Die Mitglieder der Vereinten Nation haben sich in der UN Behinderten
Rechtskonvention in Artikel 27 darauf verständigt, dass Menschen mit Behinderung ein Recht auf Arbeit und Beschäftigung (auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt) haben und auch durch Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen
dürfen und sollten. Arbeit hat in der modernen Gesellschaft eine Vielzahl
von Funktionen und nimmt einen großen zeitlichen Anteil in unserem
Leben ein. Grundlegend gilt regulär, dass in westlichen Gesellschaften nur
Erwerbsarbeit als „echte“ Arbeit anerkannt wird. Arbeit soll materiell absichern.Daneben hat Arbeit eine strukturierende Funktion, denn sie teilt das
Leben räumlich in den Wohnbereich und in den Arbeitsbereich und trennt
ebenso zwischen Freizeit und Arbeitszeit. Durch diese Trennung kommt ihr
ein bedeutendes Gewicht im Rahmen der Normalisierungsidee zu.
Neben der strukturierenden Funktion hat Arbeit auch eine soziale Funktion.
Dadurch, dass Menschen viel Zeit in ihrer Arbeitsstätte verbringen (2008
arbeiteten die deutschen Arbeitnehmer im Schnitt 41,2 Std pro Woche),
geschieht dort weit mehr als die reine Arbeitstätigkeit, es findet dort Kommunikation und Austausch statt und es können unter anderem auch private
relevante Kontakte entstehen. Erwerbsarbeit ist bedeutend für die soziale
Anerkennung und somit für die Stellung der eigenen Rolle in der Gesellschaft.
Die Erwerbsarbeit definiert zu weiten Teilen den sozialen Status.
Letztlich ist Erwerbsarbeit auch Aktivität und sie macht deutlich, dass man
durch seine Tätigkeit zu etwas im Arbeitsleben beiträgt und sich in die Gesellschaft mit seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten einbringt...
Um die Schlaglichter auf mögliche Schritte dieser Entwicklung hinwerfen zu
können, wird zunächst die Begrifflichkeit der beruflichen Teilhabe dargestellt.
Im Anschluss daran werden die Möglichkeiten der beruflichen Teilhabe
in Deutschland skizziert, d.h. das ursprüngliche Werkstattsystem der
Nachkriegszeit und die entwickelten Ergänzungen zu diesem System und
danach wird die Situation der beruflichen Teilhabe in den USA dargestellt,
um mögliche Schlussfolgerungen für die Weiterentwicklung in Deutschland
ziehen zu können. Zum Abschluss werden Möglichkeiten für die Optimierung
der Integration bzw. der inklusiven Arbeitsbedingungen im Rahmen
eines Fazits dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von beruflicher Teilhabe
3. Möglichkeiten von beruflicher Teilhabe für Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland
3.1 Werkstätten für Menschen mit Behinderung
3.2 Exkurs Integrationsfachdienste
3.3 Ausgelagerte Werkstattarbeitsplätze
3.4 Integrationsbetriebe bzw. Integrationsfirmen
3.5 Supported Employment als Integrationsmöglichkeit
3.6 Persönliches Budget als Lösungsansatz
3.6.1 JobBudget
3.6.2 Budget für Arbeit
3.7 Zwischenfazit
4. Möglichkeiten von beruflicher Teilhabe für Menschen mit geistiger Behinderung in den USA
4.1 Rechtlicher Rahmen
4.2 Sheltered Workshops
4.3 Supported Employment
4.4 Zwischenfazit
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die berufliche Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung im internationalen Vergleich zwischen Deutschland und den USA, mit dem Ziel, bestehende Ansätze und Optimierungspotenziale zur Förderung der Inklusion auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufzuzeigen.
- Strukturanalyse der Werkstattmodelle und Alternativangebote in Deutschland
- Vergleich der gesetzlichen Rahmenbedingungen und Förderansätze
- Evaluation von Konzepten wie "Supported Employment" und "Persönliches Budget"
- Identifikation von Barrieren beim Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die Mitglieder der Vereinten Nation haben sich in der UN Behinderten Rechtskonvention in Artikel 27 darauf verständigt, dass Menschen mit Behinderung ein Recht auf Arbeit und Beschäftigung (auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt) haben und auch durch Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen dürfen und sollten. Arbeit hat in der modernen Gesellschaft eine Vielzahl von Funktionen und nimmt einen großen zeitlichen Anteil in unserem Leben ein. Grundlegend gilt regulär, dass in westlichen Gesellschaften nur Erwerbsarbeit „echte“ Arbeit anerkannt wird. Arbeit soll materiell absichern. Daneben hat Arbeit eine strukturierende Funktion, denn sie teilt das Leben räumlich in den Wohnbereich und in den Arbeitsbereich und trennt ebenso zwischen Freizeit und Arbeitszeit. Durch diese Trennung kommt ihr ein bedeutendes Gewicht im Rahmen der Normalisierungsidee zu.
Neben der strukturierenden Funktion hat Arbeit eine soziale Funktion. Dadurch, dass Menschen viel Zeit in ihrer Arbeitsstätte verbringen (2008 arbeiteten die deutschen Arbeitnehmer im Schnitt 41,2 Std pro Woche), geschieht dort weit mehr als die reine Arbeitstätigkeit, es findet dort Kommunikation und Austausch statt und es können unter anderem auch private relevante Kontakte entstehen. Erwerbsarbeit ist bedeutend für die soziale Anerkennung und somit für die Stellung der eigenen Rolle in der Gesellschaft. Die Erwerbsarbeit definiert zu weiten Teilen den sozialen Status. Letztlich ist Erwerbsarbeit auch Aktivität und sie macht deutlich, dass man durch seine Tätigkeit zu etwas im Arbeitsleben beiträgt und sich in die Gesellschaft mit seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten einbringt. Um einer beruflichen Teilhabe von Menschen mit (geistiger) Behinderung sprechen zu können, müssten alle diese Funktionen auch durch Werkstattsystem erfüllt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Bedeutung von Arbeit als strukturierendes Element in der modernen Gesellschaft und stellt die Diskrepanz zwischen diesem Anspruch und der aktuellen Situation von Menschen mit Behinderung in Werkstätten dar.
2. Definition von beruflicher Teilhabe: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der beruflichen Teilhabe vor dem Hintergrund der UN-Behindertenrechtskonvention sowie der nationalen Gesetzgebung, wie dem SGB IX und dem AGG.
3. Möglichkeiten von beruflicher Teilhabe für Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland: Es werden die verschiedenen Beschäftigungsmodelle vom Werkstattsystem bis hin zu modernen Ansätzen wie dem Persönlichen Budget detailliert analysiert und deren Wirksamkeit reflektiert.
4. Möglichkeiten von beruflicher Teilhabe für Menschen mit geistiger Behinderung in den USA: Dieses Kapitel beleuchtet das amerikanische System, insbesondere das Modell des Supported Employment, und setzt es in den Vergleich zur deutschen Situation.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse des Vergleichs zusammen und plädiert für eine nachhaltige Reform der Eingliederungshilfe sowie eine Stärkung der individuellen Wahlmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
berufliche Teilhabe, geistige Behinderung, Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM), Inklusion, allgemeiner Arbeitsmarkt, Supported Employment, Persönliches Budget, JobBudget, Budget für Arbeit, Integrationsbetriebe, Arbeitsförderung, soziale Absicherung, Normalisierungsidee, Eingliederungshilfe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten der beruflichen Teilhabe für Menschen mit geistiger Behinderung, indem sie die deutsche Situation mit dem amerikanischen Modell vergleicht.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind das deutsche Werkstattsystem, moderne Integrationsansätze wie das Persönliche Budget sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und den USA.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Status quo der beruflichen Inklusion zu hinterfragen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt durch moderne Konzepte optimiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die eine strukturierte Literaturanalyse und einen Rechtsvergleich zwischen dem deutschen SGB IX und amerikanischen Gesetzen wie dem ADA anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der deutschen Werkstätten, eine detaillierte Erläuterung von Alternativen wie dem JobBudget und einen Vergleich mit dem amerikanischen Supported-Employment-System.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Inklusion, berufliche Teilhabe, Supported Employment und Persönliches Budget geprägt.
Wie unterscheidet sich die Situation in den USA von der in Deutschland?
Die Arbeit stellt fest, dass in den USA Ansätze wie Supported Employment bereits deutlich breiter und erfolgreicher etabliert sind, was unter anderem auf ein früher verankertes Selbstbestimmungsverständnis zurückzuführen ist.
Welche Rolle spielt das "Persönliche Budget" für die Inklusion?
Das Persönliche Budget ermöglicht es behinderten Menschen, Leistungen direkt einzukaufen und somit den Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt außerhalb klassischer Werkstattstrukturen flexibler zu gestalten.
- Arbeit zitieren
- Anja Schüler (Autor:in), 2013, Arbeit für alle?! Berufliche Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland und den USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264757