmen dafür notwendig sind. Sie zeigt „wie jemand das Leben in einer Gesellschaft umzugestalten oder befürchtete Entwicklungen zu verhindern wünscht.“4

Bei Saage lässt sich eine Konzentration auf die politische Utopie erkennen, also auf „Fiktionen staatl[lich] verfasster oder staatsfreier Gesellschaften, die sich zu einem Wunsch- oder Furchtbild verdichten.“5 Hier wird das Augenmerk klar auf die politische Verfassung einer utopischen Gesellschaft gelegt. Der Aufbau des utopischen Staats bzw. die Abwesenheit eines solchen Staatswesen werden als grundlegende, definitorische Elemente genannt. Zwar handelt es sich in diesem Fall um eine Definition der politischen Utopie, jedoch wird im gleichen Werk, dem Politikwissenschaft Band 2 N-Z, München 2010 S.823 fortan: Saage 2010 Lexikon der Politikwissenschaft von Nohlen/Schultze, unter dem Stichwort Utopie ausschließlich auf Saages Beitrag verwiesen. Auch in Schmidts Wörterbuch der Politik wird der Begriff der Utopie vor allem mit Hilfe von Saages Analysen definiert, die Betonung liegt auch hier auf den politischen Aspekten, der utopische Roman wird als Staatsroman definiert.6 Weitere die Gesellschaft definierende Aspekte, wie Religion, militärische oder versorgungstechnische Organisation, Fragen der Erziehung, Bildung oder Kultur werden als Folgeerscheinungen der politischen Organisation betrachtet, psychologische Probleme werden anhand des Individuums im System analysiert.

Dabei ist Saage klar, dass über die Bedeutung des Begriffs Utopie in den Wissenschaften keinesfalls Einstimmigkeit herrscht. Für die Politikwissenschaft ist diese Konzentration auf die Aspekte der Utopie, die sich mit der gesellschaftlichen und politischen Organisation auseinandersetzen durchaus sinnvoll, denn „[i]hre Zielprojektionen zeichnen sich durch präzise Kritik bestehender Institutionen und sozio-polit. Verhältnisse aus, der sie eine rational nachvollziehbare Alternative gegenüberstellen.“7 Für die politischen Wissenschaften sind diese zwei Faktoren, Kritik und Alternativen von besonderer Relevanz, um jedoch eine klare und wissenschaftlich korrekte Analyse dieser Aspekte durchführen zu können, müssen undeutliche, nicht eindeutigen Maßstäben zuordenbare Punkte ausgeschlossen werden. „Auch bietet das klassische Muster klare Kriterien, um ihn von metaphysischen und jenseitigen Visionen wie der des Paradieses oder des «Goldenen Zeitalters», aber auch von bloßen Traumassoziationen, chiliastischen Heilserwartungen, Mythen, religiösen Eschatologien ebenso abzugrenzen wie von science fiction oder sozialwiss. Prognostik, wie sie etwa vom Marxismus oder der Futurologie versucht worden sind.“8 Der Utopie wird also dadurch, dass einige Bereiche dem Politischen untergeordnet werden, ein Platz als wissenschaftlich relevante Gattung eingeräumt. Ein Platz dessen Notwendigkeit Saage vehement verteidigt.

[...]


1 Vgl. http://www.saw-leipzig.de/mitglieder/saager, gesehen am 18. Januar 2012

2 Vgl. Waschkuhn, Arno: Politische Utopien, München 2003. S.1

3 Vgl. Nohlen, Dieter/Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.): Lexikon der Politikwissenschaft Band 2 N-Z, München 2010; Nohlen, Dieter: Lexikon der Politik 1, Politische Theorien, München 1995; sowie Holtman, Everhard: Politik-Lexikon, München/Wien 2000

4 Saage, Richard: Politische Utopien der Neuzeit, Darmstadt 1991. S.4

5 Saage, Richard: Politische Utopie in: Nohlen, Dieter/Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.): Lexikon der

6 Vgl. Schmidt, Manfred: Wörterbuch zur Politik, Stuttgart 2010. S.824f.

7 Vgl. Saage 2010, S.822f.

8 Saage 2010, S.825

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Utopiebegriff in den modernen Politikwissenschaften
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Utopie
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V264708
ISBN (eBook)
9783656540526
ISBN (Buch)
9783656542520
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
utopiebegriff, politikwissenschaften
Arbeit zitieren
Bettina Gmoser (Autor), 2012, Der Utopiebegriff in den modernen Politikwissenschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264708

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