Das Thema Schöpfung eröffnet viele Perspektiven für den Unterricht. Man kann den Schwerpunkt auf die uns umgebende Welt legen, die uns von Gott übergeben wurde. Davon ausgehend rückt dann unweigerlich eine umweltethische Fragestellung ins Blickfeld. Welche Konsequenzen ergeben sich im Umgang mit der allgegenwärtigen Schöpfung? Man kann aber auch die Gestalt des schöpfenden Gottes näher betrachten. Was ist das für ein Gott, der hier handelt? Die Frage nach Gott ist sicherlich ein spannender Ansatzpunkt, aber für Schüler der Oberstufe, die sich immer noch in einer Findungsphase in ihrem Leben befinden, ist eventuell die Frage nach dem Menschen eine zentralere. Was ist das für ein Mensch, der hier von Gott in die Welt gestellt ist? Diese Frage wird in vielfältiger Weise im Schöpfungstext beantwortet. Fragt man nach dem Menschen des Schöpfungstextes, so wird Gott bestimmt nicht außen vor bleiben und man kann so im Unterricht die Dimension der Beziehung zu Gott miteinbeziehen. Die anthropologische Fragestellung spielt gerade in der Schulzeit eine Schlüsselrolle über die sich gut auch an andere Fragen anknüpfen lässt. Ermöglicht man dem Schüler eine klarere Sicht auf sich selbst, so werden oft auch Fragen nach Dingen, die die Schüler beeinflussen könnten, klarer. Die Frage nach Gott und den Menschen um mich herum lässt sich so leichter eröffnen. Die Frage nach sich selbst ist bei Schülern der Oberstufe meist noch nicht vollständig beantwortet und so kann und sollte der Religionsunterricht einen Raum bieten, in dem die Schüler und Schülerinnen Antworten und Perspektiven für sich entdecken können.
Inhaltsverzeichnis
I. Orientierung
a. Was will ich, dass meine Schüler lernen?
b. Einbettung in den Bildungsplan
II. Theologische Entfaltung
III. Didaktischer Übergang
a. Worauf richtet sich mein Unterricht?
b. Lernschritte
c. Stoffverteilungsplan
d. Materialien und Medien
e. Konzeption einer Stunde
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Schülern der Oberstufe ein tiefgreifendes Verständnis für biblische Menschenbilder im Kontext der Schöpfungstheologie zu vermitteln und diese in Beziehung zur eigenen Identitätsfindung und modernen Lebenswirklichkeit zu setzen.
- Anthropologische Aspekte der Schöpfungsgeschichte im Alten Testament
- Die Bedeutung der Gottebenbildlichkeit (Imago Dei)
- Christologische Deutung der Gottebenbildlichkeit im Neuen Testament
- Vergleich von Selbstentwürfen durch literarische und popkulturelle Texte
- Verknüpfung von theologischer Anthropologie mit der Lebenswelt der Schüler
Auszug aus dem Buch
Wer bin ich?
Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich träte aus meiner Zelle gelassen und heiter und fest, wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.
Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich spräche mit meinen Bewachern frei und freundlich und klar, als hätte ich zu gebieten.
Wer bin ich? Sie sagen mir auch, ich trüge die Tage des Unglücks gleichmütig, lächelnd und stolz, wie einer, der Siegen gewohnt ist.
Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle, hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen, dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe, zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung, umgetrieben vom Warten auf große Dinge, ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne, müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen, matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Zusammenfassung der Kapitel
I. Orientierung: Dieses Kapitel erläutert die pädagogische Motivation hinter der Unterrichtseinheit und bettet das Thema Schöpfung in den Rahmen der anthropologischen Fragestellung und des Bildungsplans ein.
II. Theologische Entfaltung: Hier werden die biblischen Schöpfungstexte und die Gottebenbildlichkeit exegetisch sowie systematisch-theologisch unter Einbeziehung des Neuen Testaments analysiert.
III. Didaktischer Übergang: Dieses Kapitel beschreibt die methodische Umsetzung, inklusive der Analyse von Textbeispielen, der Lernschritte, der Stoffverteilung und der konkreten Unterrichtsplanung.
Schlüsselwörter
Schöpfung, Anthropologie, Gottebenbildlichkeit, Imago Dei, Identität, Dietrich Bonhoeffer, Bibel, Menschsein, Christologie, Religionsunterricht, Oberstufe, Selbstbild, Schöpfungsgeschichte, Verantwortung, Gottesbeziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem Unterrichtsentwurf für die Oberstufe zum Thema „Schöpfung – Wer bin ich?“, der theologisches Wissen mit der Identitätsfrage der Schüler verknüpft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die biblische Anthropologie, die Deutung der Gottebenbildlichkeit im Alten und Neuen Testament sowie die Reflexion menschlicher Identität anhand von literarischen und aktuellen Texten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Schülern zu helfen, ein biblisch fundiertes Menschenbild zu erarbeiten und dieses kritisch mit ihrem eigenen Selbstverständnis und aktuellen gesellschaftlichen Rollenbildern zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine religionspädagogische Vorgehensweise gewählt, die exegetische Arbeit am Text mit hermeneutischen und didaktischen Analysen kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theologische Grundlegung zum Thema Gottebenbildlichkeit und eine detaillierte didaktische Ausarbeitung für eine achtwöchige Unterrichtseinheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Schöpfung, Gottebenbildlichkeit, Identität, Anthropologie, Imago Dei, Christologie und der Mensch als Geschöpf.
Warum spielt das Gedicht von Bonhoeffer eine zentrale Rolle?
Es dient als Einstiegsmaterial, um die Spannung zwischen Fremdwahrnehmung und Selbstwahrnehmung aufzuzeigen und die existenzielle Frage nach der eigenen Identität vor Gott zu thematisieren.
Wie unterscheidet sich der Ansatz bei Cro von dem bei Bonhoeffer?
Während Bonhoeffer seine Identität in der Gottesbeziehung findet, bleibt der Rapper Cro bei einer eher oberflächlichen, von Statussymbolen und Rollenspielen geprägten Identität, ohne einen transzendenten Bezugspunkt.
Welche Bedeutung kommt der „Gottebenbildlichkeit“ im Unterricht zu?
Sie dient als Schlüsselkategorie, um den Menschen als ein verantwortungsbewusstes Wesen in Beziehung zu Gott und der Welt zu definieren, was eine Abgrenzung zu rein säkularen Menschenbildern ermöglicht.
- Citar trabajo
- Stefanie Bucher (Autor), 2013, Schöpfung. Ein anthropologischer Zugang - Wer bin ich? (Oberstufe), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265036