Frieden ohne Freiheit - Freiheit ohne Frieden? Die Zukunftsperspektiven des Libanon nach einem Abzug der syrischen Truppen


Diplomarbeit, 2004
123 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Die Wurzeln des Konflikts
1.1 Ein Staat für die Christen
1.1.1 Sunniten
1.1.2 Schiiten
1.2 Verschiedene Gruppen - verschiedene Orientierungen
1.3 Die Souveränität

2. Die Palästinenser
2.1 Von Amman über Beirut nach Palästina
2.2 Das Ende der PLO in Jordanien und der Neubeginn im Libanon
2.3 Der Schwarze September
2.4 Der Libanon als neue Kampfbasis
2.5 Ethnische Fragmentierung der Gesellschaft
2.6 Status Quo und Anti Status Quo Kräfte

3. Syrische Interessen im Libanon
3.1 Ideologisch
3.2 Militärisch
3.3 Ökonomisch
3.4 Syrien und die Palästinenser
3.5 Inter-ethnischer Konflikt mit ausländischer Unterstützung

4. Ethnische Konflikttheorie
4.1 Ethnische Zugehörigkeit - ethnischer Konflikt
4.2 Kultur
4.2.1 Culture and Kultur
4.3 Strömungen in den ethnischen Konfliktforschung
4.4 Neuere Konflikt Theorie und die Plural Society Theory
4.4.1 Uniforme Integration
4.4.2 Equivalente Integration
4.4.3 Differenzielle Integration
4.5 Routinen zur gewaltsamen Konfliktlösung
4.5.1 Vertreibung
4.5.2 Zwangsassimilation
4.5.3 Völkermord

5. Der Libanon Krieg: 15 Jahre ethnische Gewalt
5.1 Das Pulverfass explodiert
5.2 Das syrische Engagement vor der militärischen Intervention
5.3 Die panarabische Front bröckelt
5.4 Syrien interveniert

6. Machtkonsolidierung und syrisch - israelische Konfrontation
6.1 Der interne Kontext im Libanon
6.2 Syriens Weg aus der Isolation
6.3 Die Nabatije Krise und das Aufkommen der Roten Linien
6.4 Syrien wird geschwächt, der ethnische Konflikt schwelt weiter

7. Der Aufstieg Baschirs
7.1 Die Straße nach Zahle
7.2 Konsequenzen aus der Zahle Krise

8. Operation Frieden für Galiläa
8.1 Eskalation
8.2 Die Invasion
8.3 Missglückter Blitzkrieg
8.4 Israelische Verwirrpolitik
8.5 Syrien zu Kriegsbeginn
8.6 Operation Große Zeder
8.7 Die Belagerung von Beirut
8.7.1 Dauerbombardement und die Evakuierung der PLO
8.7.2 Wa tabki Lubnan - Und der Libanon weint
8.8 Das Ende eines Traums
8.9 Die Rache der Christen: Sabra und Schatilla
8.9.1 Internationale Reaktionen

9. Der Libanon nach der Invasion
9.1 Ethnische Kräfteverhältnisse
9.2 Das Scheitern der Multinationalen Truppe

10. Syrien und neue Akteure
10.1 Assad und der Schia Faktor
10.2 Syrisch - Iranische Kooperation und der Aufstieg der Hezbollah
10.3 Der Krieg der Schiiten im Süden
10.4 Intra - ethnischer Zusammenstoß: Amal gegen Hezbollah

11. Neue Herausforderungen nach dem Ende des Ost-West-Konflikts
11.1 Der Freund Saddams
11.2 Der Schock eint die Welt
11.3 Die starke Macht von Außen befriedet den Libanon

12. Bewertung des Krieges aus ethnischer Sicht
12.1 Theorie und Praxis
12.2 Konsoziations-Demokratie als friedliche Lösung für die Zukunft?
12.3 Der Taif Akkord als Konsoziationsmodell
12.4 Von der equivalenten zur uniformen Integration?
12.5 Erfolg des Konsoziationsmodells?

13. Die Neunziger Jahre
13.1 Die syrische Besatzung
13.2 Der Bruch mit Washington
13.3 Die Christen
13.4 Die Sunniten
13.5 Der Süden und die Schiiten
13.6 Das Phänomen Hariri
13.7 Zukunftsperspektiven

14. Szenario Building
14.1 Szenarien als Mittel zur Konfliktentschärfung
14.2 Methodologie
14.3 Vorgehensweise
14.3.1 Kurze Bemerkung zum Sachverhalt „Truppenabzug“
14.4 Faktoren für die künftige Entwicklung
14.4.1 Driving Forces
14.4.2 Critical Uncertainties
14.4.3 Predetermined Elements

15. Szenario
15.1 Abzug der syrischen Truppen
15.2 Erste Reaktionen
15.3 Die Schiiten werden die wichtigste Gruppe sein
15.4 Eskalation im Süden
15.5 Kraftprobe
15.6 Die ersten Wochen
15.7 Der erste Monat
15.8 Verhandlungen
15.9 Wirtschaft und Rückhalt in der Bevölkerung
15.10 Waffenstillstand
15.11 Aufbau des Südens
15.12 Wirtschaftliche Erholung
15.13 Demographische Entwicklungen
15.14 Blick in die ferne Zukunft: Nach 2010
15.15 Szenario Building, ein Fazit
15.16 Das Problem der Wildcards

16. Conclusio

Bei arabischen Worten und Namen habe ich mich an die allgemein übliche und im Deutschen verständliche Schreibweise gehalten.

Einleitung

Die Recherche zu dieser Arbeit begann während eines Aufenthaltes im Libanon im September 2003. Während Gesprächen mit den einzelnen Konfliktparteien erkannte ich die schier unüberwindbaren Gräben, die bis heute zwischen den einzelnen Gruppen liegen. Der Libanonkrieg ist ein schockierendes Beispiel für das Unvermögen ethnischer Konfliktgruppen ihre Differenzen eigenständig und vernünftig beizulegen. Einst ein reiches Land, stürzte der Libanon aufgrund ethnischer Differenzen in einen 15-jährigen Konflikt, der das Land ruinierte. Schließlich konnte nur eine externe Macht, die syrische Armee, den Bürgerkrieg beenden. Bis dahin waren 150.000 Menschen den Kämpfen zwischen den Religionsgruppen zum Opfer gefallen. Ein verfrühter Abzug der syrischen Truppen könnte verheerende Auswirkungen haben. Alte Wunden könnten aufreißen, der Konflikt erneut eskalieren.

In dieser Arbeit möchte ich der Frage nachgehen, was passiert, wenn die syrische Besatzungsmacht, wie von den USA gefordert, aus dem Libanon abzieht. Wird der Konflikt wieder ausbrechen? Diese Frage aber zieht mehrere weitere Fragen nach sich. Zum Beispiel die Frage nach dem Wesen und den Ursachen des Konflikts. Handelt es sich im Kern um einen wirtschaftlich, ideologisch oder tatsächlich ethnisch motivierten Konflikt, der die 15- jährige Gewalt nach sich zog? Wirtschaftliche oder ideologische Konflikte sind nicht stabil, da sich die Rahmenbedingungen ändern können. Ethnische Konflikte jedoch überdauern Ideologien und Krisen, da ihre Ursachen tiefer liegen.

Ich komme zu dem Schluss, dass der libanesische Bürgerkrieg ein ethnischer Konflikt war.

Vorgehensweise

Um eine Aussage über die Zukunft des Libanon treffen zu können, werde ich mich von zwei Seiten an das Thema heranarbeiten. Erstens werde ich mich mit ethnischer Konflikttheorie beschäftigen, um meine These vom ethnischen Hintergrund der Tragödie zu untermauern. Dabei werde ich in der Theorie auch nach Lösungsstrategien für solche Konflikte suchen.

Zweitens werde ich mich mit dem ereignisgeschichtlichen Hintergrund befassen, um eine genau Vorstellung von Ablauf, den beteiligten Akteuren und den regionalen Interessensmustern zu bekommen. Dabei wird sich zeigen, dass der Konflikt auf drei Ebenen verlief. Die erste und ursächliche Ebene ist der lokale Konflikt zwischen den einzelnen libanesischen Gruppen. Die zweite Ebene ist regional und wird bestimmt durch die Interessen der umliegenden Staaten, namentlich Israel und Syrien, sowie anderen kleineren Akteuren. Die dritte Ebene ist das Verhältnis der beiden Supermächte USA und UDSSR, deren Einflusszonen sich in der arabischen Welt trafen. Dieses ist die globale Ebene. Während der ethnische Konflikt zwischen den Gruppen meiner These nach ursächlich für den Bürgerkrieg war, suchten die Akteure der zweiten und dritten Ebene ihre jeweiligen Interessen im Verlauf des Krieges zu vertreten. Zusätzlich suchten die Akteure der ersten Ebene Allianzen mit Akteuren der zweiten und dritten Ebene.

Diese Frage nach der Zukunft des Libanon und einem syrischen Truppenabzug ist hochaktuell. Der Nahe und Mittlere Osten ist seit den islamisch motivierten Anschlägen vom 11. September zum Zentrum des Weltinteresses geworden. Hier scheint dieser neue, religiös motivierte Terrorismus seine Brutstätte zu haben. Im Kampf gegen diesen Terrorismus hat US-Präsident George W. Bush zu einem Kreuzzug gegen die Regime der Region aufgerufen. Erklärtes Ziel dabei ist, eine Demokratisierungswelle auszulösen, in dessen Klima von Freiheit und Fortschritt die Nahrung für den Terrorismus spärlich wird. Despotische Regime sollen fallen, die Bürger selbst über ihre Zukunft entscheiden. Dabei vernachlässigen die Strategen aus Washington das enorme ethnische Konfliktpotenzial, das in vielen Ländern Arabiens lauert, und oft nur von autokratischen Regimes unterdrückt wird. Denken wir an den Irak, der nach einer verordneten Demokratisierungskur nun droht in ethnischer Gewalt zu versinken. Lediglich die externe Macht der Koalitionstruppen verhindert den offenen Ausbruch.

Nun ist auch das undemokratische Regime in Damaskus ins Fadenkreuz der USA geraten, da es maßgeblich für die Unterstützung der Hezbollah verantwortlich ist, und von den USA überdies verdächtigt wird, den internationalen Terrorismus zu fördern und politischen Führern des Irak Unterschlupf zu gewähren. Die Tage der syrischen Truppen im Libanon könnten also gezählt sein. Für die Politikwissenschaft mit Fokus auf die internationale Politik wird der Libanon, in den 90er Jahren eher kein Objekt des Interesses, damit wieder aktuell. Libanesische Muster finden wir in vielen Staates Arabiens wieder. Ein Abzug der Truppen leitet die möglichen zukünftigen Entwicklungen in völlig neue Bahnen, mit denen unsere Disziplin sich beschäftigen muss.

Gliederung

In meiner Arbeit werde ich zuerst auf die Wurzeln des Konfliktes eingehen. Wichtige Rollen spielen dabei die einzelnen Gruppen sowie die Gründung des Staates und die damals vereinbarten Kräfteverhältnisse. Auf die Rolle der Palästinenser und Syrer in diesem Kontext werde ich separat und genau eingehen. Beide sind ebenfalls Akteure in einem übergeordneten Prozess, dem Nahostkonflikt, und verbinden damit die lokale Konfliktebene mit der regionalen Konfliktebene. In diesem Teil wird auch bereits der Konflikt zwischen den einzelnen Gruppen als treibende Kraft hinter dem Gesamtprozess deutlich. In einem theoretischen Teil über ethnische Konflikttheorie zeige ich dann, dass der Libanonkrieg ein rein ethnischer Konflikt war, der nur peripher durch wirtschaftliche oder ideologische Konflikte bestimmt war. Ich werde die Charakteristiken eines solchen Konflikts vorstellen, wobei ich mich unter anderem auf Arbeiten des britischen Ökonoms J.S. Furnivall und des westindischen Anthropologen M.G. Smith stützen werde. Diese beiden Herren gewannen einen äußerst pessimistischen Eindruck, was den Erfolg einer multi-ethnischen Gesellschaft anbelangt. Sie kamen schließlich zu der These, dass ethnisch gemischte Staaten selten stabil und demokratisch gleichzeitig sein können. Ihre Thesen werde ich mit den Vorgängen im Bürgerkrieg vergleichen.

Danach werde ich den ereignisgeschichtlichen Hintergrund von 1975 bis 1991 genauer beleuchten und analysieren. Dieser Teil muss ausführlich sein, um auf die Verwicklungen Syriens und Israels sowie auf deren Interessen und Strategien einzugehen. Der Konflikt der einzelnen ethnischen Gruppen als entscheidender Faktor wird dabei deutlich werden. Nachdem ich die Geschehnisse bis zum Ende des Krieges 1991 behandelt habe, möchte ich mich wiederum theoretisch mit dem Thema „ethnischer Konflikt“ befassen. Diesmal werden Arbeiten von Lijphart und Nordlinger im Mittelpunkt stehen, die Strategien für ein friedliches Miteinander ethnisch unterschiedlicher Gruppen in einem Staat erarbeitet haben. Damit werde ich der neuen Situation nach Kriegsende gerecht.

Nachdem ich dann auf die neuen Verhältnisse im Libanon der 90er Jahre, wie schon in der ersten ereignisgeschichtlichen Analyse eingegangen bin, möchte ich mich mit der Zukunft des Landes in Form eines Szenarios befassen. Bernstein hat brauchbare Methoden für das Entwerfen eines Szenarios vorgestellt, die ich zuerst darstellen, und nach der Konstruktion eines exemplarischen Szenarios bewerten werde.

Das Ziel dieser Arbeit ist es schließlich, auf Grundlage der Analyse des ereignisgeschichtlichen Hintergrunds sowie der theoretischen Annäherung an das Thema „ethnischer Konflikt“, eine Zukunftsprognose zu treffen, die sich mit der Zeit unmittelbar nach dem Abzug der syrischen Truppen beschäftigt.

Die Quellen für diese Arbeit sind höchst unterschiedlich. Um den ereignisgeschichtlichen Hintergrund zu analysieren, stütze ich mich nicht nur auf wissenschaftliche Arbeiten zum Thema, wie beispielsweise Evron’s War and Intervention in Lebanon oder Hanf’s Koexistenz im Krieg, sondern auch auf journalistische Quellen. Dazu gehören hauptsächlich die New York Times und das britische Magazin The Economist. Des weiteren hat sich Robert Fisks Pity the Nation als hervorragender Augenzeugenbericht der Zeit von 1975 bis 2000 erwiesen. Fisk war in dieser Zeit als Korrespondent der London Times und später des Independent in Beirut tätig. In den Teilen über ethnische Konflikttheorie stütze ich mich auf Primärquellen von Furnivall, Smith, Lijphart und Nordlinger. Einen Überblick über das Thema erlaubt in hervorragender Weise Horowitz’ Ethnic Groups in Conflict. Als visuelles Medium gebrauchte ich überdies die 2001 vom arabischen Fernsehsender al-Jazeera angefertigte 15-teilige Dokumentation The War of Lebanon. In insgesamt fast 13 Stunden Archiv- und Interviewmaterial kommen zentrale Figuren des Libanonkrieges in ausgedehnten, zwischen 1998 und 2001 geführten, Interviews zu Wort. Darunter: Amin Gemayel, Ex-Präsident, General Michele Aoun der 1988 den Befreiungskrieg gegen die Syrer ausrief, Eli Hobeika, der für die Massaker in Sabra und Schatilla verantwortlich gemacht wird, der israelische Journalist Ehud Ya’ari, von dem ich auch das Buch Israels Lebanon War benutzt habe, der amerikanische Sondergesandte Maurice Draper sowie einige weitere britische, amerikanische und arabische Schlüsselfiguren.

1. Die Wurzeln des Konflikts

1.1 Ein Staat für die Christen

Im dritten Jahr des ersten Weltkrieges, am 16. Mai 1916, einigten sich Sir Mark Sykes, Vertreter des britischen Außenministeriums und Charles Georges Picot vom französischen Außenministerium, über die Aufteilung des Osmanischen Reiches unter den beiden Großmächten. Frankreich sollte dabei als Einflusszone das heutige Syrien und den Libanon sowie Teile der südlichen Türkei kontrollieren.1 Damals verstand man unter „Libanon“ noch das von den Osmanen eingeteilte sanjaq (Provinz) um das Libanongebirge (franz. Mount Liban), eine christliche Exklave, mehrheitlich von maronitischen Christen bewohnt. Mit dem Sykes-Picot-Abkommen zwischen England und Frankreich begann gleichzeitig die Geschichte zweier Sonderlinge in der arabischen Welt. Unter der Protektion der Briten entstand im Süden eine „Heimstatt für die Juden“, aus der später der Staat Israel werden sollte. Im Norden kreierten die Franzosen einen Staat für die Christen, den Libanon.

Schon zu Zeiten des Osmanischen Reiches genossen die Christen der Levante einen angesehenen Minderheitenstatus, der ihnen einige Sonderrechte garantierte. Die meisten christlichen Konfessionen unterschieden sich jedoch nicht sonderlich von anderen Arabern. Einzig die größte christliche Gruppe, die Maroniten, bildeten eine enggeknüpfte Gemeinschaft, mit stark ausgeprägtem Gemeinschaftsbewußtsein. Longrigg bezeichnet sie 1958 als Miniatur Nation:

„ This ancient community, which had entered the roman fold centuries earlier (than the other sects) while retaining no little of its own ancient way, was domiciled almost solely in the Lebanon, Biqa ’ (Bekaa Valley) and coastal towns. Their viril character and strong community self-conciousness, their record of centuries of valley-fighting and even of local empire, and their domination by a powerful priesthood under their redoubtable Patriarch, combined to give the Maronites something of the character of a miniature nation ” 2

Die Drusen, Angehörige einer im 11. Jahrhundert aus dem Islam entstandenen Geheimreligion, bildeten die zweitgrößte Gruppe im Libanon. Obwohl das Mandat über Syrien und Libanon erst sechs Jahre nach dem Krieg, am 13. Juli 1924, endgültig vom Völkerbund an Frankreich übergeben wurde,3 war die französische Armee schon seit 1918 fest im Land installiert. Für die Christen schnitten sie einen eigenen Staat aus Syrien heraus.4 Die Franzosen verstanden sich schon lange als Schutzmacht der Christen an der Levante. Die Heraustrennung eines Gebiets für sie war also kongruent mit der französischen Außenpolitik in der Region. Schon 1842 hatte Frankreich zu Gunsten der Maroniten bei der Hohen Pforte in Istanbul interveniert, als der libanesische Emir Baschir III nicht in der Lage war, die anhaltenden Kämpfe zwischen Drusen und Christen zu beenden. Frankreich und Großbritannien forderten eine Teilung des Gebietes um das Libanongebirge in einen christlichen und einen drusischen Teil. Istanbul ging damals auf die Forderungen ein. Die Straße von Beirut nach Damaskus wurde als Grenzlinie zwischen dem christlichen und dem drusischen Kanton auserkoren. Die auf Einmischung der Europäer zustande gekommenen Teilung zementierte fortan die Gegensätze zwischen beiden Gruppen. Mehr als 200 Jahre später, im libanesischen Bürgerkrieg von 1975 bis 1991, bildete diese besagte Landstraße die Frontlinie zwischen der christlichen Phalange Miliz und der Miliz der drusischen Progressiven Sozialistischen Partei Walid Jumblatts. Schon 1842 begann also die Geschichte fremder Einmischungen und Interventionen, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Libanon zieht.5 Nach dem Eingreifen der Franzosen im maronitisch- drusischen Bürgerkrieg begannen sich die Maroniten nach Europa zu orientieren und übernahmen immer mehr von der französischen Kultur und Sprache. Das Schulsystem wurde nach französischem Vorbild reformiert und führte zur Entstehung eines breiten maronitisch-frankophilen Bildungsbürgertums. Sie entfernten sich immer weiter von der traditionellen arabischen Gesellschaft und begannen intensive Beziehungen mit ausländischen Mächten zu knüpfen, die sie als Schutzmächte in einer feindlichen Umgebung sahen. Enthusiastisch begrüßten sie folglich das französische Mandat über Syrien und den Libanon.

Die Grenzen des von den Franzosen geschaffenen christlichen Staates überschritten jedoch jene der türkischen Provinz weit. Um ein lebensfähiges Gebilde zu schaffen, das unter direktem französischen Einfluss stand, schlug Frankreich weite Gebiete im Norden, Osten und Süden der Provinz hinzu, Gebiete die überwiegend muslimisch dominiert waren. Zum Schecken Syriens, auf dessen Kosten diese Konstruktion ging, wurde aus dem osmanischen Distrikt Mount Liban ein Großlibanon (Grand Liban). Der christliche Charakter wurde damit allerdings verwässert. Im Norden des neuen Staates, um die Stadt Tripoli, gab es fast keine Christen unter der fast ausschließlich sunnitischen Bevölkerung. In der Bekaa Ebene, mit den Ruinen der größten Tempelanlagen des römischen Reiches, lebten Schiiten und nur etwa ein Drittel Christen. Der Süden stellte ein Gemisch aus Drusen, etwa 1 Zehntel Christen und einer wachsenden schiitischen Mehrheit. Insgesamt stellten die Christen in ihrem neuen Staat nur noch knapp 51 Prozent der Bevölkerung.

Mit der Kreation Großlibanons verloren sie also ihre dominante Mehrheitsstellung und sanken in Gesellschaft von Schiiten, Sunniten, Orthodoxen, Drusen und anderen Christen auf das Niveau einer Interessensgruppe hinab. Massenhafte Emigration nach Australien, Kanada und Frankreich nach dem zweiten Weltkrieg ließ ihren Bevölkerungsanteil im Libanon zusätzlich sinken6. Ein Großteil der Muslime hingegen schaute von Anfang an eher nach Damaskus als nach Beirut und lehnte die Trennung von ihrer bisherigen Heimat ab. Um seinen Einfluss im Nahen Osten auch in Zukunft zu sichern, betrieb Paris also eine Politik des divide et impera .7 Konflikte waren also vorprogrammiert.

1.1.1 Sunniten

Die Sunniten bewohnten hauptsächlich die Stadt Beirut und die Gegend um das nördlich gelegene Tripoli. Eine Einigung zwischen ihnen und den Maroniten über die Zukunft des Landes kam nur zustande, nachdem sie bedeutendes Gewicht innerhalb des politischen Systems in Form des Ministerpräsidentenpostens bekommen hatten. Auf Basis dieses Kompromisses zwischen Maronitenführer Bishara al-Khuri und dem Sunnitenführer Riad el- Sulh bestimmte das Verhältnis dieser beiden mächtigsten Gruppen die politischen Realitäten des Libanon. Wann auch immer dem Land bis 1975 der Zusammenbruch drohte, wendete eine Einigung zwischen Sunniten und Maroniten die Katastrophe ab. Diese Koalition blieb kritisch bis zum Ausbruch des Krieges. Traditionelle Konflikte zwischen Drusen und Sunniten hingegen schwelten kontinuierlich und brachen in Phasen der Instabilität offen aus. Seit der Einrichtung des Mandats erlebte der Libanon eine rasante Modernisierung und einen enormen materiellen Aufschwung.

Der entgültige Geburtsfehler des jungen Libanon stellte die Verfassung von 1943 dar. Um die politische Macht gerecht zu verteilen, berücksichtigten die Konstrukteure in einem Pacte National die verschiedenen Religionsgruppen. Dazu orientierte man sich an einem System von 1860, das nach dem Ende des drusisch-maronitischen Bürgerkrieges installiert worden war und von Konfessionalismus geprägt war8. Auch der neue Staat Libanon sollte nach einem solch konfessionell-parlamentarischen System regiert werden. Auf Basis einer Volkszählung von 1932 einigte man sich auf einen Proporz von sechs Christen zu fünf Moslems. Zusätzlich musste der Präsident maronitischer Christ, der Ministerpräsident ein Sunnit und der Parlamentspräsident ein Schiit sein. Die Drusen, die immerhin 20 Prozent der Bevölkerung ausmachten, wurden konfessionell nicht repräsentiert.9 Alle öffentlichen Ämter und Ministerien mussten paritätisch besetzt werden. Diese Vereinbarung, auf die sich die Eliten des Landes im Pacte National mündlich geeinigt hatten, wurden mit der Unabhängigkeit des Landes 1946, in die Tat umgesetzt.10 Im Libanon herrschte also eine sogenannte Konsoziationsdemokratie, bei der einzelne ethnische Gruppen vom System berücksichtigt wurden, und nicht der Hauptfokus auf dem Individuum lag. Ich werde später genauer auf Konsoziationen in pluralen Gesellschaften eingehen.

Sunniten und Maroniten waren es, die auch nach der Unabhängigkeit besonders profitierten. Das Level der Schulbildung stieg auch bei den Sunniten kontinuierlich an und war ab den 70er Jahren vergleichbar mit dem der Maroniten.11 Wirtschaftlich prosperierten beide Gruppen, denn in dem Klima von Freiheit und Aufschwung investierten viele arabische und europäische Unternehmen im Libanon. Besonders die ölreichen Golfstaaten legten ihr Kapital an und Beirut wurde zur Finanzmetropole des Nahen Ostens.12

1.1.2 Die Schiiten

Die libanesischen Schiiten profitierten am wenigsten vom wirtschaftlichen Aufschwung. Weite Teile ihrer Gesellschaft blieben arm und ungebildet13. Ihre Siedlungsgebiete im Süden und Osten profitierten zwar von den Umwälzungen im Norden, doch waren sie so strukturschwach, dass der Lebensqualitätsindex insgesamt weit hinter dem im Norden und Westen zurückblieb.14 Gleichzeitig wuchs ihr Bevölkerungsanteil durch enorm hohe Geburtenraten, während alle christlichen Gruppierungen nur langsam wuchsen und auch die Geburtenraten bei den Sunniten zurückgingen. In den siebziger Jahren war ihr Anteil auf fast ein Drittel der Bevölkerung angewachsen und sie stellten nun die größte Gruppe dar.15

1.2 Verschiedene Gruppen - Verschiedene Orientierungen

Politische und ideologische Orientierungen, die sich zum Teil stark widersprachen, lösten Spannungen zwischen den Konfessionen aus. Unter den maronitischen Christen dominierte die Vorstellung eines „libanesischen Weges“. Insgesamt hieß das, der Libanon solle einen eigenen, von den anderen arabischen Ländern unabhängigen Weg gehen. Ein Schwerpunkt innerhalb dieses „libanesischen Nationalismus“ bildete die Vorstellung, die heutige libanesische Gesellschaft sei eine Kumulation aller Kulturen, die seit den Phöniziern im Libanon ansässig waren. Auch die Forderung nach einem maronitisch-christlichen Staat fand stets breite Zustimmung. Die Maroniten argumentierten, nur ein maronitisch-christlich dominiertes, am westlichen Liberalismus orientiertes Staatswesen, könne eine pluralistische Gesellschaft mit einer Vielzahl an religiösen Gruppen vor dem panarabischen Einfluss der muslimischen Nachbarn schützen.

Dem gegenüber stand der „arabische Nationalismus“, der von einer gemeinsamen Kultur und Geschichte aller arabischen Länder ausgeht. Besonders unter den muslimischen Libanesen fand diese Orientierung viele Anhänger. Der hauptsächlich vom ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser’s ausgehende Panarabismus fand in den 50er und 60er Jahren Unterstützung im Libanon und löste schließlich den Bürgerkrieg von 1958 aus, indem ehemalige Ministerpräsidenten und Abgeordnete des Parlaments plötzlich bewaffnete Milizen anführten, um nach der Krise aus den Sandsackverhauen ins Parlamentsgebäude zurückzukehren.16

Eine wichtige Akzentuierung innerhalb des arabischen Nationalismus war jedoch die Vorstellung, der Libanon sei ein Teil Syriens. Diese Gruppierungen, wie zum Beispiel die libanesische Partei PPS, Parti Populaire Syrien, plädierten für eine Vereinigung mit dem Nachbarland zu Großsyrien. Auch die libanesischen Linken, und die Gruppe der Drusen sahen sich traditionell eng mit Syrien verbunden17. Solche Gruppierungen konnten überdies auf Unterstützung aus Damaskus rechnen, denn die syrische Führung unter Hafes al-Assad verneinte die Existenzberechtigung des von den Franzosen geschaffen Staates.18 Innerhalb der christlichen Gemeinden war der Ruf nach einem westlichen, von der arabischen Welt unabhängigen Libanon, hauptsächlich bei den frankophilen Maroniten vertreten. Besonders die orthodoxen Christen jedoch, aber auch viele andere christliche Konfessionen, identifizierten sich als Araber und verteidigten den arabischen Charakter des Landes. Bei den wirtschaftlich erfolgreichen muslimischen Libanesen wuchs hingegen die Anhängerschaft für einen unabhängigen, pro-westlichen Libanon. Der syrische Nationalismus wurde erst im Krieg wieder aktuell, indem seine Befürworter Geld, Waffen und den Schutz der syrischen Armee zu erwarten hatten.19

Viele Drusen und Sunniten fühlten sich ideologisch eng mit den Palästinensern verbunden, dessen Sache viele auf intellektueller Basis unterstützten.20

Bereits die Tatsache, dass bedeutende Gruppen innerhalb der Gesellschaft die Unabhängigkeit des Libanon als solches in Frage stellten, mit einem Zusammenschluss unter dem Banner des Panarabismus liebäugelten sowie eine Zusammenarbeit der Gruppen schwierig schien, stellte von Anfang an eine Gefahr für die Existenz des Landes dar. Der niederländisch-amerikanische Politologe Arend Lijphart, der sich mit Demokratiemodellen in Pluralen Gesellschaften beschäftigt, hat Vorraussetzungen für das Gelingen eines solchen Systems aufgestellt. Er meint:

This (the functioning of the system) requires that the leaders feel at least some commitment to the maintenance of the unity of the country as well as a commitment to democratic practises. They must also have the basic willingness to engage in cooperative efforts with the leaders of other segments in a spirit of moderation and compromise. 21

Diese Vorraussetzungen waren, wie wir gesehen haben, im Vorkriegs-Libanon oft nicht erfüllt.

1.3 Die Souveränität

Von der Ausrufung des Staates bis zum Beginn des Bürgerkrieges 1975 blieb der Libanon ein instabiles Land. Das fragile Gleichgewicht zwischen den Gruppen und das komplizierte System von „checks and balances“ drohte zwar immer wieder zu kollabieren, gleichzeitig erlebten die Libanesen jedoch ein Maß an Freiheit und Demokratie, das bis heute in der arabischen Welt unübertroffen ist. Das Land verfügte über eine freie Presse, freie Meinungsäußerung wurde gewährt, genau wie das Recht sich frei politisch zu organisieren.22 Wirtschaftlich blühte der Libanon und ein Großteil der Bevölkerung hatte Zugang zu modernen Schuleinrichtungen. Der Geist der Freiheit ließ viele arabische Intellektuelle ihre Heimatländer verlassen und nach Beirut ziehen. In den sechziger Jahren ruhten so die Hoffnungen der säkularen Muslime auf den intellektuellen Gruppen, die sich in den Cafes auf der Beiruter Al-Hamra Straße trafen oder im Arabischen Kulturclub (al Nadi al-Thaqafi al- Arabi).23

Bis 1975 änderte sich die Demographie des Landes weiter zugunsten der Muslime. Die Emigration der Christen und die stärkeren Geburtenraten der Muslime beendeten endgültig die dünne zahlenmäßige Überlegenheit der Christen. Trotzdem blieben die Kräfteverhältnisse im Parlament zementiert, und die Macht fest in den Händen der Christen. Die Maroniten, die eine Elitestellung innerhalb der Christen etabliert hatten, kontrollierten die Armee und den Geheimdienst. Mit Hilfe dieser Machtpositionen unterdrückten sie erfolgreich Bestrebungen nach einer neuen Volkszählung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 124

2. Die Palästinenser

2.1 Von Amman über Beirut nach Palästina

Bereits nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 flohen hunderttausende Palästinenser aus Angst vor Massakern aus Palästina in den Libanon. Viele wurden dort graduell in die Gesellschaft integriert, die meisten aber lebten isoliert in Flüchtlingscamps. Politisch war ihnen jegliche Organisation verboten. Nach der Niederlage der arabischen Armeen und dem Verlust der jordanischen Westbank an Israel, suchten erneut zehntausende Schutz beim nördlichen Nachbarn. Die Befreiungsorganisation al-Fatach war hier in kleinem Umfang schon seit den frühen 60er Jahren aktiv. Nach der Vereinigung mit der PLO kurz nach dem Sechs-Tage-Krieg und der anwachsenden Zahl der Flüchtlinge im Südlibanon gewann sie nun an Gewicht.

Der Libanon war jedoch die zweite Wahl der palästinensischen Untergrundorganisationen. Hauptsächlich operierten sie in Jordanien, von wo aus sie Israel infiltrierten und Anschläge ausführten. Dort hatten sie längst einen Staat im Staate geschaffen und paradierten bewaffnet durch die Hauptstadt Amman.25 Offen bezeichneten sie die Haschemiten-Monarchie König Husseins als reaktionär und pro-westlichen Lakaienstaat.

In den starken arabischen Staaten blieb die palästinensische Präsenz strikt kontrolliert. Syrien und Ägypten erlaubten ihnen kaum Bewegungsfreiheit, ihre Organisationen waren völlig von einheimischer Geheimpolizei infiltriert.26

In Jordanien wie im Libanon nutzten die Palästinenser die ihnen gewährte Freiheit für Anschläge auf Israel und revolutionäre Aufwiegelung des Gastlandes. Als der ohnehin schwache jordanische Staat drohte, sich in revolutionären Unruhen zu destabilisieren, zerschlug Hussein die PLO in einem spektakulären Kraftakt.

2.2 Das Ende der PLO in Jordanien der Neubeginn im Libanon

Der „Volkskrieg“ wurde von den in Jordanien stationierten Palästinenser-Organisationen, PLO, Fatah, As-Saika, PFLP und DFLP als bewusstes Mittel zur Aufwiegelung der Massen benutzt. Dazu nahmen sie die israelischen Vergeltungsangriffe auf jordanische Dörfer billigend in Kauf und konnten sie bei der Bevölkerung sogar als Hetze gegen den Judenstaat einsetzten. Eine Strategie, die sie später auch im Libanon einsetzten würden. König Hussein erlitt dadurch einen ernstzunehmenden Autoritätsverlust. Jassir Arafat, der seit 1969 Präsident der PLO war, wich von seiner Politik der Nichteinmischung in die Belange der Gastländer ab, um sich die Unterstützung der anderen arabischen Staaten zu sichern. Finanzielle Mittel flossen prädestiniert jenen Organisationen zu, die das reaktionäre Jordanien zerschlagen wollten.27

Am 22. August 1970 entschied die radikalste aller Palästinenserorganisationen, die leninistische DFLP, den Endkampf gegen den „Lakaien des Weltimperialismus“, König Hussein,28 einzuleiten.

2.3 Der Schwarze September

In einer Situation, in der die Mehrheit der arabischen Staaten sich bereits des Sturzes des schwachen Haschemiten-Trohns sicher war, rüstete König Hussein zum Gegenschlag. Die Warnungen des Irak, Syriens und Ägyptens ignorierend, ernannte er eine Militärregierung und gab der Armee den Befehl, die PLO-Gruppen mit allen Mitteln zu zerschlagen. Um Amman, wo sich die wichtigsten Kampfbasen der Palästinenser gegen den König befanden, zog er ihm treu ergebene Beduinenregimenter zusammen. Am nächsten Tag waren die Guerillas umzingelt und wurden mit schwerer Artillerie beschossen. Die Armee blieb dem König treu und zerschlugt innerhalb von sechs Tagen die Kampfkraft der Palästinenser. Die arabischen Staaten, bis auf Syrien, das eine begrenzte Offensive versuchte, hielten, wie immer, still.29

Der palästinensische Volkskrieg gegen das schwache Jordanien endete im totalen Desaster. Jasser Arafat musste als Beduine verkleidet nach Kairo fliehen und einen Waffenstillstandsvertrag mit König Hussein unterzeichnen, der die militärische Präsenz der PLO Gruppen in Jordanien beendete. Nach einem zweiten Abkommen im Januar 1971 mussen die Guerillas endgültig ihre Waffen bei der jordanischen Armee abgeben. Als sich einige Gruppen weigerten und Angriffe auf die königliche Autorität wieder aufflammten, liess Hussein ein letztes Mal die Waffen sprechen und vertrieb die PLO entgültig aus Jordanien.30 Dieses beherzte Durchgreifen des Monarchen wird später im Libanon aufgrund der komplizierten ethnischen Zusammensetzung und des demokratischen Charakters des Staates nicht möglich sein.

2.4 Der Libanon als neue Kampfbasis

Nachdem Jordanien als Kampfbasis endgültig verloren war, flohen viele Palästinenser in den Libanon. Dort stießen sie zu etwa 350.000 palästinensischen Flüchtlingen, die seit 1948, 1967 und 1973 in riesigen Lagern lebten. Die Leinenzelte des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen waren erst schäbigen Wellblechhütten, dann einfachen Häusern und schließlich mehrstöckigen Gebäuden gewichen.31

Der Libanon war als Staat noch schwächer als Jordanien, hinzu kam jedoch noch das fragile politische Gleichgewicht der Konfessionen. Dieses sollte in der folgenden Zeit gestört werden. Schon 1968 waren über die syrische Grenze Fatah-Kämpfer in den Süden eingesickert und hatten hier erste Kampfbasen gegründet. Die PLO-Organisationen fanden ohne Probleme neue Gefolgsleute im Kampf gegen den verhassten Judenstaat. Bis 1975 hatten sich die Guerillas fest im Libanon etabliert. Ihre wichtigste Kampfbasis lag in dem Flüchtlingscamp Ein al-Hilwe bei Sidon32. Doch auch in der Hauptstadt hatten sie sich festgesetzt. Vor den Camps Sabra und Chatilla standen bewaffnete Milizen Wache, genauso wie in Karantina, Tel al- Za’atar und Bourj al-Barajneh. Das libanesische Grenzgebiet zwischen Israel und Syrien, das Arkub, nannte man ab 1971 „Fatahland“, die Nachschubwege durch Syrien den „Arafatpfad“ Bis 1975 machte die Schwäche des Libanesischen Staates, Beirut für Israel zur feindlichen Hauptstadt.

Das martialische Auftreten der Freiheitskämpfer wurde für den Libanon bald zum gleichen Problem wie vorher für König Hussein.33 Die Vergeltungsangriffe der Israelis trafen den Südlibanon mit unverhältnismäßig brutaler Härte.34 Darunter litt besonders die schiitische Bevölkerung des Südens. Anschaulich beschreibt dies der britische London Times Korrespondent Robert Fisk:

“ The motive was simple and comparatively cost free: If the Lebanese villagers allowed armed Palestinians to take shelter among their homes, , then they would be made to pay for it in blood. The only way to avoid Israeli attack was to eject the Palestinians from their villages. This, of course, the Lebanese could not do. The Palestinians were armed, and the Lebanese were not; and the Lebanese national army was to weak - both militarily and politically - to remove the Palestinians. The PLO, of course, saw its often murderous operations as a sacred duty; they were fighting the occupying power, that had taken away the land of the Palestinians ” . 35

Ab 1974 begann Israel mit „vorbeugenden Angriffen“ um geplante Terrorattacken auf Galiläa zu vereiteln36.

Für die israelische Armee stellte die Vergeltung eine legitime Strategie dar, die libanesische Bevölkerung von den Palästinensern zu entfremden und ein Eingreifen nach jordanischem Vorbild möglich zu machen.

2.5 Ethnische Fragmentierung der libanesischen Gesellschaft

Das Ergebnis der israelischen Strategie war eine massive Flüchtlingsbewegung der schiitischen Bevölkerung nach Norden, die zur Entstehung enormer Slums im Süden von Beirut führte. Die libanesische Regierung konnte die Situation an der israelischen Grenze längst nicht mehr kontrollieren. Die Schiiten, die nach einer Unterbindung der palästinensischen Guerilla durch die Armee riefen, stießen in Beirut auf Unvermögen. Denn im Gegensatz zum Großteil der Schia, unterstützte die libanesischen Sunna, zumindest ideologisch und moralisch, den palästinensischen Kampf gegen Israel. Besonders stark war die sunnitische Unterstützung bei jenen, die ohnehin eine arabische und nicht-libanesische Orientierung verfolgten. So tendierten viele Sunniten dazu, Israel zu verurteilen, statt eine Beschränkung der palästinensischen Aktivitäten zu fordern. Maßnahmen der christlichen Regierung führten zu Spannungen zwischen den Konfessionen im Parlament. Zusätzlich war das schwache Land, ähnlich wie vorher schon Jordanien, dem Druck Ägyptens und Syriens ausgesetzt, die nach außen die „palästinensische Sache“ pathetisch unterstützten, in ihren eigenen Ländern jedoch rigoros unterbanden.37

2.6 Status Quo und Anti Status Quo Kräfte

Schon vorher hatte bei fast allen Bevölkerungsgruppen die Schwäche des Staates zur Etablierung von Milizen zum Schutz der jeweiligen Gemeinschaft geführt . Die verschiedenen christlichen Gruppierungen hatten schon sein längerem eigene Kampfgruppen. Zum Beispiel die Phalange Miliz (al-Kat’aib al-Lubnania) der Maroniten. Präsident Pierre Gemayel hatte bei einem Besuch der Olympischen Spiele in Berlin 1936 die Disziplin der Hitler Jugend bewundert und ausgerufen: „Warum machen wir nicht das selbe im Libanon?“38 Aus der Jugendbewegung wurde eine persönliche Kampftruppe der Familie Gemayel, gekleidet in olivgrüne Kampfanzüge mit einem dreieckigen, grünen Zedernmotiv als Abzeichen. Gemayels Sohn Bashir war während des Bürgerkriegs der Anführer der Kat’aib. Die Familie von Ex-Präsident Camille Chamoun hatte ihre Tiger Miliz unter Kommando und auch der kurz vor dem Bürgerkrieg noch amtierende Präsident Suleiman Faranjuyya befehligte eine eigenen Miliz zum Schutz seiner Familie und Unterstützer. Die drei Maronitenführer kooperierten, um den Status Quo der maronitischen Vorherrschaft aufrechtzuerhalten und setzten dazu auch ihre Milizen ein. Die drei formten zusammen die „Libanesische Front“

Auf der anderen Seite gab es duzende sunnitische, schiitische, armenische und drusische Milizen, die für eine Änderung des Status Quo eintraten und mehr politisches Gewicht für die Muslime forderten. Darunter war die nasseristische Murabitum Miliz, unterstützt von Ägypten. Zusammen mit der Kommunistische Partei, der PPS, sowie der Progressive Socialist Party des drusischen Feudalführers Kamal Jumblatt formten diese Gruppen zusammen einen losen Block, die National Front39. Hinzukamen unzählige lokale Milizen, darunter kurdische, armeniesche, und viele mehr, die einzelne Wohngebiete ihrer Minderheit schützten.

Das Problem der Palästinenser begann nun die Gruppen gegeneinander aufzubringen. Die Christen wollten die Palästinenser loswerden. Sie mit Waffengewalt an Aktionen hindern oder ausweisen. Die Sunniten jedoch, die von der Macht ausgeschlossen waren, dachten die PLO für ihre Zwecke einspannen zu können. Also mit Hilfe der Guerillagruppen den Status Quo der christlichen Herrschaft zu ändern.

3. Syrische Interessen im Libanon

3.1 Ideologisch

Die Beziehungen zwischen Syrien und dem Libanon waren schon immer komplex. Einerseits sind beide Länder aufgrund ihrer kulturellen Nähe eng miteinander verstrickt, andererseits existieren für Syrien auch eine Reihe von wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen.

Traditionell wird die Selbstständigkeit des Libanon von Syrien geleugnet. Das kleine Land wird gerne als künstliche Kreation „westlicher Imperialisten“40 gesehen. Diese Haltung findet sich auch zum Teil in der Auseinandersetzung zwischen der Libanesischen Front und der Nationalen Front wieder, worin erstere die Unabhängigkeit und kulturelle Eigenständigkeit des Libanon betont, zweitere jedoch die Zugehörigkeit zu einem syrischen Großreich. Erstere Haltung wird stark mit der Gruppe der Maroniten assoziiert, zweitere mit sunnitischen linken Kräften. Praktisch verbreiterte das Baath Regime in Damaskus jedoch mit seinem pan-arabischen Anspruch den Graben zwischen beiden Ländern. Nachdem sie 1963 an die Macht kam, sicherte sie seine Herrschaft durch totalitäre und diktatorische Kontrolle, in der Präsident Hafez al-Assad als despotischer Anführer hervorging, der sich sowohl sozialistischer wie auch pan-arabischer Rhetorik bediente. Im Gegensatz dazu herrschte im Libanon ein westlich-geprägtes, liberales und demokratisches System.41

3.2 Militärisch

Sicherheitspolitisch und militärisch bewertete Syrien den Libanon als schwächstes Glied im Kampf gegen Israel. Besonders in Zeiten der militärischen Auseinandersetzungen formte das Land eine „Hintertür“ für Israel. Die syrische Führung fürchtete seit jeher, die israelische Armee könne innerhalb kürzester Zeit den Südlibanon ohne Gegenwehr durchqueren und in die Bekaa-Ebene vorstoßen. Von dort ist die Flanke Syriens ungeschützt und Damaskus sowie die industriellen Zentren bei Homs und Hama sind maximal 40 Kilometer entfernt. Zusätzlich bot der zentrale Bergrücken des Libanon auf dem Mount Hermon, Jebel Barouk und Mount Sannine die Möglichkeit, Beobachtungs- und Horchposten zu errichten. Schon vor dem Machtantritt Assads übten die Syrer daher Druck auf den Nachbarn aus, ihr militärisches Budget zu erhöhen, oder dem Einmarsch der syrischen Armee in den Südosten zu erlauben. Auch Assad verfolgte weiterhin diese Politik. Obwohl es 1971-72 zu gemeinsamen Grenzsicherungsaktionen im Süden kam, blieben die strategischen Erfolge für die Sicherheit Syriens unbefriedigend. Die militärische Schwäche des Libanon dauerte an.42

3.3 Ökonomisch

Wirtschaftlich war der Libanon Syrien weit überlegen. Dies schaffte eine Abhängigkeit gegenüber dem kapitalistischen Zwergstaat, die von der syrischen Führung als gefährlich eingestuft wurde. Syrien, das einen Anspruch als panarabische Führungsnation verfolgte, scheiterte mit seiner sozialistisch-orientierten Planwirtschaft, während der kleine Libanon mit freier Wirtschaft und einem gut entwickelten Handels- Finanz- und Dienstleistungssektor, geprägt durch private Initiativen, erstaunliche wirtschaftliche und soziale Fortschritte machte.43 Bis 1975 arbeiteten etwa 400.000 syrische Gastarbeiter im Land, deren Devisen immer wichtiger für das Nationaleinkommen Syriens wurden.44 Gleichzeitig waren sie jedoch auch eine Belastung für das Selbstbewusstsein Syriens. Die Gastarbeiter aus dem progressiven Syrien arbeiteten ausnahmslos im Billigsektor, wurden schlechter bezahlt als Libanesen und waren praktisch rechtlos. Forderungen Syriens, sie zu legalisieren und ihnen den rechtlichen Arbeitsschutz wie ihren libanesischen Kollegen zuzugestehen, wurden abgelehnt. Syrien baute zudem seit Jahrzehnten den Hafen von Latakia aus und konkurrierte so mit dem Hafen Beirut. Der Libanon jedoch tat alles, um die wirtschaftliche Vormachtstellung Beiruts zu erhalten. Stauprojekte des Orontes-Flusses von Seiten der Syrer wiederum drohten die Wasserversorgung der Libanesen zu gefährden. Weitere Zerwürfnisse brachte die hohe Bezollung libanesischer Überlandtransporte durch Syrien, die vom Libanon als Verstoß gegen das Prinzip des freien Handels gewertet wurden.45

3.4 Syrien und die Palästinenser

Seit 1970 wurden die Palästinenser zu einem wichtigen Werkzeug der Syrer. Durch finanzielle Unterstützung und ideologische Beeinflussung versuchten sie Kontrolle über die PLO zu gewinnen. Viele PLO-Fraktionen waren und wurden daher pro-syrisch., wie beispielsweise as- Saika, Abu Nidals dissidentischer Fatah-Revolutionsrat, oder die aus Jassir Arafats Fatah hervorgegangene Fatah A.M. (Abu Mussa). Auch die PFLP-General Command, Teile der regulären PFLP sowie der DFLP waren syrisch beeinflusst.46 Syrien sah sich selbst als Anwalt der palästinensischen Sache und als Hauptakteur im pan-arabischen Kampf gegen den Zionistenstaat. Die Palästinenser waren dabei ein willkommenes Mittel. Einerseits konnten sie im Südlibanon, wo weite Teile bereits als Fatah-Land bezeichnet wurden, einen israelischen Vorstoß verlangsamen. Andererseits konnte sie ohne Gefahr eines israelischen Vergeltungsschlags gegen Syrien, terroristische Aktionen in und gegen Israel ausführen.

Da die syrische Führung trotz Unterstützung der Palästinenser auch ein Eigeninteresse an einem stabilen Nachbarlandes erkannte, wirkten sie an einigen Verträgen und Abkommen zwischen libanesischer Regierung und PLO mit, die deren Aktionen im Gastland regulieren sollten. Aufgrund der Schwäche des libanesischen Staates konnten diese jedoch nur unbefriedigend durchgesetzt werden.47

Im Bürgerkrieg intervenierte Syrien immer wieder zum Schutz der Christen. Auf den ersten Blick erscheint die syrische Politik im Libanon also konfus: Auf der einen Seite versuchen sie eine Versöhnung der Parteien zu erreichen, auf der anderen Seite tragen sie durch massive Waffenlieferungen an die Palästinenser zu einer Eskalation bei. Dann wiederum intervenieren sie militärisch zum Schutz der Christen.48 Eine brauchbare Erklärung dafür gibt Evron. Er schlägt vor, sie nicht als direkte Strategie zu begreifen, die via zielgerichtet eingesetzter Mittel zu bestimmten definierten Ergebnissen führen soll. Vielmehr zielt die syrische Strategie in einem kontinuierlichen Bestreben darauf ab, die Kontrolle über eine Vielzahl sub-staatlicher Organisationen und staatlicher Akteure zu erhalten. Dieses Engagement ist meist indirekt, da eine direkte Einflussnahme zu kostspielig ist. Sollte die indirekte Methode nicht funktionieren, sollte direkte Einflußnahme versucht werden. In jedem Fall jedoch muss Syrien die Etablierung unabhängiger Akteure verhindern, die den Interessen Syriens widersprechen und eine Gefahr für Syriens Flexibilität darstellen. Ein solcher Akteur war die PLO.49 Syrien versuchte also die PLO, eine Organisation die immer wieder androhte, auch unabhängig von Syrien agieren zu können, zu kontrollieren. Eine unabhängige, einflussreiche PLO war nicht im Interesse Syriens. Eine abhängige PLO war ein Mittel im Kampf gegen Israel, ohne jedoch selbst aufzutreten und eine Reaktion der Israelis zu provozieren.

3.5 Inter-ethnischer Konflikt mit ausländischer Unterstützung

Der am Horizont des Libanon aufziehende ethnische Konflikt, war sicher von den umgebenen Staaten noch beschleunigt worden. Das Palästinenserproblem lastete schwer auf dem sensiblen Gleichgewicht des libanesischen Staates, genau wie die Interessen der Syrer. Doch das Konfliktpotenzial, der Hass zwischen den einzelnen Gruppen, war vorher schon existent50. Um ihre inter-ethnischen Konflikte zu Gunsten der eigenen Gruppe zu lösen, versuchten sich die verschiedenen Parteien ausländischer Verbündeter zu bedienen. Die muslimische Mehrheit, die von der Macht ausgeschlossen war, paktierte mit der PLO und hoffte mit ihrer Hilfe den Konflikt für sich entscheiden zu können. In der Geschichte des Bürgerkrieges setzt sich dieses Muster fort. Als die muslimische Allianz droht, die Christen zu überrennen, ersuchen diese die Syrer um Hilfe. Die Armee Assads rettet die Christen und bleibt im Land. Damit haben sie ihre Schuldigkeit für die Christen erledigt, die sie fortan bekämpfen. Um die Syrer und die PLO wieder los zu werden, paktieren die Christen wenig später mit den Israelis. Nun soll deren Armee die Probleme des Libanon lösen. Fast alle Armeen verließen den Libanon blamiert, desillusioniert und geschlagen.51

Fünfzehn Jahre rannten die verschiedenen ethnischen Gruppen gegeneinander an. Keine Gruppe konnte dabei ihre Macht bedeutend ausbauen und den Konflikt entscheiden. Schließlich rückte eine externe Ordnungsmacht ein und sorgte für Ruhe. Nun sind die Cafes am Place de L’Etoile wieder geöffnet, die Boulevards der Innenstadt wieder belebt. Die Milizen sind vertrieben.

Bereits im ersten Jahr des Konflikts, 1976, hatten sich die Parteien auf eine Neuordnung der Macht geeinigt. Doch die Konfliktparteien schafften es nie, die Einigung umzusetzen. Der Entwurf von Taif, etwa 15 Jahre später, ähnelte diesem Entwurf zum Verwechseln.52 Doch erst die syrische Besatzungsmacht konnte ihn wirkungsvoll durchsetzen, da sie den ethnischen Konflikt durch die Macht ihrer Armee überdeckte.

Der ethnische Konflikt ist also das zentrale Moment des Bürgerkriegs und von entscheidender Bedeutung für ein friedliches Fortbestehen des Staates nach einem syrischen Truppenabzug.

4. Ethnische Konflikttheorie

„ Care must be taken to respect the natural dispositions and peculiar characteristics of peoples and races and thus guard against the folly of trying to unite in any one state whose differences of temperament or diversity of language law and tradition are so great as to be incompatible ” 53

The Grand Design, Duke of Sully, 1638

Vor fast einem halben Jahrhundert verkündete Hannah Arendt, dass die revolutionären Kriege der Zukunft, die zwischenstaatlichen Kriege als gegenwärtig dominante Form der politischen Gewalt verdrängen werden.54 Dies hat sich nicht bewahrheitet. Heute sind ethnische Konflikte bei weitem die größte Herausforderung für den Weltfrieden. Auf jedem Kontinent finden wir dafür zahlreiche Beispiele. Der blutige Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien, Stammesgewalt in Afrika, Pogrome gegen die chinesische Minderheit in Indonesien oder der nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein in ethnisch motivierter Gewalt versinkende Irak sind nur einige Beispiele dafür. Auch der Libanonkonflikt war und ist eine ethnischer Konflikt.

Die Frage lautet nun: Was ist ein ethnischer Konflikt und wie entsteht er? Dazu möchte ich zuerst auf den Begriff „ethnisch“ eingehen.

4.1 Ethnische Zugehörigkeit - ethnischer Konflikt

Studien zeigen immer wieder, dass besonders in den Gesellschaften der Entwicklungsländer die ethnische Zugehörigkeit als eines der wichtigsten Charakteristiken des Individuums gesehen wird. Auf den Philippinen sind sich Kinder im Alter von sechs Jahren bereits bewusst, welcher ethnischen Gruppe sie angehören. In Nigeria sind die Menschen der Meinung, die Loyalität einer Person sollte bei seiner Region liegen, nicht bei seinem Land. In Ghana erwarten viele Menschen einen besonderen Dienst von Bürokraten und Beamten, die der eigenen ethnischen Gruppe angehören.55 Im Libanon würden 60% der Eltern einer Heirat der Tochter mit einem Partner einer anderen Religion nicht zustimmen.56 Auch im Libanon spielt die Ethnizität eine übergeordnete Rolle, da jede Gruppe, ob Maroniten, Drusen, Sunniten oder Schiiten als eigenständige Gemeinschaften organisiert sind und ein Austausch hauptsächlich über die Eliten statt findet.57

Ethnische Konflikte kommen in allen Staaten mit gemischter Bevölkerung oder großen Minderheiten vor. Das zeigt unter anderem, dass ein hoher Bildungsstand der Bevölkerung nicht dazu beiträgt, ethnische Konflikte vernünftiger zu lösen. Dies gilt auch für das Individuum. Oft stehen gebildete Eliten an vorderster Front in ethnischen Konflikten und ethnisch orientierte Parteien sind tief in den Eliten der jeweiligen Gruppen verwurzelt.58 Ethnische Konflikte brechen also zwischen allen Bevölkerungsschichten aus, und das in entwickelten, sowie unterentwickelten Ländern, in städtischen, sowie ländlichen Gebieten. Ethnische Konflikte und Kriege sind ein Weltphänomen.59 Doch welche Faktoren bestimmen Ethnizität und wie entsteht sie? Ryan gibt eine ebenso einleuchtende wie einfache Definition des Begriffes:

“ An ethnic group is taken to be a group of people, who define themselves as distinct from other groups because of cultural differences. 60

Damit spricht Ryan an, dass das wichtigste Merkmal einer ethnischen Gruppe, sozusagen das Herzstück eines ethnischen Konstrukts, die Überzeugung der Gruppe selbst darstellt, sich von anderen in ihrem kulturellen Erbe zu unterscheiden. Es bedarf also keines Politikwissenschaftlers oder gar Ethnologen, um eine ethnische Gruppe zu definieren, dies besorgt ausschließlich die Gruppe selbst. Auch Enid Schildkrout ist dieser Ansicht:

„ The minimal definition of an ethnic unit...is the idea of common provenance, recruitment, primarily through kinship, and a notion of distinctiveness weather or not this consists of a unique inventory of cultural traits. ” 61

Horowitz fügt noch hinzu:

„ ...ethnicity easily embraces groups differentiated by colour, language, and religion; it covers “ tribes ” , “ races ” , “ nationalities ” and castes ” . 62

Ethnische Unterschiede entstehen also einerseits durch (1) “sichtbare Merkmale” wie Hautfarbe, Rasse, Abstammung und Sprache. Desweiteren durch (2) soziologische, spirituelle und psychologische Konstrukte wie Religion, Kastensysteme oder ganz allgemein der „Kultur“. Daraus folgt die Erkenntnis einer „Andersartigkeit“. Reynal-Querol hat bei einem Vergleich zwischen sprachlichen, politisch und religiösen Unterschieden beobachtet, das religiöse Unterschiede die tiefsten Gräben zwischen ethnischen Gruppen verursachen und die Wahrscheinlichkeit für einen Bürgerkrieg signifikant erhöhen. Man kann verschiedene Sprachen sprechen, politische Systeme sind zu einem gewissen Maße verhandelbar, aber Religion ist exklusiv und definitiv.63

4.2 Kultur

Die meisten Gruppen, die sich als ethnisch bezeichnen, werden die „eigene Kultur“ als Unterscheidung gegenüber anderen vorbringen. Die meisten christlichen Libanesen werden auf die Frage, wodurch sie sich von ihren Landsleuten unterscheiden, die „Verschiedenartigkeit ihrer Kultur“ erklären.64 Doch was macht Kultur aus? Das weite Feld der Definition des Terminus „Kultur“, beschäftigt ganze Generationen von Ethnologen, Soziologen und Politikwissenschaftlern. Daher soll hier nur kurz auf die für unsere Zwecke passendsten Bedeutungen eingegangen werden.

4.2.1 Culture und Kultur

Vorher noch ein Satz zum Gebrauch des Wortes „Kultur“ in der deutschen Sprache. Neben der reinen qualitativen Bedeutung des Wortes, die mit dem englischen „culture“ identisch ist, gibt es in der deutschen Sprache noch eine quantitative Vorstellung von Kultur. Menschen können nicht nur verschiedenen Kulturen angehören (qualitativ), sondern sie können auch mehr oder weniger Kultur haben als andere (quantitativ). In dieser wissenschaftlichen Arbeit wird ausschließlich Kultur in seiner qualitativen Bedeutung gebraucht, wie es international in allen Gesellschaftswissenschaften anerkannt ist.

Taylor definiert Kultur:

“ Culture or civilisation taken in its wide ethnographic sense, is that complex whole which includes knowledge, beliefs, art, morals, law, custom, and any other capabilities and habits acquired by man as a member of society. 65

Die Definition von Gellner besagt:

„ Culture can be defined as the set of concepts in terms of which a given population thinks and acts. A concept is a shared way of grouping experiences of acting and reacting, and usually has a name. A culture is a system, and not just a collection of concepts: The notions which constitute it are interrelated and interdependent in various complex ways, and it is plausible to suppose that they could not exist at all in isolation. ” 66

Gellner geht bei seiner Definition als noch auf den Netzwerk - Aspekt der Kultur ein. Kultur ist ein komplexes System, dass nur in einer Gesellschaft bestand hat, und isoliert nicht existieren kann.

Für Taylor lässt sich Kultur in weitere sozio-psychologische Faktoren wie Glaube, Moral, Sitten, Gesetzcode usw. aufbrechen. Hinzu kommen Erlebnisse und Erkenntnisse.

Nach diesen verschiedenen Definitionen von Kultur und Ethnie können wir die verschiedenen Gruppen des Libanon klar als ethnische Gruppen identifizieren. Der Libanonkonflikt ist also ein ethnischer Konflikt: Verschiedene Gruppen, getrieben von unterschiedlichen Gruppeninteressen, kämpfen gegeneinander. Diese verschiedenen Gruppen unterscheiden sich untereinander durch ihre selbst erlebten „kulturellen Unterschiede“. Diese sind: Religion, Moralvorstellungen, Geschichte, Gesetzkodexe, Sitten und Weltvorstellungen. Die besondere Geschichte der Maroniten als „westlich“ wird sogar gelegentlich durch eine angeblich hellere Hautfarbe untermauert, die durch die starke Verbindung mit Frankreich (Vermischung) entstanden sein soll.67

Der Libanonkonflikt zeigt mit den tausendfach auf unserem Globus vorkommenden ethnischen Konflikten einige ähnliche Charakteristiken.

Das Zusammenleben von mehreren ethnischen Gruppen in einem Gesellschafts- oder Staatsgebilde führt oft zum Konflikt. Ob dieser Konflikt die Gesellschaft dauerhaft charakterisiert oder aber beigelegt werden kann, entscheiden mehrere Faktoren. Zum Beispiel kann es zur Implementierung wirksamer Mechanismen kommen, die den Konflikt beilegen. Im Libanon wurde jahrhundertelang versucht, den Konflikt mit Hilfe von Konsoziationen zu kontrollieren, die sich hauptsächlich auf eine große Koalition der verschiedenen ethischen Eliten und auf proportionale Repräsentationssysteme stützten. Trotzdem brach der Konflikt immer wieder auf.68 Die Konfliktforschungstheorie versucht die Gründe für diese Konflikte zu durchschauen, und wirksame Gegenmittel zu finden. Dabei stellt sich die Frage, welche Faktoren ausschlaggebend für den Ausbruch eines Konflikts innerhalb einer multiethnischen Gesellschaft sind. Dabei gibt es verschiedene Ansichten. Einige Autoren betonen wirtschaftliche und soziale, andere politisch-ideologische Differenzen. Heute geht man allerdings dazu über, das Konfliktpotenzial, das durch die bloße Anwesenheit verschiedener Gruppen entsteht, in den Mittelpunkt zu rücken.69 Samuel P. Huntington schrieb 1996 in seinem weltweit beachteten Artikel The Clash of Civilizations?:

“ It is my hypothesis that the fundamental source of conflict in this new world will not be primarily ideological or primarily economic. The great divisions among humankind and the dominating source of conflict will be cultural ” 70

4.3 Strömungen der ethnischen Konfliktforschung

Während noch die Zeit unmittelbar nach dem Krieg, also die späten 40er und 50er Jahre von der ideologischen Auseinandersetzung zwischen Ost und West gekennzeichnet waren und dem Feld der ethnischen Minderheiten keine besondere Beachtung geschenkt wurde, entdeckten die Politikwissenschaftler das Thema in den 60er Jahren neu. Die 60er Jahre wurden die Hochzeit der Modernisierungs-Theoretiker, in deren Tradition auch die Assimilationisten standen. Diese waren Optimisten, die glaubten, dass ethnische Konflikte mit der zunehmenden Modernisierung eines Landes verschwinden würden. Die Definition von Gruppen über ihre ethnische Zugehörigkeit galt als besonderes Charakteristikum unterentwickelter und rückständiger Staaten. Mit dem Fortschritt, so glaubte man, würden diese verschwinden. Die Kreuzzugsmentalität der Kennedy-Administration, mit dem der Fortschritt auf der ganzen Welt durchgesetzt werden sollte, ist ein Symptom dieser Zeit. In der Ausgabe von Foreign Affairs aus dem Jahre 1962 heißt es im Editorial:

„A new Generation has emerged on the world scene, dedicated to modernising its heretofore backward societies and truly building an nation that can achieve the aspirations of its people. No longer are disparate groups to be allowed to compromise the progress of the whole.”71

In einem anderen Aufsatz in derselben Ausgabe heißt es, die Gesellschaften würden aus einem Zustand des “Tribalism” in einen Zustand des “Nationalism” aufsteigen.72 Doch in den 70er Jahren erwiesen sich die Segnungen des Fortschritts in vielen Ländern, besonders in den entkolonialisierten Staaten Afrikas,73 nicht als ein Mittel gegen ethische Konflikte. Nun wich die Forschung auf andere Theorien aus, es kam zu einer Phase der Leugnung. Ethnische Motivation als Erklärung hinter den andauernden innerstaatlichen Konflikten wurde zurückgewiesen, stattdessen wurden andere Faktoren verantwortlich gemacht: Traditionalismus, Unfähigkeit zur Moderne oder gar Klassenkonflikte (in der marxistischen Theorie) sollten Schuld an innerstaatlichen Unruhen sein.74 Ein 1976 erschienener Band von Foreign Affairs Studies, herausgegeben vom American Enterprise Institute for Public Policy Research beschäftigt sich mit dem ein Jahr zuvor ausgebrochenen Bürgerkrieg.

Auf der ersten Seite kommt der Autor zu der These:

„ The civil strife in Lebanon presents traditionalism against modernization … . ” 75

Besonders die materialistische Theorie argumentiert, dass innerstaatliche Konflikte meist keinen ethnischen Hintergrund aufwiesen, sondern vielmehr einen ökonomischen. Der Streit um knappe Ressourcen führe zur Bildung von Interessengruppen, die sich dann oft, auch aus dem Interesse einzelner Meinungsführer oder Eliten heraus, ethnisch organisierten, um die eigene Struktur zu stärken. Ethnische Ressentiments würden hervorgerufen und dann als Fundament benutzt, um eine Interessengruppe darauf aufzubauen. Materialisten bewerten ethnische Konflikte als „künstlich“, die Gruppen selbst als „manipuliert“.76 Heute jedoch hat man erkannt, dass ethnische Konflikte doch aufgrund kultureller Unterschiede auftreten, und zum Beispiel der Streit um Ressourcen aus einem ethnischen Selbsterhaltungsdenken heraus entspringt, der symptomatisch ist für ethnische Gruppen, die stets den Vorteil für die eigene Gruppe, auch auf Kosten der anderen, sucht.77

Seit den 70er Jahren, und noch verstärkt seit dem Ende des Ost-West Konflikts, haben ethnische Konflikte weltweit noch mehr zugenommen und können letztendlich von der Forschung nicht mehr ignoriert werden. Endlich befasst man sich wieder mit dem Problem ethnisch motivierter Konflikte. Um es mit Horowitz Worten zu sagen:

“ Ethnicity is the centre of politics in country after country after country, a potent source of challenges to the cohesion of states and of international tension. Connections among Biafra, Bangladesh, and Burundi, Beirut, Brussels, and Belfast were at first hesitantly made - isn ’ t one “ tribal, ” one “ linguistic, ” another “ religious ” ?-but that is true no longer. Ethnicity has fought and bled and burned its way into public and scholarly conciousness. ” 78

4.4 Neuere Konflikt Theorie und die Plural Society Theory

Mit der Intensivierung ethnischer Konflikte weltweit und dem Scheitern der NationBuilding-Theoretiker machte sich Pessimismus in der akademischen Literatur breit. Der britische Ökonom J.S. Furnivall brachte diesen Pessimismus mit seiner Plural Society Theory auf die Spitze, indem er behauptete, multi-ethnische Gesellschaften könnten nicht gleichzeitig stabil und demokratisch sein.79

[...]


1 F. Schreiber, M. Wolfsohn. 1996. Nahost: Geschichte und Struktur eines Konflikts, S.32-33

2 Longrigg, Stephen Hemsley. 1958. Syria and Lebanon under the French Mandate, S, 8-13; Zitat S. 13

3 Longrigg, S.110

4 Evron, Yair. 1987 . War and Intervention in Lebanon, S. 1

5 Fisk, Robert. 2001. Pity the Nation. Lebanon at War, S. 57

6 Evron, S. 3

7 Schreiber, Wolffsohn, S. 286

8 Evron, S. 2

9 Schreiber, Wolffsohn, S. 287

10 Für eine vollständige Beschreibung der Mandats-Pflichten und Auflagen für Frankreich, siehe: Longrigg, S. 109-123

11 Hanf, Theodor. 1990. Koexistenz im Krieg, S. 132-133

12 Hanf, S. 141-143

13 Hanf, S. 578-579

14 Hanf, S. 136

15 Siehe Tabelle 1

16 Bretholz, Wolfgang. 1969. Aufstand der Araber, S. 373-375

17 Hanf, 191-192

18 Aus diesem Grund unterhielt Syrien im Libanon nie eine Botschaft. Im späteren Bürgerkrieg wird diese Schicksalsbeziehung zum Nachbarland besonders wichtig werden

19 Evron, S. 5-6

20 Zitat Walid Jumblatt: „We were all somehow brought up in the Palestinian cause”. In: The War of Lebanon, Teil 9, Occupation of an Arab Capital. Dokumentation. Al Djazeera, 2001

21 Lijphart, Arend. 1977. Democracy in Plural Societies, S. 53

22 Evron, S. 2

23 Tibi, Bassam. 1992. Islamischer Fundamentalismus, moderne Wissenschaft und Technologie, S. 47

24 Schreiber, Wolffsohn, S. 287

25 Schreiber, Wolffsohn, S. 216

26 Evron, S. 7 und Schreiber, Wolffsohn S. 240

27 Schreiber, Wolffsohn, S. 217

28 s.o.

29 Schreiber, Wolffsohn,, S. 218-221

30 Schreiber, Wolffsohn, S. 222-223

31 Fisk, S. 73

32 Schreiber, Wolffsohn, S.240

33 Fisk, S. 73

34 Evron, S. 7 - 8

35 Fisk, S. 74

36 Fisk, S. 74-75

37 Evron, S. 8

38 Fisk, S. 65

39 Evron, S. 9-10

40 Avi-Ran, Reuven, 1991, The Syrian Involvement in Lebanon since 1975, S. 10

41 Evron, S. 19-20

42 Avi-Ran, S. 7-8

43 Besonders während der Präsidentschaft Foud Chehabs genoss der Libanon Wachstum und Stabilität

44 Evron, S. 20

45 Avi-Ran, S. 8

46 Schreiber, Wolffsohn, S. 212

47 Avi-Ran, S. 10

48 Avi-Ran, S. 20

49 Evron, S. 21

50 Vgl. Beschreibung des ’58er Bürgerkriegs in: Fisk, S. 70

51 Fisk, S. 53

52 Vgl. Beschreibung des Damaskus Abkommens in: Hanf, S. 275 mit Taif-Abkommen in: Perthes S. 18-24 16

53 Ryan, S. 1-2

54 Arendt, Hannah, 1973, On Revolution, S. 17-18

55 Horowitz, Donald L, 2000, Ethnic groups in Conflict, S. 6-7

56 Hanf, S. 607

57 Hanf, S. 130-131 und Ryan, S. 17

58 Horowitz, S. 3

59 Horowitz, S. 97

60 Ryan, Introduction xiii

61 zitiert in: Horowitz, S. 53

62 Horowitz, S. 53

63 Reynal-Querol, Marta, 2002, Ethnicity, Political Systems, And Wars. In: Journal of Conflict Resolution, Vol. 46, Nr.1, S. 31-32

64 Eigene Erfahrung des Autors, siehe auch Fisk im Gespräch mit einem Christen. Zitat: „The Lebanese - the Christians - we are the people of civilisation, the people of the west. We are the only progressive people of the region apart from the Israelis.” Fisk, S. 545

65 Taylor In: Encyclopaedia of cultural anthropology

66 In: Ryan: Introduction

67 Vom Autor bei vielen Gelegenheiten selbst erlebte gängige Erklärung der Christen im Libanon

68 Dutzende Male wurde während des Krieges eine Aussöhnung versucht. Mit und ohne ausländische Hilfe. Alle scheiterten.

69 Ellingsen, Tanja, 2000, Colourful Community or Ethnic Witches ’ Brew? In: Journal of Conflict Resolution, Vol.44, Nr.2, S. 288

70 Huntington, Samuel P.,1993, The Clash of Civilizations? In: Foreign Affairs, Vol. 73, Nr. 3, S. 22

71 Foreign Affairs xxx

72 Foreign Affairs xxx

73 siehe dazu: P. Collier, Hoeffner, A, 2002, On the Incidence of Civil War in Africa, Journal of Conflict Resolution, Vol. 46, Nr. 1

74 Horowitz, S. 13

75 Koury, Enver M., 1976, The Crisis in the Lebanese System. Confessionalism and Chaos, Washington D.C., , S. 1

76 Horowitz, S. 105-107

77 Horowitz, 136

78 Horowitz, Introduction, S. xv

79 Furnivall, J. S., 1939, Netherlands India, S. 447 und 467-468

Ende der Leseprobe aus 123 Seiten

Details

Titel
Frieden ohne Freiheit - Freiheit ohne Frieden? Die Zukunftsperspektiven des Libanon nach einem Abzug der syrischen Truppen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschwister Scholl Institut für Politische Wissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
123
Katalognummer
V26482
ISBN (eBook)
9783638288019
Dateigröße
1183 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beleuchtet den Libanokrieg hinsichtlich seiner Auswirkungen auf die Zukunft. Sie besteht aus drei Teilen: 1. Ereignisgeschichtlicher Hintergrund (Krieg von 1975 bis 1990 - Friedensphase bis heute) 2. Theorethische Herangehensweise an ethnische Konflikte, 3. Erstellung eines Szenarios über die Zukunft des Libanon.
Schlagworte
Frieden, Freiheit, Zukunftsperspektiven, Libanon, Abzug, Truppen
Arbeit zitieren
Christian Bader (Autor), 2004, Frieden ohne Freiheit - Freiheit ohne Frieden? Die Zukunftsperspektiven des Libanon nach einem Abzug der syrischen Truppen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26482

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