Das Drägerwerk wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Lübeck gegründet. Von Anfang an beschäftigte sich das Unternehmen mit Medizintechnik. Die Forschung an Aufbewahrungs- und Transportmöglichkeiten von Gasen sowie der Regulierung ihres Drucks war dabei immer im Mittelpunkt. Diese Entwicklung führte über Sauerstoffmasken und Narkosegeräten für Feuerwehren sowie Krankenhäuser zur Produktion von Gasmaske, die bereits im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kamen. Während der NS-Zeit wurden dann die Kapazitäten für die Produktion, unter anderem der so genannten Volksgasmaske, erweitert.
Für den Unternehmensgründer Heinrich Dräger war der Export immer ein wichtiges Standbein seiner Firma und er versuchte, diese Politik auch während der Krisenzeiten beizubehalten.
So war es für das Unternehmen möglich, sowohl die Inflation als auch die Weltwirtschaftskrise ohne langfristige Folgeschäden zu überstehen.
Während des Nationalsozialismus versuchten die Machthaber, lenkend in die Wirtschaft einzugreifen, um im geplanten Krieg so autark wie möglich zu sein. Ein Mittel dazu war unter anderen der Vierjahresplan. Ein Beispiel für die konkrete Steuerung war der Versuch der Rohstoffkontingentierung, die aber letztendlich scheiterte.
Diese Hausarbeit soll die Entwicklung der Drägerwerke vom Anfang der Weltwirtschaftskrise und im Nationalsozialismus beschreiben. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, in wie weit die Unternehmensführung um Heinrich Dräger den Vorgaben der Politik folgte, und in wie fern doch eigene Interessen durchgesetzt wurden. Letzteres ist sehr interessant, da Dräger selbst, wie im Einleitungssatz bereits beschrieben, gegenüber den Versuchen der staatlichen Wirtschaftslenkung sehr skeptisch war.
Da Heinrich Dräger ein sehr einflussreicher und charismatischer Mann war, wird auch seine persönliche Beziehung zum politischen System und sein Verhalten in bestimmten Fällen immer wieder angeführt werden.
Inhaltlich wird im ersten Teil kurz die wirtschaftliche Situation des Unternehmens vor und während der Weltwirtschaftskrise analysiert. Diese Erhebung dient dann als Grundlage für den zweiten Teil, der die Firmenentwicklung während der NS-Zeit und Drägers Unternehmenspolitik von der Machtergreifung bis zum Kriegsausbruch und dann während des Zweiten Weltkriegs beschreibt. Nach einer zusammenfassenden Darstellung wird im Schluss versucht, dass Ergebnis hinsichtlich der Fragestellung zu interpretieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Drägerwerke vor und während der Weltwirtschaftskrise
3. Das Drägerwerk im Nationalsozialismus
3.1 Von der Machtübernahme bis zum Kriegsausbruch
3.2 Während des Krieges
3.3 Zusammenfassender Überblick
4. Schluss
5. Anhang
5.1 Grafiken und Abbildungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Unternehmensentwicklung der Drägerwerke im Zeitraum von der Weltwirtschaftskrise bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, inwiefern die Unternehmensführung unter Heinrich Dräger staatlichen Vorgaben der Nationalsozialisten folgte oder eigene unternehmerische Interessen durchsetzen konnte.
- Wirtschaftliche Situation der Drägerwerke vor und während der Weltwirtschaftskrise
- Einfluss der NS-Wirtschaftspolitik und des Vierjahresplans auf das Unternehmen
- Strategien zur Bewahrung unternehmerischer Handlungsspielräume
- Umgang mit Rüstungsaufträgen und Zwangsarbeit
- Unternehmenspolitik im Kontext der Nachkriegsplanung
Auszug aus dem Buch
Während des Krieges
Bedingt durch den Krieg drohte ein Mangel an Arbeitskräften. Doch durch die Rüstungsrelevanz kann Dräger mit hohem bürokratischem Aufwand den Behalt von deutschen Facharbeitern gegenüber der Reichsregierung durchsetzen.32 Durch die zusätzliche Übernahme von Facharbeitern aus den besetzten Gebieten konnte die Belegschaft sogar vergrößert werden (vgl. dazu Abbildung 2).
Die Forderung des Staates von 1942, die Fertigungskapazitäten aus Angst vor alliierten Luftangriffen auszulagern, wurde von Dräger mit Bedingungen verknüpft. Erst als das Wirtschaftsministerium die Kosten für die Auslagerung sowie eine Beteiligung an den immensen Transport- und Arbeitskosten übernahm, erklärte sich die Unternehmensführung dazu bereit.33 So wurde beispielsweise im Sommer 1942 die Gummiwarenfabrik Wolbrom AG im Generalgouvernement im Zuständigkeitsbereich des Rüstungskommandos Krakau übernommen. Dass es nach Beginn der Verhandlungen im März relativ schnell zu einer Einigung kam liegt darin begründet, dass es wenige Tage vor den Gesprächen zu ersten Luftangriffen auf Lübeck kam, von denen auch das Dräger Stammwerk betroffen war.34
Ende 1942 gab es 22 eigene Produktionsstätten im gesamten deutschen Machtbereich. Dies erschwerte die Organisation und Verwaltung enorm, wodurch der Umsatz im Verhältnis zu den Mitarbeiterzahlen und der Produktion unverhältnismäßig schwach anstieg.35 De facto wurde mit 100% erweiterten Produktionsmitteln nur 10% mehr Umsatz erzielt. Dies ist der Grund für den Rückgang der Umsatzrentabilität zwischen 1940 und 1942 (vgl. dazu Abbildung 4).
In diesem Punkt musste Dräger einen Rückschlag seiner Politik in Kauf nehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel skizziert die Gründung der Drägerwerke, ihre technologische Ausrichtung sowie die Zielsetzung der Arbeit, das Spannungsfeld zwischen staatlicher Lenkung und unternehmerischer Autonomie zu untersuchen.
Die Drägerwerke vor und während der Weltwirtschaftskrise: Der Abschnitt analysiert, wie das Unternehmen durch Diversifizierung und Flexibilität die Krisenjahre und die Weltwirtschaftskrise überstand und bereits vor 1933 wieder wirtschaftliches Wachstum verzeichnete.
Das Drägerwerk im Nationalsozialismus: Hier wird die Expansion des Unternehmens im NS-Staat, der Umgang mit dem Vierjahresplan, die Rüstungsproduktion sowie die Bemühungen der Geschäftsführung um eigene Handlungsspielräume detailliert beleuchtet.
Schluss: Das Fazit resümiert, dass Heinrich Dräger trotz der Zusammenarbeit mit dem NS-Regime kein überzeugter Nationalsozialist war und durch taktisches Geschick versuchte, die Unabhängigkeit des Unternehmens zu wahren.
Anhang: Dieser Teil enthält die grafische Aufbereitung der Unternehmensdaten sowie die Zusammenstellung der verwendeten Abbildungen.
Schlüsselwörter
Drägerwerke, Nationalsozialismus, Heinrich Dräger, Weltwirtschaftskrise, Autarkiepolitik, Vierjahresplan, Rüstungsproduktion, Unternehmensführung, Industriegeschichte, Medizintechnik, Zwangsarbeit, Volksgasmaske, Rohstoffkontingentierung, Exportstrategie, Unternehmensstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die strategische Ausrichtung der Drägerwerke im Zeitraum zwischen der Weltwirtschaftskrise und dem Ende des Zweiten Weltkriegs unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens, die Anpassungsstrategien an staatliche Vorgaben, die Rolle der Rüstungsproduktion sowie der unternehmerische Spielraum der Geschäftsführung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, inwieweit die Unternehmensführung unter Heinrich Dräger den Forderungen des NS-Staates folgte oder eigene, von der staatlichen Ideologie unabhängige Interessen durchsetzen konnte.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, wobei insbesondere historische Fachliteratur zu Industrieeliten und Wirtschaftspolitik der NS-Zeit sowie unternehmenseigene Archivdaten und Präsentationen ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der wirtschaftlichen Situation vor 1933 sowie eine detaillierte Betrachtung der Firmenentwicklung während der NS-Zeit, unterteilt in die Phasen der Machtübernahme, des Kriegsausbruchs und des weiteren Kriegsverlaufs.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Autarkiepolitik, Rüstungsrelevanz, Unternehmensautonomie, Rohstoffkontingentierung und die spezifische Produktpalette der Drägerwerke wie Narkose- und Atemschutztechnik.
Wie bewertet der Autor Heinrich Drägers politische Haltung?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Heinrich Dräger kein überzeugter Nationalsozialist war, sondern primär als Unternehmer handelte, der die politische Situation zur Absicherung und Expansion seines Betriebes taktisch nutzte.
Welche Rolle spielten Zwangsarbeiter im Unternehmen?
Obwohl Dräger Fachkräfte bevorzugte, konnte er sich dem Einsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen nicht entziehen; laut der Arbeit versuchte er jedoch, diese Häftlinge aufgrund der bekannten katastrophalen Folgen eines Arbeitsendes möglichst im Werk zu halten.
- Quote paper
- Dr. Michael Knoll (Author), 2004, Die Drägerwerke im Dritten Reich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264899