Die Funktion der klassischen Reitkunst als repräsentative Praxis des Hochadels

Am Beispiel der Spanischen Hofreitschule in Wien


Hausarbeit, 2013

17 Seiten, Note: 12,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die klassische Reitkunst und ihre Meister
2.1. Xenophons Einflüsse in der Antike
2.2. Federico Grisones Zwangsmethoden
2.3. Die Reitlehrer der frühen Neuzeit

3. Die Spanische Hofreitschule in Wien
3.1. Luxusgeschöpfe der Habsburger
3.2. Die Winterreitschule
3.3. Aristokratische Lustbarkeiten der Wiener Hofreitschule

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Aus allen Geschlechtern der vierfüßigen Tieren, ist das Pferd ein mächtig, stolzes [...] und tapferes Tier und unter allen, ist es das alleredelste und allernützlichste [...] so übertreffen die Pferde vielfältig alle anderen Tiere. [1] (Valentin Trichter)

So beschreibt im 18. Jahrhundert der Stallmeister Valentin Trichter, die Anmut und die Schönheit der edlen Pferde seiner Zeit. Die Wurzeln der Reitkunst reichen weit bis in 4. Jahrhundert v. Chr. zurück. Neben dem allgemeinen Kriegsnutzen der Pferde, waren Wagenrennen mit Pferdegespannen im alten Rom und Athen bereits von großer Beliebtheit. Im Mittelalter dienten die Pferde meist nur für den Kriegsdienst und für unterschiedliche Ritterspiele. Es wurden deshalb schwere Pferde eingesetzt, die ihren Reiter mit Lanze und Ritterausrüstung tragen mussten. Mit dem allmählichen Einsatz von Feuerwaffen, waren die Ritter dazu gezwungen, kleinere und wendigere Tiere zu züchten, um in Kriegssituationen einen Vorteil erlangen zu können. Mit dem Übergang von der Renaissance zum Barocken Zeitalter (1575-1770), verwandelte sich die Funktion des Reitens allmählich zu einer Kunstform, die der Machtdemonstration der Aristokratie diente.[2] Es stellt sich somit die Frage, im welchen Maße sich die Reitkunst auf die repräsentative Tätigkeit des Adels auswirkte. Es soll am Beispiel der Spanischen Hofreitschule in Wien, die praktische Verkörperung dieser Kunst im Alltag des Adels aufgezeigt werden.

Die eigene Leidenschaft zu den Pferden, hat mich zu dieser Arbeit bewegt. Ich beziehe mich hierfür größtenteils auf Originalquellen des 15.bis 18. Jahrhunderts, die allesamt Aufschluss über die Notwendigkeit der Reiterei geben. Es sind verschiedene Werke zur Instruktion der Reitkunst und der Erziehung des jungen Adels gemeint, welche auf die Funktion des Reitens in der damaligen Zeit Auskunft geben.

Neben diesen Schriften, beziehe ich mich neben weiterer Literatur und diversen Internetquellen, die im Literaturverzeichnis aufgelistet sind, auf das Werk von Elisabeth Gürtler. Sie ist die Generaldirektorin der Spanischen Hofreitschule in Wien und gibt ihrem Buch detailierte Auskünfte über die Geschichte der Reitkunst und die der Spanischen Hofreitschule.

Die Arbeit beginnt mit den Ursprüngen der klassischen Reitkunst, welches im zweiten Kapitel dieser Arbeit zum Thema wird. Um meine Arbeit zu konzipieren, werde ich nicht auf einzelne reiterliche Lektionen der klassischen Reitkunst näher eingehen. Es soll lediglich die Bedeutung der Pferde und die Bedeutung der Reitkunst für den Adel aufgezeigt werden. Im dritten Kapitel wird dies am Beispiel der Spanischen Hofreitschule in Wien näher erläutert. Dies soll an dem Besitzt luxuriösen Pferde, der prachtvollen Winterreitschule und an den aristokratischen Lustbarkeiten aufgezeigt werden.

2. Die klassische Reitkunst und ihre Meister

Die klassische Reitkunst beschreibt ein Reitsystem für Pferde, welches verschiedene Ausbildungsprinzipien für Pferd und Reiter umfasst. Dabei soll durch ein gezieltes Training verschiedener Reitlektionen, der künstlerische Aspekt der Reiterei zum Vorschein kommen. Die Pferde belasten in ihren natürlichen Gängen (Schritt, Trapp, Galopp) mehr die Vorderhand[3] als die Hinterhand.[4] Dies soll durch verschiedene reiterlichen Übungen gleichmäßiger verteilt oder bei verschiedenen Lektionen komplett auf die Hinterhand verlegt werden.[5] Die Ursprünge der klassischen Reitkunst liegen in der Kriegsführung. Einige Reitmanöver befähigten die Soldaten dazu, ihre Waffen vom Pferd aus einzusetzen oder das Pferd durch verschiedene Sprünge und Wendungen selbst als Waffe benutzten zu können. Jedoch bedarf die Ausführung ein langes Training der Pferde und einen gekonnten Reiter zur Repräsentation. Präziser gesagt, muss es dem Reiter gelingen, in allen Gangarten der Pferde, die Lektionen so einfach wie möglich erscheinen zu lassen.[6] Folgt man dem Lexikon von Johann Heinrich Zedler, welches zwar erst im 18. Jahrhundert entstanden ist, jedoch viele verschiedene Artikel aus früheren Speziallexika beinhaltet, so ist die Reitkunst „eine solche Kunst, die zugleich den Reiter und das Pferd unterrichtet.“[7] Hierfür wird das Grundwissen der alten Meister der Reitkunst zum Verständnis benötigt. Der Begriff der Klassik bezieht sich auf die Epoche der Antike, hier erkannte man zuerst die Notwendigkeit einer Beziehung zwischen Mensch und Tier und bemerkte zugleich, bei einer Verfeinerung der Lektionen, welche repräsentative Schönheit die Pferde besitzen können.

2.1. Xenophons Einflüsse in der Antike

„Und in der Tat, ein Pferd, das sich stolz trägt, ist etwas so Schönes, Bewunderns- und Staunenswürdiges, dass es aller Zuschauer Augen auf sich zieht. Keiner wird müde, es anzuschauen, solange es sich in seiner Pracht zeigt.“[8] (Xenophon)

So erläutert Xenophon (430-354 v. Chr.), Philosoph, Historiker und Anführer der griechischen Reiterei, die magische Anziehungskraft der Pferde.

Xenophon gibt in seinen berühmten Werken Peri hippikes (Über die Reitkunst) und Hipparchikos (Der Reitführer), im Jahre 369 v. Chr. detailierte Anweisungen für kavalleristische Übungen zu Pferd und für eine anspruchsvolle, reiterliche Selbstinszenierung bei Paraden und repräsentativen Anlässen.

Seine Schriften sind die ältesten, bekanntesten Werke über die klassische Reitkunst, die noch bis heute Gültigkeit an der Spanischen Hofreitschule in Wien haben.[9] Xenophon unterstützte in einem Kriegszug seinen jüngeren Freund Kyros, der gegen seinen Bruder, dem regierenden Perserkönig Artaxeres mit tausend berittenen Männern in den Krieg zog. Kyros starb in dieser Schlacht bei Kunaxa (401 v. Chr.) und Xenophon führte die Griechen über Tausende von Kilometern zurück in ihre Heimat. Auf dieser Reise erkannte er, dass man sein Pferd immer gut behandeln müsse, damit man sich in Not- und Kriegssituationen auf sein Tier verlassen kann. Er hatte durch diesen Kriegszug jene Erfahrungen gesammelt, die ihn befähigten „nicht nur über die Obliegenheiten eines Reitobersten (Hipparchikos), sondern auch über die Reitkunst (Hippike), in einer Weise zu schreiben, die ein Vorbild für viele Jahrhunderte geblieben ist“.[10] Seine Anweisungen beschreiben zwar nur die Ausbildung für ein kriegstaugliches Pferd, jedoch ist Xenophon der Erste seiner Art, der Streicheleinheiten und Zuneigung zu seinem Tier als Pflicht ansieht.

Denn nur wenn „ein Pferd, das gut auf den Füßen, sanft und ein gehöriger Läufer ist, die Arbeit zu ertragen Willen und Kraft hat und besonders gehorsam ist, das wird natürlich in Kriegszeiten seinem Reiter nicht nur am wenigsten Unlust bereiten, sondern auch am meisten zu seiner Sicherheit beitragen.[11]

Der Grundsatz Xenophons ist somit die Partnerschaft zwischen Mensch und Tier.

Nach seinem Tod und den anhaltenden Kriegen seiner Zeit, verbunden mit der Völkerwanderung der Spätantike, gerat die klassische Reitkunst immer mehr ins Vergessen der Menschen. Bis schließlich im 16. Jahrhundert seine Werke von den Adeligen der Renaissance neu aufgegriffen und vollendet worden sind.[12]

2.2. Federico Grisones Zwangsmethoden

In der Epoche der Renaissance, die man als Wiedergeburt der Antike betrachten kann, wurde die Pferdezucht und die Reitkunst zum neuen Leben erweckt.

Neapel galt zu dieser Zeit als Zentrum der Reitkunst. Bereits im 12. Jahrhundert gründete dort eine byzantinische Truppe eine anerkannte Reitschule. So auch später der adelige Neapolitaner Frederico Griso (1507-1570), den man auch „Vater der Reitkunst“[13] nennen kann. Er las zwar die Werke Xenophons, schrieb aber jedoch sein eigenes Werk Oridini di Calvalcare (Die Regeln der Reiterei).

Da die „Jungen vom Adel vornehmlich im Reitern und Ritterspielen wohl unterrichtet“[14] werden sollten, nahm Grisones Werk einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Reitkunst in ganz Europa.

Griso meinte zwar Xenophons Grundsätze verinnerlicht zu haben, indem er in seinem Werk behauptet: „der grund künftlicher abrichtung der Pferdt/ ist das erkentnus jrer Natur“,[15] jedoch beschreibt er weiter, dass es „ohne menschliche Hilfe aus sich heraus nicht zu gebrauchen“[16] ist. Für Griso besteht die Lehre der klassischen Reitkunst darin, dem Pferd „verständlich zu machen, weswegen und wozu ihm Strafe oder Hilfe mit Sporen oder Gerte[17] gegeben wird.[18]

[...]


[1] Valentin Trichter, Lob und Tugend der Pferde, in: Neu eröffnete Hof-, Kriegs- und Reit-Schul, das ist: Gründlicher Bericht della Cavalleria, das II. Kapitel, Hg. von Georg Engelhard Löhneysen, Nürnberg 1729, S.2.

[2] Vgl., http://lilith16.wordpress.com/2013/03/06/das-barocke-reiten-eine-geschichte-fur-sich (letztes Abrufdatum:12.10.13)

[3] Vorderhand Pferd = Kopf, Hals, Schultern, Vorderbeine des Pferdes.

[4] Hinterhand Pferd = Kruppe, Becken, Hinterbeine des Pferdes.

[5] o.V., Instruktion zum Reit-Unterricht für die Kavallerie, 1. Teil, mit neun lithographierten Tafeln, Berlin 1882.

[6] Vgl.: http://www.feinesreiten.de/index.php/klassische-reitkunst (letzes Abrufdatum 07.10.13)

[7] http://www.zedler-lexikon.de (letztes Abrufdatum 07.10.13)

[8] Barbara Sternthal, Das Glück wohnt auf dem Rücken der Pferde, in: Die Lipizzaner und die Spanische Hofreitschule Mythos und Wahrheit, Hg. von Elisabeth Gürtler, 1.Aufl. Wien 2010, S.11.

[9] Vgl.: http://www.historische-reitkunst.de/historik.html (letztes Abrufdatum: (07.10.13)

[10] Erhard Oeser, Pferd und Mensch: Die Geschichte einer Beziehung, Darmstadt 2007, S.65.

[11] ebd., S.65.

[12] Vgl., Carl Gräfe, Die Haltung und der Sitz des Reiters. Ein Beitrag zur Geschichte der Reitkunst, Nachdr. d. Ausg. v. 1861., Hildesheim 1991, S.3.

[13] ebd., S.3.

[14] Valentin Trichter, Von denen/die Reiter und Ritter Spiel lernen, S.16.

[15] Frederico Griso, Künstlicher Bericht und allerzierlichste Beschreybung des edlen, uhesten, unnd hochberümbten Ehrn Friderici Grisonis neapolitanischen hochlöblochlin Adels, 1570, S.2.

[16] ebd., S.113.

[17] Gerte = Fachausdruck für Peitsche

[18] ebd., S.113.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Funktion der klassischen Reitkunst als repräsentative Praxis des Hochadels
Untertitel
Am Beispiel der Spanischen Hofreitschule in Wien
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
12,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V264725
ISBN (eBook)
9783656540120
ISBN (Buch)
9783656548966
Dateigröße
1947 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
funktion, reitkunst, praxis, hochadels, beispiel, spanischen, hofreitschule, wien
Arbeit zitieren
Caren Pfleger (Autor), 2013, Die Funktion der klassischen Reitkunst als repräsentative Praxis des Hochadels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264725

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