Johann Ferdinand Roth, Gemeinnütziges Lexikon für Leser aller Klassen. Eine Analyse


Hausarbeit, 2012

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Biographisches zum Autor

Konzeption des Wörterbuchs
Einstellung des Autors zur deutschen Sprache und zu Fremdsprachen
Adressaten des Wörterbuchs
Zweck des Wörterbuchs
Quellen
Makrostruktur
Wörterbuchentstehung

Artikelstrecke Buchstabe G
Lemmaliste
Aufbau der einzelnen Wortartikel
Typographische Gestaltung

Rezeption

Fazit

Literaturverzeichnis
Wörterbücher
Quellen
Sekundärliteratur

Einleitung

Nach dem Duden ist ein Wörterbuch ein „Nachschlagewerk, in dem die Wörter einer Sprache nach bestimmten Gesichtspunkten verzeichnet [und erklärt] sind“[1]. So erklärt ein Wörterbuch also sich selbst. Die kurze Erklärung legt auf den ersten Blick nahe, dass ein Wörterbuch eine klar definierte Sache ist. Schaut man aber ein bisschen genauer hin, werden die vielfältigen Möglichkeiten dieser Definition deutlich.

Unter welchem dieser nicht näher spezifizierten Gesichtspunkte das jeweilige Wörterbuch gestaltet werden soll, hat nämlich jeder Autor erst einmal selbst zu entscheiden. So ergibt sich eine Vielzahl verschiedener Ausrichtungen eines Wörterbuchs. Bei der Untersuchung eines historischen oder auch modernen Wörterbuchs kann man nicht nur den Inhalt genauer betrachten, indem man die einzelnen Wortartikel, sowie deren Anordnung in der Lemmaliste, genauer analysiert, sondern auch herausarbeiten, welche Einstellungen und Ansichten des Autors sich erkennen lassen oder welchen Adressatenbezug und Zweck das Wörterbuch hatte. All dies soll in dieser Arbeit anhand des Gemeinnützigen Lexicons von Johann Ferdinand Roth, das 1788 veröffentlicht wurde, in dieser Arbeit behandelt werden.

Die Betrachtung historischer Wörterbücher ist ein besonders interessantes Feld, da sie nicht nur eine Aufstellung eines bestimmten Wortschatzauschnitts darstellen, dessen Betrachtung natürlich auch schon an sich interessant ist, sondern in ihnen immer auch ein Stück ihrer Entstehungszeit und der damals herrschenden gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Umstände enthalten ist. Manchmal waren sie sogar selbst bedeutender Teil der Entwicklungen, da man schon fast sagen kann, dass sie zum Instrument der verschiedenen Strömungen wurden. Ein schönes Beispiel ist hier der Sprachpurismus, der nicht nur eine linguistische Bewegung war, sondern durchaus auch eine politische Dimension hatte. Dass man sich gegen entlehnte Worte richtete und versuchte, sie durch deutsche Neuschöpfungen zu verdrängen und zu ersetzen, hatte auch viel mit dem damaligen politischen Selbstverständnis Deutschlands zu tun. Wörterbücher spielten in dieser Zeit eine wichtige Rolle, da sie die Sprache katalogisierten und mit ihnen Neuerungen oder einfach die eigenen Vorstellungen von der deutschen Sprache festgehalten und verbreitet werden konnten. Auch zu anderen Zeiten waren die Wörterbücher und die Entwicklungen, die sie umgaben, fest ineinander verwoben. Betrachtet man das Wörterbuch von Johann Ferdinand Roth in seiner Gesamtheit, mit Titelblatt, Vorwort, Bemerkungen des Verlegers, natürlich der Lemmastrecke und schließlich noch Sonderkapitel, so bemerkt man schnell seinen ganz eigenen Charakter, den es im Folgenden herauszuarbeiten gilt.

Biographisches zum Autor

Zur Biographie von Johann Ferdinand Roth ist uns heute nur wenig bekannt. Nur im Nürnbergischen Gelehrten-Lexicon, das von Georg Andreas Will und Christian Conrad Nopitsch 1806 verfasst und veröffentlicht wurde, findet sich ein Eintrag zu seiner Person. Dort werden vor allem sehr sorgfältig seine bisher verfassten Werke aufgelistet, aber man erfährt auch einige Details zum Bildungs- und Berufsweg von Roth.

Johann Ferdinand Roth wurde am 7.2.1748 in Nürnberg geboren. Sein Vater hieß Georg Lorenz Roth und war von Beruf Buchbinder und Futteralmacher. Roth genoss offensichtlich eine gute Schulbildung, die im Nürnbergischen Gelehrten-Lexicon folgendermaßen beschrieben wird:

„In den Sprachen wurde er in der Trivialschule [2] zum h. Geist […] unterrichtet. Privatstunden hatte er bei dem Diacon Wagner an der Spitalkirche, besonders in der Hebräischen Sprache, welche in der dasigen Schule nicht gelehret wurde.“[3]

Roth war also, durch Schule und Privatunterricht, in den alten Sprachen bestens bewandert und so optimal für ein Theologiestudium ausgestattet, das er 1768 in Altdorf begann. 1773 beendete er sein Studium und wurde kurz darauf als Predigtamtskandidat in Nürnberg angenommen. Im Jahr 1777 wurde er Stadtvikar und 1781 Diakon bei St. Jakob. Er wechselte 1798 zur Gemeinde St. Sebald, wo er ebenfalls das Amt eines Diakons innehatte. Neben seinem Pfarramt beschäftigte er sich intensiv mit der Geschichte der Stadt Nürnberg, insbesondere mit deren Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Außerdem war er Mitglied mehrerer Vereinigungen, zum Beispiel der Nürnbergischen Gesellschaft zur Beförderung vaterländischer Industrie.[4] Dann war er auch in der Nürnberger Sprach- und Literaturgesellschaft, dem Pegnesischen Blumenorden, wo er noch heute im Verzeichnis aller jemals aufgenommenen Mitglieder vermerkt ist.[5] In diesem Eintrag findet man auch weitere Angaben zu seiner Person. Unter anderem findet man hier sein Todesdatum, das auf den 21.1.1814 festgesetzt wird.[6]

Roth war neben seinen anderen Tätigkeiten auch ein äußerst fleißiger Autor und verfasste neben dem Wörterbuch, das in dieser Arbeit näher betrachtet wird, auch noch einige weitere Werke. Eine ausführliche Liste findet sich im Nürnbergischen Gelehrten-Lexicon. Hier nur eine kleine Auswahl, die die Interessengebiete von Roth angemessen abdecken[7]:

- Betrachtungen über die ganze Leidensgeschichte Jesu. Nürnberg 1786.
- Beschreibung des Religionswesens in Nürnberg. Leipzig 1789.
- Leben Albrecht Dürers, des Vaters der deutschen Künstler: Nebst alphabetischem Verzeichnisse der Orte, an denen seine Kunstwerke aufbewahrt werden. Leipzig 1791
- Johann Ferdinand Roth: Versuch einer Geschichte des Apothekenwesens in der freyen Reichsstadt Nürnberg. Nürnberg 1792.
- Johann Ferdinand Roth: Geschichte des Nürnbergischen Handels – Ein Versuch. Leipzig 1800.
- Verzeichnis aller Gesandten des größeren Nürnberger Rathes. Nürnberg 1802

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Johann Ferdinand Roth ein gelehrter Mensch war, der an Wirtschaft, Politik, vor allem Lokalpolitik, und Literatur interessiert war. Seine Interessen und auch sein heimatliches und berufliches Umfeld Nürnberg lassen darauf schließen, dass er wohl aufklärerischen Richtungen sehr zugeneigt war und versuchte, die Gedanken der Aufklärung in praktischer und theoretischer Natur weiter zu verbreiten.

Konzeption des Wörterbuchs

Einstellung des Autors zur deutschen Sprache und zu Fremdsprachen

Johann Ferdinand Roth war also ein Mann der Aufklärung. Das Weltbild der Aufklärung entstand durch die neuen Vorstellungen des Bürgertums, das zunehmend selbst für sich Verantwortung übernehmen konnte und wollte, Handel trieb und eigenen Besitz und Kapital erwarb. Unter diesen Bedingungen wollte es sich nicht mehr nach den Ideen der Oberschicht richten, sondern die eigene Vernunft sprechen lassen und nach dieser handeln. Es entstanden Universitäten und das Berufsfeld des Schriftstellers erfreute sich größter Beliebtheit. Gerade in Nürnberg, der Heimatstadt von Roth, gibt es zur Zeit seiner Geburt etwa sechzig und etwas später sogar über hundert Schriftsteller. In der Reichsstadt Nürnberg florierte zudem das Buch- und Druckergewerbe, was die Publikationsbereitschaft der meist aus dem geistlichen Bereich kommenden Autoren weiter förderte. Zunehmend befassten sich die wissenschaftlichen Publikationen nicht mehr hauptsächlich mit theologischen Themen, sondern wandten sich auch säkularen und naturwissenschaftlichen Themen zu. Das Besondere an Nürnberg war, dass sich bereits eine Art aufklärerische Grundstimmung bildete, bevor das Zeitalter der Aufklärung richtig angebrochen war. Es entwickelte sich, durch die publikationsfreudigen Gelehrten, zu denen auch Roth gehörte, und die insgesamt literaturbegeisterten Nürnberger, früh eine Basis für eine durch die Aufklärung geprägte Literatur, da sich schon vor dem Ankommen von aufklärerischen Tendenzen eine „literarisch-schöngeistige, gelehrt-wissenschaftliche oder politisch-publizistische Öffentlichkeit“[8] gebildet hatte. Diese war die ideale Voraussetzung für eine aufklärerische Publizistik, die aus der traditionell verankerten Schriftstellerei erwachsen konnte.[9] In diese Nürnberger Gesellschaft wuchs Roth also hinein und war, wenn man seine Biographie betrachtet, ein ideales Beispiel für den Nürnberger voraufklärerischen Gelehrten und Autor.

Roth begann seine schriftstellerische Karriere mit Publikationen aus dem theologischen Bereich, zum Beispiel Abdrucken seiner Predigten oder Aufsätze über religiöse Kernthemen. Nach diesen theologischen Werken beschäftigte er sich auch intensiv mit Handel und Politik seiner Heimatstadt. Schließlich kam er nicht umhin, sich auch mit dem Werkzeug seiner schriftstellerischen Kunst, der deutschen Sprache, auseinanderzusetzen und verfasste ein Wörterbuch, das den Umgang mit derselben erleichtern sollte. Seine Einstellung zu fremden Sprachen, aus denen sich die deutsche Sprache Worte entlehnt hatte, war nicht feindselig geprägt. Sein Wörterbuch enthielt neben entlehnten Worten auch viele indigene Worte, die er für erklärungsbedürftig hielt. Die deutsche Sprache war für Roth im Prinzip nur ein Mittel, um die Aufklärung weiter fortzutreiben. Er hielt Literatur für äußerst wichtig, damit die Menschen seiner Zeit die Möglichkeit hatten sich breit gefächert zu informieren. Dazu heißt es auch in der Vorrede zu seinem Wörterbuch: „Bekanntlich wird seit einigen Jahren auch in Oberdeutschland die Lektür immer allgemeiner, welche ich selbst, in meinem engen Wirkungskreiße, zu befördern suche.[10] Die Verbreitung von Literatur ist für ihn also sehr positiv. Generell findet man, auch im weiteren Verlauf der Vorrede, keine direkte Kritik daran, dass sich die Deutsche Sprache, auch in geschriebener Form, gewisser Worte aus anderen Sprachen bedient. Roth ist es allerdings wichtig, dass sich der Sprachstil in einem für alle gut verständlichen Rahmen bewegt, was allerdings sowohl Fremdworte als auch schwierige indigene Worte problematisiert. Er will mit seinem Wörterbuch generell „das Verständnis solcher Schriften“[11], er meint damit deutschsprachige Publikationen seiner Zeit, erleichtern. Der Schwierigkeitsgrad dieser Schriften ist allerdings nicht hauptsächlich auf Fremdworte zurückzuführen, sondern an der im Allgemeinen sehr kunstvollen Sprache der Autoren.

[...]


[1] Duden. Deutsches Universalwörterbuch. S. 2029.

[2] Mit Trivialschule wird „ursprünglich eine Lehranstalt bezeichnet, in welcher im Gegensatz zur Universität, nur das trivium (grammatik, dialektik, rhetorik) gelehrt wurde.“ (Grimm: Deutsches Wörterbuch. Bd.22. S.726.) Eine Trivialschule war also eine Art Lateinschule, die die Schüler auf eine weiterführende Schule oder die Universität vorbereitete.

[3] vgl. Will; Nopitsch: Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon. S. 319.

[4] vgl. Will; Nopitsch: Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon. S. 319f.

[5] siehe: Stammliste des Pegnesischen Blumenordens 1800-1899 http://www.irrhain.de/index.php?kategorie=pblo&inhalt=stammliste&sub1=1800_1899 [Stand: 11.2.12]

[6] vgl. ebd.

[7] vgl. Will; Nopitsch: Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon. S. 320-323.

[8] vgl. Seiderer: Formen der Aufklärung in fränkischen Städten. S. 116.

[9] vgl. ebd. S. 94-117.

[10] Roth: Gemeinnüziges Lexikon für Leser aller Klassen. 1. Teil. Vorrede. S. 1.

[11] ebd. 2. Teil. Vorrede. S. 1.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Johann Ferdinand Roth, Gemeinnütziges Lexikon für Leser aller Klassen. Eine Analyse
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Fremdwort und Fremdwortlexikographie
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V265042
ISBN (eBook)
9783656543862
ISBN (Buch)
9783656545170
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
johann, ferdinand, roth, gemeinnütziges, lexikon, leser, klassen, eine, analyse
Arbeit zitieren
Stefanie Bucher (Autor), 2012, Johann Ferdinand Roth, Gemeinnütziges Lexikon für Leser aller Klassen. Eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265042

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